Ein Zwilling kommt selten allein …

Schwedische Fayencen um 1760

Im Mai 2016 kehrte das Pendant zur Schwedischen Fayence in die Akademische Kunstsammlung der Universität Greifswald aus dem Karlsburger Schloss zurück.

Es handelt sich hier um eine beinahe identische Potpourrivase (um 1760) aus der Fayencenmanufaktur Marieberg aus Schweden. Einzig an den detailgetreuen Insekten, wie Schmetterling, Motten und Libellen, lassen sich die beiden Potpourrivasen unterscheiden. Pot pourri bezeichnet ursprünglich eine Zusammenstellung an Kräutern oder Blumen, die in einer Schale oder Vase den Raum mit einem wohlriechenden Duft erfüllen sollten. Der Begriff war aufgrund ihrer Beliebtheit und dem raumschmückenden Charakter namensgebend für die außerordentlich anspruchsvoll gestalteten barocken Deckelvasen. Beide 57 cm hohe Vasen umranken blauemailliertes Rosenblattwerk und imitieren das damals luxuriöse chinesische Porzellan. Gekrönt werden jeweils die Gefäße von einem auf einem gebogenen Ast aufrecht sitzenden, vollplastisch gestalteten Vogel.

Die Vasen tragen unter dem Fuß das Markenzeichen mit den drei schwedischen Kronen sowie die Initialen MB: (für Marieberg), E: (für Johann Ludwig Eberhard Ehrenreich (1723–1803)) den Hinweis auf ihren Herstellungsort. In den zusätzlichen Künstlerinitialen wie PM: (vermutlich für Petter Akermarck) und IF (Identität noch unklar) unterscheiden sich die beiden Gefäße. Der deutsch-schwedische Kaufmann Ehrenreich war königlicher Zahnarzt von Friedrich I. und wurde 1758 Besitzer der Fayencenmanufaktur in Marieberg bei Stockholm. Ab 1766 siedelte er als Pächter der Giesischen Fayencenmanufaktur von Stockholm nach Stralsund in Schweden-Pommern über. Die Marieberger Fayencen wurden seit 1759 mit den drei Kronen und zusätzlich von 1758 bis 1766 mit E für Ehrenreich markiert, so dass die beschriebene Potpourrivase in diesem Zeitraum entstanden sein wird.

Text: Rita Sauer, M.A.

Literatur:

  • Dahlenburg, Birgit und Sauer, Rita: Wissen sammeln. Die digitalisierten Schätze der Universität Greifswald, Greifswald 2016, S. 32f.
  • Eriksson, Gunilla: Fajanserna kring Östersjön. Manufakturerna presenteras, Lund 1997.
  • Schulz-Berlekamp, Gesine: Stralsunder Fayencen 1755 – 1792, Berlin 1991.
  • Schulz-Berlekamp, Gesine: Stralsunder Fayencen 1755 – 1792, Puttbus 1993.

Link zu den Wissenschaftlichen Sammlungen:

Schwedische Fayence Inventar.-Nr.: KU00020

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