Greifswald goes International

Alexander Seliger

Studium in Greifswald

Landscape Ecology and Nature Conservation LENC (M.Sc.)

Aktivität im Ausland

Erasmus+ Semester an der Inland Norway University of Applied Sciences, Campus Evenstad (Norwegen)

Master of Applied Ecology (M.Sc.)

Zeitraum

August 2017 - Januar 2018

Wieso ich ins Ausland gegangen bin?

„Ich wollte schon immer wissen, wie es ist eine Zeit lang im Ausland zu studieren. In Norwegen möchte ich meinen persönlichen und fachlichen Horizont erweitern, meine Sprachkenntnisse ausbauen, neue Freundschaften schließen und das wunderschöne Norwegen besser kennenlernen.
Ich war zwar schon öfter im Ausland, unter anderem für die Datenaufnahme meiner Bachelorarbeit im subtropischen China oder für eine geographische Exkursion im tropischen Mittelamerika, aber wie es ist im Ausland zu studieren, dass weiß ich (noch) nicht. Wahrscheinlich ist das auch der ausschlaggebende Punkt wieso ich ein Auslandssemester mache. Ich möchte wissen, wie es ist. Ich denke, dass man letztendlich die Dinge bereut, die man nicht getan hat und nicht diejenigen, die man getan hat. Jede neue Erfahrung bringt einen meiner Meinung nach irgendwie weiter."

15. Februar 2018 - All Erasmus things come to an end...

Gut 7 Wochen ist es nun her, dass ich das verschneite Evenstad und den kleinen Campus mitten im norwegischen Nirgendwo hinter mir gelassen habe und zurück nach Deutschland gekommen bin. Zeit für ein kleines Resümee von meinem Aufenthalt im hohen Norden:
Müsste ich mein Auslandssemester in einem Satz zusammenfassen würde ich wohl sagen: „Es war eine großartige Erfahrung, die ich in meinem Leben auf keinen Fall missen möchte und ich bin sehr froh, dass ich sie gemacht habe“.
Ich bin froh über die vielfältigen neuen Erfahrungen, die ich machen durfte, über die Bekanntschaften und Freundschaften mit Menschen aus allen Ecken der Welt, über den einmaligen Einblick in die norwegische Kultur und das Studiensystem, über die vielen Dinge, die ich gelernt habe, über die Erkenntnis, dass es noch Regionen in Europa gibt, wo man im Winter im Schnee stecken bleiben kann (im wahrsten Sinne des Wortes!), über die tollen Erasmus-Veranstaltungen, über die unendliche Weite des Waldes und vieles mehr. Besonders gefreut hat mich, dass ich genau eine Woche bevor ich aufgebrochen bin noch in den Genuss kam, Nordlichter zu sehen – eine wunderschöne Erfahrung!

Natürlich wäre es blauäugig zu sagen, dass jeder Tag während des halben Jahres in Norwegen großartig und toll war. Natürlich gab es auch Tage an denen man sich gefragt hat, was man eigentlich hier macht. Zum Beispiel, wenn man merkt, dass das Studium doch mehr Zeit abverlangt, als man es sich zu Beginn vorgestellt hat oder wenn durch die Schneemassen mal wieder der Strom im Haus ausfällt. Aber ich denke, das ist auch eine Erkenntnis, die das Leben ausmacht: Es kann nicht immer alles "perfekt" sein.
Alles in allem bleibt ein positives Gefühl, dass ich aus dem Abenteuer Norwegen mitnehme und das ich für nichts in der Welt missen möchte.

Evenstad, wir werden uns ganz bestimmt bald wiedersehen!

09. Dezember 2017 - Weihnachtsmarkt in Røros

An diesem Wochenende ging es mit einer ganzen Busladung internationaler und norwegischer Studierender in die – wenn man Wikipedia glauben mag – einzige Bergstadt Norwegens: Røros. Die Busfahrt dauerte sage und schreibe 2:30h; und „das alles für einen Weihnachtsmarkt“ fragt ihr euch?! Ja, hier sind die Entfernungen eben ein bisschen anders einzuschätzen und ich kann sagen es hat sich dennoch gelohnt! Allein schon die Fahrt durch die weiten Täler entlang der großen zugefrorenen Flüsse und eingerahmt von schneebedeckten Bergen und Wäldern war es wert.
Røros ist eine charismatische skandinavische Kleinstadt in der man das Gefühl bekommen kann, dass es den Weihnachtsmann vielleicht doch geben könnte. Die bunten Holzhäuser eingepackt von einer dicken Schneedecke und der Geruch nach weihnachtlichem Gebäck haben meine Vorfreude auf Weihnachten auf jeden Fall deutlich gesteigert.
Und anders als ich es aus Deutschland kenne, gibt es hier die Möglichkeit mit Schlittenhunden über die anliegenden Wiesen zu fahren, Rentiere zu bestaunen oder Pferde, die riesige Schlitten durch die Straßen ziehen. Wir probierten uns durch die zahlreichen Stände, die weihnachtliches Gebäck zum Probieren anboten, suchten nach Weihnachtsgeschenken und genossen die entspannte Stimmung. Auf dem Heimweg sahen wir aus dem Bus heraus noch einen Elch in der Abenddämmerung – ein perfekter Abschluss des Tages.

