Rechenschieber
Zur Geschichte des Rechenschiebers
Die Erfindung des logarithmischen Rechenschiebers war erst möglich,
als man die Logarithmen entwickelt hatte. Der Schweizer Mathematiker
Jost
Bürgi (1552 bis 1632) berechnete in den Jahren 1603 bis 1611 die
erste Logarithmentafel. Da er diese aber erst 1620 veröffentlichte,
kam ihm der schottische Gutsbesitzer Lord Napier of Merchiston (1550
bis 1617) im Jahre 1614 zuvor. Napier hatte seine Logarithmen (Verhältniszahlen)
unabhängig von Bürgi berechnet. Beide hatten nicht an eine bestimmte
Basis oder an ein System der Logarithmen gedacht. Erst ein Freund von Napier,
der Oxforder Professor Henry Briggs (1556 bis 1630), hatte schon
1615 den Vorschlag gemacht, die 10 zur Basis zu wählen. Er
gab 1624 eine Logarithmentafel heraus, die seinen Namen trug, daher auch
die Bezeichnung Briggssche Logarithmen für die dekadischen
Logarithmen.
Zehn Jahre nach dem Erscheinen der Napierschen Logarithmen, also im
Jahre 1624, teilte der englische Theologe und Mathematiker Edmund
Gunter (1581 bis 1626) der Pariser Akademie der Wissenschaften den
Grundgedanken der logarithmischen Skala mit. Sie wurde nach ihm
,,Gunter-Skala''
genannt. Zum Rechnen bediente man sich eines Stechzirkels. Diese sogenannte
Gunter-Skala
war ein Lineal aus Buchsbaum von ca. 60 cm Länge (2 foot) und ca.
5 cm Breite (2 engl. Zoll) mit einseitig abgeschrägter Kante. Den
ersten bedeutenden Fortschritt brachte der Vorschlag des Engländers
William Oughtred (1575 bis 1660, ebenfalls Theologe und Mathematiker), an Stelle
des ungenauen und unbequemen Stechzirkels eine zweite kongruente Skala
zu benutzen. Er hat damit aus der Gunter-Skala den Rechenschieber gemacht.
Robert Bissaker baute 1654 einen Rechenschieber mit beweglichen Zungen, die
in einem Stabkörper liefen, den Vorläufer des späteren Einseiten-Rechenschiebers.
Seth Partridge (1603 bis 1686) wird als Erfinder eines weiteren Modells
genannt (um 1657), das von dem Instrumentenbauer Walter Haynes in London
hergestellt wurde. Partridges Erfindung war der Urtyp des später so
praktischen Doppelseiten-Rechenschiebers. Der spätere französische
Artillerieoberst und Professor für Mathematik Amédée
Mannheim (1831 bis 1906) stellte um 1850 ein neues Skalensystem vor,
das nach der Jahrhundertwende seinen Namen in die ganze Welt trug. Mannheim
griff den Gedanken des Läufers wieder auf und entwickelte eine voll
funktionierende und lange Zeit benutzte Variante. Die Hauptskalenordnung
bringt mit der Bezeichnung A!B und C!D aneinander gleitende
Skalenpaare gleicher Unterteilung, nämlich von 1 - 100 an oberer
und 1 - 10 an unterer Gleitfuge.
Einer der ersten deutschen Hersteller von Rechenschiebern war der berühmte
Instrumentenbauer
G. F. Brander (1713 bis 1783) aus Augsburg. Erst
gegen Ende des 19. Jahrhunderts tritt der Rechenschieber mit den Produktionen
der Firmen Dennert & Pape, A. W. Faber und
Nestler, später auch Reiss, seinen Siegeszug in Deutschland
an. 1902 stellte der Ingenieur Max Rietz aus Erfurt, aus
den Grund- und Quadratteilungen, der Kubus- und Logarithmenteilung auf
der Stab-Vorderseite und den Winkelfunktionen auf der Zungen-Rückseite
einen neuen erweiterten Typ, das System RIETZ zusammen. Im Institut
für praktische Mathematik der Technischen Hochschule Darmstadt wurde
unter Leitung von Professor Dr. Alwin WALTER 1934 eine Teilungsanordnung
unter Einbeziehung einer dreifachen Exponentialteilung entwickelt. Dieser
Rechenschiebertyp ist unter den Namen System DARMSTADT bekannt.
Auf der Leipziger Messe 1965 stellte der VEB Meß- und Zeichengerätebau,
Bad Liebenwerda, den neuen Rechenstab REISS-Duplex vor. Dieser Rechenstab
hatte 30 Skalen, nämlich LL00,LL01,LL02,LL03,DF
! CF,CIF,BI,CI,C ! D,LL3,LL2,LL1,LL0und
auf der Rückseite K,T1,T2,DI,A ! Sh1,Sh2,Th,S,
C ! D,S,P,ST,L - eigentlich alles, was man an gängisten Skalen
unterbringen konnte, was aber zu Lasten der Übersichtlichkeit ging.
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