Greifswald goes International

Sören Baars

 

Studium in Greifswald

Lehramt Regionale Schule Geographie / Deutsch


Aktivität im Ausland

Auslandssemester an der University of Languages and International Studies in Hanoi (Vietnam)


Zeitraum

Januar 2018 – Juni 2018


Wieso ich ins Ausland gegangen bin?

"Ich denke, als Geographie-Studierender liegt es in meinem natürlichen Interesse, soviel wie möglich herumzukommen und diese Erfahrungen auch später im Beruf zu teilen. Die Idee für ein Auslandssemester kam allerdings recht spontan. Nach einem Besuch im International Office wusste ich, dass ich die Möglichkeit, in Hanoi zu studieren, nutzten möchte. Die Länder Südostasiens haben mich schon länger fasziniert und so war ich über die Gelegenheit froh, Vietnam etwas genauer kennenzulernen. Ich freue mich, dieses schöne Land aus einer ganz neuen Perspektive zu entdecken und Einblicke in die vietnamesische Lebensart zu bekommen."

 

22. Mai 2018 - Zeit Abschied zu nehmen

Wer hat an der Uhr gedreht? Ja, es ist wirklich schon so spät, dass ich mich von Hanoi und all den tollen Menschen, die ich hier kennengelernt habe, langsam verabschieden muss. Ich glaube wir alle kennen diesen Moment im Urlaub, wo man zu anfangs gedacht hat, es ist noch so viel Zeit übrig und auf einmal ist der Urlaub wie aus dem Nichts vorbei. Ganz ähnlich geht es mir gerade. Vor etwa fünf Monaten bin ich in der vietnamesischen Hauptstadt mit meinem großen Rucksack gelandet und nun muss ich diesen wieder packen. Hinzugekommen sind großartige Erlebnisse, die ich auch erst einmal verstauen und verdauen muss.

Es war mein erstes Mal für längere Zeit im Ausland zu leben und ich muss sagen meine Erwartungen wurden erfüllt. Vietnam ist zwar längst kein unbekanntes Land mehr, aber dort zu leben verändert schon die Sichtweise für bestimmte alltägliche Dinge. Dieses Auslandssemester war ein voller Erfolg und dementsprechend geht der Dank hier auch noch einmal an die Universität Greifswald und an die Universität Hanoi, die mir dieses erst ermöglicht habe. Es war ungemein interessant und lehrreich zu erleben, wie es ist, in Vietnam zu studieren. Dabei ist es gar nicht so viel anders, wie es sich der ein oder andere vorstellen mag. Auch meine Kommilitonen haben die gleichen Ziele und Wünsche, wie wir sie haben und verbringen ihre Freizeit ebenfalls gerne mit einem kühlen Bier, beim Sport oder beim Musizieren.

Es ist wohl leider ein ungeschriebenes Gesetz, dass man immer dann gehen muss, wenn man sich gerade richtig eingelebt hat. So ist es zumindest bei mir. Für mich war nicht nur das Leben fern der Heimat Premiere, auch das Leben in einer Millionenstadt, dazu noch in dieser ungemein lauten und chaotischen, war für mich neu. Aufgewachsen in der mecklenburgischen Provinz und zum Studium ins von einer Kleinstadtatmosphäre geprägte Greifswald gekommen, war Hanoi das komplette Gegenteil dessen, was ich bisher erlebte. Tagtäglich sah ich mich mit tausenden Mopeds konfrontiert, die am Tage die Straßen säumten. Aber auch daran gewöhnte ich mich schnell. Genauso wie an die vorhandene Sprachbarriere. Geschätzt sprechen 90 Prozent aller Menschen hier kein Englisch. Schnell mal nach dem Weg fragen war für mich schier unmöglich. Ich muss sagen, dass die moderne Kommunikationstechnologie mitsamt Übersetzer und Kartenmaterial auf dem Smartphone den Alltag deutlich erleichterte, wenngleich ich mich frage, ob nicht dadurch auch der Reiz des Abenteuers verloren geht. Erst langsam konnte ich meine Kenntnisse in der hiesigen Landessprache verbessern, wobei ich feststellte, dass auch wenige Wörter bei der Kommunikation ungemein helfen können. Das Handeln auf der Straße klappte beispielsweise deutlich besser, wenn ich nach der korrekten Begrüßung der Verkäuferin die Zahlen auf Vietnamesisch ins Verkaufsgespräch mit einwarf.

Das Traurige ist, dass ich viele meiner Weggefährten hier wahrscheinlich nicht allzu schnell wiedersehen werde. Sich aus Hanoi zu verabschieden bedeutet auch, ein letztes frischgezapftes Bier mit Kommilitonen, Mitbewohnern und Mannschaftskameraden zu trinken. Ganz besonders ins Herz geschlossen habe ich Hoàng und Nam, mit denen ich den Kurs Intercultural Communication besuchte. Beide stehen für die neue, gut gebildete Generation an Vietnamesen, die auch über den Tellerrand hinausschauen. Regelmäßig trafen wir uns und diskutierten über die Situation in ihrem Land.

Heute bekomm ich dann noch einmal Besuch. Mit meinem Bruder Henning werde ich die letzten zweieinhalb Wochen meines Vietnamaufenthaltes verbringen und das Land noch weiter bereisen.

17. Mai 2018 - Mit dem Kajak durch zwei Welten

 

Nachdem ich bereits in den meisten meiner Fächer meine Abschlussprüfungen in Form von Essays, einer Unterrichtsgestaltung oder Klausuren abgelegt hatte, beschloss ich kurzerhand am vergangenen Wochenende einen Ausflug auf die Insel Cat Ba zu unternehmen.

Mein ehemaliger Mitbewohner Si schwärmte mächtig von diesem Ziel und so fasste ich schon früh den Plan ins Auge irgendwann mal dahin zu kommen.
Nun war es also soweit und nachdem ich die Bustickets gekauft hatte, ging es auch schon los.
Am frühen Donnerstagmorgen startete der Bus in Hanoi und erreichte nach etwa zwei Stunden die Hafenstadt Haiphong. Von dort aus ging es mit dem Schnellboot auf die Insel, von welcher uns ein weiterer Bus zu unseren Unterkünften brachte.

Zu Fuß machte ich mich am ersten Tag auf den Weg die spektakuläre Landschaft zu erkunden. Am Rand der weltbekannten Halong-Bucht mit all ihren aus dem Wasser ragenden Karstfelsen liegt das Tropenparadies Cat Ba. Obwohl sich die Insel sowohl bei einheimischen als auch ausländischen Touristen einer steigender Beliebtheit erfreut, ist sie noch lange nicht so überlaufen, wie es an anderen Destinationen im Urlaubsland Vietnam der Fall ist. Dies könnte auch daran liegen, dass circa zwei Drittel der Fläche als Naturschutzgebiet ausgezeichnet sind. Tropischer Regenwald und einige vom Aussterben bedrohte Tierarten, wie insbesondere der Leguan, sorgen für eine exotische Atmosphäre unweit der Millionenstadt Hanoi.

