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Geschichte des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin



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Spiegelbild der Entwicklung, wechselvollen Schicksals und leidenschaftlicher Wiedergeburt der Medizinischen Hygiene in Mecklenburg-Vorpommern

Die Hygiene hat in Greifswald eine mehr als 100jährige Tradition. 1869 wurde durch den Militärarzt Kirchner in Greifswald das erste deutsche Lehrbuch der Militärhygiene verfaßt. 1879-1888 wurden an der Greifswalder Medizinischen Fakultät Lehrveranstaltungen und übungen durch die Physiologischen Chemiker Baumstark, Beumer und Haeckermann, den Pädiater Peiper, den Chirurgen Hueter und den Pathologen Grawitz zu folgenden Stoffgebieten eingeführt: Nahrungs- und Genußmittel, Gesundheitspflege, Untersuchung von Boden, Wasser und Luft, Antiseptik, Infektionskrankheiten, Entzündungslehre, Schutzimpfungen, Krankenhaushygiene.

Als 1883 die Hygiene in Deutschland als Prüfungsfach eingeführt wurde, hatte sich dieses Lehrfach in Greifswald bereits etabliert, und es waren die Voraussetzungen für den Fakultätsbeschluß, einen Lehrstuhl für Hygiene zu gründen, gegeben. Zunächst wurden dem Privatdozenten Beumer 2 Räume für hygienische Untersuchungen zur Verfügung gestellt. So konnte der mit Erlaß vom 29. Juni 1888 zum Ordentlichen Professor für Hygiene in Greifswald ernannte Stabsarzt beim "Königl. Medizinischen Friedrich-Wilhelm-Institut" in Berlin und 1. Assistent Robert KOCH's, Friedrich LOEFFLER, in ein provisorisches Hygiene-Institut einziehen und mit seinen Vorlesungen über Hygiene und Medizin beginnen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits die Erreger von Rotz, Schweinerotlauf und einer Schweineseuche gefunden. Mit seiner Entdeckung des Erregers der Diphtherie legte er die Grundlagen für die Bekämpfung dieser gefährlichen, weit verbreiteten Krankheit. 6 Jahre später hat er die hygienischen Grundsätze zur Eindämmung der Diphtherie ausführlich dargestellt. Friedrich Loeffler hat die Hygiene in ihrer universellen Einheit von Mikrobiologie, Virologie und medizinischer Umwelthygiene vertreten. Bei seinen Entdeckungen neuer Krankheitserreger war es ein Charakteristikum seiner Arbeit, daß er nicht bei der ätiologischen Aufklärung stehen blieb, sondern den Gesamtkomplex der hygienisch-antiinfektiösen Maßnahmen einschließlich der prophylaktischen Möglichkeiten erforschte und sich mit erstaunlicher Vitalität und Zivilcourage um die Durchsetzung seiner Ergebnisse bemühte. Die in die Geschichte der Hygiene eingegangenen Höhepunkte seines Schaffens in Bezug auf die Begründung hygienischer Grundlagen und Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten dürfen nicht darüber hinweg täuschen, daß Friedrich Loeffler in beharrlicher systematischer Arbeit eine Fülle von darüber hinaus gehenden hygienischen Problemen auf praktisch allen klassischen Teilgebieten der Hygiene erarbeitete. Nur ein typisches Beispiel für sein hygienisches Engagement: Als 1892 in Hamburg die große Choleraepidemie ausgebrochen war, nahm Friedrich Loeffler dieses furchtbare Ereignis zum Anlaß, das damals hygienisch rückständige Greifswald zu modernisieren und forderte von den Stadtvätern den Bau einer Kanalisation, was zunächst auf Unverständnis stieß. Er ließ sich nicht beirren und seine herzerfrischenden Worte "Und gebaut wird sie doch!" haben sich bald darauf verwirklicht. Auf dem Gebiet der Seuchenbekämpfung war das Greifswalder Hygieneinstitut unter Loeffler neben der Maul- und Klauenseuche-Forschung intensiv mit der Bearbeitung von Fragen, die sich aus der Einsendung seuchenhaft erkrankter Tiere ergaben, befaßt. Auch zur Tuberkulose hat Friedrich Loeffler eine Reihe experimenteller Untersuchungen durchgeführt und diese in der für ihn charakteristischen Weise zu einer hygienischen Gesamtsicht vereint, indem er die Tuberkulose in der Einheit von Ätiologie Erblichkeit, Immunität und Disposition behandelte. Seine Beiträge zur Chemotherapie am Modell des Trypanosomen-infizierten Meerschweinchens waren beispielhaft. Mit seinen Untersuchungen zum Rousschen Hühnertumor legte er die Basis zur Untersuchung der Virusätiologie von Tumoren. Aus der Analyse alter Vorlesungsverzeichnisse geht hervor, daß Friedrich Loeffler die Hygiene in der Lehre in der gesamten Breite vermittelte mit den Schwerpunkten Wasser-, Abwasser-, Lebensmittel- und Ernährungshygiene, Krankenhaushygiene, hygienisch-antiepidemische Maßnahmen und Gewerbehygiene.