24. November 2017 - Auf nach Oslo!

Winterliche Kuriositäten aus Evenstad:
Als es neulich angefangen hat zu schneien, wollte es 2 Tage lang nicht mehr aufhören und das Ergebnis waren 35-40cm Neuschnee - die Haustür aufzubekommen wurde somit zur Kraftprobe.
Die Temperaturen sind seit geraumer Zeit im zweistelligen Minusbereich - etwas, dass ich von Zuhause gar nicht mehr wirklich kenne.
Das Auto vor dem Haus zu finden wird immer schwieriger - da lässt sich doch bestimmt ein Spiel draus machen?!
Und die Autoscheiben sind sowohl von Außen, als auch von Innen gefroren - was bedeutet: doppelt kratzen.
Mit dem Auto im Schnee stecken bleiben, weil die Straße nicht geräumt war, ist mir bisher auch noch nicht passiert - gut, dass der Nachbar ein Auto mit 4-Radantrieb und ein starkes Seil hat, um uns rauszuziehen.

Ein guter Moment also, um mal ein Wochenende Auszeit vom Winter-Wonderland zu nehmen und ein bisschen Urban Life in Oslo zu genießen.
Auf dem Programm durfte natürlich auch das klassische Sight-Seeing nicht fehlen, bei dem wir zu Fuß durch die Straßen von Oslo zogen und die zahlreichen Attraktionen & Sehenswürdigkeiten bestaunten.
Die Stadt war schon richtig weihnachtlich geschmückt und auf den etlichen Weihnachtsmärkten gab es allerlei Leckereien zum Probieren, handgemachte Klamotten & Kunstgegenstände, Riesenräder, Schlittschuhbahnen und vieles mehr.
Außerdem standen unter anderem der botanische Garten, ein Kinobesuch und eine herausfordernde Kletterhalle auf dem Programm.
Alles in allem war es ein sehr schönes Wochenende und ein netter Einblick in norwegisch-winterlich-städtisches Ambiente :)

29. Oktober 2017 - Schnee Ende Oktober, wo gibts denn sowas?

Da sitzt man nichts ahnend in der Bibliothek und bereitet sich auf die Klausuren des ersten Blocks vor, da fängt es plötzlich an zu schneien und hört 2 Tage lang nicht mehr auf. Ende Oktober habe ich das bisher noch nicht erlebt - umso schöner wars! Jedoch ist daraufhin direkt der Strom ausgefallen - zum Glück nur für ein paar Stunden. Mein Mitbewohner meinte das passiert jeden Winter. Letztes Jahr wäre der Strom eine Woche lang weg gewesen. Ich bin mal gespannt, wie es diesen Winter wird.

Nachdem ich die Prüfungen hinter mich gebracht habe, ging es für eine Winterwanderung raus in die Berge - das Beste um den Kopf nach dem Prüfungsstress frei zu bekommen. Es war ein schöner sonniger Tag, der Schnee glitzerte in der Sonne und am Ende hatten wir tatsächlich einen kleinen Sonnenbrand - erst einmal wieder den Vitamin D-Haushalt etwas aufgefrischt :)

05. Oktober 2017 - Der Herbst ist da, die Schafe nicht (immer)!

Der Sommer in Norwegen ist relativ kurz und deshalb sollte man, wenn möglich, jeden einzelnen Sonnenstrahl wertschätzen, nutzen und genießen. Das habe ich mit einem Kommilitonen getan und zwar bei einer wunderschönen Herbstwanderung. Viele Blätter sind es hier nicht, die sich verfärben können, weil es hauptsächlich Nadelbäume gibt. Aber ein paar Birken haben sich zu einem kleinen Farbenspiel hinreißen lassen! Ansonsten habe ich mich neben der Uni die letzten 2 Wochen, um den Hof von unseren Nachbarn gekümmert, während sie im Urlaub waren. Das hieß die Hühner aus dem Stall lassen, füttern, Wasser nachfüllen und abends wieder in den Stall scheuchen. Die Schafe haben die Abwesenheit ihrer Besitzer dazu genutzt ständig aus ihrem Gehege auszubrechen und mich auf Trapp zu halten. Meistens habe ich sie irgendwann auf der Wiese vor unserem Haus wiedergefunden. Schafe ohne Herdenhund einzufangen ist gar nicht so einfach, aber mit dem richtigen Lockmittel hats dann doch geklappt.
Als Bezahlung durfte ich mich im heimischen Gemüsegarten bedienen :)