Ich hatte mir im Vorfeld nicht sonderlich viel vorgenommen, aber eine Kajaktour inmitten dieser spektakulären Landschaft stand schon auf meiner To-do-Liste.

So lieh ich mir am nächsten Tag ein selbiges und startete meine Tour. Ich paddelte zunächst einmal fröhlich drauf los und genoss es mal wieder Wasser unter dem Kiel zu haben. Nach etwa drei Stunden Paddeln wollte ich allmählich wieder umkehren, doch dies gestaltete sich schwieriger als erwartet, denn so spektakulär diese Landschaft auch ist, sie bietet kaum markante Wegpunkte und gleicht einem Labyrinth. Zwar hatte ich mir mit dem Handy auf Maps den Startpunkt markiert, doch konnte ich diesen nicht abrufen, da der Netzausbau, welcher in Vietnam zum Teil sogar besser ist als in Deutschland, auf dem Meer aber zu wünschen übrig lässt. Da blieb wohl nur noch sich ganz altmodisch mit dem Sonnenstand zu orientieren. Pustekuchen, denn ich befand mich zwischen den Wendekreisen und wie wir alle mal im Geographieunterricht lernten, steht die Sonne um die Mittagszeit dort zuweilen im Zenit. Mit ein wenig Glück und Intuition fand ich dennoch meinen Ausgangspunkt und freute mich darüber, wieder festen Boden unter meinen Füßen zu haben.

Während meines kleinen Abenteuers kam ich an vielen schwimmenden Fischersiedlungen vorbei. In spärlichen Holzhütten auf Pontons gebaut, leben die Fischerfamilien, welche in Vietnam zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen gehören. Selbst die schönste Landschaft um ihren Wohnort kaschiert die eklatanten ökologischen und humanitären Probleme nicht. So sind die Menschen nicht nur damit beschäftigt enorm viel Plastikmüll aus ihren Fangnetzen zu sammeln, sondern sehen sich auch mit dem Massentourismus auf unzähligen kleinen Kreuzfahrtschiffen konfrontiert, die die feiernden Touristen mitsamt ihrer Abgase durch die Natur chauffieren. Noch nirgendwo zuvor habe ich einen solchen Kontrast zwischen den „Welten“ erlebt und ich fühlte mich extrem traurig, niedergeschlagen und schämte mich ein wenig für den extrovertierten westlichen Lebensstil der anderen.

Am letzten Tag dann erkundete ich den Nationalpark mitsamt seiner atemberaubenden Ausblicke und besichtigte zwei Höhlen, von denen eine während des Vietnamkrieges gar als Krankenhaus diente. Der „Hospital Cave“, ein bombensicherer Bunker, war wie ein Museum aufgebaut und ich konnte gut nachvollziehen, wie die Kranken und Verletzten im Krieg behandelt wurden.

Alles in allem war Cat Ba einen Ausflug absolut wert, auch wenn er mir, wie kein Ort zuvor, die Probleme eines Schwellenlandes offenbarte.

19. April 2018 - Skurrile Traditionen

Das Runde muss in‘s Eckige. Diese Regel gilt nicht nur zuhause in Deutschland. Ich kenne keinen anderen Sport, welcher weltweit so sehr Menschen verbindet und sie zusammenführt wie der Fußballsport. Es braucht auch keine gemeinsame Sprache auf dem Platz, denn die Regeln sind allgemein bekannt, auch in Vietnam.

In der Zwischenzeit bin ich in eine andere internationale WG mit neuen Mitbewohnern aus Schottland, Serbien und Vietnam gezogen. Nicht, weil ich in meinem alten Zimmer nicht mehr bleiben wollte oder konnte, sondern vielmehr um in meiner verbleibenden Zeit in Vietnam neue Menschen kennenzulernen. Und so kam es, dass nun alle männlichen Mitbewohner Fußball spielen und mich auch gerne in ihren Teams aufnahmen. Bis zu viermal in der Woche spiele ich nun sowohl im Tor als auch als Feldspieler für das Drink Team auf dem Großfeld und für Western United auf dem 7-Mann-Kleinfeld. Der Spaß steht dabei an allererster Stelle und so wird schon vor dem Spiel darüber diskutiert, wo man nach dem Spiel das frisch gezapfte Bia Hoi genießt. Und nicht nur das erinnerst an den heimatlichen Amateursport. Auch skurrile Regeln, die letztendlich nur dazu dienen, dass möglichst viel Bier in kurzer Zeit getrunken wird, gehören zu den gelebten Traditionen der Teams. So darf der eigene Name in der Runde nicht genannt werden, ansonsten muss das Bier geext werden. Gerade bei Neuankömmlingen wird die Unerfahrenheit genutzt und nachdem auch ich erst diese Regel am eigenen Leib erfahren durfte, fühlte ich mich in der Truppe aufgenommen. Dazu wird ein vietnamesisches Lied angestimmt und die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Ein weiteres Kuriosum des Drink Team ist es, dass versucht wird mit Erdnüssen, welche hier obligatorisch zum Bier gereicht werden, in das Glas der Mitspieler zu treffen. Wenn das Glas getroffen wurde, hat der Mitspieler drei Würfe frei in das Glas des Werfers zu treffen. Trifft er es, muss der Initiator der Fehde das Bier mit einem Zug austrinken, schafft er es nicht innerhalb der drei Versuche, muss jener das Bier austrinken. Jetzt wisst ihr auch, woher das Drink Team seinen Namen hat. Dass wir alle drei Spiele mit meiner Anwesenheit verloren, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Sportlicher Erfolg ist eben längst nicht alles und das Schönste am Mannschaftssport ist eh das Zusammensein mit dem Team.

