Aktualisiert am Samstag, 27. April 2006

IfA Alte Geschichte

 

 

Prof. Dr. phil.
Egon Flaig

Anschrift

Universität Greifswald
Institut für Altertumswissenschaften
Rudolf-Petershagen-Allee 1
D-17498 Greifswald
Tel.: 03834/86-3106

Sprechstunde: Mi 14-15
Dienstzimmer

 

 

 

 

 

 

1. KURZE VITA

- 1970- 1976 Studium in Stuttgart, an der Sorbonne (Paris I) und an der FU Berlin (Geschichte,Französisch, Lateinamerikanistik)

- 1977-1981 Referendar an Berliner Gymnasien (Geschichte, Französisch)

- 1982-1984 Arbeit als Übersetzer und in einem Consulting Büro (Gesundheitsprojekte in Chile), Studium der Philosophie

- 1984 Promotion. Doktorväter: Alexander Demandt (Alte Geschichte), Jacob Taubes (Philosophie)

- 1985-1991 Assistent am Seminar für Alte Geschichte in Freiburg (bei Jochen Martin)

- 1990 Habilitation in Alter Geschichte

- 1991-1993 Vertretung des althistorischen Lehrstuhls in Göttingen

- 1993-1997 Wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen

- Mai 1995 an der EHESS und am Collège de France auf Einladung von Pierre Bourdieu

- Seit dem 1.10.97 Inhaber des Lehrstuhls für Alte Geschichte in Greifswald

- März/April 2000 Gastprofessor am Centre Gustave Glotz (Sorbonne, Paris I)

- April / Mai 2001 Gastprofessor an der Universität Konstanz (SFB Norm und Symbol)

- Für 2003/2004 Einladung als Fellow ans Wissenschaftskolleg zu Berlin

 
2. WISSENSCHAFTLICHE AUSZEICHNUNGEN

Träger des Hans-Reimer-Preises der Aby-Warburg-Stiftung

Einladung als Fellow ans Wissenschaftskolleg zu Berlin (2003/2004)


3.  TÄTIGKEIT AN EINER AUSLÄNDISCHEN FORSCHUNGSANSTALT       

Mai 1995: Am Collège de France (u. EHESS, Paris) auf Einladung von Pierre Bourdieu (Soziologie).


4. GASTPROFESSUREN      

1.03. bis 30.04.2000 - Centre Gustave Glotz (Sorbonne, Paris I).

1.05. bis 30.06.2001 - Universität Konstanz (SFB "Norm und Symbol")


5. FORSCHUNGSORIENTIERUNG

Entstammt keiner althistorischen Schule’. Dezidiert theorieorientiert. Beeinflußt von der Cultural Anthropology was die Fragestellungen angeht. Theoretisches und konzeptuelles Instrumentarium ausgerichtet an der ‘anthropologisch’ verfahrenden Soziologie Pierre Bourdieus. Weit entfernt von der traditionellen deutschen Althistorie.
Dementsprechend viele interdisziplinäre Aktivitäten (v.a. am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung in Bielefeld, am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen, am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen).
 

 6. SCHWERPUNKTE IN DER FORSCHUNG

1.     Die politische Dimension von Ritualen (vor allem in Rom): politische Inszenierungen der Memorialkultur
(Leichenbegängnis), der fundamentalen Normen (Spiele, Gladiatur); die rituelle Dimension im Verhalten sozialer Gruppen innerhalb der institutionellen Prozesse (Volksversammlungen usw.)

2.     Kommunikation und Interaktion (vor allem in Rom): Verhaltensregeln im Umgang der Aristokratie mit dem römischen Volk, sowie der Aristokraten untereinander; Gesten und Performanzen, mit denen man Nähe oder Distanz signalisierte,mit denen man den Adressaten nötigen konnte usw.;

3.     Phänomene der Gruppenbildung: Heiratsstrategien, Formen der Reziprozitäts und des symbolischen Tausches.

4.     Normenkonstitution (vor allem in Hellas): Formulierung, Begründung, Geltung und Durchsetzung von Normen, sowie Normenkonflikte in ihrer Rolle für Gruppenbildung, für die Lebensführung sozialer Gruppen.

5.     Entscheidungsverfahren (vor allem in Hellas): Verfahren, um Dissens auszudrücken oder Dissens zu leugnen; Rückwirkung der Verfahren auf die entscheidbaren Gegenstände, Anforderung der Verfahren an die kommunikative Kompetenz, an das Verhalten und an die Struktur und Konstitution der Gruppen oder Gemeinschaften.

6.     Politisches Denken (in Hellas und im Rahmen der Rezeption antiker Konzepte in der Neuzeit): Gleichheit und Ungleichheit; Ausgrenzung von Menschen, denen die elementare Gleichheit abgesprochen wird (Sklaverei von Natur, Rassismus) Universalisierbarkeit von Normen; die Relevanz direkter Demokratie; Demokratiekritik.

7.     Politische Theologie: Gerechtigkeitsvorstellungen und Religion; Verhältnis von menschlicher Autonomie
(institutionalisierte Verfahren) zu übermenschlichen Ansprüchen (religiöses Charisma im politischen Raum); die Auswirkungen von radikaler Religiosität (Gnosis, Apokalypse) auf die Spannweite menschlicher politischer Verfügungen.

8.     Geschichtstheorie auf der methodologischen Ebene: Erprobung von Methoden, um das Eigengewicht der Diskurse in den sozialen Beziehungen zu eruieren, ebenso das Eigengewicht und die Logik der Praktiken; Erprobung von Ansätzen aus der Politischen Anthropologie (in einem grundsätzlich antibiologistischen Sinne), Auseinandersetzung mit hermeneutischen Ansätzen - unter einer ‘praxeologischen’ Perspektive im Sinne von Pierre Bourdieu.

9.     Geschichtstheorie auf der epistemologischen Ebene: Wahrheit und Objektivität in den Kulturwissenschaften; Universalisierbarkeit von kulturwissenschaftlicher Erkenntnis (Erprobung kantianischer und weberianischer Theoreme  im Hinblick auf die Infragestellung der Wissenschaft durch die Dekonstruktion).

10.    Historiographiegeschichte: Die historiographischen Weisen, Geschichte zum Zwecke kultureller und politischer Identitätssicherung zu gebrauchen (deutscher Historismus, Jacob Burckhardt); die politische Dimension im Verhältnis zur Autonomisierung der Fachdisziplin.