Anläßlich des 100jährigen Jubiläums des Hygiene-Instituts 1988 haben alle aus dieser Einrichtung in der weiteren Spezialisierung hervorgegangenen Nachfolge-Institute als Symbol ihrer gemeinsamen prophylaktischen Zielsetzung in privater Initiative eine Gedenkplakette mit dem Bildnis von Friedrich Loeffler auf der Vorderseite und dem spätgotischen Wappen der alma mater gryphiswaldensis auf der Rückseite prägen lassen.

In der Periode der Tätigkeit des Hygiene-Instituts im umfassenden Sinn waren als Nachfolger von Loeffler so bedeutende Fachvertreter wie Römer (1913-1916), Friedberger (1916-1923), Prausnitz (1923-1926), Dresel (1926-1934), Stickl (1934-1936) und Herzberg (1937-1951) tätig, deren Namen mit einer Reihe herausragender Entdeckungen bzw. Forschungsleistungen verbunden sind. Unter dem Direktorat von Tartler wurde 1959 mit der Umsetzung der Staatsdoktorin einer Verselbständigung der prophylaktischen Disziplinen begonnen, um der Spezialisierung und gewachsenen Bedeutung der aus der Mutterdisziplin der Gesanten Hygiene hervorgegangenen Disziplinen Rechnung zu tragen. Parallel zur Gründung eines selbständigen Instituts für Medizinische Mikrobiologie wurde 1959 ein selbständiger Lehrstuhl für Allgemeine und Kommunale Hygiene unter Leitung von Weuffen gegründet. 1960 folgte die Verselbständigung der Lehrstühle für Sozialhygiene und für Arbeitshygiene. 1962 wurden diese drei Lehrstühle in einem neu gegründeten Hygiene-Institut unter Leitung von Knabe zusammengeführt. Erst 1985 wurden diese Lehrstühle in selbständige Institute umgewandelt. 1990 wurde das Institut für Allgemeine und Kommunale Hygiene in der fachlichen Erweiterung umweltmedizinischer Aufgaben als Institut für Hygiene und Umweltmedizin (IHU) nach Emeritierung von Weuffen seinem Schüler Kramer übertragen.

Das jetzige Institut gliedert sich in die Bereiche Krankenhaushygiene, Umweltmedizin mit umweltmedizinischer Ambulanz, Biokompatibilitätsprüfungen und Zentrale Dienste (Wahrnehmung der Funktion des Krankenhaushygienikers des Universitätsklinikums durch den Institutsdirektor und 2 Hygienefachkräften des Klinikums. Vier Gastlehrkräfte anderer Einrichtungen sind als Privat- bzw. Honorardozent in Lehre und Forschung des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin in enger Kooperation eingebunden.