Vietnamesische Gastfreundschaft durfte ich wieder einmal in der letzten Woche erleben. Mein Kommilitone Duc lud mich zu sich nach Hause ein. Sichtlich stolz zeigte der 27-Jährige mir sein Zuhause und seine kleine Familie. Mit seiner Frau und seinem dreijährigen Sohn wohnt Duc in einem der vielen neu gebauten Hochhäuser in Hanoi. Er erzählte mir, dass er gleich nach dem Bau vor zwei Jahren mit seiner Familie eingezogen ist. Mit dem Fahrstuhl ging es in den 22. Stock, von wo der Ausblick über Hanoi absolut beeindruckend ist. Statt vietnamesischer Kost, bereiteten Duc und seine Frau ein eher westliches Menü aus Rindersteak, Pommes, Brokkoli und buntem Salat zu. Dazu wurde Glenlivet, ein schottischer Whiskey, gereicht. Für seinen Sohn war das IPad allerdings interessanter als der ausländische Besuch. Mit einer Selbstverständlichkeit bediente der Kleine Youtube und suchte sich so kleine Kinderfilme zum Anschauen heraus. Nach dem Abendessen verabschiedeten wir uns, allerdings mit der Abmachung uns noch einmal zu treffen.

Heute stand dann eine weitere Verabredung auf meinem Programm. Frau Voigt vom International Office aus Greifswald schrieb mir vor ein paar Wochen, dass der Deutschlandfunk eine Reportage über deutsch-vietnamesische Beziehungen dreht und um ein Interview mit mir bittet. Natürlich nahm ich dieses an, denn ich verstehe mich auch als Repräsentant der Universität Greifswald und möchte dazu beitragen, dass mehr Studierende den Weg ins Ausland aufnehmen, da ich sagen kann, dass diese Erfahrungen unglaublich bereichernd sind. Und so war auch dies Thema des Gespräches mit Frau Lueg, welches im Laufe der Reportage am Pfingstmontag um 14:05 Uhr auf dem Deutschlandfunk gesendet wird.

24. März 2018 - Besuch aus der Heimat

Tschu, Tschu!

Längst waren alle Stühle des Train Cafés beiseite gestellt und links und rechts der Gleise versammelten sich Schaulustige. Die Zugfahrt mitten durch ein Wohngebiet zählt zu den Geheimtipps für Hanoibesuchende. Kurz zuvor tranken wir in jenem Café, welches direkt an der Bahnstrecke liegt, bei bestem Wetter einen Eierkaffee, welcher, bestehend aus Espresso und einem darüber liegenden Eierschaum, eine Spezialität in Hanoi ist. Wir, das bedeuten ich und meine Eltern, welche mich jetzt zur Halbzeit meines Auslandaufenthaltes in Vietnam besuchten und dies auch gleich mit ihrem Urlaub verbanden. Wir waren auf dem Weg zum berühmten Wasserpuppentheater, welches es so nur in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt, ehemals Saigon, gibt, als wir bei bestem Wetter einen Stopp einlegten. Nun war es also soweit. Die Kellnerin wies die jetzt auf etwa zwei Dutzend angewachsene Menschenmenge an, sich bitte an die Wand zu stellen und Vorsicht walten zu lassen. Ziemlich pünktlich, um halb fünf, rollte nun der Zug aus Norden mit energischem Hupen heran. Während sich die Touristen mit Handys und Fotoapparaten bereitmachten, räumten die Einheimischen noch in seliger Ruhe die letzten Gegenstände von den Gleisen. Es ist ja nicht so, dass wir noch nie einen Zug gesehen hätten, aber dass jener einen Meter vor unserer Nase an uns vorbeifährt, war dann doch neu und aufregend. Einige Sekunden später war das Spektakel aber auch wieder vorbei und wir machten uns auf zu unserem eigentlichen Ziel.

Trotz, dass das Puppenspiel auf Vietnamesisch war, konnten wir die Handlung, welche mit traditioneller Musik begleitet war, ganz gut nachvollziehen. In 17 kleinen Akten wurde die Geschichte und die Mythologie Vietnams durch mehrere Holzpuppen, welche unheimlich beweglich waren, dargestellt. Die Puppenspieler stehen dabei knietief im Wasser und lenken die Figuren mit langen Stäben.

Eine Woche zuvor sind meine Eltern in Hanoi gelandet und ich holte sie vom Flughafen ab. Für sie war es das erste Mal in Asien und dementsprechend war das Erstaunen über das hiesige Leben groß. Dinge, die ich mittlerweile als vollkommen normal ansehen, wie zum Beispiel einen Friseur am Straßenrand, der außer einen Spiegel, einer Schere und einer Haarschneidemaschine nichts weiter bei sich hat, stießen auf Verwunderung. Wir gingen am selben Abend noch zu dem wohl bekanntesten Bun Cha-Lokal der Stadt, in dem schon Obama speiste. War bei meinem ersten Besuch der Tisch des ehemaligen Präsidenten einer wie jeder andere, stand er nun hinter Glas. Natürlich wurde auch ein frisches Bia-Hoi, das vietnamesische Fassbier, genossen, bevor wir uns an diesem Tag trennten. Tags darauf führte ich die Reisegruppe, welche mittlerweile auf sechs Leute angewachsen war, in ein Pho-Lokal und eine weitere Kneipe, in welcher das Bier mit einem Gartenschlauch in die Gläser gelangte. Der Grund, weshalb mir mittlerweile sechs Deutsche folgte, war der, dass die Reisegruppe meiner Eltern noch einen Abend in Hanoi zur freien Verfügung hatte, bevor es für sie zur Halong-Bucht und später nach Zentralvietnam weiterging.

Am letzten Tag dann, also zwei Wochen nach ihrer Ankunft, aßen wir noch ein koreanisches Barbecue, ehe wir uns am Flughafen wieder verabschiedeten. Vielen Dank für euren Besuch, es hat mich sehr gefreut!

Der Besuch meiner Eltern war allerdings nicht der einzige aus Deutschland in dieser Zeit. Mit Frau Voigt und Frau Weiß vom International Office in Greifswald, welche mir bei der Organisation dieses Semesters behilflich waren, traf ich mich zusammen mit Frau Nga von der Universität in Hanoi, um über mein Semester in Vietnam zu sprechen. Vielen Dank auch an Sie für dieses schöne Gespräch und die Mitbringsel aus Greifswald!

Im nächsten Monat hat mich die Uni wieder ein bisschen mehr, schließlich geht das Semester gegen Ende zu und außerdem beginne ich jetzt endlich einen Vietnamesisch-Sprachkurs. Mal sehen, wie viel Zeit zum Schreiben mir dann noch bleibt.

16. März - Bergfest in Ninh Binh

 

 

Wie die Zeit vergeht! Mir kommt es noch nicht lange vor, als ich im Flieger nach Hanoi saß und nun ist die Hälfte meiner Zeit hier auch schon wieder um. Ich konnte bereits jetzt viele interessante Orte besuchen und das vietnamesische Leben kennenlernen.