18. September 2017 - International's Cabin Trip

Die letzten 2 Tage ging es für ein Hüttenwochenende in die Berge bei Lillehammer - möglicherweise bekannt durch die gleichnamige Fernsehserie oder die olympischen Winterspiele 1994 - mit Einheimischen und Einigen der internationalen Studierenden. Wir organisierten genügend Autos, luden alle bis unters Dach voll mit Klamotten, Schlafsäcken, Essen, Trinken, einer Gitarre, uns und jeder Menge guter Laune, um anschließend eine knappe Stunde lang über holprige unasphaltierte Waldstraßen an unser Ziel zu gelangen.

Das Haus war direkt im Wald an einem rauschenden Gebirgsbach gelegen und bot allen 26 Menschen genug Platz, um sich frei zu entfalten. Nachdem sich das große Gerangel um die besten Schlafplätze gelegt hat, wurde das Abendessen vorbereitet - Nudeln mit Tomatensoße und Salat. Jedoch landete der Salat durch ein Missgeschick der Köche in der Soße statt in einer Extraschüssel - es war aber dennoch erstaunlich lecker. Den Abend verbrachten wir mit Gesellschaftsspielen, guten Unterhaltungen und einer Gitarrensession draußen im hölzernen Lavvu (norwegischer Begriff für ein Tipi) am Lagerfeuer.

Am nächsten Tag stand es jedem frei zu tun und lassen, was er oder sie wollte. Manche schnappten sich die Kanus und machten eine Tour auf dem Fluss, andere gingen angeln und ich entschied mich mit ein paar Anderen zu wandern, um Tuva, den höchsten Berg (1090 m ü. NN) in der Umgebung, zu besteigen. Da die Beschilderung irgendwann im Nichts verlief und kein Pfad mehr erkennbar war, mussten wir uns selber unseren Weg durch den borealen Nadelwald bahnen, fanden aber letztendlich sicher ans Ziel. Auf dem Rückweg hatten wir ein ähnliches Problem. Zum Glück trafen wir eine norwegische Schäferin, die uns den richtigen Weg zeigte. Eine Herde von Schafen hatte sie an diesem Tag gefunden, auch wenn es nicht ihre Eigenen waren. Wir waren jedenfalls glücklich als wir rechtzeitig zum Grillen wieder zurück waren.

Am nächsten Tag ging es wieder zurück Richtung Evenstad. Wir hatten ein wirklich schönes Wochenende!

8. September 2017 - Einfach mal abhängen!

Die letzten Tage waren unitechnisch recht intensiv mit Präsentationen, Assignments und Reports. Aber am Ende hat doch alles gut funktioniert. Genau der richtige Moment also, um in die 70 Kilometer entfernte größere Stadt Elverum (ca. 21.000 Einwohner) zu fahren und sich etwas an der Boulderwand auszutoben. Am Campus in Evenstad gibt es zwar auch eine kleine Wand, aber zur Feier des Tages sollte es mal ein bisschen was anderes sein. Wer die Sportart Bouldern nicht kennt: es ist eine Art zu klettern - jedoch ohne Seil und bis zu einer Höhe von der man jederzeit gefahrlos abspringen kann.

Mittlerweile hat sich auch eine kleine Gruppe von internationalen Studierenden zusammengefunden, die versuchen einmal die Woche dorthin zu fahren und den Sport gemeinsam zu betreiben. Das macht auch deutlich mehr Spaß in der Gruppe!

27. August 2017 - Sonnenaufgang über den Wolken

 

Zur Feier der erfolgreich absolvierten zweiten Uniwoche haben es sich ein paar internationale Studierende zum Anlass genommen den nächstgelegenen Berg "Rognvola" (968m ü. NN) zu besteigen und die Nacht unter dem Sternenhimmel zu verbringen - mit Isomatte, Schlafsack und jeder Menge Marshmallows.

Da wir noch eine Gruppenarbeit beenden mussten, konnten ein Kommilitone und ich erst später als der Rest loswandern. Aber letztendlich haben wir es doch noch genau  rechtzeitig zum Sonnenuntergang geschafft, der übrigens wunderschön war! Glücklicherweise hatten die anderen schon genügend Holz gesammelt und das Lagerfeuer war im vollen Gange. Wir erzählten uns Geschichten, grillten Marshmallows über dem Feuer und hatten einen sehr schönen Abend. Als ich mich später in meinen Schlafsack mummelte, konnte ich mit dem Blick auf scheinbar Millionen von Sternen am Firmament einschlafen. Ein toller Moment!

