Greifswald goes International

Katharina Laage

 

Studium in Greifswald

Landschaftsökologie und Naturschutz International (B.Sc.)

Aktivität im Ausland

Praktikum beim Instituto Forestal auf der Isla de Chiloé in Chile

Zeitraum

März 2018 – Juli 2018

Wieso ich ins Ausland gegangen bin?

"Ich möchte  „über den Tellerrand gucken“ und lernen, wie Forschung und Naturschutzpraxis außerhalb Europas aussehen. Gerade in diesen Feldern ist internationale Zusammenarbeit wichtig, denn die Natur hält sich auch nicht an Ländergrenzen. Außerdem war es schon immer ein Traum von mir, nach Südamerika (und besonders Patagonien) zu reisen."

17. Juli 2018 - Nos vemos, Chiloé!

 

Mein Praktikum neigt sich dem Ende zu. Heute habe ich die Ergebnisse meiner Arbeit der letzten Monate vorgestellt. Bald werde ich den regnerischen Süden verlassen und noch ein bisschen den Norden des Landes erkunden, bevor es zurück nach Deutschland geht. So richtig habe ich noch gar nicht realisiert, dass ich diese wunderschöne grüne Insel und die ganzen tollen Menschen, die ich hier getroffen habe, wieder verlassen muss. Ich bin unglaublich dankbar für die großartige Zeit, die ich hier gehabt habe und werde auf jeden Fall wiederkommen! Nos vemos, Chiloé !

6. Juli 2018 - IV Temporales de Ciencia

Diese Woche fanden die vierten „Temporales de Ciencia de Chiloé“ („Wissenschafts-Unwetter von Chiloé“) in der Stadtbibliothek von Castro statt. Diese öffentliche Vortragsreihe wird seit einigen Jahren vom Instituto Forestal organisiert, um den Bewohnern der Insel die Forschung näher zu bringen, die hier vor Ort stattfindet. Angefangen hatte alles in einem sehr kleinen Rahmen mit ca. 10 Gästen pro Abend, dieses Jahr kamen schon über 500 in einer Woche – ein riesiger Erfolg! Außerdem wurde dieses Jahr zum ersten Mal eine Schultour organisiert, um auch den Kindern in den abgelegenen Dorfschulen zu zeigen, was das INFOR macht und wie sie selber helfen können, die Wälder der Insel zu erhalten. Der Name der Veranstaltung ist kein Zufall – schon Charles Darwin bezeichnete Chiloé, wo er einen Winter lang fest saß, als ein „miserables Loch“ in dem „höchstens Amphibien überleben können“, weil es so unendlich viel regnet. Was gibt es da schöneres, als mit einem heißen Tee in der Hand  zusammen den Geschichten der Forscher*innen zu lauschen, die es wagten, die Wälder und die Meere dieses unwirtlichen Ortes zu erkunden?
                                                                                                    Es gibt auch ein Video über die „Temporales de Ciencia“, allerdings nur auf Spanisch.

3. Juni 2018 - Bariloche

Nach vielen Wochen Feldarbeit im nassen, kalten Wald und nicht enden wollender Dateneingabe im Büro hatte ich diese Woche endlich Urlaub. Die freie Zeit nutzte ich, um einen Ausflug nach Argentinien zu machen – genauer gesagt nach San Carlos de Bariloche, die nächste größere Stadt auf der anderen Seite der Grenze. Bariloche liegt an einem großen See mitten in den Anden und ist ein bekannter Skiort. Da es erst Spätherbst war und noch nicht so viel Schnee lag, bin ich mit den anderen Leuten aus dem Hostel in den Bergen wandern gewesen und habe eine Fahrradtour gemacht. Außerdem ist die Stadt bekannt für ihre zahlreichen Chocolaterien, die mussten natürlich alle durchprobiert werden.

Nun bin ich wieder zurück in Castro und werde wohl die letzten zwei Monate meines Praktikums damit verbringen, meine Bachelorarbeit über die Daten zu schreiben, die wir im April in Chaiguata aufgenommen haben.

26. Mai 2018 - Balaenoptera borealis

 

Ein Traum ist wahr geworden – ich habe Wale gesehen!
In den Kanälen zwischen den Inseln des Archipels hält sich gerade eine Gruppe Seiwale
(Balaenoptera borealis) auf.
Diese kleinen Verwandten des Blauwals (Balaenoptera musculus) können bis zu 20 Meter lang werden und ernähren sich von Krill und kleineren Schwarmfischen.

30. April 2018 - Field work

 

Die erste Hälfte der Feldarbeit ist geschafft! Mein Kollege Germán und ich waren für zwei Wochen im Tantauco-Park im Süden der Insel und haben mehrere tausend kleine Flusszedern gesucht und vermessen. Dieser Teil der Insel ist noch sehr wild, abseits der Zivilisation und mehr oder weniger unberührt von den illegalen Abholzungen, die in den Wäldern der Insel zu schaffen machen. Das heißt aber nicht, dass in diesem Gebiet alles Urwald ist – vor 80 Jahren ist ungefähr die Hälfte des heutigen Parkes abgebrannt und hat sich noch nicht ansatzweise wieder davon erholt. Wir untersuchen mögliche Restaurationsmaßnahmen, damit Arten wie die Chilenische Flusszeder (Pilgerodendron uviferum) hier nicht verschwinden. Die Arbeit in diesem „Zauberwald“ ist  anstrengend, denn es ist kalt regnet jeden Tag, aber das ist nur halb so schlimm, wenn man in guter Gesellschaft ist und jeden Tag die kleinen Wunder der Natur bestaunen kann. 

