Aus der akademischen Kunstsammlung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Monumentalgemälde von Otto Heyden "Herzog Wartislaw IX. übergibt Dr. Heinrich Rubenow die Szepter" (1856) *
Öl auf Leinwand, 303 x 376 cm
So stellte sich der einstige Greifswalder Student und spätere Kunstprofessor Otto Heyden (1820-1897) die Gründungszeremonie der Universität aus dem Jahr 1456 vor: Der Pommernherzog im prächtigen hermelingeschmückten Mantel übergibt dem ersten Rektor Heinrich Rubenow zwei große Zepter.
Die heutigen Investituren der Greifswalder Rektoren tragen zwar nicht mehr solch ein barockes Gepräge, aber ohne Talare und ohne die alten Amtsinsignien wären sie undenkbar. Seit 1990 sind wieder Rektorornat, vier Zepter, Kette und Ring in Benutzung. Erst seit 1999 bzw. 2002 konnten die historischen Roben von Rektor, Prorektoren und Dekane gegen neue getauscht werden. Die von der Karlsruher Künstlerin Martina Ziegenthaler kreierten Mäntel sind schlichter, dafür von größerem Tragekomfort.
Rektorornat (1619) von Henrik Möller *
Seidensamt mit Gold- und Silberstickerei, Durchmesser 158 cm
Der Stralsunder Perlensticker Möller fertigte diesen kostbaren Samtmantel im Auftrage des letzten Herzogs von Pommern-Wolgast an. Der Landesherr Philipp-Julius bezeugte mit der Stiftung des spanischen Radmantel für den Rektor seine enge Verbundenheit zur Hohen Schule.
Detail Wappen von Rügen – Rektorornat
Die filigrane Stickerei in Spreng- und Anlegetechnik, kostbare Gold-, Silber- und Seidenfäden sind kunstvoll zu einem Wappenrelief verarbeitet.
Großes und kleines Zepterpaar (1456/1459/1749) *
Silber, teilweise vergoldet, 112 cm und 87 cm
Nach neuen Recherchen des Universitätsarchivs sind die Zepter nicht mehr in ihrer ursprünglichen Gestalt aus der Gründungszeit 1456/1459 erhalten. Mehrere Restaurierungen und eine Überarbeitung durch den Silberschmied J. P. Berg gaben den hohlen Silberstäben weitest gehend ihre heutige Gestalt. Die originalen, aus der Zeit um 1456 anfertigten vergoldeten Inschriftenbänder an den beiden großen Zeptern nennen Papst Calixtus III., den Bischof von Cammin, Herzog Wartislaw IX. von Pommern-Wolgast sowie den Universitätsgründer Rubenow. Heute sind die Prunkstäbe nicht mehr Zeichen der Rechts- und Amtsgewalt des Rektors, sondern Kunstwerke mit einer langen traditionellen Nutzung bei akademischen Festakten.
Siegelring von Herzog Bogislaw XIV. von Pommern (um 1620) *
Gold emailliert, Saphir
Nur alle vier Jahre einmal wird er vom Rektor anlässlich seiner Amtseinführung getragen. Den Goldring trug der Herzog einst zum Siegeln von wichtigen Dokumenten am Daumen. Im Saphir ist das neunfeldige Wappen des Herzogtums Pommern eingraviert. Dem ehemaligen Besitzer dieses Ringes verdankt die Universität eine große Landschenkung, die sie zur größten Grundbesitzerin unter allen deutschen Hochschulen werden ließ.
Medaillon der Rektorkette (1619) *
Gold, Rubine, Diamanten
Anlässlich der Eheschließung des Herzogs Ernst von Croy mit der Schwester des letzten Pommernherzogs wurde das Bildnismedaillon angefertigt. Zu Ehren der Mitdargestellten Anna von Croy, geb. von Pommern, wurden ab 1680 die so genannten Croy-Feiern im Zehn-Jahres-Rhythmus an der Universität durchgeführt.
