Greifswald goes international

Karibikstrand beim Nationalpark Cahuita

Karibikstrand beim Nationalpark Cahuita

Ein Faultier am Rumhängen

Ein Faultier am Rumhängen

Golfito - eine Kleinstadt am Pazifik

Golfito - eine Kleinstadt am Pazifik

Höhlenexpedition

Höhlenexpedition

Der Kratersee des Vulkan Irazú

Der Kratersee des Vulkan Irazú

Julia Ellerbrok

Studium in Greifswald

Biodiversität & Ökologie (M.Sc.)

Aktivität im Ausland

Masterarbeit in Kooperation mit der Universidad de Costa Rica (Costa Rica)

Zeitraum

August - Oktober 2018

Wieso ich ins Ausland gegangen bin?

Ich habe mein bisheriges Studium stets in Deutschland verbracht , ohne ERASMUS, Praktikum oder Ähnliches im Ausland. Das sollte sich mit meinem Masterprojekt ändern;  quasi als fulminanter Abschluss einer sehr erfüllten Studienzeit. Ich bin gespannt, neue Menschen, Landschaften und Lebensweisen kennenzulernen!

Die Tropen üben als einer der Biodiversitäts-Hotspots schlechthin eine besondere Anziehungskraft auf mich aus. Über die AG „Angewandte Zoologie und Naturschutz“ konnte ich den Kontakt zu einigen äußerst engagierten und erfahrenen Fledermaus- bzw. HöhlenforscherInnen in Costa Rica herstellen. Die zahlreichen Höhlen und verlassenen Mienen Costa Ricas bieten zum Teil vielen Hunderten Fledermäusen auf einmal Unterschlupf. Doch die Ökologie dieser „Fledermaushöhlen“ ist noch wenig erforscht. Im Rahmen meiner Masterarbeit untersuche ich, wie sich der kontinuierliche Eintrag von Nähstoffen in Form von Fledermauskot (welcher als guter natürlicher Dünger bekannt ist) auf das Pflanzenwachstum in Umgebung der Höhlen auswirkt. Vielleicht gibt es hier eine bisher unerkannte Ökosystemdienstleistung zu entdecken?"

27. Oktober 2018 - Zweite Hälfte Costa Rica und Rückblick

Karibikstrand beim Nationalpark Cahuita
Einer der farbenprächtigsten Vögel Costa Ricas - der Tukan
Ein Faultier am Rumhängen
 

 

Es stellte sich heraus, dass ich ein Glückspilz bin. Auch im September und Oktober stand Feldarbeit an - mal mehr, mal weniger - abgelegenen Fledermaushöhlen auf dem Plan. Meine Kollegin Mira hatte mich davor gewarnt, diese Expeditionen nach ihrer Abreise Ende August allein zu unternehmen (giftige Tiere, rasant anschwellende Flüsse und mehr), aber wie sollte ich mir in diesem mir fremden Land Helfer und Transport organisieren?

Die Antwort ergab sich, als ich kurz vor Miras Abreise ihren Freund Michael kennenlernte. Michael hatte – zu seinem Unglück, zu meinem Glück – gerade seinen Job verloren, ein Auto und Interesse an  meinem Projekt. So wurde er schnell zum freiwilligen Begleiter für den Rest meiner Arbeitseinsätze sowie zu meinem gelegentlichen Touristen-Guide.

In dieser Zeit habe ich San José gegen meine Erwartungen ins Herz geschlossen. San José, die Stadt, in der – einige Viertel und Straßen ausgenommen – davor gewarnt wird, sich nach Einbruch der Dunkelheit auf den Straßen aufzuhalten, um Raubüberfälle zu vermeiden, hat ein lebhaftes Uni-Viertel inklusive Nachtleben, eine alternative Szene und ein tolles Bergpanorama. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit habe ich mich in meiner temporären Heimat sehr wohl gefühlt, nicht zuletzt, weil ich einige Freundschaften schließen konnte.

In den letzten zwei Wochen meines Aufenthalts bekam ich Besuch von meinem Vater, der sich zum Glück nicht durch die widrigen Bedingungen (wie wolkenverhangene, kurvige Bergstraßen und Schlaglöcher) vom Autofahren abschrecken ließ. Gemeinsam konnten wir noch einige Ecken Costa Ricas erkunden, die zu Recht für ihre Natur berühmt sind. Da ist zum einen die Karibikküste rund um den Nationalpark Cahuita, wo wir das Glück hatten, einige Faultiere aus nächster Nähe zu beobachten. Dann der aktive Vulkan Poás, aus dessen Kratersee man Schwefelschwaden aufsteigen sieht. Oder der Nationalpark Manuel Antonio, der seinen Besuchern sowohl Naturerlebnis als auch Traumstrände bietet. Alles in allem war dies ein mehr als gelungener Abschluss meiner Zeit in Costa Rica.