Wir stellten uns den Wecker, um am nächsten Morgen den Sonnenaufgang zu sehen. Als ich aufwachte war mein Schlafsack von einer leichten Eisschicht überzogen; es muss wohl um die -4°C gehabt haben. Zum Glück kein Problem für meinen Schlafsack!
Nach der Nacht wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenaufgang und einem überragenden Blick ins Tal belohnt. Nach dem Frühstück, einer warmen Tasse Tee und einem letzten Blick ins Tal, machten wir uns gemeinsam an den Abstieg.

20. August 2017 - Die erste Woche in Evenstad, ein kleines Resumé.


Der Masterstudiengang Applied Ecology hat mit 15 Teilnehmenden eine gute Gruppengröße und ist sehr international besetzt. Meine Kommiliton*Innen kommen aus Nepal, Pakistan, Ungarn, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und natürlich aus Norwegen (wobei sie mit nur 2 Personen eher spärlich vertreten sind).
In der Ersti-Woche war es bei den vielen nachmittag- und abendlichen Veranstaltungen sehr einfach möglich -neben den eigenen Komilitonen- auch andere Leute kennenzulernen und erste Kontakte zu knüpfen.
Was hier sofort auffällt: Das Lehrkonzept im norwegischen Master unterscheidet sich deutlich von meinem Masterprogramm in Greifswald! Alle Vorlesungen haben einen sehr starken Seminarcharakter. Mitdenken und Mitarbeiten wird stetig gefordert und gefördert. Es werden während der Vorstellung neuer Inhalte immer wieder Übungs- und Diskussionsfragen eingebaut und somit stehen die Studenten untereinander und mit dem Dozenten stetig in einem konstruktiven Austausch. Außerdem sind die einzelnen Lehrveranstaltungen inhaltlich eng miteinander verknüpft und die benoteten Reports beinhalten theoretisches und pratkisches Wissen aus allen Kursen. Zudem gibt es regelmäßige Assignments und so kann es sein, dass man desöfteren kleinere Präsentationen hält, sich in Gruppen Themen selbstständig erarbeitet oder zur nächsten Sitzung wissenschaftliche Paper ließt und dazu befragt wird. Das ganze ist sehr fordernd und man hat viel zu tun. Aber dafür lernt man auch wirklich viel und hat schnell das Gefühl, die Dinge gut zu verstehen. Prinzipiell gefällt mir das Lehrkonzept ziemlich gut. Mal schauen, wie es sich in den nächsten Wochen so verhält.

Abschließend: Einen schöneren Mensa-Außenbereich kenne ich persönlich nicht! :)

14. August - Ein Campus zum Wohlfühlen

Der erste Tag am Campus macht definitiv Lust auf die nächsten Monate! Wenn man von weitem kommt, würde man nicht erwarten, dass sich bald Universitätsgebäude auftun werden, wenn einem ein Straßenschild nicht vom Gegenteil überzeugen wollen würde.
Der Campus liegt idyllisch gelegen direkt an der Glåma, einem mäandrierenden naturnahen Fluss, und ist eingerahmt vom Bergen, Wald und Feldern. Genau der richtige Ort, um angewandte Ökologie zu studieren! Alles macht einen guten, modernen Eindruck und das Programm der Ersti-Woche klingt vielversprechend: Begrüßungsveranstaltungen, Campusführungen, viele Freizeitaktivitäten, Parties und sympathische Menschen. Lasset das Semester beginnen!

12. August 2017 - Das Ziel ist erreicht!

 

Nach einem 15 stündigen Roadtrip, einer 4 stündigen Fährfahrt  und 3 Übernachtungen im Norden von Dänemark, an der schwedischen Westküste und im Süden Norwegens ist das Ziel erreicht. Dies ist mein Zuhause für das nächste halbe Jahr. Das Haus ist etwas abseits vom Campus und liegt direkt am Wald. Ideal, um nach einem harten Unitag abzuschalten und die Natur zu genießen. Die WG scheint super nett zu sein und ich glaube ich werde die Zeit hier genießen können.

09. August 2017 - Die Reise kann beginnen!


Ich habe das große Glück mir für das nächste halbe Jahr ein Auto leihen zu dürfen. Das macht die Anreise und das Vorankommen vor Ort deutlich einfacher, weil meine WG und der Campus relativ ländlich gelegen sind. Außerdem kann man die Fahrt als kleinen Roadtrip nutzen und unterwegs die dänische, schwedische und norwegische Landschaft genießen. Gut, dass ich ein paar Tage vor Semesterbeginn losfahre.
Das Auto ist gepackt und es kann losgehen. Die Vofreude steigt!