Da ich im Moment einen recht entspannten Uni-Alltag habe, beschloss ich am vergangenen Wochenende einen Kurztrip nach Ninh Binh, 90 km südlich von Hanoi gelegen, zu unternehmen. Mit dem Zug brauchte ich gute zwei Stunden in die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Am Bahnhof mietete ich mir gleich ein Fahrrad, mit welchem ich zu meinem Hostel in Tam Coc radelte. Schon während der halbstündigen Fahrt konnte ich die aus den Reisfeldern herausragenden Felsen wahrnehmen und so verwunderte es mich nicht, dass dieses schöne Fleckchen Erde auch die „trockene Halong-Bucht“ genannt wird. Jene Felsen sind aus Kalkstein, sie eignen sich nicht nur sehr gut zum Klettern, sondern überdachen auch atemberaubende Höhlensysteme, welche zum Teil mit Wasser geflutet sind. Zudem bieten die Felsen Platz für außergewöhnliche Tempel und Pagoden, wie beispielsweise Bich Dong. Am nächsten Morgen radelte ich auf Empfehlung zum Hang Mua, einem Berg, auf welchem 500 in den Stein gehauene Treppenstufen zu einer spektakulären Aussicht führen. Für diese Anstrengungen entschädigte der Ausblick allemal! Ein nahezu 360 Grad Panorama über die Reisfelder und Felsen verzaubert die Augen und Kameralinsen der Besucher. Noch war ich allerdings nicht fertig, denn es stand noch ein weiteres Highlight auf dem Programm. Eine Bootstour gehört zu den Pflichtveranstaltungen in Ninh Binh und so zieht jene entsprechend viele Touristen an. Mit insgesamt fünf Fahrgästen an Bord legte der Bootsführer vom Pier ab und wir paddelten auf dem ruhigen Gewässer in Richtung eines Tempels. Nach der Besichtigung des Tempels fuhren wir durch eine ein Kilometer lange Höhle, welche das Prädikat faszinierend verdient. Nur wenige Zentimeter über unseren Köpfen bahnten sich Stalaktiten den Weg Richtung Erdoberfläche. Die Fahrt ging noch durch zwei kleinere Höhlen und zu der Totenkopfinsel, welche einst Drehort für King Kong war. Für ein paar tausend Dong (1 Euro entsprechen 28 000 Dong) konnte man auch noch ein Foto mit den „Eingeborenen“ schießen, welche vor ihren einfachen Strohhütten für Touristenfolklore sorgten.

Am abschließenden Tag meines Ausflugs besuchte ich die Bai-Dinh-Pagode, welche in vielerlei Hinsicht rekordverdächtig ist. Zwar ist diese erst im Jahre 2003 errichtet worden, doch beansprucht der komplette Komplex eine Fläche von 80 Hektar und ist damit der größte in ganz Vietnam.

Glücklich und zufrieden setzte ich mich dann wieder in den Zug und erreichte am Samstagabend Hanoi.

Zudem bekam ich in den letzten Tagen Besuch aus Deutschland, dazu aber in dem nächsten Artikel mehr.

27. Februar 2018 - Satz mit X

Nach Têt verblieb mir noch eine Woche Ferien, welche ich natürlich nutzen wollte, um weiter ein bisschen umher zu reisen.

Ich entschied mich für die weltbekannte Karstlandschaft im Nordosten Vietnams. Doch statt in die von Touristenschiffen überlaufene Halong-Bucht, wollte ich lieber an einen Ort ohne viel Fremdenverkehr und so nahm ich den Bus nach Cam Pha. Diese Stadt, gelegen am Rande der Bai-Tu-Long-Bucht, welche die gleichen geomorphologischen Formen wie ihre bekannte und als Weltkulturerbe eingestufte große Schwester aufweisen soll, hielt ich für meinen Kurztrip für perfekt. Angekommen, machte ich mich auf dem Weg zu meinem Hotel. Zu meiner Überraschung waren die Straßen wie leergefegt. Die 195 000-Einwohner-Stadt hatte den Anschein einer Geisterstadt. Passend zu diesem Bild war der feine Nieselregen, der das Wetter auch den nächsten Tag bestimmte.

Die Dame an der Rezeption sprach kein Englisch und so unterhielten wir uns über den Google-Übersetzer. Meinem Vorhaben, mir ein kleines Ruderboot oder ähnliches auszuleihen, um damit ein bisschen in der Bucht zu schippern, wurde schnell einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier gab es keine Ausleihe und auch keine Touristeninformation, die mir weiterhelfen konnte. Zu allem Überfluss hatten zudem 90 Prozent der Geschäfte und Gaststätten geschlossen. Blöd gelaufen dachte ich mir und spielte mit dem Gedanken, doch noch in die Halong-Bucht zu fahren, aber nach kurzer Internetrecherche merkte ich, dass man dort auch nur auf einem dieser Fahrgastschiffe gut Urlaub machen kann.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als die zwei Tage zu bleiben und aus der Situation das Beste zu machen. Am nächsten Tag erkundete ich ein wenig die Stadt, wobei es wirklich nicht viel zu erkunden gab und vertrieb mir die Zeit mit dem Essen von Pho. Dies war der absolute Höhepunkt dieser Reise, denn die Pho bei einer kleinen Garküche an einer Straßenkreuzung war eine der besten, die ich in Vietnam bisher gegessen habe. Dazu mit einem Preis von rund 90 Cent recht erschwinglich.

Ich fragte mich während meiner Zeit in Cam Pha öfter, ob es die richtige Entscheidung war, einen Ort zu besuchen, von dem nicht bekannt ist, ob er mir etwas in irgendeiner Art und Weise bieten könnte. Aber ist das nicht gerade das Schöne am spontanen Reisen? Dass man einfach mal ins Blaue hinein fährt, ohne überhaupt zu wissen, was einen erwartet. Ich jedenfalls finde diese Art des Reisens sehr erfrischend, auch wenn ich dieses Mal nicht so viel Glück hatte.

18. Februar 2018 - Frohes Neues zum Zweiten

Willkommen im Jahr des Hundes. Mit dem Têt-Fest am Freitag begann das Mondjahr, welches in diesem Jahr eben dem Hund gewidmet ist. Zu diesem Anlass besuchte ich noch einmal meine Gastfamilie und neben einem leckeren Abendessen zelebrierten wir diesen besonderen Tag mit dem ein oder anderen alkoholischen Getränk, wobei ich zugeben muss, dass der selbstgebrannte Hopfen-Schnaps des Nachbarn bei mir schon ein wenig Wirkung hinterlassen hat. Alles in allem war es sehr schön, all jene Menschen wiederzusehen, die mich am Anfang so herzlich aufnahmen.

Zuvor verlebte ich aber noch ein paar schöne Tage in Da Nang.

