Universität im Rathaus

Universität im Rathaus

Programm der Universität im Rathaus für das Wintersemester 2017/2018

Foto Henning Theißen
13. November 2017, 17:00 Uhr

Als „postfaktisch“ wird ein Kommunikationsverhalten bezeichnet, das Tatsachenwahrheiten durch Befindlichkeiten ersetzt, die auf Emotionalisierung und Personalisierung der Kommunikation aufbauen. Die Folgen hiervon sind in der politischen Kommunikation am offensichtlichsten. Hier kann eine postfaktische Haltung zur Stimmungsmache oder zur gezielten Desinformation (sog. fake news) genutzt werden und so unmittelbar Prozesse der Willensbildung und Entscheidung verzerren. Nicht umsonst wurde der Ausdruck „postfaktisch“ im Jahre 2016 sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien zum Wort des Jahres bestimmt. Das Postfaktische ist aber nicht nur ein politisches Problem, sondern betrifft alle Bereiche der Gesellschaft und nicht zuletzt auch die Religion und die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihr in der Theologie.

Der Vortrag bestimmt die Bedeutung des Problems für die Theologie in zwei Richtungen. In theoretischer Hinsicht besitzen Religion und Theologie ein großes Potenzial dafür, Kommunikationsprozesse als Streben nach Wahrheit auszurichten und so der postfaktischen Haltung entgegenzutreten. In praktischer Hinsicht hingegen scheint die Religion der postfaktischen Emotionalisierung und Personalisierung der Kommunikation oft selbst Vorschub zu leisten. Ziel der Überlegungen ist der Beitrag der Theologie zur Lösung des Problems des Postfaktischen.

Ansprechpartner
PD Dr. Henning Theißen
Theologische Fakultät
Am Rubenowplatz 2/3
17489 Greifswald
Telefon 03834 420 2543
henning.theissen(at)uni-greifswald(dot)de

Postfaktisch – Was geht das die Theologie an?

PD Dr. theol. Henning Theißen (Theologische Fakultät)

27. November 2017, 17:00 Uhr

„Wie Honig im Kopf – alles verklebt.“ So antwortet Opa Amandus im gleichnamigen Kinofilm auf die Frage seiner Enkelin Tilda, wie sich es wohl anfühle, alles zu vergessen. Amandus Beschreibung ist gar nicht so weit entfernt von der Situation im Gehirn eines an Alzheimer oder erkrankten Patienten. Ein Hauptmerkmal sind Proteinablagerungen, die sich im Laufe des Lebens ansammeln und im hohen Alter dazu führen, dass die Nervenzellen im Gehirn nicht mehr richtig arbeiten können.

Aber nicht nur in der klassischen Alzheimer’schen Erkrankung, sondern auch bei anderen degenerativen Erkrankungen sammeln sich solche Proteinmülleinschlüsse in Zellen oder daneben. In gesunden menschlichen Zellen übernimmt ein spezieller Proteinschredder – das Proteasom – die Aufgabe, alte und falsch geformte Proteine zu entsorgen. Diesen Schredder muss man sich wie eine zelluläre Müllabfuhr vorstellen, die bei sogenannten Proteinopathien – also nicht nur bei Alzheimerpatienten – nicht mehr richtig funktioniert. Wenn diese Müllabfuhr nur eingeschränkt arbeitet, können Entzündungen entstehen, Zellen unkontrolliert sterben oder Kontrollmechanismen für die Zellteilung aussetzen und Tumorbildung einsetzen. Forscher versuchen durch Experimente im Labor die wichtige Frage zu beantworten, warum unsere Proteinschredder ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen und wie man diesen Prozess z.B. durch Medikamente manipulieren kann. 

Ansprechpartnerin
Prof. Dr. Elke Krüger
Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Medizinische Biochemie und Molekularbiologie
Ferdinand-Sauerbruch-Straße, DZ 7
17475 Greifswald
Telefon 03834 86 5401
elke.krueger(at)uni-greifswald(dot)de

Warum brauchen Zellen eine effiziente Müllabfuhr für Proteine?