Doppelbildnis der letzen beiden Herzöge von Pommern (2. Hälfte 17. Jh.) *
Öl auf Leinwand
Das etwas dilettantisch anmutende Porträt stammt wahrscheinlich aus der Hand eines zeitgenössischen Laienkünstlers. Kulturhistorisch ist es aber als einzige malerische Darstellung der letzten pommerschen Herzöge von besonderem Interesse. Mit Philipp-Julius von Pommern-Wolgast verbindet die Greifswalder Hochschule noch heute der alte Rektormantel und mit Bogislaw XIV. der Siegelring und eine Landschenkung.
Porträt Anna von Croy (2. Hälfte 17. Jh.) *
Öl auf Leinwand, 78 x 57 cm
Dieses Leinwandgemälde kann zusammen mit dem Croy-Teppich seit 2005 im Pommerschen Landesmuseum Greifswald besichtigt werden. Es befindet sich im sog. Croy-Saal.
Estherteppich (16. Jh.) *
Leinen, Wolle, Seide und Metallfäden, 335 x 259 cm
In der Textiliensammlung befinden sich neben einer Reihe von Talaren auch der Nachlass des Gründers der Freester Fischerteppich-Knüpferei, Rudolf Stundl. Auch zwei Tapisserien aus der Renaissance gehören zur Sammlung: der Croy- und der Esther-Teppich. Der Esther-Teppich wurde als Hochzeitsteppich anlässlich der Trauung von Mitgliedern einer Greifswalder und Stralsunder Ratsfamilie in Auftrag gegeben. Wahrscheinlich über den herzoglichen Nachlass von Philipp I. von Pommern-Wolgast gelangte er in den Besitz der Universität.
Bildnis Prof. F. L. Hünefeld
von Wilhelm Titel (1784-1862)
Öl auf Leinwand, 53 x 56 cm
Das Gemälde des Naturwissenschaftlers gehört in die Reihe der berühmten Rektoren- und Dekansbildnisse, die zwischen 1831 und 1850 von dem akademischen Zeichenmeister Titel angefertigt wurden. Nach der Sanierung des Universitätshauptgebäudes im Jahre 2006 werden die Bildnisse wieder an ursprünglicher Stelle im Konzilsaal hängen. Als geschlossene Darstellung einer sozialen Körperschaft von einem Künstler stellt diese Porträtgalerie eine Besonderheit in der deutschen Malerei der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dar.
Bildnis Prof. Andreas Mayer
von Gabriel Spitzel, 1741
Öl auf Leinwand, 79 x 64 cm
Der verdienstvolle Mathematik- und Physikprofessor hat sich vor allem als Architekt des Universitätshauptgebäudes ein bleibendes Denkmal gesetzt. Herzstück ist die barocke Saalbibliothek, die seit 1882 als Festraum der Universität dient.
Porträtstatue Ernst Moritz Arndt am Rubenow-Denkmal
Gesamtentwurf des Denkmals von August Stüler 1856
Galvanisierter Zinkguss, Höhe 12,10 m
Anlässlich der 400-Jahr-Feier der Universität im Jahre 1856 wurden mit diesem neugotischen Denkmal verdienstvolle Wissenschaftler und weltliche Förderer der Universität geehrt. Unter den Herren befinden sich der Namenspatron Ernst Moritz Arndt sowie der Universitätsgründer Heinrich Rubenow, nach dem das Monument benannt wurde.
Das ehemalige Studentengefängnis: der Karzer
Für rund 30 Jahre saßen im Greifswalder Studentengefängnis nicht wenige Delinquenten ein. Davon zeugen noch heute die fantasievollen und farbenfreudigen Ausmalungen. Ein Karzeraufenthalt wegen verschiedener disziplinarischer Verstöße war seit dem Ende des 19. Jahrhunderts dank der Einführung einer neuen Karzerordnung durch den königlichen Universitätsrichter Konrad Gesterding sehr beliebt. Die Inkarzerierten hatten täglich Ausgang und durften Besuch empfangen. Heute ist der Karzer eine der beliebtesten Attraktionen für Besucher/innen Greifswalds.
Die mit * gekennzeichneten Kunstschätze werden im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald ausgestellt.
Universitätskustodin
Dr. Birgit Dahlenburg
Domstraße 11, Eingang 4
17489 Greifswald
Tel.: +49 (0)3834 86-1122/-23
Fax: +49 (0)3834 86-1124
kustodie@uni-greifswald.de
lat. custodia: Bewachung, Bewahrung, Aufsicht