Am Montag fuhr ich zu dem etwa 1500 Jahre alten Tempelkomplex My Son, welcher viele Jahre das Herz der Cham-Kultur bildete. Heute ist die Anlage Teil der UNESCO-Weltkulturerbestätten und beeindruckt Einheimische und Touristen.

Von einem Weltkulturerbe fuhr ich am darauffolgenden Tag zum nächsten. Es ging über den Hai-Van-Pass, auch Wolkenpass genannt, in die Kaiserstadt Hué. Bis zum Jahr 1945 war die Stadt in Zentralvietnam Hauptstadt und politisches Zentrum Vietnams. Nördlich des Parfüm-Flusses liegt die Zitadelle, welche die verbotene Purpur-Stadt, Sitz der Nguyen-Dynastie, umschließt. Die Besucher, welche auch an diesem Ort zahlreich vertreten sind, betreten die Anlage durch das Mittagstor. Dieser Eingang war früher jedoch nur dem Kaiser vorbehalten. Die Purpurstadt selbst lädt zu einem ausgedehnten Spaziergang entlang schöner Tempel und Gärten ein. Nachdem ich dies besichtigte wollte ich mir noch unbedingt eines der insgesamt sieben Kaisergräber anschauen. Ich entschied mich für die Ruhestätte des 1925 verstorbenen Kaisers Khai Dinh. Reichlich mit Keramik- und Glasmosaiken verziert präsentierte sich der Palast innerhalb der, an einem Abhang gelegenen, Grabanlage, welche eine Mischung von orientalischen und abendländischen Stilelementen vereint.

Nun reicht es aber auch mit Reiseführer-Texten und ich widme mich mal wieder meinen persönlichen Eindrücken.

Die 100 Kilometer-Fahrt nach Hué hielten die eine oder andere Überraschung für mich bereit, denn die Straßen Richtung Stadt werden natürlich auch von den Einheimischen genutzt, um Waren von A nach B zu befördern. Grundsätzlich gibt es nichts, was nicht auf dem Moped transportiert werden kann. Es reicht von rohen Eiern, über etliche Lebendtiertransporte, wie beispielsweise Hühner, Gänse und Schweine, bis hin zu einer großen Glasscheibe, eingeklemmt zwischen Fahrer und Beifahrer. Und da wären natürlich auch noch die Personenbeförderungen auf dem Zweirad. Bis jetzt halten den Rekord, welchen ich registrieren konnte, drei Erwachsene und zwei Kinder auf einem fahrbaren Untersatz.

Auf dem Rückweg, das Wetter wurde auch noch einmal besser, erkundete ich auf einer kleinen Wanderung den Wolkenpass, welcher nicht nur die Wetterscheide zwischen Nord- und Südvietnam bildet, sondern auch Ruinen französischer und amerikanischer Bunker aus dem Vietnamkrieg beherbergt.

Am Mittwoch fuhr ich zusammen mit einem australischen Hostelgast noch einmal auf die Halbinsel Son Tra. Bei bestem Wetter genossen wir die Fahrt entlang der Küste und auf die Gipfel der Affenberge, wobei die Mopeds mit den zum Teil 20% Steigung ihre Mühe hatten. Wir hatten sogar das Glück, dass wir zwei Exemplare dieser besonderen Tiere zu Gesicht bekamen, was bei weitem nicht selbstverständlich ist.

Am Donnerstag dann stand leider bereits die Verabschiedung von meinen lieben Gastgebern Jenny und Toni an und ich machte mich auf den Weg zum Flughafen.

Zum Abschluss habe ich noch eine kleine Anekdote parat. Früh morgens und später am Abend hörte ich aus der Ferne eine Melodie im Stile eines Eiswagens, die mir recht bekannt vorkam. Ich hörte täglich in Da Nang diese Musik und ich bemerkte, dass es sich um Beethovens „Für Elise“ handelt. Dennoch wusste ich bis zum letzten Abend nicht, was es damit auf sich hat, bis ich dann dem Erzeuger begegnete. Es war die Müllabfuhr, die mit diesem Lied den Menschen mitteilte, dass sie ihren Müll abgeben können.

Also lässt sich mit Fug und Recht behaupten: Beethoven ist für die Tonne!

11. Februar 2018 - Im Schatten der Lady

 

Im Nordosten Da Nangs liegt die Halbinsel Son Tra, welche nicht nur wegen ihrer hügeligen Landschaft und der Population von seltenen Affenarten bekannt ist, sondern auch die Linh Ung-Pagode beheimatet. Neben den schönen Gebäuden sorgt besonders die circa 70 Meter hohe Lady Buddha-Statue für eine beeindruckende Kulisse. Hinausragend aus der Landschaft ist sie schon weit vom Strand zu erkennen. Nicht nur mich lockte diese Attraktion an, denn Son Tra ist ein beliebtes Ausflugsziel für Da Nang-Touristen. Eigentlich wollte ich mit meinem Motorrad noch die Insel und den 693 Meter hohen Affenberg erkunden, doch leider machte mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Aber ich bin ja noch ein paar Tage hier, da werde ich das sicher noch einmal in Angriff nehmen, denn die kurvige und gut ausgebaute Küstenstraße ist für einen Ausflug unbedingt zu empfehlen.

Gestern ging es schon zu einer der schönsten Städte Vietnams. Nicht umsonst wurde die Altstadt Hoi Ans als UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.

Mit meiner Zimmergenossin Angela, welche ursprünglich aus Conneticut kommt und seit einiger Zeit in Shanghai lebt, machte ich mich auf den Weg gen Süden. Das Wetter war für diesen Ausflug traumhaft schön. Angekommen in Hoi An liefen wir durch die weltbekannten Straßen mit ihren bunten Lampions. Allerdings hatte ich mit die Stadt etwas größer vorgestellt. In zwei bis drei Stunden haben wir eigentlich schon alles gesehen. Am Nachmittag kamen wir dann mit schönen Fotos und leichtem Sonnenbrand zurück in unser Hostel und genossen am Abend noch ein koreanisches Barbecue bevor die feuer- und wasserspuckenden Drachenköpfe der Drachenbrücke die Besucher in ihren Bann zogen.

9. Februar 2018 - Marmorberge und Traumstrände


Nach der Landung in Da Nang machte ich mich zu Fuß auf den Weg zu meinem Hostel. Im Gegensatz zu Hanoi ist die Stadt wesentlich ruhiger, sauberer und irgendwie allgemein europäischer, was sicherlich auch an den vielen großen Hotels liegt. Angekommen in meinem kleinen gemütlichen Hostel lernte ich auch gleich meine unglaublich netten und liebevollen Gastgeber kennen, welche im Erdgeschoss wohnen und den Gästen ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten.

