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Friedlandprojekt
Klappe die 12. – Kunstpädagogisches Projekt an der Kooperativen Gesamtschule Friedland WS07/08

Am 28./29./31.03.2008 konnten die StudentInnen des Caspar-David-Friedrich-Instituts wieder einmal erleben als Lehrkörper Auge in Auge mit der Zielgruppe in eine Vermittlungssituation zu treten. Nicht nur LehramtsstudentInnen sondern auch Magister und Master können jedes Semester das Lehrangebot von Roland Mieth nutzen und ein Wochenendprojekt planen und am Friedländer Gymnasium umsetzen. Das hat Tradition und das CDFI gehört zu den Bildungspartnern.
Zur Zeit wird am 13. Einsatz getüftelt.

Tüfteln
15 Studentinnen, die sich mehr oder weniger gut kennen, setzen sich 3 Monate 1x pro Woche an den Tisch um auf ein sinnvolles und sinnliches Thema zu kommen für eine nicht genau bekannte Zielgruppe von SchülerInnen. Sie müssen sich einigen auf Ziel/Inhalt/Methode/Kunstpädagogische Relevanz. Zur Vorbereitung gehören auch das Entwerfen von Plakat und Flyer, deren Druck und Verbreitung, das Schreiben und Verschicken von Sponsorenbriefen (beispielsweise gab es diesmal 300 € von der Sparkasse Mecklenburg-Strelitz), das Bilden von Fahrgemeinschaften und die Formulierung des Antrages auf Kostenrückerstattung beim L.I.S.A., Arbeitsteilung und Organisation bezüglich Vorbereitung und Durchführung des Wochenendes, das Ausstatten einer Delegation zum Infotreffen an der Schule zwei Wochen vor dem Projekt, mit PowerPoint, Werbetrommel und Ablaufplan im Kopf.
Es gilt dem Ganzen Sinn zu geben und einen Konsens zu entwickeln zu Fragen wie: Was soll vermittelt werden, warum welche Kunst, welche Künstler. Dann ergeben sich meist je nach Technik und Inhalt 3 Workshops. Das Projekt funktioniert nach dem Werkstattprinzip und soll auch sonst dem Anspruch der „2. Moderne der Kunstpädagogik“ genügen.
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Hä? Genaumeinding
Moderne Kunstpädagogen gehen von Erfahrungen und Erlebnissen aus, die in der Lebenswirklichkeit zu gewinnen, umzusetzen und anzuknüpfen sind. Sie begreifen das Produzieren, Rezipieren und Reflektieren als wechselseitig miteinander verbundene kunstgemäße Tätigkeiten, in denen und durch die sich bei SchülerInnen der Erwerb und die Vervollkommnung von Kompetenzen vollziehen. Kunstunterricht soll als eigene Art produktiver Lebens- und Welterfahrung, Weltaneignung und Wirklichkeitsveränderung genutzt werden. Vom Leben direkt in die Kunst. Es ist nahe liegend, dass der Focus bevorzugt auf zeitgenössische Kunst gelegt wird. Strategien umzusetzen mit allem, was die Kunst an Medien zu bieten hat ist zeitgemäß in Kunst+Unterricht. Es geht aber für die SchülerInnen nicht darum nachzumachen, was Künstler hervorgebracht haben oder KunststudentInnen ansagen, sondern vielmehr darum ein Gestaltungsprinzip zu erkennen und dabei die eigene Situation zu reflektieren, virtuelle Zusammenhänge herauszustellen und auf neue Fragen zu kommen.

