Historische Gewächshäuser des Botanischen Gartens in der Münterstraße

Historische Gewächshäuser

Diese gehören zur Epoche der großen Stahlbauten, die mit dem Londoner Kristallpalast 1851 begann und durch die Erfindung des nietbaren Puddelstahls neuartige Konstruktionsmöglichkeiten bot. Die Gewächshäuser in Greifswald entstanden zwei Jahre vor dem Eiffelturm, der wohl bekanntesten Konstruktion dieser Epoche. Sie wurden über 130 Jahre durchgehend genutzt und haben zwei
Weltkriege überstanden. Als eine der wenigen erhaltenen Stahlkonstruktionen seiner Art ist der Komplex seitens des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern als „Denkmal von nationaler Bedeutung“ eingestuft worden.

Aufgrund fortgeschrittener Korrosion und statischer Unzulänglichkeiten werden die historischen Häuser gegenwärtig saniert, sind die übrigen Glashäuser nur eingeschränkt zugänglich. Die geplanten Maßnahmen zur Restaurierung sehen eine in großen Teilen originalgetreue Rekonstruktion der Anlage vor. Wo immer möglich, sollen die Stahlträger restauriert und gegebenenfalls neu vernietet werden. Die extrem korrodierten Teile, die den Mauern unmittelbar aufliegen, werden durch angeschuhte Träger ersetzt. Das originale Erscheinungsbild der Fassade soll wiederhergestellt, die Heizung mit einer modernen Steuerung versehen werden.

Der Schwerpunkt der Pflanzenkulturen wird dann auf tropischen Ökosystemen liegen mit folgenden Themen:

  • Eindruck tropischer Regenwald, Epiphyten, Orchideen (Tropenhaus),
  • tropische Großpflanzen, insbesondere Palmen, Bambus, Wildbanane (Palmenhaus) 
  • ursprüngliche Samenpflanzen, Farne (Palmfarnhaus)

Ohne sie ist ein Botanischer Garten kaum denkbar; nur so wird die Vielgestaltigkeit der äquatorzentrierten Pflanzenwelt nachvollziehbar. Für viele dieser tropischen Pflanzen ist die Höhe und Größe der historischen Gewächshäuser unabdingbar,
denn raumgreifendere Vertreter wie etwa Palmen, Wildbananen oder Palmfarne benötigen ein gewisses Raumvolumen zur vollen Entfaltung. Auch lassen sich Phänomene wie die Bedeutung epiphytischer Lebensweise nur mit einem Mindestraumangebot realisieren und nachvollziehbar machen. Im Zusammenspiel mit der historischen Gewächshauskonstruktion sind für Studierende, Schüler und Besucher in einzigartiger Weise wichtige ökologische Zusammenhänge, spezielle Anpassungen der Pflanzen an tropische Lebensräume sowie deren Einzigartigkeit und damit auch ihre Bedrohtheit im Hinblick auf globale Veränderungen erklärbar und erlebbar.


Die Realisierung der Finanzierung war nicht einfach und hat sich mit vielen Höhen und Tiefen über einen längeren Zeitraum erstreckt. Mit der Mitte 2014 verfügten Schließung der historischen Gewächshäuser wogte eine Welle regionaler und überregionaler Anteilnahme nach Greifswald. Innerhalb von drei Monaten unterzeichneten über 7.000 Personen auf den ausliegenden Unterschriftenlisten die Forderung zum „Erhalt der denkmalgeschützten Gewächshäuser von 1886 sowie der
Pflanzensammlung des Botanischen Gartens Greifswald“. Eine dank Engagement von Politikern aus Greifswald und Mecklenburg-Vorpommern erzielte Zuwendung von rund 1,4 Millionen Euro seitens der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien
legte den wesentlichen Grundstein des auf knapp 4 Millionen Euro veranschlagten Finanzplans. Zahlreiche private Spender und Initiativen trugen mit ihren Aktivitäten zur Finanzierung bei (120.000 Euro). Eigenmittel der Universität (350.000 Euro) sowie
eine Restfinanzierung seitens des Landes Mecklenburg-Vorpommern laut Zielvereinbarung mit der Universität Greifswald von über 2 Millionen Euro machten die Sache perfekt.