Nach dem Frühstück organisierte mir meine Wirtin für die Woche ein Moped, denn ich möchte Zentralvietnam ganz individuell auf dem Zweirad erkunden.

Mein erstes Ziel sollten dabei die Marmorberge unweit von Da Lang sein. Einzigartige Höhlen mit vielen Buddha-Statuen und begleitende Musik sorgten für eine andächtige Atmosphäre. Außerhalb der Höhlen führten unzählige Treppenstufen an Pagoden vorbei auf den Berg hinauf, von wo ich einen wunderbaren Ausblick bei guter Sicht genoss.

Am Nachmittag ging ich an den Strand, spazierte bei 25 Grad und Sonnenschein an der Wasserkante entlang und nahm selbstverständlich auch ein Bad in den Fluten.

Morgen geht es dann mit meinem 110 ccm Leichtkraftrad in die Stadt Hoi An.

7. Februar 2018 - Ab in den Urlaub

 

 

Ja, ihr habt richtig gelesen. Während sich meine Kommilitonen in Deutschland gerade durch die Klausuren quälen (Viel Erfolg euch!), habe ich nun erstmal zwei Wochen Ferien. Der Grund ist Têt, das wohl wichtigste Fest im vietnamesischen Jahresverlauf. Gefeiert wird, wie auch in China, das neue Jahr nach dem Mondkalender, welches auch gleichzeitig den Frühlingsanfang markiert. Vergleichbar mit unserem Weihnachten ist es ein klassisches Familienfest mit gutem Essen und Geschenken. Nach dem Unterricht wünschten wir uns ein frohes neues Jahr und verabschiedeten uns, meine Kommilitonen in ihre Heimat und ich in den Urlaub. Am morgigen Nachmittag nehme ich das Flugzeug Richtung Da Nang und werde dort eine Woche verweilen und das schöne Zentralvietnam erkunden. Mein Studienkumpel Hoang sagte mir, dass die Menschen dort einen witzigen Akzent haben, wenngleich ich befürchte, dass ich dies gar nicht mitbekomme, denn welcher Vietnamese würde beispielsweise einen sächselnden Sachsen genauso amüsant finden wie ich? Auf jeden Fall freue ich mich schon sehr auf diese Reise.

In der letzten Woche wurde ich als Referent auf die Mock-Konferenz, eine Konferenz für angehende Dolmetscher, eingeladen. Neben den Präsentationen eines amerikanischen und eines französischen Professors hielt ich einen Vortrag über die Digitalisierung an deutschen Hochschulen. Der Grund dafür war nicht unbedingt meine Expertise in diesem Gebiet, sondern vielmehr, dass ich als Muttersprachler ein gutes Vorbild zum Übersetzen war. Nach den Vorträgen tauschte ich mich noch einige Zeit mit meinen „Kollegen“ aus und diskutierte unter anderem, wie der Fremdsprachenunterricht an Schulen verbessert werden kann.

Am vergangenen Freitag stattete ich dem ethnologischen Museum einen Besuch ab. Während ich im Inneren des Museums viel über die 54 ethnischen Gruppen Vietnams und ihre herkömmliche Lebensweise erfahren konnte, besichtigte ich auf dem Außengelände die verschiedenen Behausungen der Einheimischen. Auch eine kleine Kreativwerkstatt mit der Möglichkeit eine Art Stempelabdruck zu produzieren und traditionelle Spiele zu spielen ist dem Museum angeschlossen.

Während eines Spaziergangs durch Hanoi fallen die oftmals an Seen und in Parks gelegen Outdoor-Fitnessanlagen auf. Dort treffen sich die Hanoier früh morgens oder nach Feierabend und treiben Sport. Dazu ist oftmals auch die Musik aus großen Boxen zu hören, welche entweder zum Zumba oder zum Gesellschaftstanz animiert.

Das Schöne an einem Leben in einer neuen Stadt ist, dass ich fast tagtäglich außergewöhnliche Dinge entdecken und erleben kann.

28. Januar 2018 - Spannung bis zur letzten Minute

 

 

Mit meinem, in Deutschland aufgewachsenen, Kommilitonen Duc besuchte ich am vergangenen Samstag eine der Sehenswürdigkeiten Hanois, den Literaturtempel. Schon vor der Tempelanlage wurde mir klar, dass dies eine der größten Touristenattraktionen in der vietnamesischen Hauptstadt ist. Unzählige Tây, zu Deutsch Westler, bevölkerten das Eingangsportal. Der konfuzianische Tempel wurde im Jahre 1070 erbaut und beheimatete die erste Akademie Vietnams. Die Tempelanlage umfasst insgesamt fünf Innenhöfe. Im Stelenhof wurden die Namen besonders verdienter Professoren und Absolventen in Form von steinernen Schildkröten verewigt. Wir besichtigten noch die schönen Gebäude und machten ein paar Fotos.

An diesem Freitag veranstaltete die Vietnam National University, zu der auch meine Fakultät gehörte, eine Neujahrsfeier für ausländische Studierende. Die Kulisse erinnerte allerdings zunächst eher an eine Hochzeitsfeier. Schön gekleidete Empfangsdamen, weiße Stuhlhussen und ein zur Bühne führender roter Teppich taten ihr Übriges. Ich gesellte mich an einen Tisch mit einer Gruppe von jungen Leuten aus Laos, die in ihren traditionellen Festgewändern durchaus Aufsehen erregten.

Die Abendveranstaltung war, neben dem reichhaltigen Buffet, geprägt von unterschiedlichsten musikalischen und tänzerischen Darbietungen, welche zum Teil sehr große Heiterkeit hervorriefen. Als mit dem letzten Auftritt einer Gruppe aus dem Kongo noch einmal ordentlich Stimmung aufkam, war die Party um Punkt halb neun zu Ende. Bevor sich die Veranstaltung komplett auflöste, wurden noch einige Erinnerungsfotos geschossen.

Am nächsten Morgen hieß es wieder einmal früh aufstehen, denn ein Ausflug mit der Uni zu der Tempelanlage Gióng und der Non Nuóc Pagode unweit von Hanoi stand auf dem Programm. Nach der Besichtigung dieses Tempels und der riesigen Buddha Statue nahmen wir in einem Restaurant unser Mittagessen ein. Neben einem kleinen kulturellen Programm verspeisten wir unser köstliches Elf-Gänge-Menü. Allein dafür hatte sich der Ausflug gelohnt. Nach dem Essen und einem kleinen Rundgang stiegen wir in unseren Bus und fuhren zurück.