Was denke ich rückblickend über Costa Rica und meine Zeit dort? Costa Rica hat zwei Seiten. Zu einen wunderschöne Natur und Nationalparks voller exotischer Pflanzen und Tieren, welche erfolgreich in Touristenmagneten verwandelt wurden. Luxuriöse Hotelanlagen und Eco-Ressorts sind da meist nicht weit. Zudem wird das öffentliche Bildungswesen hoch gelobt. Andererseits gibt es in Costa Rica auch viel Armut. Der Staat steckt in einer finanziellen Krise. Drogenhandel und damit assoziierte Kriminalität haben in den letzten Jahren zugenommen. Eine wirksame Lösung für diese Probleme scheint bisher nicht in Sicht zu sein. Ich bin glücklich, dass ich viel Zeit unter Einheimischen verbringen durfte, die mir „ihr“ Costa Rica näher gebracht  haben. So konnte ich viel Schönes sehen und erleben, wertvolle Erfahrungen sammeln und das Land mit all seinen Licht- und Schattenseiten lieben lernen.

Bis bald in Greifswald!

16. September 2018 - Halbzeit

Der Kratersee des Vulkan Irazú
Unabhängigkeitstag in San José
Mein Bohnen-Guano-Experiment
Golfito, eine Kleinstadt am Pazifik

 

Die Zeit fliegt und die Hälfte meiner Zeit hier in Costa Rica ist bereits vorbei. Passend zu diesem Anlass gab es im ganzen Land Feierlichkeiten. Am 15. September wurde hier nämlich der „Día de Independencia“ und damit die Unabhängigkeit von Spanien gefeiert. Ich habe diesen Tag in San José  verbracht und mir die Paraden angeschaut, die traditionell von den Schülern der lokalen Schulen ausgeführt werden, da Costa Rica kein Militär unterhält. Somit bestand das Publikum, das sich den bunten Mix aus Tanz, Musik und traditionellen Kostümen angeschaut hat, zu einem großen Teil aus stolzen Eltern und Mitschülern.

Davon abgesehen waren die letzten Wochen für mich nochmal sehr aufregend, da meine Projektpartnerin und bisherige Weggefährtin abgereist ist und ich nun mehr oder weniger auf mich allein gestellt bin. Die Umstellung verlief aber zum Glück recht sanft, da ich erst einmal auf der Finca meiner costaricanischen Professorin wohnen bleiben konnte. Diese ist ruhig gelegen zwischen den Orten Golfito und Río Claro und umfasst viele Hektar unerschlossenen Regenwalds, wo exotische Tiere wie Affen und Agoutis herumturnen. Es ist die Vision der Besitzerin, auf diesem Gelände eine Forschungsstation einzurichten. Bis dahin wird es wohl noch etwas dauern, aber das hält mich nicht davon ab, hier schon mal mein eigenes kleines Experiment aufzubauen!

Die Idee dazu ist aus dem Problem entsprungen, dass in freier Natur sehr viele Faktoren Einfluss darauf haben können, wie sich die Vegetation entwickelt. Das ist teilweise sehr schwer zu messen. Drum habe ich mit gemeinsam mit meinem temporären Mitbewohner (ein ehemaligen Pfarrer UND ausgezeichneter Handwerker) einen Aufbau entwickelt, bei dem alle Pflanzen den gleichen Bedingungen ausgesetzt sind. Nun muss nur noch regelmäßig Fledermauskot zugegeben und abgewartet werden, dass die Bohnen wachsen! Im Endeffekt hat mich das ganze Projekt zwei Wochen recht intensive Arbeit gekostet, weswegen ich es leider, leider nicht an den Strand geschafft habe, obwohl ich dem Pazifik so nahe war und mir schon viel von Costa Ricas schönen Playas vorgeschwärmt wurde. Dafür konnte ich wunderbar mein Spanisch trainieren, denn auf der Finca wird kein Wort Englisch gesprochen.

Und zurück in San José geht das Sprachtraining weiter! Ich wohne in einem Gästehaus nahe der Universidad de Costa Rica und neben den Reisenden aller Nationalitäten, die ein und aus gehen, wohnen hier auch einige spanischsprachige Studenten. Während ich an den Wochenenden weiterhin mit freiwilligen Helfern Fledermaushöhlen aufsuche, bleibt mir jetzt neben der Arbeit recht viel Zeit für touristische Aktivitäten in und um San José. Mein Highlight bisher war ein Ausflug in das nahegelegene Valle de Orosi (toller Ausblick!) und auf den „schlafenden“ Vulkan Irazú (überhaupt kein Ausblick wegen der Wolken, aber mit einem wunderschönen Kratersee).

