Universität im Rathaus

Universität im Rathaus

Portrait Sabine Salloch
Jan Körnert
Dr. Martin Helmut Langanke

Programm der Universität im Rathaus für das Sommersemester 2017

8. Mai 2017, 17:00 Uhr

Im 100. Jahr der finnischen Selbständigkeit feiert auch die politische Reiseliteratur Finnlands ein Jubiläum. Da sowohl die politische als auch die kulturelle Geschichte Finnlands eng mit der Geschichte Deutschlands verbunden ist, wundert es nicht, dass das Interesse der Finnen an reiseliterarischen Beobachtungen und Interpretationen deutscher Zeitgeschichte besonders groß ist. Die Schilderung einer Deutschlandreise markiert sogar den Anfang des Genres überhaupt. Johan Vilhelm Snellman (1806–1881), der fin­ni­sche Staats­mann und Philosoph, war 1842 der er­ste große finnische Kulturreisende, der seine Eindrücke in li­te­ra­ri­scher Form nie­der­legte. Gerade in historischen Umbruchszeiten wurden Reiseberichte von ihren Verfassern teilweise ganz bewusst als Instrument zur politischen Meinungsbildung eingesetzt. Die Recherchetiefe und Quellengenauigkeit konnte dabei je nach Autor eine enorme Bandbreite aufweisen. Der Gattungspionier J.V. Snellman lässt 1842 neben seinen persönlichen Eindrücken auch Gerüchte und Anekdoten in  seine Reportage einfließen. Auf eine in Berliner Akademiekreisen aufgeschnappte Bemerkung, geht beispielsweise ein abschätziges Urteil über die Greifswalder Universität zurück. Olavi Paavolainen (1903–1964), der spätere Intendant des finnischen Rundfunks, bereiste Deutschland im olympischen Jahr 1936. Anders als Snellman reduzierte er seine Darstellung aber auf die Dokumentation und Interpretation unmittelbarer subjektiver Wahrnehmungen und gibt so auch ein Selbstzeugnis von der teuflischen Verführungskraft nationalsozialistischer Ideologen ab. Weitere Themen, die Prof. Dr. Marko Pantermöller in seinem Vortrag mit „finnischen Augen“ beleuchtet, sind das geteilte Berlin, die deutsche Wiedervereinigung und die Erweiterung der Europäischen Union.

Deutschland mit finnischen Augen: 175 Jahre politische Reiseliteratur in Finnland

Prof. Dr. phil. Marko Pantermöller (Philosophische Fakultät)

29. Mai 2017, 17:00 Uhr

Die Frage nach der ethischen Bewertung der Selbsttötung hat die Menschheit schon seit Jahrhunderten bewegt. Pro- und Contra-Positionen sind häufig bereits an der Wahl von Bezeichnungen wie „Freitod“ oder „Selbstmord“ zu erkennen. Die unterschiedlichen Einstellungen zu diesem Thema werden auch heute noch häufig vehement und ideologisch aufgeladen vertreten oder aber das Thema wird tabuisiert. In jüngster Zeit wurden die politischen und gesellschaftlichen Diskussionen vor allem im Hinblick auf die Zulässigkeit von „Sterbehilfeorganisationen“ sowie die Rolle der Ärzteschaft geführt. Was unterscheidet aber die akute Suizidgefährdung eines psychisch Kranken von dem wohlüberlegten und selbstbestimmten Wunsch eines terminal erkrankten Patienten nach ärztlicher Hilfe bei der Selbsttötung? Welche ethischen und rechtlichen Prinzipien sind zu beachten, welche Freiheiten des Einzelnen in der Gesellschaft zu respektieren? Im Vortrag werden die Themen Suizid und Suizidassistenz aus interdisziplinärer Perspektive in den Blick genommen. Historische und philosophische Aspekte werden dabei ebenso beleuchtet wie die aktuelle Praxis und die standesethische Positionierung der Ärzteschaft.

Zeichen der Freiheit oder Ausdruck psychischer Erkrankung? Suizid und Suizidassistenz aus ethischer Perspektive

Jun.-Prof. Dr. med. Dr. phil. Sabine Salloch (Universitätsmedizin)

19. Juni 2017, 17:00 Uhr

Magnetismus ist ein altes Forschungsgebiet. Sogenannte „Südweiser“, die Vorgänger der heutigen Kompasse, fanden schon im frühen China Anwendung in der Seefahrt. Heutzutage wird das Phänomen des Magnetismus in vielen modernen Anwendungen genutzt. Markus Münzenberg stellt in seinem Vortrag das spannende Forschungsgebiet des Magnetismus dar und gibt anschließend einen Ausblick über aktuelle Themen und Forschungen zur Spinelektronik.
Magnetismus ist ein kollektives Phänomen. Einzelne Atome tragen ein magnetisches Moment. Dies ist eine Eigenschaft ihrer Elektronenhülle. Im Kristall können sie sich in manchen Materialien gleich ausrichten und bilden dann durch ihre Ausrichtung den Nord- und Südpol des magnetischen Materials aus.
In jedem Dynamo und Elektromotor kommen die Materialien zum Einsatz. Um Anlasser und Lichtmaschine leicht und günstig zu gestalten, war die Materialentwicklung ein großes Forschungsthema. Heute hängen die Elektromobilität und die Windrotoren von effektiven Materialien ab. Ziel ist es hier, möglichst Materialien mit einem großen magnetischen Moment zu entwickeln, damit die Dynamos kompakter und leichter konstruiert werden können.
Ohne Magnetismus gäbe es auch keine moderne Informationstechnologie. Seit 1995 ist es günstiger Informationen auf magnetischen Datenspeichern (Festplatten) zu speichern. Mit den Folgen die wir heute sehen – Cloudcomputing, Datenbanken wie Wikipedia, Facebook und Twitter verändern den Zugang zu Informationen und somit auch die Gesellschaft, drastisch.
Heute diskutiert man die Nutzung von Spins in einer spinbasierten Elektronik. Die Spinelektronik befasst sich mit der Informationsdarstellung und –verarbeitung. In diesem Forschungsgebiet werden neue Konzepte der Prozessierung von Daten entwickelt und höhere Datendichten bis auf atomarer Skala angestrebt – ein spannendes Zukunftsthema für die Festkörperforschung.

