Leitbild
Selbstverständnis
Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald ist eine der ältesten europäischen Stätten der Forschung und Lehre von Rang. Als Pommersche Universität regional dem Ostseeraum verbunden, dient sie der Mehrung des Wissens und der Vermittlung von Wissen weltweit. Ihre stadtbürgerliche Gründung ist Verpflichtung zur Autonomie. Ihre lange Tradition versteht sie als Auftrag zu einer Modernität, die nachhaltig ist. Ihre Überschaubarkeit nutzend, begreift sie Wissenschaft als Netzwerk im Sinne der Partnerschaft von Lehrenden und Studierenden sowie der fachübergreifenden Zusammenarbeit. Ihr Ziel ist die Förderung und Entwicklung der Persönlichkeit, der Erkenntnis und der Fähigkeit zu verantwortlichem Handeln durch Wissenschaft. Sie pflegt ihre besonderen Verbindungen, namentlich in ihrer Region, im Ostseeraum und mit ihren Ehemaligen. Einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung Vorpommerns zu leisten sieht sie als eine wesentliche Aufgabe an.
Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald lädt Menschen jeglicher Herkunft ein, an akademischer Bildung teilzuhaben, gemeinsam Wissen zu erweitern und Kompetenz heranzubilden.
Forum der Wissenschaft
Die Universität Greifswald versteht sich als Ort und Institution des Austausches von Wissen und Können zu dem Zweck, individuell und gemeinschaftlich Erkenntnis und Fähigkeiten zu entwickeln, zu vermitteln und zu bewahren. In diesem Sinne begreift sich die Universität Greifswald als Forum der Wissenschaft.
Wissenschaft
In der Universität Greifswald als Forum der Wissenschaft treffen sich Wissenschaftler als Forscher und Lehrer, die durch methodengeleitete, nachprüfbare Arbeit Neues entdecken, schaffen und vermitteln. Forschung findet in der Universität Greifswald unter Nutzung ihrer Überschaubarkeit und ihrer Disziplinenvielfalt in besonderem Maße fachübergreifend statt. Organisationsformen institutioneller Art tragen ihre Berechtigung als Ort der Disziplinarität und grundständiger Studien in sich, die die Universität als essentielle Basis solider wissenschaftlicher Arbeit ansieht. Sie gestatten und erfordern jedoch die Entwicklung gemeinsamer interdisziplinärer oder transdisziplinärer Arbeit in einem beweglichen System von Forschergruppen. In diesem Sinne versteht sich die Universität Greifswald als Forschungsuniversität.
Lehre und Studium
Die Universität Greifswald gewährleistet im Studium sowohl Kompaktheit und Orientierungssicherheit in ihren Studienprogrammen als auch schöpferischen Freiraum. Dies geschieht in Anerkenntnis der Tatsache, daß die dem Studium gewidmete Lebenszeit und die Kapazitäten der Universität Greifswald knapp bemessen sind, daß aber ein Universitätsstudium zur Entwicklung von Persönlichkeiten beitragen muß, die ohne Anleitung und Weisung selbstverantwortlich und schöpferisch handeln sollen. Die Universität Greifswald strebt Exzellenz von Lehre und Studium an. Sie stellt daher hohe Ansprüche an Lehrende und Studierende.
Vielfalt, Modernität und Internationalität
Das Forum der Wissenschaft erfordert ein reiches und aktuelles Angebot. Zum Reichtum als Voraussetzung verknüpfbarer Potentiale gehört ein hinreichend breites Spektrum an Disziplinen. Der Innovation nicht nur thematisch-wissenschaftlich verbunden, pflegt die Universität Greifswald darüber hinaus ihre konzeptionelle Kompetenz, institutionell Wandel einzuleiten; vor allem dieser Kompetenz verdankt sie ihren Ruf als Reformuniversität.
