Universität im Rathaus

Universität im Rathaus

Portrait Diana Raufelder
Portrait Lars Kaderali
Portrait Daniel Schiller
Portrait Thomas K. Kuhn
Portrait Heinrich Lang

Programm der Universität im Rathaus für das Wintersemester 2016/2017

Portrait Diana Raufelder
24. Oktober 2016, 17:00 Uhr

Die Technologisierung und Virtualisierung der Welt beeinflusst immer stärker die Qualität unserer sozialen Beziehungen − auch im Schulkontext. Dies stellt die Gesellschaft und die Schule vor neue Herausforderungen. Wie können individuelle Motivations- und Lernprozesse im schulischen Bildungskontext optimiert werden; insbesondere wenn diese Prozesse zwischen erziehungswissenschaftlicher Tradition und gesellschaftlicher Moderne balancieren?

Soziale Beziehungen sind für die Motivation und den Lernprozess essentiell. Das zeigen Studien aus der Schulforschung, Motivations- und Emotionsforschung, sowie neueste Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften. Wesentliche Bestandteile menschlicher Interaktionen sind Emotionen. Sie können als Reaktion auf innerliche und äußerliche Ereignisse verstanden werden, welche zu physiologischen und verhaltensbezogenen Veränderungen führen. Negative Emotionen wie Angst oder Ärger spielen gerade im Kontext Schule eine große Rolle. Die Gehirnforschung bietet dabei die Möglichkeit, automatisierte Emotionsverarbeitungsprozesse − wie sie auch bei Lehrer-Schüler-Interaktionen vorhanden sind − zu untersuchen.

Im Rahmen der Nachwuchsforschergruppe SELF (Sozio-Emotionale LernFaktoren) hat die Universität Greifswald in Kooperation mit Neurowissenschaftlerinnen und Neurowissenschaftlern der Charité Berlin die Qualität des Lehrer-Schüler-Verhältnisses untersucht und ihre Bedeutung für die sogenannte „Amygdala-Aktivierung“. Darunter wird die Aktivierung des Ortes im Gehirn verstanden, welcher mitunter für die Entstehung von Angst zuständig ist. Erforscht wurden mögliche Zusammenhänge mit Prüfungsangst bei jugendlichen Schülern. Die Ergebnisse werden im Rahmen des Vortrags vorgestellt. Dieser gibt darüber hinaus einen generellen Einblick in das Feld der Neuropädagogik.

Einblicke in die Neuropädagogik: Emotionen im Lehrer-Schüler-Verhältnis

Prof. Dr. Dr. phil. Diana Raufelder (Philosophische Fakultät)

Portrait Lars Kaderali
7. November 2016, 17:00 Uhr

Zu den Infektionskrankheiten zählen die unterschiedlichsten Erkrankungen. Dazu gehören Pest, Tuberkulose und Borreliose, als auch Masern, Hepatitis und Aids. Sie werden durch Organismen wie Bakterien oder Viren hervorgerufen.

Ein wichtiges Charaktermerkmal ist diesen Krankheiten gemein: Es sind die sehr komplexen Interaktionen zwischen dem Wirt und dem viralen oder bakteriellen Krankheitserreger. Viren kapern beispielsweise Mechanismen der Wirtszelle und reprogrammieren diese für ihre eigene Vermehrung. Gleichzeitig aktiviert der Wirt eine Vielzahl an Abwehrmechanismen, um die Infektion zu bekämpfen. Das Ergebnis dieses Zusammenspiels ist ganz verschieden. Es hängt von vielen Faktoren und deren genauen zeitlichen Eintreten ab, ob die Erkrankung ausbricht oder die Abwehr der Infektion erfolgreich ist.

In der Vorlesung veranschaulicht Professor Kaderali, wie die Universität Greifswald in der Forschung eine Kombination verwendet von modernen Hochdurchsatz-Experimenten, Bioinformatik-Methoden, mathematischen Modellen und Computersimulationen. Ziel ist es, die Infektionsdynamik besser zu verstehen. Anhand der neuen Erkenntnisse sollen Strategien für Medikamente entwickelt werden, welche Bakterien und Viren wirkungsvoller entgegenwirken oder sie ausschalten.

