Wozu Studienkollegs?

Es sind ca. 70% der Länder dieser Erde, deren Heimatabiture nicht direkt zur Aufnahme eines Hochschulstudiums in Deutschland befähigen. Diesbezüglich leisten die ca. 30 Studienkollegs in der Bundesrepublik Deutschland (http://www.studienkollegs.de/) eine Anpassungsqualifikation in natur- und geisteswissenschaftlichen Grundlagenfächern. Am Studienkolleg der Universität Greifswald stehen dafür jährlich 80-90 Studienplätze zur Verfügung. Im Jahr 2017 haben sich knapp 1.600 junge Menschen aus aller Welt für den Aufnahmetest zum Studienkolleg beworben.

1959 beschlossen die Kultusminister, dass zur Vorbereitung ausländischer Studienbewerber v.a. aus Afrika, Asien, Amerika und Südamerika 2- bis max. 4-semestrige Lehrgänge eingerichtet werden sollen, die einem regulären Fachstudium vorgeschaltet sind. Die Abiturienten, denen kein direkter Hochschulzugang in Deutschland möglich ist, müssen ein Studienkolleg besuchen. Die Festlegung der Länder erfolgt nach den Bewertungsvorschlägen der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) der Kultusministerkonferenz (KMK; zur „Anerkennung und Bewertung ausländischer Bildungsnachweise“ s. http://anabin.kmk.org).

Diese ausländischen Studienbewerber müssen nach Absolvieren unterschiedlicher Schwerpunktkurse zur Vorbereitung auf technische, mathematische und naturwissenschaftliche (T-Kurs), medizinische und biologische (M-Kurs) oder geisteswissenschaftliche, künstlerische und gesellschaftswissenschaftliche Studiengänge an Universitäten (G-/S-Kurs)  die sog. „Feststellungsprüfung“ in 4-5 geistes- und/oder naturwissenschaftlichen Fächern ablegen und erhalten hiermit die Hochschulzugangsberechtigung (HZB) für alle Hochschulen in Deutschland.

Die originären Aufgaben eines Studienkollegs in der Bundesrepublik Deutschland allgemein und an der Universität Greifswald sind

  1. Fachunterricht, Fachsprachunterricht sowie die methodische Vorbereitung von internationalen Studienbewerbern auf ein Hochschulstudium in Deutschland, z. B. Erstellen von Referaten, Präsentationen, Hausarbeiten, Protokollen; Durchführen von Experimenten (Chemie, Physik); Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten (Zitieren, Bibliographieren, Exzerpieren etc.),
  2. die Angleichung der heterogenen Ausgangsbedingungen der internationalen Studierenden mit Schulabschlüssen aus mitunter deutlich voneinander verschiedenen Bildungssystemen an die Studieneingangsvoraussetzungen in Deutschland,
  3. die Betreuung der multinationalen Studierendenklientel bei deren Sozialisation in Deutschland (z. B. Unterstützung bei aufenthaltsrechtlichen Angelegenheiten) und
  4. bei der Integration in den hiesigen studentischen und akademischen Alltag durch u.a. Besuche von Lehrveranstaltungen der Universität, der Hochschulinformationstage, des Tags der Naturwissenschaften, der Universitätsbibliothek, des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs sowie städtischer Einrichtungen (Pommersches Landesmuseum; Stadttheater Greifswald; Koeppen- und Fallada-Haus) und durch kursorientierte Exkursionen (Phänomenta/Peenemünde; Ozeaneum/Stralsund; Prora/Rügen; Historisch-Technisches Museum/Peenemünde),
  5. sowie abschließend Durchführung und Abnahme der für die Hochschulzugangsberechtigung erforderlichen Prüfung (FSP)

All das unterstützt Studienbewerber mit unterschiedlicher Vorbildung, einem Studium an einer deutschen Hochschule gerecht zu werden. Laut einer HIS-Studie ist der Erfolg von Studierenden mit ausländischen Hochschulzugangszeugnissen, die kein Studienkolleg besucht haben, weitaus geringer als bei denjenigen, die an einem Studienkolleg gezielt auf ihr Fachstudium vorbereitet wurden. (https://www.daad.de/de/download/zahlen/dok-und-mat_55.pdf).
Eine solide Studienpropädeutik, wie sie von den Studienkollegs geleistet wird, ist der wesentliche Schlüssel zum Studienerfolg internationaler Studierender.