1945 bis heute
Nach Kriegsende sollten noch drei Jahre vergehen, bis die Landesregierung und die Hochschulverwaltung dem Archiv wieder Aufmerksamkeit widmeten. Im April 1948 wurde der Kurator der Universität angewiesen, für den Aufbau eines Universitätsarchivs Sorge zu tragen. Allerdings hatte man dabei eher an eine Informations- und Dokumentationsstelle gedacht und versuchte, zwei Greifswalder Bibliotheksräte für diese Tätigkeit zu gewinnen. Doch der damalige Direktor der Universitätsbibliothek, Dr. Wilhelm Braun, dem der Unterschied zwischen bibliothekarischen und archivarischen Aufgaben bewusst war, wandte sich entschieden gegen diese Lösung.
während der 500-Jahrfeier der Universität
Nichtsdestotrotz wurde das neue "Archiv" eingerichtet und vom Pressesprecher der Universität in Personalunion geleitet. Der ehemalige Bibliothekar Dr. Karl-Maria Grimm und der Verwaltungsangestellte Robert Lange wurden als Archivare angestellt. Arbeitsfähigkeit und Bedeutung hat diese Einrichtung nie erlangt, so dass sie 1950 im von Prof. Hofmeister geleiteten "alten" Universitätsarchiv aufging. Hier hat Robert Lange in den folgenden Jahren eine grobe Ordnung und Standortverzeichnung der noch erhaltenen Archivalien, vor allem der Promotionsakten der Fakultäten vorgenommen.
Nach der Auflösung des Kuratoriums 1949 blieben die Geschäftsregistratur und das historische Archiv der Akademischen Administration herrenlos. So setzte sich die Einsicht durch, nunmehr alle Archivkörper der Universität zu vereinigen. Diese Aufgabe übernahm die bis 1955 im Stadtarchiv tätige Archivarin Gisela Simon. Als erste "Universitätsarchivarin" versuchte Simon bis 1957 die ganze Breite der großen Aufgaben in Übereinstimmung mit archivwissenschaftlichen Prinzipien zu lösen und legte damit den Grundstein für den Aufbau des Universitätsarchivs als wissenschaftliche Einrichtung.
mit Studierenden auf seiner legendären
"Karzer-Führung" (1977)
Mit zäher Entschlossenheit wurde diese Aufbauarbeit unter schwierigen Bedingungen seit 1958 vom Diplom-Historiker und Diplom-Archivar Manfred Herling geleitet, dem 1963 die Verwaltungsangestellte Herta Splitt und 1965 der Diplom-Historiker Horst-Diether Schroeder zur Seite gestellt wurden. Zwei Jahrzehnte Aufbauarbeit folgten, während der nicht nur das Archivgut der Universität gesichert, geordnet und verzeichnet wurde, sondern auch viele Kunstschätze der Universität durch die Archivare vor dem Untergang gerettet wurden.
Archivs, eröffnet die "Kunstschatz-Ausstellung" 1981
Das Archiv übernahm in diesen Jahrzehnten wesentliche Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit der Universität. Es gestaltete so erfolgreiche Ausstellungen wie "Greifswald zur Schwedenzeit" (1966), zum 450. Jahrestag der Reformation (1967), zum 200. Geburtstag Ernst Moritz Arndts (1969) und zum Cranach-Jahr (1972). In den 1980er-Jahren folgten die Ausstellungen "Universität und Territorium" (1981), die Bugenhagenausstellung (1985) und viele andere.
Nach über sechsjährigen hartnäckigen Nachforschungen gelang es Manfred Herling den Verbleib eines Teils der 1943/45 ausgelagerten Archivbestände zu ermitteln. Über 1.000 wertvolle Akten konnten 1965/66 nach direkten Verhandlungen mit der Generaldirektion der polnischen Staatsarchive und dem Staatsarchiv Stettin nach Greifswald zurückgeführt werden. Die nach Kriegsende im Staatsarchiv Hamburg und im Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem verwahrten Akten der Universität Greifswald kehrten 1987 und 1989 in das Universitätsarchiv zurück. Heute befinden sich noch kleinere Aktenbestände der Greifswalder Universität im Staatsarchiv Stettin.
im Universitäts-Hauptgebäude
Von 1976 bis 1979 erhielt das Universitätsarchiv neue Magazin-, Arbeits- und Benutzerräume im Hauptgebäude. Bis zu diesem Zeitpunkt verwahrte es etwa 800 laufende Meter Archivgut.
1980 und 1983 wurde das Universitätsarchiv durch Barbara Peters und Marianne Schumann verstärkt. 1987 und 1988 kamen Norbert Böttger und Brigitte Krüger hinzu, um die gewachsenen Aufgaben zu lösen.
Die Jahre 1989-91 brachten wichtige Veränderungen. Der Personalstamm des Archivs wurde auf drei Mitarbeitende verringert und die Pflege der Kunstschätze der 1989 eingerichteten Kustodie übertragen. Die Strukturreform der Hochschule brachte eine Schwerpunktverlagerung der Aufgaben des Archivs auf dem Gebiet der allgemeinen Schriftgutverwaltung der Universität und – wie überall im Beitrittsgebiet – zahlreiche Aktenübernahmen und Notbergungen mit sich.
Nach dem Ausscheiden Manfred Herlings 1998 übernahm Dr. Dirk Alvermann die Leitung des Archivs. Inzwischen waren die Aktenbestände auf einen Umfang von etwa 1.500 laufende Meter angewachsen, die Magazinkapazitäten des Archivs und seiner Außenstellen nahezu erschöpft. In dieser Situation erhielt das Archiv mit großzügiger Unterstützung der Hochschulverwaltung neue Räume im ehemaligen Sparkassengebäude in der Baderstraße 4-7, in denen der Großteil der Bestände zusammengeführt werden konnte.
Universitätsarchiv
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