Systembiologie von Infektionskrankheiten: Mit Mathe und Computern gegen Viren und Bakterien

Prof. Dr. rer. nat. Lars Kaderali (Medizinische Fakultät)

Portrait Daniel Schiller
28. November 2016, 17:00 Uhr

China zählt seit vielen Jahren zu den wichtigsten Zielländern für deutsche Investoren. Diese Investitionen wurden durch den chinesischen Staat im Zuge der Reform- und Öffnungspolitik gefördert, die das Land seit fast 40 Jahren verfolgt. Heute ist China für viele Industriewaren der weltweit führende Produktionsstandort.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends hat die chinesische Regierung den Öffnungsprozess des Landes um die sogenannte „Going Global“ – Strategie ergänzt. Chinesische Unternehmen werden nun ihrerseits bei Investitionen im Ausland unterstützt. In den letzten Jahren kam es dadurch mehr und mehr zu einer Umkehr der Investitionsströme. In Deutschland haben chinesische Unternehmen vor allem Übernahmen im Fahrzeug- und Maschinenbau getätigt. Die neuen Investoren werden teilweise aufgrund des Zugangs zu Kapital und Märkten wohlwollend aufgenommen. Gleichzeitig werden aber auch skeptische Stimmen laut. Sie befürchten einen unkontrollierten Wissensabfluss und vermehrte Einflussnahme des chinesischen Staates.

Professor Daniel Schiller erläutert das Vorgehen und die Motive der chinesischen Investoren und diskutiert mögliche Auswirkungen auf den Standort Deutschland. Handelt es sich bei den chinesischen Investitionen in Deutschland um eine neue Form der Globalisierung? Der Vortrag wird versuchen, diese Frage anhand erster Ergebnisse eines laufenden Forschungsprojektes zu beantworten. 

Chinesische Unternehmen in Deutschland − Eine neue Phase der Globalisierung?

Prof. Dr. rer. nat. Daniel Schiller (Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)

Portrait Thomas K. Kuhn
12. Dezember 2016, 17:00 Uhr

Eines gilt für die Geschichte der Juden in Mitteleuropa insgesamt: Sie ist zum einen die Geschichte einer ethnischen Minderheit im Kontext einer herrschenden christlichen Mehrheitsgesellschaft. Zum anderen ist diese Geschichte immer auch mit jener der christlichen Umwelt eng verwoben. Aus christlicher Perspektive definierte man die Juden als „Fremde“, als „Feinde“, als die von Gott verstoßenen „Gotteslästerer“. Sie galten als Gefährdungen des Gemeinwesens, denen mit restriktiven Ordnungen zu begegnen sei. An ihren Lebensbedingungen sollten die Juden das Fortbestehen des Zornes Gottes erkennen.

Mit den Zuschreibungen von Fremdheit gingen jene Zuschreibungen einer vermeintlichen jüdischen Unterlegenheit und Feindschaft einher. Schon die Kirchenväter erklärten die soziale Abhängigkeit der Juden gegenüber den Christen als Konsequenz ihres offenbar falschen Verhaltens. Es war die Strafe für ihre Ablehnung Jesu Christi als Messias und für ihre vermeintliche Schuld am Tod Christi. Diese Gedanken prägten das Zusammenleben von Christen und Juden. Ohne wirklich hinterfragt zu werden, galten diese Anschauungen über das jüdische Volk bis weit in das Zeitalter der Aufklärung hinein und darüber hinaus.

Wie aber gestaltete sich diese Koexistenz? Wie sah das Leben von Juden in Pommern um 1700 aus? In der Vorlesung gibt Prof. Dr. Thomas K. Kuhn Einblick in diese spannungsvolle Geschichte. Ausgewählte Beispiele − auch aus Greifswald – veranschaulichen den Vortrag. Er zeigt, dass antijüdische Polemik häufig primär ökonomisch und nicht religiös begründet war.

Die „dem Land nur zur Last gereichen“ − Juden in Pommern im 17. Jahrhundert

Prof. Dr. theol. Thomas K. Kuhn (Theologische Fakultät)

Portrait Professor Heinrich Lang
9. Januar 2017, 17:00 Uhr

Erklärtes Ziel des Transplantationsgesetzes (TPG) war die Schaffung von Vertrauen und Transparenz innerhalb des transplantations-medizinischen Verteilungssystems. Tatsächlich hegen viele Menschen Vorbehalte. Die Organspende-Bereitschaft in Deutschland ist trotz gesetzgeberischer und medialer „Großoffensiven“ aktuell so niedrig wie kaum je zuvor. Warum dies so ist, wird nicht einheitlich beurteilt. Die einen sehen die „Organspende-Skandale“ der letzten Jahre als verantwortlich an. Die anderen bewerten namentlich die mediale Aufbereitung als ein ungerechtfertigtes Skandalisieren, welche das Vertrauen in die Lauterkeit der Verteilungsentscheidungen untergrabe.

