Greifswald goes International

Moja Stöcker

Studium in Greifswald

Bildende Kunst / Kommunikationswissenschaft (B.A.)

Aktivität im Ausland

Erasmus + Semester an der Università degli Studi di Siena (Italien)

Zeitraum

März – August 2018

Wieso ich ins Ausland gegangen bin?

"Italien – das Land der Musik, der Kunst und des guten Geschmacks. Ins Ausland wollte ich schon immer, und mit jeder Reise am liebsten etwas länger. Die Chance zum Ende meines Studiums vor Ort die Meister und das Dolce Vita zu studieren wollte ich auf keinen Fall verpassen.
Toskana tut gut!

Ansich wollte ich schon immer ein Auslandssemester machen – seit ich davon gehört habe. Schon zu Schulzeiten reizte mich der Gedanke. Doch aus vielen heute mehr oder weniger nachvollziehbaren Gründen hatte es nie sein sollen. Weder das High School Year in den USA, noch der Schüleraustausch nach Marseille – und auch das Auslandssemester in Berkeley wurde kurz vor Abreise gestrichen. Irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt: Doch jetzt kurz vor dem Abschluss habe ich die wunderbare Möglichkeit doch noch wahrgenommen und finde mich nun in Siena wieder. Klar liebe ich Greifswald – aber hey, nach über 5 Jahren am Gegen- und Ryckwind am Bodden kann ein bisschen Sole mio in Bella Italia nicht schaden!"

Ein Semester in Siena - Studieren im Herzen der Toskana

 

Es ist 12:00 Uhr Mittags. Das Konzert beginnt. Nach dem Glockenspiel des Doms hört man die Musik der Zikaden. Die Luft ist schwer vor Hitze, doch der Duft von Lavendel schenkt ersehnte Frische. Ich blicke aus dem Fenster auf Pinien und Zypressen und auf die für die Toskana typische, geschwungene Hügellandschaft dahinter. Ich muss an einen Ausspruch meines Professors denken. Es war einer der ersten Sätze, die ich in der Kunstgeschichtsvorlesung verstanden habe:

„Il Paesaggio della Toscana sembra essere una linia d'inchiostro morbidissima che non finisce, e non finisce, e non finisce mai...“ (= Die Landschaft der Toskana scheint eine Linie zu sein, gezeichnet mit weichester Tinte, die nicht aufhört, und nicht aufhört, und nie aufhört.). Es stimmt, die Landschaft selbst wirkt wie ein Kunstwerk, eine mit Feder und Tinte gezogene, schwungvolle, weiche Linie, die nicht enden will. Es fällt schwer, nicht ins Schwärmen zu geraten, wenn man mehrere Monate auf der ehemaligen Festung der Familie Medici die Sonne über dieser Prachtlandschaft untergehen sieht.

Das letzte Semester meines Bachelorstudiums Kommunikationswissenschaft und Bildende Kunst habe ich genutzt, um an der Università degli Studi di Siena in Italien neue Studienerfahrungen zu sammeln. In Kursen der Kunst- und Musikgeschichte lernte ich die Kultur des Landes tiefergehend kennen. Die Werke vor Ort zu betrachten, von Da Vinci's David in Florenz, bis zum berühmten Fresco Mal Governo Buon Governo Lorenzettis in Siena, war ein besonderes Erlebnis für mich.

Siena ist ist nicht viel größer als Greifswald. Der mittelalterliche Kern ist von einer Stadtmauer umrahmt, die auch die Zeit der Stadtgründung mit einzuschließen scheint. Das Ereignis, für das die Senesen brennen, ist der Palio. Es handelt sich dabei um das wohl berühmteste Pferderennen der Welt. Das ganze Jahr laufen die Vorbereitungen in den 17 Contraden, den teilnehmenden Bezirken der Stadt. Wochen vorher kündigen ihre Paraden das Ereignis an, mit traditionellen Kostümen, Tamburinen und Flaggen. Und wenn das Siegespferd nach dem Palio feierlich in seine Contrada zurückgeführt wird, hören dort die Feste für Wochen nicht auf. Es ist ein wenig verrückt, aber spannend mitzuerleben.

Als Studentin fühlte ich mich in Siena ganz schnell angekommen. Eine Freundin aus den USA meinte einmal: „Siena è una citta che ti abbraccia“ – Siena ist eine Stadt die dich umarmt. Es stimmt, man fühlt sich hier umarmt.

Das Erasmussemester in Siena konnte ich dank der Unterstützung des International Office realisieren. Ab September darf ich gleich nochmal für ein Praktikum hin. Jedem, der über ein Auslandssemester nachdenkt, kann ich es nur empfehlen – ins International Office und los! Wer bisher noch nicht drüber nachgedacht hat, sollte damit anfangen. Denn, die Gelegenheit, Kultur, Sprache, Menschen und Unialltag in einem anderen Land so vertieft kennen zu lernen – nicht nur im Vorbeihuschen eines Wochenendtrips – bietet sich so schnell nicht wieder.

Forza e Couraggio !

Impressionen aus Siena