Vielfalt der Disziplinen wird durch die Vielfalt der Ideen, der wissenschaftlichen Standpunkte, Prägungen, Schulen, Biographien und Ziele im Rahmen des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates komplementiert. Die Vielfalt der Menschen an der Universität Greifswald ist auch die Vielfalt internationaler Erfahrungen. Dazu gehört die Bereitschaft zur Mobilität von Wissenschaftlern und Studierenden als Möglichkeit und Bedingung der Persönlichkeitsentwicklung und fruchtbarer wissenschaftlicher Tätigkeit. Die Universität Greifswald fördert daher insbesondere den studentischen Austausch und die Entwicklung internationaler Studienprogramme sowie internationale Hochschulpartnerschaften.
Partner
Vielfalt versteht die Universität Greifswald auch als Verbundenheit der Generationen. Zu ihren Ehemaligen hält sie als Freunde und Förderer besonderen Kontakt. Ihre allgemeinbildenden und kulturellen Angebote versteht sie als Leistungen zur Steigerung der regionalen Attraktivität und lädt daher jedermann in der interessierten Öffentlichkeit ein, dieses Angebot anzunehmen. Vielfalt gewinnt die Universität Greifswald auch durch ihre internationalen Beziehungen und ausländischen Gäste als Wissenschaftler oder Studierende, um deren Gewinnung sie sich bemüht und denen sie ein persönlich und fachlich ertragreicher Ort sein möchte. Dabei richtet die Universität Greifswald ihr besonderes Augenmerk auf die Begegnung von Menschen im Ostseeraum.
Menschen und Institution
Vielfalt braucht zu ihrer Entfaltung und zu ihrer Attraktivität gute äußere Bedingungen des Forschens, Lehrens und Lernens. Dazu gehört eine entsprechende Ausstattung. Dazu gehört ebenso eine anregende, offene Arbeitsatmosphäre. Diese schafft die Universität Greifswald durch Förderung des kollegialen Umgangs, der sachnahen Mitwirkung der Beteiligten an universitärer Willensbildung und dadurch, daß die Selbstmotivation als primäres Verhaltensregulativ gestärkt wird. Beides gestattet eine eigenverantwortliche Selbststeuerung und erfordert ein Bekenntnis zu Autonomie und Demokratie.
Handlungsziele
Die Universität Greifswald erkennt, daß sie ihrem so formulierten Leitbild gegenwärtig zwar in erheblichem Umfang entspricht, daß aber kurzfristig weitere Maßnahmen abgeleitet und diskutiert werden müssen, um diesem Leitbild noch besser gerecht zu werden. Zu diesen Maßnahmen zählen die folgenden:
- Die Universität Greifswald unterstützt aufgrund ihres Selbstverständnisses als Forschungsuniversität die Forschung und verstärkt die ausgewiesenen Forschungsschwerpunkte auf der Ebene der Universität sowie der Fakultäten durch Bereitstellung von personellen und sachlichen Mitteln . Sie ermutigt insbesondere auch durch personelle und sächliche Unterstützung die Entwicklung neuer Forschungsschwerpunkte. Sie regt namentlich die Bildung von Forschergruppen – insbesondere in der Form von Sonderforschungsbereichen und Graduiertenkollegs - an, in denen auf Zeit verschiedene Disziplinen und Gruppen in problemorientierten Forschungsfeldern zusammengeführt werden.
- Die Universität Greifswald intensiviert den Wissenstransfer in Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu baut sie wirksame Transferverfahren auf und kooperiert mit externen Partnern. Die Universität Greifswald sieht dabei als Gegenstand des Wissenstransfers jedwede Erkenntnis einschließlich der geistes- und sozialwissenschaftlichen Gegenstände an.
- Die Universität Greifswald entwickelt für Lehre und Studium Programme und Programmbausteine, die wissenschaftlich angelegt sind, Forschung und Lehre auch disziplinübergreifend erlebbar zusammenführen und der Berufsorientierung der Studierenden sowie ihre Erwartung klar definierter Strukturen und Studienziele erfüllen. Dazu tragen die traditionellen Muster der Diplom-, Magister- und Staatsexamensstudiengänge bei, aber auch die Realisierung gestufter Bachelor-, Master- und Promotionsstudiengänge. Ferner sind Aufbau-, Zusatz- und Ergänzungsstudiengänge zu entwickeln, um lebenslanges Lernen an der Universität Greifswald zu ermöglichen.