26. März 2018 - La Isla Mágica

 

In den letzten zwei Wochen habe ich unsere „field sites“ kennengelernt, wo ich in demnächst sehr viel Zeit verbringen werde, und habe in andere Projekte reinschnuppern können.  Langsam aber sicher merkt man, dass es Herbst ist. Es regnet immer mehr und morgens ist es schon richtig kalt. Fast alle Häuser hier sind kaum isoliert und werden ausschließlich mit einem Holzofen in der Küche beheizt, den in der Frühe erstmal jemand anmachen muss – das gilt für das Büro genauso wie für meine WG. Das letzte Wochenende habe ich genutzt, um das „Touri-Programm“ der Insel zu machen, bevor die Saison zu Ende ist und alle Angebote schließen. Das führte mich zu einem Naturreservat wo Pinguine brüten (2 waren noch da!) und zum „muelle del alma“, einer Klippe am Pazifik, wo nach der Huiliche-Mythologie die Seelen der Toten wieder Teil des Universums werden. Dieser Ort lässt einen (trotz der ganzen Selfiestick-bewaffneten Touristen) die Schönheit und Magie der Insel spüren.

12. März 2018 - Kayak!

 

Die erste Praktikumswoche bestand hauptsächlich daraus, äußerst widerspenstige Computerprogramme zu installieren und mich in die Literatur zu unserem Projekt einzulesen. Als Belohnung wartete auf mich am Wochenende das erste Seekayak-Treffen Chiloés, organisiert von meinem Chef Jan und seinem Kayakverein. Bacán! Drei Tage Paddeln im Archipel, zu dem die Insel gehört, mit „Kayakistas“ aus halb Südamerika, leckerem chilotischen Essen und gaaaanz vielen Mähnenrobben, Delfinen und Dampfschiffenten (ja, die heißen wirklich so). Per Boot lässt sich die Natur Chiloés wirklich am allerbesten erkunden. Dieses Treffen war auf jeden Fall die perfekte Gelegenheit, tief in die Kultur und die Sprache einzutauchen und viele Menschen kennenzulernen.

08. März 2018 - Angekommen

 

Die 27 Stunden Busfahrt von Coyhaique nach Castro waren gar nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte, denn selbst die „Holzklasse“ der chilenischen Fernbusse ist noch viel gemütlicher als alles, was man aus Deutschland so kennt. Da es auf der chilenischen Seite Patagoniens gerade keine durchgängige und erst recht keine asphaltierte Straße gibt, fuhr der Bus über Argentinien und mein Pass ist jetzt um eine Doppelseite bunter Stempel reicher: Ausreise, Einreise, zwischendurch ein paar Stunden Schlaf, und wieder Ausreise, Einreise… Die  tolle Aussicht auf Steppe, Nandus, Berge und Vulkane war es aber definitiv wert!

Endlich in Castro auf der „Grünen Insel“ Chiloé, hatte ich sofort das Gefühl, wirklich angekommen zu sein. Meine WG liegt direkt im Zentrum, nur einen Katzensprung vom Busbahnhof entfernt, und sie ist eine richtige Oase inmitten des ganzen Trubels der Stadt. Meine Vermieterin/Mitbewohnerin betreibt eine kleine Baumschule im Vorgarten, alles ist grün, wuchert und sprießt, und mittendrin steht ein krummes, altes Hexenhaus, in dem wir zu dritt wohnen.

Zehn Busminuten außerhalb Castros ist ein kleiner Ableger des „Instituto Forestal“, das staatliche forstwissenschaftliche Institut Chiles, wo ich die nächsten fünf Monate mein Auslandspraktikum machen werde. Das Projekt, in dem ich mitarbeite, untersucht verschiedene Restaurationsmaßnahmen für die temperaten Regenwälder der Region. Dafür werde ich mit einem Kollegen einen Monat lang ins Feld gehen, Luftbilder mit einer Drohne machen, Bäumchen vermessen und dem berüchtigten chilotischen Regen trotzen, aber das muss jetzt erst mal in Ruhe vorbereitet werden. Bis dahin habe ich noch genug Zeit, die letzten warmen Sommertage zu genießen.

28. Februar 2018 - Das Abenteuer beginnt

 

Bevor das Praktikum begann, hatte ich eine Woche Zeit, die Wildnis Patagoniens zu erkunden.

Ich bin direkt nach Coyhaique, eine kleine aber lebendige Stadt in den Bergen geflogen und habe mich gleich am nächsten Tag auf zur Reserva Nacional Cerro Castillo gemacht.

Dieses Naturreservat ist berühmt für einen Berg, der tatsächlich aussieht wie ein Schloss voller Türmchen und Zinnen.

Allerdings war es hier nicht ganz so einsam und verlassen, wie ich es mir vorgestellt hatte, denn Februar ist hier Hochsaison und jeden Tag starten ca. 30 Wanderer auf den 4 Tage dauernden Trek.

Das war aber auch schön, denn so hat man sich jeden Abend im nächsten Camp wieder gesehen und ich habe viele liebe Menschen kennenlernen dürfen.