Im Übrigen ist nach meiner Einschätzung und entgegen dem, was mir zuvor berichtet wurde, nicht „Pura Vida“ der Lieblingsausdruck der Costaricaner, sondern „Que Calor“! - „Welche Hitze!“ Man sollte meinen, die Ticos sind daran gewöhnt, aber sie beklagen sich trotzdem gerne. Also genau wie die Greifswalder über den Regen ;-)

21. August 2018 - Erste Eindrücke aus Costa Rica

Mein erster Regenwaldbesuch in Costa Rica. Der Name kommt nicht von ungefähr, daher ist hier alles üppig grün
Der Eingang zu den weitläufigen Venado Cuevas
Auf Höhlenexpedition zur Probennahme und zum Fledermäuse zählen
Habe ich erwähnt, das bei meiner Arbeit viel Schlamm involviert ist?

 

Ich bin heute Abend auf einer abgelegenen Finca im Süden Costa Ricas. Draußen ist es schon seit 18 Uhr dunkel (Tropentage sind kurz), drinnen gibt es kein Internet – mir scheint, es ist eine gute Gelegenheit, die Erlebnisse meiner bisherigen Reise zu dokumentieren.

Ich bin vor gut zwei Wochen in Costa Rica angekommen, am internationalen Flughafen nahe der Hauptstadt San José, um 5 Uhr morgens...Wie sich herausstellte, war die undankbar frühe Ankunftszeit überhaupt kein Problem. Die Einwohner Costa Ricas („Ticos“ genannt) sind Frühaufsteher, daher waren zu dieser Morgenstunde schon reichlich Transportmöglichkeiten ins Stadtzentrum vorhanden. So kam es, dass ich schon weniger später in San José im Stau stand – eine beinahe alltägliche Erfahrung, wie sich schnell herausstellen sollte.

Bereits am Flughafen habe ich meine bulgarische Kollegin und Mitbewohnerin für die nächsten Wochen getroffen. Mira, Biologin und Höhlenforscherin, hat längere Zeit in Costa Rica gelebt und kennt sich dementsprechend gut aus. Ich war also erst mal in guten Händen. Zwei wichtige Besorgungen waren an diesem Tag noch zu machen: Gummistiefel und SIM-Karte mit Internetzugang – beides überlebenswichtig! Ohne Internet könnte ich hier nicht mal Bus fahren: Es gibt keine Fahrpläne, keine Ansage der Haltestellen, keine richtigen Adressen und die Haltestellen sind  manchmal durch nichts weiter als einen Mülleimer gezeichnet. Da misst man Navigations- und Karten-Apps plötzlich großen Wert bei. Die Gummistiefel auf der anderen Seite sind für die Feldarbeit notwendig. In den Höhlen, die wir besuchen, steht einem das Wasser – oder schlimmer: der Schlamm – manchmal kniehoch und in der Vegetation bieten die hohen Schäfte einen gewissen Schutz vor giftigen Schlangen. Während ich Schlamm und Wasser schön genügend erleben durfte, sind mir die Schlangen bisher erspart geblieben. Toi toi toi, dass das so bleibt.

So fing also alles an. Seitdem haben wir schon sechsmal unsere Ausrüstung und ein paar freiwillige Helfer bzw. Höhlenforscher eingeladen und Fledermaushöhlen in allen Ecken Costa Ricas aufgesucht. Der erste Schritt vor Ort ist immer, 128 m des aus der Höhle entspringenden Wasserlaufs zu vermessen. Das klingt erst mal nach einer leichten Aufgabe, wird aber erschwert durch steile Ufer und dichte Vegetation, glitschige Steine, Stromschnellen und, und, und...Ist dies gemeistert und geeignete Vegetation vorhanden, fange ich an Pflanzen zu vermessen. Wenn nicht, kann immer noch eine Höhlenexpedition dabei herausspringen. So geschehen bei der ersten Höhle, die ich hier besucht habe: Venado Cuevas. Hier werden auch Touren für Touristen angeboten, allerdings lässt diese Erfahrung wohl am besten unter Erlebnistourismus einordnen. Schmale und niedrige Durchgänge machen es teils notwendig, sich auf allen Vieren fortzubewegen, an anderen Stellen sind Felsen zu erklimmen – ich habe nicht einen Menschen gesehen, der die Höhle nicht erschöpft und vollkommen durchnässt verlassen hat. Dennoch, es lohnt sich, denn man wird mit dem Anblick hunderter Fledermäuse belohnt, vom Adrenalinschub mal ganz abgesehen.

Zwischen den Höhlentripps bleibt genug Zeit, nach San José in unser vorläufiges „Basislager“ zurückzukehren, die schlammigverkrusteten Arbeitsklamotten einmal gründlich durchzuwaschen und sich vor dem nächsten Einsatz etwas zu erholen, zum Beispiel bei einem Besuch in dem sehenswerten Museo Nacional mit integriertem Schmetterlingshaus. Auch hier in den Süden bin ich gekommen, um eine Höhle zu untersuchen. Aber es ist noch Anderes geplant. Dazu bestimmt bald mehr!