Verbinder
Den Eingang des Verbinders, von dem verschiedene Gewächshäuser abgehen, erreicht man vom Alpinum, dem Steingarten, aus. Hier werden im Jahresverlauf ausgewählte Hingucker präsentiert. Zu den Dauergästen gehören die Bromelien, die aufgrund ihrer epiphytischen Lebensweise spezielle Anpassungen wie wasserabsorbierende Schuppenhaare oder Zisternenblätter entwickelt haben. Zur Blütezeit bilden Sie farbenprächtige Blütenstände aus.

Farnhaus
Weiter geht es zu einer Sammlung von niedrigwüchsigen Farnen und Gesneriengewächsen. Das Wasserbecken in der Raummitte bietet Wasserpflanzen eine Heimstatt. Farne bilden als Vermehrungseinheit Sporen aus, die in großer Zahl in speziellen Behältern, den Sporangien, entstehen. Diese sind bei den Farnen zu mehreren in häufig auf der Unterseite der Wedel gelegenen „Sori“ vereinigt, deren Zahl, Anordnung und Form spezifisch für die Gattungen und Arten ist. 
Die Blüten der Gesneriengewächse sind recht ansehnlich. Viele von ihnen, besonders solche mit sehr langer Kronröhre und leuchtender Farbe, werden von Vögeln bestäubt. Die Zartheit der Blüten gestattet dies nur Vögeln, die wie die
Kolibris vor der Blüte zu schweben vermögen. Das Usambaraveilchen ist wohl der
bekannteste Vertreter dieser Pflanzengruppe.

Schauhaus
In dem schmalen Trakt des Schauhauses verbergen sich hinter Glaswänden einige Besonderheiten. Die martialisch „fleischfressende Pflanzen“ genannten Vertreter stellen mit Kleb-, Klapp- oder Grubenfallen Insekten nach. Orchideen faszinieren mit ihren ungewöhnlich geformten und oft bunt gefärbten Blüten. Die Sammlung von Kanarenpflanzen stimmt ein auf ein beliebtes Exkursionsziel.

Sukkulentenhaus: Kakteen und Co.
Die Kakteen und einige andere Pflanzengruppen weisen eine ausgeprägte Wasserspeicherung (Sukkulenz) auf als Anpassung an heiße, trockene, niederschlagsarme Standorte. Als Bewohner von Halbwüsten und Wüsten sind sie außerordentlich zäh und vermögen mit geringen Wassermengen zu leben.

Wasserpflanzenhaus
Beim Betreten dieses Hauses umfängt den Besucher im Sommer eine dumpffeuchte Wärme. Das zentrale Wasserbecken ist zu dieser Zeit normalerweise wassergefüllt und wird von zahlreichen Seerosen und anderen Gewächsen eingenommen. In der
kalten Jahreszeit und der gegenwärtigen Bauphase dient das leere Zentralbecken als Standquartier für Kübel- und Topfpflanzen. Zuckerrohr, Papyrus, Reis und Passionsblumen stellen wichtige Nutzpflanzen dar, die hier gezeigt werden.

Freilandbereich
Das Freiland im Umfeld der Gewächshäuser wird geprägt von den Abteilungen für Gewürz- und Heilpflanzen, letztere ein wichtiger Bestandteil der pharmazeutischen Ausbildung, dem in Form eines Gesteinsgartens angelegten Alpinum sowie einer Wasserpflanzen- und Gräsersammlung.
In den Sommermonaten kann man durch subtropische Hartlaubvegetation wandeln – bestehend aus Lorbeer, Ölbaum, Myrte, Kork-Eiche und vielen anderen, die als Kübelpflanzen auf speziellen Stellflächen arrangiert sind, winters aber im Gewächshaus
gehalten werden müssen.
Unter den Freilandgehölzen ist ein mehrstämmiger Ginkgobaum hervorzuheben. Das als Naturdenkmal geschützte männliche Exemplar vor dem Laborgebäude hat einen Stammumfang von vier Metern und gehört zu den ältesten Norddeutschlands.
Der Kulturpflanzengarten beherbergt vornehmlich einjährig kultivierte Arten, die nach der Art des gelieferten bzw. genutzten Produktes gruppiert sind. So werden zum Beispiel die Nahrungspflanzen unterteilt in Lieferanten für Eiweiß, für Fett und Öl, für Kohlenhydrate und so fort.