Künstlerisch- ästhetische Arbeit provoziert in jedem Fall die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. Die so in Gang gesetzten Prozesse werden lustvoll erlebt, da sie auf den Möglichkeiten menschlicher Freiheit beruhen und dabei den ganzen Menschen ansprechen. Ein solches Schulprojekt sollte deshalb als ein offenes Lernarrangement konzipiert sein.
Ein moderner Kunstpädagoge weiß, dass erstens alles anders kommt und zweitens als man denkt und drittens, dass es ok. ist.
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Das Projekt läuft
Identität ist die Überschrift des Projektes, darunter ordnen sich Ziel, Inhalt und Methode. Identitätsfindung, die Kämpfe um Identität und das In-Fragestellen von vorhandenen Identitäten, ist Hauptaufgabe, Tagewerk von Jugendlichen. Irgendwie nahe liegend erscheint der Bezug zur Farbe Weiß. So fällt die Wahl des tragenden Elementes im Projekt. Denn Weiß blendet die Identität aus, bildet aber auch einen zurückhaltenden Hintergrund um Identitäten hervorzubringen. Manchen SchülerInnen wird beigebracht, dass Weiß eine Nicht-Farbe sei; was ist sie dann? Da kommen die Kunststudenten, Kunstschaffenden, ins Spiel, sie schaffen einen Wochenendmoment des Erforschens, Feststellens und Schlussfolgerns.
Drei Werkstätten bilden sich, nach Interesse und Vorlieben sind es Malerei, Skulptur und Performance/Fotografie. Die über 20 teilnehmenden SchülerInnen werden von jeweils 2-3 Studentinnen betreut.
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Malerei:
Gegenstand der ästhetischen Forschung in der Malereigruppe waren Schuhe mit denen eine besondere Geschichte verbunden ist, oft mit biografischen Verweis. Diese galt es mit dem Medium der Malerei, Duktus, Mischtechniken, Collagen, Reliefs auf Papierformaten hell bzw. weiß zu interpretieren. Unter dem Motto „Freies Mischen“ konnten dann unter Verwendung tonig abgemischtem Weiß lichte Bilder entstehen, Erfahrungen mit Tonwerten gemacht und der Umgang mit Materialitäten beeinflusst werden.
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Skulptur:
Den Kern der Skulpturen bildeten Gegenstände aus dem Leben der Kinder und Jugendlichen, die von ihnen als interessant genug erachtet wurden, dass man ihnen ein geheimes Doppelleben zutrauen könnte. Mit Gipsbinden und weißer Farbe wurde den Dingen ein neuer Zusammenhang verpasst. Sie wurden unförmig, verfremdet zu Ausstellungsstücken; auf Podesten in den Kunsthimmel gehoben. So lösten sich Kuscheltiere, künstliche Früchte in strahlendem Weiß auf; bereit für eine neue Zuschreibung. Das Weiß der möglichen „Irgendwasse“ verleiht ihnen einen skulpturalen Charakter.
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Performance/Fotografie:
Der dritten Gruppe ging es darum den Menschen als Skulptur im Raum zu inszenieren. Der bekannteste Vertreter zeitgenössischer Skulptur ist wohl Erwin Wurm mit seinen „One minute sculptures“. Darunter findet man fotografisch fixierte Situationen, in denen sich verschiedene Protagonisten für einen kurzen aber entscheidenden Moment skulpturalen Handlungen aussetzen. Lapidare Utensilien und alltägliche Schauplätze bestimmen ebenfalls die Inszenierungen, die Aktionen sollen prinzipiell von jedem an einem beliebigen Ort nachvollziehbar sein. Der zeitgenössische Künstler verweist auf den Menschen – auch ohne dessen Präsens. Das Mensch-Sein ist ästhetischer Forschungsgegenstand, auch mit Hilfe profaner Dinge, wie Stuhl, Besen oder Kleidung. Oft lassen sich bei Erwin Wurm weiße Gegenstände finden, er bedient sich der Farbe auf Grund ihrer Leuchtkraft, als Eyecatcher, als Hinwei(ß)er. Als eigentlicher Bildhauer ist ihm der Raumbezug immer wichtig und gehört zum Thema dieser Kunstwerke, dementsprechend werden Raum, Material, Zeit, Mensch nicht unterbelichtet, sondern hinsichtlich ihrer Identität hinterfragt.

In Form von technisch einwandfreien, inszenierten Fotografien oder Anleitungen, Arrangements wird die Verschmelzung von Wahrnehmung und Idee als Moment festgehalten und präsentierbar. Diese Strategie zur Darstellung des Menschen und seiner Identität sowie zur Ausdehnung des Alltäglichen konnten SchülerInnen der 8.- 11. Klasse in dieser Gruppe ausprobieren, nachempfinden und verwerten. Weiß diente ihnen dabei als Wegwei(ß)er.
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Was ist entstanden?
Ausgestellt wurden also dann am Montag Zeichnungen, Malereien, Skulpturen und Fotos. Zur Dokumentation und zur technischen Problemlösung bezüglich neuer Medien standen drei Schüler als eine hausinterne „mediale Eingreiftruppe“ bereit.
Die Präsentation an der Friedländer Gesamtschule verläuft nach einem schon traditionellen Schema: Eröffnung im Auditorium der Pausenhalle, Begrüßung übers Mikrophon zu Stuhlreihen, auf denen Lehrer, Schüler, Projektteilnehmer und Sponsoren Platz genommen haben, kleine Extrainszenierungen der Gruppen, Diashow auf Leinwand mit Beamer als Einblick in das Wochenende, Worte vom Schulleiter, der Fachkonferenzleiterin (Eva Mieth) und von den Studentinnen sowie Applaus und Blumen an eben diese.

Das 12. Projekt reiht sich ein in die Relevanz seiner Vorgänger und wir wünschen für das kommende viel Spaß und gute Erfahrungen.

Die Kooperative Gesamtschule Friedland gehört zu den besten Schulen des Landes, einer Umfrage zufolge ist die allgemeine Stimmung unter Schülern und Lehrerschaft sehr gut. Präsentiertes Profil zur Kreativschule und Ausstattung lassen Lehrerherzen höher schlagen.
Weitere Informationen zur Besonderheit der Schule auf der Website: http://nfg24.de/kgs/index.html

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