letzte Änderung: 02.09.02

 

Institut für Ökologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Das Institut für Ökologie wurde am 15. Juli 1992 gegründet und am 3. September in Kloster auf der Insel Hiddensee feierlich eingeweiht. Die ökologische Forschung auf Hiddensee besitzt eine lange Tradition. Am 6. Juli 1930 gründete der Greifswalder Pflanzenökologe Erich Leick die "Biologische Forschungsstation Hiddensee" der Universität Greifswald, die 1936 in "Biologische Forschungsanstalt Hiddensee" umbenannt wurde. Auf der Suche nach einem geeigneten Umfeld für ökologische Arbeiten wurde bewußt Hiddensee gewählt, denn Leick erkannte, daß sich hier auf kleinstem Raum die verschiedenen Vegetationsformen vereinigten, die vom menschlichen Zugriff relativ unbeeinflußt waren.

Auch wenn Leick primär terrestrischer Ökologe war, wurden die wissenschaftlichen Arbeiten seiner Mitarbeiter auch auf meeresbiologische Aspekte ausgedehnt. Hier ist insbesondere der Hydrobotaniker Fritz Gessner zu nennen, der durch seine späteren Untersuchungen internationale Bedeutung erlangte. Es gelang Leick und seinen Mitarbeitern, auf Hiddensee eine Forschungsstätte aufzubauen, die bald in ganz Deutschland anerkannt war und von vielen Wissenschaftlern und Studenten aufgesucht wurde. Selbst namhafte Künstler, die die Insel besuchten, machten einen Abstecher zur Biologischen Forschungsanstalt, um sich über das breite Spektrum der biologischen Forschung auf Hiddensee zu informieren.

Nach dem 2. Weltkrieg begann 1946 der Wiederaufbau der Biologischen Forschungsanstalt. Traditionelle Forschungsgebiete, wie Brackwasserbiologie, Pflanzenökologie, Vegetationskunde und Ornithologie, wurden fortgeführt und erweitert. Leiter der Biologischen Forschungsanstalt wurde der Pflanzenökologe und Genetiker Robert Bauch, der zugleich das Institut für Pflanzenökologie in Greifswald leitete. Nach Auflösung der Biologischen Forschungsanstalt im Zuge der 1968 vollzogenen Hochschulreform entstanden zwei selbständige Einrichtungen, die der neu gegründeten Sektion Biologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität zugeordnet wurden: die Biologische Station Hiddensee und die Vogelwarte Hiddensee.

Im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands mußte auch über Perspektiven der Forschungseinrichtungen auf Hiddensee nachgedacht werden. Dies betraf die "Versuchsstelle Schwedenhagen des Zentralinstitutes für Elektronenphysik", die "Versuchsstelle Fährinsel des Zentralinstitutes für Mikrobiologie und Experimentelle Therapie Jena", die "Biologische Station Hiddensee" und die "Vogelwarte Hiddensee" der Sektion Biologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Dabei reifte der Gedanke, die wissenschaftlichen Einrichtungen der Insel zusammenzufassen und daraus ein "Institut für Ökologie" der Universität Greifswald an diesem einzigartigen Standort zu gründen. Hierzu nahm ein von der Landesregierung eingesetztes Gründungskomitee unter dem Vorsitz von Prof. Overbeck im November 1991 seine Arbeit auf, die mit der feierlichen Gründung des Institutes am 3. September erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Als Direktor wurde Lutz-Arend Meyer-Reil aus Kiel berufen.

Schwerpunkte der wissenschaftlichen Forschungen am Institut sind Untersuchungen zum Stoffhaushalt in den Nordrügenschen Boddengewässern.

Das Institut ist mit 24 Planstellen ausgestattet, davon 9 Stellen für Wissenschaftler. Nach Renovierung und Ausrüstung des Institutsgebäudes Schwedenhagen konnte das Institut im Sommer 1993 seine Arbeit aufnehmen. Als unentbehrliches Hilfsmittel für Lehre und Forschung steht eine Forschungsbarkasse zur Verfügung, die eine Entnahme von Wasser- und Sedimentproben in den Boddengewässern sowie die Messung hydrophysikalischer und hydrochemischer Parameter direkt vor Ort ermöglicht. Für die Studentenausbildung werden Kursräume und Unterkünfte bereitgehalten, die auch von Gruppen aus anderen Hochschulen genutzt werden. Die Laborausstattung wurde durch Zuwendungen aus dem Landeshaushalt und Drittmitteln aus Projekten auf einen hochmodernen Stand gebracht, der den heutigen hohen Anforderungen in der aquatischen Ökologie gerecht wird.

Das Institut für Ökologie versteht sich als ein Zentrum der Boddenforschung. In diesem Sinne werden seit 1993 jedes Jahr Arbeitstreffen auf Hiddensee durchgeführt. Ziel dieser schon zur Tradition gewordenen Treffen ist es, ein Forum zu gestalten, auf dem eine breite wissenschaftliche Diskussion zu Problemen der Boddengewässer/Boddenlandschaft mit jährlich wechselnder Schwerpunktsetzung möglich ist. Eine fachübergreifende Betrachtung im Sinne eines Küstenzonenmanagement wird dabei angestrebt.

Am 01.01.1999 wurde die AG Pflanzenökologie als eine neue Arbeitsgruppe des Institutes für Ökologie gegründet, die aus fachlichen und logistischen Gründen ihren Sitz im Botanischen Institut in Greifswald hat.


 

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Institutsgebäude am Schwedenhagen

 


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Forschungsbarkasse "Prof. F. Gessner"

Indienststellung: 1991 (ex NVA-Barkasse)
Heimathafen: Kloster
Länge: 14,0 m
Breite: 4,0 m
Tiefgang: 1,0 m
Beiboot (geschleppt): Länge 5,5 m, 30 PS
Besatzung: 2 Mann
Fahrtbereich: Boddengewässer
Einsatzbereich: Nordrügensche, Darß-Zingster, Greifswalder Bodden, Gewässer bis Odermündung
Ausrüstung: Bug- und Heckanker (elektrisch)
A-Rahmen mit Winde 400 kp (hydraulisch)
Hilfsdiesel (16 KW)
Arbeitsdeck 6 m2
Radar und Echolot
DGPS und PC-LOG
UW-Video- und -Fotokameras
CTD-Sonden
Laborraum (z. B. Autoanalyser)
Multicorer (4 ungestörte Sedimentproben)

Das Schiff ist nach Fritz Gessner benannt, der bei der Gründung der Biologischen Station Hiddensee durch Prof. E. Leick im Jahr 1930 dessen Assistent war. Vom Beginn der 60er Jahre bis zu seinem Tode 1972 hatte er den Lehrstuhl für Meeresbotanik am Institut für Meereskunde in Kiel inne.


Die nachfolgende Karte enthält eine Markierung der Wege (rote Pfeile) vom Hafen Kloster zu den im Ortsteil Kloster gelegenen Gebäuden des Institutes für Ökologie.

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