- Die Universität Greifswald intensiviert die Studienberatung. Sie führt erforderlichenfalls Propädeutika ein.
- Die Universität Greifswald bekennt sich zur Internationalisierung ihrer Studiengänge und erkennt die Notwendigkeit, ihre Studierenden auf internationale Aufgaben vorzubereiten. Sie unterstützt und betreibt daher die Entwicklung internationaler Studiengänge einschließlich der Etablierung kooperativ entwickelter Curricula und kooperativ – hochschulübergreifender internationaler Studiengänge, insbesondere solcher mit multinationalen Abschlüssen.
- Die Universität Greifswald will jedem Studierenden den Erwerb einer Fremdsprache, schwerpunktmäßig des Englischen oder einer Sprache der Ostseeanrainer ermöglichen und ermutigt Studierende, von diesem Angebot Gebrauch zu machen.
- Die Universität Greifswald unterstützt die Nutzung der neuen Medien. Sie sieht darin eine Chance zu verstärkter Arbeitsteilung, zur Vergrößerung ihrer Potentiale und zur Erhöhung ihrer Außenwirkung. Dies gilt insbesondere für Weiterbildungsangebote und für die Förderung internationaler Zusammenarbeit.
- Die Universität verbessert ihre Außendarstellung. Sie verstärkt ihre Öffentlichkeitsarbeit, baut nachhaltig eine Alumniorganisation auf und professionalisiert die Einwerbung von Drittmitteln sowie das allgemeine Hochschulsponsoring.
- Die Universität Greifswald bekennt sich zu dem Prinzip der leistungs- und belastungsbezogenen Vergabe von Mitteln und Stellen. Zur verläßlichen und transparenten Verwirklichung dieses Prinzips entwickelt sie geeignete Instrumentarien und wendet sie an. Sie baut ein Controllingsystem auf.
- Die Universität Greifswald erkennt an, daß zur Realisierung der vorgenannten konkreten Maßnahmen eine Neugruppierung personeller und sächlicher Kräfte erforderlich ist. Sie unterstützt auf Kofinanzierung zielende Initiativen in der Hochschule, um die genannten Ziele durch transparente Bereitstellung persönlicher und sächlicher Mittel auf zentraler oder fakultärer Ebene zu erreichen.
- Die Universität Greifswald überprüft ihre Organisationsstruktur. Dazu gehört die Verwaltungsorganisation bzw. Verwaltungsarbeit ebenso wie die Akademische Struktur und deren Gremien sowie Ämter. Die verfassungsrechtlichen Grundlagen der Freiheit von Forschung und Lehre achtend, sind Organisationsmaximen die Förderung der Motivation der Hochschulmitglieder, die Stärkung der Kräfte zur Selbstorganisation, die Erfolgsorientiertheit und die Kohärenz der Universität als eine auf gemeinsame Ziele orientierte Einheit; dabei sind Rechtmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit des Handelns zu gewährleisten. Die Universität Greifswald erstrebt ein Höchstmaß an finanzieller Unabhängigkeit und an Unabhängigkeit von staatlichen Reglementierungen. Sie unterstützt darauf zielende interne Organisationsformen und politische Initiativen.
- Die Universität Greifswald stellt sich den Herausforderungen, die die Internationalität von Arbeitsmärkten, die Studierendenerwartungen und die Forschungsfelder, die technischen, didaktischen und organisatorischen Möglichkeiten und Herausforderungen moderner Medien, der Entstehung weltweit operierender Bildungsorganisationen und die lokale wirtschaftliche und demographische Schwäche mit sich bringen. Die Universität Greifswald vertieft daher transnationale, auch institutionelle Kooperationen zu dem Zweck, im Interesse der Regionalförderung durch Wissenschaft die Potentiale der Universität Greifswald mit dem Anspruch auf qualitatives und damit verträglichem quantitatives Wachstum zu entfalten und zu mehren.
Greifswald, den 21. Juni 2000
Der Senat der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald,
ausgefertigt vom Rektor,
Prof. Dr. Jürgen Kohler
Presse- und Informationsstelle
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