Prof. Dr. rer. nat. Elke Krüger (Universitätsmedizin)

Foto Heinrich Lang
4. Dezember 2017, 17:00 Uhr

Am 24. September fanden die Wahlen zum 19. Deutschen Bundestag statt. Trotz der an sich im Bundeswahlgesetz festgelegten Zahl von 599 Abgeordneten sind im neuen Parlament 709 Abgeordnete vertreten. Dies wirft verfassungspolitische, aber auch verfassungsrechtliche Fragen auf. Der Vortrag skizziert vor diesem Hintergrund die Entwicklung der wahlrechtlichen Reformen der letzten zehn Jahre, die ja diese Sitzzunahme ermöglicht haben, und erläutert die Grundlagen des Wahlrechts sowie des Sitzzuteilungsverfahrens. Das Wahlrecht ist in der Demokratie nämlich ein besonderes Recht. Es ist nicht nur – wie das Bundesverfassungsgericht sagt – das vornehmste Recht des Bürgers in der Demokratie, es ist auch (nicht zuletzt durch die politischen Parteien) in hohem Maße gestaltungsfähig, damit aber auch missbrauchsanfällig. Das nötigt zur Vorsicht, die in die Formulierung gekleidet wurde, wer das Wahlrecht reformiere, operiere an der Herzkammer der Demokratie. Ein weiterer Aspekt des Vortrags beschäftigt sich mit der Frage, ob die Wahl als ganzes oder die Wahl einzelner Abgeordneter auch ungültig sein kann und welche Konsequenzen daraus folgen. 

Ansprechpartner
Prof. Dr. Heinrich Lang
Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät
Domstraße 20
17489 Greifswald
Telefon 03834 420 2174
heinrich.lang(at)uni-greifswald(dot)de

Wie kommt man eigentlich in den Bundestag und kann eine Bundestagswahl auch aufgehoben werden?

Prof. Dr. jur. Heinrich Lang (Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät)

Portrait Cordelia Heß
18. Dezember 2017, 17:00 Uhr

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war in Schweden geprägt von Auseinandersetzungen um Pressefreiheit, die Verfassung und Liberalisierungen des Wirtschaftssystems – und um die bürgerliche Gleichstellung der nur etwa 900 Jüdinnen und Juden, die seit zwei oder drei Generationen im Land lebten. Die im Reichstag vertretenen Stände diskutierten immer wieder die gesetzlichen Regelungen für diese verschwindend kleine, wohlhabende Gruppe und lehnten eine Gleichstellung immer wieder ab. Das andauernde Ringen zwischen den Ständen und der Tagespresse einerseits und dem König und einigen liberalen Staatsräten andererseits kulminierte im Sommer 1838 in Ausschreitungen gegen jüdische Wohnhäuser in Stockholm – die ersten und nahezu einzigen physischen Angriffe auf jüdisches Eigentum in Schweden überhaupt. Relevant für eine Wissensgeschichte des Antisemitismus sind in dieser kaum beachteten Episode vor allem drei Aspekte: die Rolle der Medien und einer medialen Öffentlichkeit in Stockholm bei der Konstruktion der jüdischen Minderheit zuerst als Thema, dann als Problem; die Argumente, die gegen die Liberalisierung des Judenregiments vorgebracht werden; und die Reaktionen auf die Ausschreitungen, in denen die Differenz deutlich wird zwischen den antijüdischen Phantasien, die die Ablehnung der Emanzipation speisen, und der Akzeptanz der bereits im Land lebenden Juden und Jüdinnen.