Es war Eile geboten, denn an jenem Tag stand das wohl wichtigste Fußballspiel der jüngeren vietnamesischen Geschichte an. Mit einem Sieg im Elfmeterschießen gegen Katar hatte sich die heimische U23 Nationalelf für das Finale der Asienmeisterschaft gegen Usbekistan qualifiziert. Seitdem war das Land in totaler Fußballeuphorie. Statt der in Deutschland bekannten Autokorso fuhren die Vietnamesen seit Tagen rot beflaggt auf ihren Motorrädern durch die Straßen. Vor jeder Kneipe mit Fernseher versammelte sich die fußballbegeisterte Menschentraube und feuerte ihr Team lautstark an. Auf dem verschneiten Fußballplatz in China kam Usbekistan besser zurecht und wurde durch eine schnelle Führung ihrer Favoritenrolle gerecht.
Doch Vietnam gab nicht auf und konnte in der zweiten Halbzeit durch einen sehenswerten Freistoßtreffer ausgleichen. Wieder ging es in die Verlängerung und es  sah alles nach einem erneuten Elfmeterschießen aus, bis in der 120. Minute ein Eckball das 2:1 für die Usbeken brachte.
Die Enttäuschung über das Ergebnis wich schnell dem Stolz über die kämpferische Leistung der jungen Mannschaft und so war noch bis spät in die Nacht Viêt Nam Vô Dich, was so viel bedeutet wie Vietnam Champion, durch die Straßen Hanois zu hören.

18. Januar 2018 - Zurück in der Schule

Es ist 5.30 Uhr als das erste Mal mein Wecker klingelt. Wie immer schlummer ich noch ein paar Minuten weiter, bis ich mich dann aufraffe.

Eigentlich hasse ich es, derart früh aufzustehen. Bei meinem Studium in Greifswald versuche ich so gut es geht jede 8 Uhr-Vorlesung zu vermeiden. Mein Gehirn braucht halt ein bisschen Zeit bis es warmgelaufen ist. Hier habe ich keine andere Wahl. Die Uni beginnt für mich jeden Tag außer am Donnerstag und am Wochenende um Punkt 7 Uhr.

Es ist noch dunkel als ich das Haus verlasse. Von meinem Zuhause gehe ich circa eine Viertelstunde zur Bushaltestelle, von welcher ich dann den Bus Richtung Uni nehme.

Angekommen vor dem mehrstöckigen Lehrgebäude nehme ich die Treppe in den sechsten Stock. Im Gegensatz zum Fahrstuhl fahren, bringe ich so meinen Kreislauf zumindest annähernd in Schwung. Die Kursräume sind mit hintereinander angeordneten Holzbänken eher schlicht gehalten. Und nicht nur die räumliche Ausstattung mit großer Tafel erinnert an die Schulzeit, auch die Interaktion zwischen den Lehrenden und den Studierenden. So wird beispielsweise versucht zu verhandeln, ob man nicht ein bisschen früher Schluss machen könnte und gefragt, ob der Inhalt des Themas denn auch klausurrelevant sei. Auch wenn das Klima insgesamt recht entspannt ist, werden Regeln durchaus durchgesetzt. Bei einer allzu großen Verspätung darf dann bis zur nächsten Pause vor der Tür gewartet werden. Woran ich mich auch erstmal wieder gewöhnen musste, waren die vielen Anforderungen im Semester. So gehört zu jeder Lehrveranstaltung ein Gruppenreferat, häufig ein Zwischentest und abschließend eine Klausur. Also alles wieder wie in der Schule?!

An der Uni lernen insgesamt recht wenig ausländische Studierende und in meinen Klassen bin ich der einzige Ausländer. Aber nicht nur meine Kommilitonen sind sehr interessiert über Deutschland und meine Person. Der häufigste Dialog mit mir in Hanoi beginnt in der Regel so: „Was machst du hier?“, Ich studiere., „Was studierst du?“, Ich studiere Deutsch und Geographie., „Warum studierst du als Deutscher Deutsch in Hanoi?“. Ja, warum mache ich das? Ich entgegne, dass dies auch meine Fächer in Deutschland sind und ich hier ein Auslandssemester mache. Außerdem möchte ich neue Erfahrungen sammeln und eine andere Kultur kennenlernen.

Mittlerweile hat mich der Alltag fest im Griff. Dinge, die ich in der ersten Woche als aufregend empfand, wurden schnell Normalität. Dazu gehört auch das Überqueren der Straße. Fußgängerampeln und Zebrastreifen existieren zwar, werden von den lokalen Verkehrsteilnehmern wenn überhaupt eher als Empfehlung wahrgenommen. Am besten ist, wenn man die Straße in einer gleichmäßig, gleichförmigen Bewegung quert und dabei sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Man wird zwar ständig angehupt, das Hupen gehört hier ebenfalls zu den kulturellen Besonderheiten, aber eine wirklich brenzlige Situation habe ich noch nicht erlebt.

Mit einer ordentlichen Portion norddeutscher Gelassenheit komme ich hier super zurecht.

07. Januar 2018 - Platzangst ist in Vietnam tendenziell eher ungünstig

 

Manchmal ist es echt praktisch groß zu sein, manchmal wiederum nicht. Das werden mir alle „Großen“ unter euch bestätigen.

Nun zähle ich mit meinen circa 1,85 Metern bei weitem nicht zu den Riesen in Europa, in Asien allerdings bin ich durchschnittlich einen Kopf größer als der Rest meiner Mitmenschen. Die körperliche Verschiedenheit der Menschheit dürfte für euch nichts Neues sein, ich darf es hier jedoch hautnah erleben.

Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen, wenn nicht gibt es im nächsten Jahr erneut die Chance. Ich war jedenfalls ziemlich gefesselt. Nicht nur von der großen Show und der ausgelassenen Partystimmung, sondern vielmehr von all den Personen um mich herum.

Mit meinen Begleitern der letzten Tage machte ich mich auf zu Hanois größter Silvesterparty. Ohne überhaupt einmal auf dieser gewesen zu sein, würde ich die Ausmaße mit jener in Berlin vergleichen.

In einer Polonaise drängten wir uns durch die Massen bis wir, oder vielmehr ich, einen guten Ausblick auf das Spektakel hatten. Denn wie ich es bereits erwähnte, war ich nun im Vorteil und konnte über die Massen hinwegblicken. Wirklich wohl habe ich mich dabei aber nicht gefühlt. Mit etwa neun Vietnamesen teilte ich mir einen Quadratmeter im dichten Gedränge. Immer wieder quetschten sich Menschengruppen an uns vorbei.

