An der Universität Greifswald hat am 1. Mai 2000 das Graduiertenkolleg
"Kontaktzone Mare Balticum: Fremdheit und Integration im Ostseeraum"
seine Arbeit aufgenommen. Das Kolleg wird u.a. vom Historischen Institut und vom Nordischen Institut, insbesondere auch vom Lehrstuhl für Nordische Geschichte getragen. Im Rahmen des Kollegs werden in den kommenden Jahren regelmäßig Promotions- und Postdoktorandenstipendien vergeben werden.
Nehmen Sie bei Interesse gerne Kontakt mit uns auf!
"Kontaktzone Mare Balticum: Fremdheit und Integration im Ostseeraum" Profil des Lehrstuhls für Nordische Geschichte
Prof. Dr. Jens E. Olesen
Der Lehrstuhl für Nordische Geschichte setzt mit seiner Forschungsarbeit punktuelle Schwerpunkte im gesamten Zeitraum vom Mittelalter bis in die Zeitgeschichte. Besonders behandelt werden derzeit unter anderem der politische, wirtschaftliche und mentale Wandel im mittelalterlichen Ostseeraum, die nordischen Unionen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit (insbesondere auch die politischen Auseinandersetzungen zwischen Königtum und Reichsräten), der Kampf zwischen Dänemark-Norwegen und Schweden-Finnland im 17. Jahrhundert ("Dominum Maris Baltici"), die Geschichte Schwedisch-Pommerns, neuzeitliche Bildungsgeschichte, politische Kulturen und Mentalitäten seit dem 19. Jahrhundert sowie die Beziehungen zwischen den skandinavischen Ländern und Finnland einerseits sowie Deutschland und Europa andererseits, insbesondere auch für die Zeit des Zweiten Weltkriegs und die Nachkriegszeit.
Im Mittelpunkt des Graduiertenkollegs sollen Wahrnehmung, Verhältnis und Entwicklung der skandinavischen Völker von der machtpolitischen staatlichen Rivalität/Feindschaft bis zur skandinavischen Staatengemeinschaft stehen. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang die Frage nach den Auswirkungen von Stereotypen in Politik und Alltag. Interessant wäre in diesem Zusammenhang, welche Stereotypen die Auseinandersetzung um das Dominium Maris Baltici schuf und in welchem Maße sich diese von denen der Kalmarer Union und denen des Zeitalters des Skandinavimus des 19. Jahrhunderts unterschieden. Die literarische Verarbeitung historischer Erfahrungen und ihre Rezeption werden dabei gemeinsam mit der Skandinavistik und Slawistik analysiert.
In der bisherigen Forschung wurden die Beziehungen zwischen den nordischen Ländern und Europa, die sich besonders im Spätmittelalter vielfältig entwickelten, intensiv untersucht. Begriffe wie Zentrum-Peripherie, Integration-Desintegration dienten als Leitfaden. Eine Gesamtdarstellung, z. B. über die Außenpolitik der Kalmarer Union und die deutsch-skandinavischen Kontakte, existiert aber noch nicht. Es fehlen auch Untersuchungen zum Verhältnis zwischen Dänemark und Schweden in Literatur, Kunst und politischer Propaganda der Frühen Neuzeit. Studien über die skandinavische Auffassung vom Fremden im 18.-20. Jahrhundert sind ebenfalls sehr erwünscht, stellen aber nach wie vor ein Forschungsdesiderat dar.