Ansprechpartnerin
Prof. Dr. Cordelia Heß
Philosophische Fakultät
Historisches Institut
Domstraße 9 A
17489 Greifswald
Telefon 03834 420 3330
cordelia.hess(at)uni-greifswald(dot)de

Eine Fußnote der Emanzipation? Antijüdische Ausschreitungen in Stockholm 1815–1838

Prof. Dr. phil. Cordelia Heß (Philosophische Fakultät)

Foto Mihaela Delcea
8. Januar 2018, 17:00 Uhr

Das Immunsystem kann manchmal versagen, uns gegen Bakterien und Viren zu verteidigen und greift stattdessen Proteine (Eiweiße) unseres Körpers an. Diese Proteine erfüllen eine Vielzahl von Funktionen in unserem Körper (zum Beispiel Umwandlung von Nahrung in Energie, Wahrnehmung von Licht, Wachstumssteuerung und Reparatur von Zellen). Durch den Angriff auf die Proteine wird eine Immunreaktion ausgelöst, welche zu Autoimmunerkrankungen führt. Ein Beispiel für eine Autoimmunerkrankung ist Heparin-induzierte Thrombozytopenie, die auftritt, wenn der Gerinnungshemmer Heparin durch Medikamente in das Blut eingeführt wird und mit einem Blutprotein (Plättchenfaktor 4) wechselwirkt. Diese Wechselwirkung führt zur Bildung von Antikörpern führt. Wir verwenden eine Kombination von hochsensiblen nanotechnologischen Werkzeugen, um vorherzusagen, unter welchen Bedingungen (beispielsweise Medikamente, Stressfaktoren, Mutationen) Proteine unseres Körpers eine Immunantwort hervorrufen können, welche schließlich die Autoimmunerkrankungen verursacht. Diese Forschung könnte dazu beitragen, die Autoimmunität besser zu verstehen, neue Strategien für Prävention und Behandlung zu entwickeln und sicherere biotherapeutische Medikamente zu entwickeln.

Ansprechpartnerin
Prof. Dr. Mihaela Delcea
Institut für Biochemie/ZIK HIKE
Fleischmannstraße 42
17489 Greifswald
Telefon 03834 86 22343
delceam(at)uni-greifswald(dot)de

Warum rufen menschliche Proteine eine Immunantwort hervor?

Prof. Dr. rer. nat. Mihaela Delcea (Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)

Am 13. November 2017 startet wieder die beliebte Vorlesungsreihe „Universität im Rathaus“. Der Oberbürgermeister der Universitäts- und Hansestadt Greifswald Dr. Stefan Fassbinder und der Organisator der Vortragsreihe Prof. Dr. Matthias Schneider werden gemeinsam mit dem ersten Referenten PD Dr. Henning Theißen das Wintersemester eröffnen. 

Die circa einstündigen Vorträge finden im Bürgerschaftssaal des Rathauses (Am Markt) statt und sind für Rollstuhlfahrer erreichbar. Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei, eine vorherige Anmeldung nicht erforderlich. 

Über die Universität im Rathaus

Die Vortragsreihe „Universität im Rathaus“ stärkt die Verbundenheit zwischen der Universität Greifswald und der Bevölkerung in Stadt und Umland. Die Reihe wird gemeinsam von Stadt und Universität organisiert.

Greifswalder Wissenschaftler stellen ihre Forschungen und ihre Forschungsergebnisse so der breiten Öffentlichkeit vor. Die Professoren treten ohne Honorar auf, die Stadt stellt den Bürgerschaftssaal mietfrei zur Verfügung. Somit muss kein Eintritt verlangt werden, obwohl hochkarätige Referenten gewonnen werden konnten.

Dass die Vorträge im Rathaus und nicht in der Universität stattfinden, gehört zum Konzept. Damit soll ein breites Publikum erreicht werden. Aus diesem Grund ist es auch das Anliegen der Referenten, ihr Fachwissen für alle verständlich zu vermitteln.


Presse- und Informationsstelle
Domstraße 11, Eingang 1
17489 Greifswald
Telefon +49 3834 420 1150
pressestelle(at)uni-greifswald(dot)de

Universitäts- und Hansestadt Greifswald

Amt für Bildung, Kultur und Sport
Abteilung Kultur
Goethestraße 2 A
17489 Greifswald
Telefon +49 3834 8536 2101
kultur(at)greifswald(dot)de