60 Sekunden vor Mitternacht, bei euch um 17.59 Uhr, schossen auf einmal die Smartphones in die Höhe. Der Grund, der Countdown startete. Wie immer zur Integration bemühend, tat ich es auch und verfolgte die letzten Sekunden des alten Jahres und die ersten Sekunden des neuen Jahres auf meinem Handy. Danach war dann aber auch Schluss und wir traten den Heimweg an.

Am Mittwoch besichtigte ich ein Zimmer in einer internationalen Wohngemeinschaft und entschied, dieses als meine Unterbringung für die nächsten Monate anzumieten.

Damit endete meine Zeit bei meinen vietnamesischen Gastgebern, welche mich herzlichst aufnahmen und stets mit gutem vietnamesischen Essen versorgten. Trotz fehlender verbaler Kommunikation, klappte die non-verbale Verständigung die meiste Zeit ganz gut. Vielen Dank für alles!

Am Freitag nach der Uni, von welcher ich euch in der nächsten Woche ausführlicher berichten möchte, nahm ich den Bus in Richtung des Cuc Phuong Nationalpark südlich Hanois. Der Grund für diesen spontanen Wochenendtrip war, dass meine Kirgistan-Exkursionsfreundin Helena nur noch diese Woche dort als Volunteer arbeitet und wir uns ausmachten, dass ich sie im Nationalpark besuchen werde.

Zunächst einmal musste ich aber zu jenem kommen. Ich stieg in den kleinen Bus und versuchte, es mir möglichst bequem für die dreistündige Fahrt zu machen. Es blieb beim Versuch, denn egal wie ich mich auch verrenkte, es war nie wirklich komfortabel. Hinzu kam, dass mein Gefährt ein Hop-On-Hop-Off-Bus war und eindeutig mehr Menschen zustiegen als ausstiegen.

Trotz aller Widrigkeiten kam ich dennoch gut an meinem Ziel an. Der Cuc Phuong Nationalpark ist ein Areal geschützten Regenwaldes mit einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Die durch den Menschen bedrohten Tiere werden in speziellen Auffangstationen von Einheimischen und Freiwilligen versorgt. Der Handel mit exotischen Tieren ist besonders nach China weit verbreitet, da dort die traditionelle Medizin und wohlhabende Privatleute vom (anscheinenden) Wert der Primaten, Schildkröten und Schuppentiere schöpfen. Am Nachmittag lieh ich mir ein Moped und erkundete die weiteren Attraktionen des Nationalparks, wie zum Beispiele eine urzeitliche Höhle und einen tausendjährigen Baum.

Heute trat ich dann wieder die Rückfahrt mit dem Bus an. Den Bus mit regulär 26 Sitzplätzen teilten sich am Ende mehr als 50 Frauen, Männer und Kinder.
Normal in Vietnam und deshalb sollte man hier auf keinen Fall Platzangst haben!

31. Dezember 2017 - Xin chào Hà Nôi!

Nun ging es also los, mein großes Abenteuer.

Gestartet in Hamburg flog ich zuerst nach Dubai, welches sich als leuchtende Metropole in der nächtlichen Wüste den Besuchern präsentierte. Es machte alles schon einen unwirklichen Eindruck auf mich, was da mit Geldern aus dem persischen Golf in den Wüstensand gestampft wurde. Nach zweistündigem Aufenthalt im Flughafengebäude hieß es dann aber auch für mich, einsteigen, es geht weiter.

In dichtem Nebel gebettet lag sie nach sechsstündigem Flug vor mir, die Sechseinhalbmillionenstadt Hanoi. Der Ort, an welchem ich meine nächsten fünf Monate leben werde. Es hätte sich ruhig etwas für mich herausputzen können, doch wie ich schnell merkte, sind ausländische Besucher längst keine Seltenheit mehr.

Mit einer Taxifahrt, für welche ich trotz Handelns wahrscheinlich immer noch viel zu viel bezahlt habe, erreichte ich nun das Stadtzentrum. Von dort aus vermittelte mich mein Fahrer an einen Moped-Taxifahrer weiter, mit welchem ich dann zu der mir gegebenen Adresse fuhr. Eine Kommilitonin meines Cousins mit Verwandtschaft in Hanoi organisierte mir für die erste Zeit eine Unterkunft bei Verwandten. Mein vietnamesisches Vokabular ist recht stark limitiert. Außer Xin chào (Guten Tag) und Tên tôi là Sören (Mein Name ist Sören) konnte ich nicht viel sagen. Zum Glück half der Neffe meiner Gastgeber beim Übersetzen und Erklären. Die erste Herausforderung stellte allerdings die Nahrungsaufnahme dar. Habe ich zuvor in asiatischen Restaurants lieber zum bekannten Besteck gegriffen, musste ich mich nun mit Stäbchen beweisen. Die ersten Anläufe waren sehr holprig, doch von Zeit zu Zeit wurde auch ich immer routinierter.

Gefrühstückt wird in Vietnam in der Regel das Nationalgericht Phò, eine Reisnudelsuppe mit Sprossen, Rindfleisch und Koriander. Durchaus schmackhaft, allerdings ist das Koriandergrün schon sehr gewöhnungsbedürftig.

Am nächsten Abend unternahmen die, etwa meinem Alter entsprechenden, Kinder, Nichten und Neffen meiner Gastgeber, mit mir einen Ausflug in die Altstadt Hanois. Vietnam ist ein sehr junges Land, etwa zwei Drittel aller hier lebenden Menschen sind unter 30 Jahren.

Am Silvestertag besuchten wir dann das Ho Chi Minh-Mausoleum und Museum. Was für die Sowjets Lenin war, ist für die Vietnamesen ihr kommunistischer Revolutionsführer. Doch zunächst einmal hieß es Schlange stehen und wenn man dies nicht vernünftig in einer Zweier-Reihe tat, wurde man sogleich von dem aufmerksamen Personal ermahnt. Über einen roten Teppich aus Plastik ging es in das Innere des Mausoleums. Aufgebahrt in einem gläsernen Sarkophag lag Ho Chi Minh nun friedlich da. Wir besuchten noch die Gebäude in welchen er gelebt und gewirkt hat und das ihm gewidmete Museum.

Zurück ging es natürlich auf dem Moped durch den dichten Verkehr der Hauptstadt Vietnams. Wer denkt, dass der Verkehr in den deutschen Städten chaotisch ist, sollte unbedingt mal hier vorbeischauen. Wo auch nur die kleinste Lücke entsteht nimmt sekundenspäter schon ein Moped, im besten Fall mit mehreren Personen oder Gütern beladen, diesen Platz ein.

Heute Abend wollen wir dann noch mal in die Stadt, schließlich muss 2018 begrüßt werden.

Ich würde vorschlagen, dass ich mich dann wieder im nächsten Jahr melde.