Dreitausend Jahre Magnetismus: Vom Kompass zur Informationstechnologie, zu Elektromobilität und Windturbinen

Prof. Dr. rer. nat. Markus Münzenberg (Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)

3. Juli 2017, 17:00 Uhr

Die ausufernde Staatsverschuldung ist in Europa ein seit Jahrzehnten ungelöstes Problem. Zwar keimte mit der Einführung des Euros und dem damit verbundenen Streben nach Stabilität und Disziplin neue Hoffnung auf; diese geriet jedoch schon vor Ausbruch der Finanzkrise wieder ins Wanken. Die Hoffnung auf Schuldenabbau zerschlug sich vollends, als man unter Umgehung europäischer Verträge und gegen den Willen der Gründungsväter damit begann, den Schuldenmachern freie Hand zu lassen. Seit die Europäische Zentralbank mit der Prinzipienlosigkeit der Politik Arm in Arm geht, müssen erfolgreiche Länder für den Misserfolg anderer Länder einstehen.
Mittlerweile liegen die Zinssätze bei 0 Prozent. Nur so können sich marode Euroländer überhaupt noch frisches Geld und weitere Schulden leisten. Die Zeche zahlen vor allem die Sparer derjenigen Volkswirtschaften, die dem süßen Gift des dauerhaften Schuldenmachens weniger stark verfallen sind. Hoffnung ist derzeit nicht in Sicht, denn naturgemäß setzen die Regierungsparteien im Vorfeld von Wahlen alles daran, die schwerwiegenden Verfehlungen ihrer Amtszeit zu verdrängen und Misserfolge zu vertuschen. Wie man das Dilemma hätte rechtzeitig auflösen können, schildert Jan Körnert in seinem Vortrag.

Ein verdrängtes Dilemma: Zins- und Schuldenpolitik in Europa

Prof. Dr. rer. pol. Jan Körnert (Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät)

Dr. Martin Helmut Langanke
10. Juli 2017, 17:00 Uhr

Die Tierethik stellt eine junge Teildisziplin der Ethik dar. Sie geht davon aus, dass Tiere ethisch betrachtet „um ihrer selbst willen“ schützenswert sind. Demnach darf Tieren weder ohne triftigen Grund Leid zugefügt werden, noch dürfen sie in ihrem Verhalten erheblich eingeschränkt werden.
Innerhalb der modernen Tierethik existieren unterschiedliche Ansätze diese ethischen Minimalstandards für den Umgang  mit Tieren zu begründen. Tierrechtsdeontologische Ansätze gehen davon aus, dass Tieren kategorische Rechte in Analogie zu Menschenrechten zustehen. Bedürfnis- und interessenbasierte Perspektiven der Tierethik stehen diesen gegenüber. 
Martin Langanke fragt in seinem Vortrag anhand konkreter Beispiele nach, welche Konsequenzen sich aus dem bedürfnis- und interessenbasierten Ansatz für eine ethische Vertretbarkeit der menschlichen Tiernutzung ableiten lassen.

Tierethik – Umrisse eines bedürfnis- und interessenbasierten Ansatzes

Privatdozent Dr. phil. Martin Helmut Langanke (Theologische Fakultät)

Mit dem 8. Mai 2017 startet wieder die beliebte Vorlesungsreihe „Universität im Rathaus“. Der Oberbürgermeister der Universitäts- und Hansestadt Greifswald Dr. Stefan Fassbinder und der Organisator der Vortragsreihe Prof. Dr. Matthias Schneider werden gemeinsam mit dem ersten Referenten Prof. Dr. phil. Marko Pantermöller das Sommersemester eröffnen. 

Die circa einstündigen Vorträge finden im Bürgerschaftssaal des Rathauses (Am Markt) statt und sind für Rollstuhlfahrer erreichbar. Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei, eine vorherige Anmeldung nicht erforderlich. 

Über die Universität im Rathaus

Die Vortragsreihe „Universität im Rathaus“ stärkt die Verbundenheit zwischen der Universität Greifswald und der Bevölkerung in Stadt und Umland. Die Reihe wird gemeinsam von Stadt und Universität organisiert.

Greifswalder Wissenschaftler stellen ihre Forschungen und ihre Forschungsergebnisse so der breiten Öffentlichkeit vor. Die Professoren treten ohne Honorar auf, die Stadt stellt den Bürgerschaftssaal mietfrei zur Verfügung. Somit muss kein Eintritt verlangt werden, obwohl hochkarätige Referenten gewonnen werden konnten.

Dass die Vorträge im Rathaus und nicht in der Universität stattfinden, gehört zum Konzept. Damit soll ein breites Publikum erreicht werden. Aus diesem Grund ist es auch das Anliegen der Referenten, ihr Fachwissen für alle verständlich zu vermitteln.


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