Das 1997 in Kraft getretene TPG stellt mitunter ein Novum dar. Mit diesem Gesetz werden erstmals in Deutschland Menschen von einer lebensverlängernden oder rettenden Behandlung normativ ausgeschlossen. Aufgrund des Nichterfüllens von gesetzlichen Kriterien - wie Erfolgsaussicht und Dringlichkeit – ist es nun möglich, Patienten die medizinische Behandlung zu verwehren. Am TPG lassen sich daher wie in einem Brennglas die Probleme aufzeigen, die bei einer Knappheit medizinischer Versorgung entstehen können.

Die Veranstaltung gibt, ausgehend von den erwähnten Unregelmäßigkeiten bei Organzuteilungen, zunächst einen Überblick über das Organzuteilungsverfahren. Dabei werden die beteiligten Institutionen − Entnahmekrankenhäuser, Transplantationszentren, Deutsche Stiftung Organtransplantation, Eurotransplant, Bundesärztekammer − vorgestellt und die jeweiligen rechtlichen Rahmenbedingungen skizziert.

Mit dem gewonnen Rüstzeug wird sich Prof. Dr. Heinrich Lang dann einigen der derzeitigen rechtlichen Problemfelder in der Transplantations-Medizin zuwenden. Dabei geht es um die strukturelle Verantwortungsverflüchtigung für Zuteilungsentscheidungen, die regelmäßig nicht den einzelnen handelnden Akteuren anzulasten ist. Weiter thematisiert die Vorlesung die aus rechtsstaatlicher Perspektive unzulängliche Kontrolle transplantationsmedizinischer Entscheidungen und in diesem Kontext namentlich den vollkommen defizitären Rechtsschutz. Und es wird die Sprache von etwas sein, was sich als das Abdanken der Gerichte bezeichnen lässt.

Zu allen angesprochenen Fragen lassen sich ganz unterschiedliche Positionen einnehmen. Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit zur Diskussion.  

„Organe und Skandale“ − warum Vertrauen und Transparenz im transplantationsmedizinischen Verteilungssystem so schwierig herzustellen sind

Prof. Dr. jur. Heinrich Lang (Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät)

Mit dem 24. Oktober 2016 startet wieder die beliebte Vorlesungsreihe „Universität im Rathaus“. Der Oberbürgermeister der Universitäts- und Hansestadt Greifswald Dr. Stefan Fassbinder und der Organisator der Vortragsreihe Prof. Dr. Matthias Schneider werden gemeinsam mit der ersten Referentin Prof. Dr. Dr. Diana Raufelder das Wintersemester eröffnen.

Die circa einstündigen Vorträge finden im Bürgerschaftssaal des Rathauses (Am Markt) statt und sind für Rollstuhlfahrer erreichbar. Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei, eine vorherige Anmeldung nicht erforderlich. 

Über die Universität im Rathaus

Die Vortragsreihe „Universität im Rathaus“ stärkt die Verbundenheit zwischen der Universität Greifswald und der Bevölkerung in Stadt und Umland. Die Reihe wird gemeinsam von Stadt und Universität organisiert.

Greifswalder Wissenschaftler stellen ihre Forschungen und ihre Forschungsergebnisse so der breiten Öffentlichkeit vor. Die Professoren treten ohne Honorar auf, die Stadt stellt den Bürgerschaftssaal mietfrei zur Verfügung. Somit muss kein Eintritt verlangt werden, obwohl hochkarätige Referenten gewonnen werden konnten.

Dass die Vorträge im Rathaus und nicht in der Universität stattfinden, gehört zum Konzept. Damit soll ein breites Publikum erreicht werden. Aus diesem Grund ist es auch das Anliegen der Referenten, ihr Fachwissen für alle verständlich zu vermitteln.


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Ab 1. April 2017 gilt statt der 86 die neue Einwahl 420!

Universitäts- und Hansestadt Greifswald

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