Die ältesten und jüngsten Sammlungsschätze der Universität Greifswald

Die Ausstellungsreihe „Wissen sammeln. Die digitalisierten Schätze der Universität Greifswald“ geht in die dritte Runde. Vom 26. Februar bis 26. Mai 2013 werden Sammlungsobjekte der Geologie und der Medizingeschichte im Foyer der Zentralen Universitätsbibliothek präsentiert. Sie dokumentieren einen weiteren Fortschritt des Digitalisierungsprojektes der Universität Greifswald. Dabei werden die Objekte der 17 wissenschaftlichen Sammlungen Stück für Stück digital erfasst und in ein Sammlungsportal eingestellt. Mittlerweile umfasst das Portal mehr als 5.300 Sammlungsschätze. Das Projekt wird seit 2010 von der Leitung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald gefördert und in der Kustodie koordiniert.

In den vergangenen Monaten haben die Museologie-Studentinnen Nicole Eichler (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin) und Evelin Rast (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) Objekte der Paläontologie, Geologie und Mineralogie sowie der Geschichte des neuzeitlichen medizinischen Alltags digital erfasst. Sie fotografierten und vermaßen hunderte Sammlungsstücke im Rahmen eines mehrmonatigen Praktikums. Anschließend wurden die Objekte auf der Website www.wissenschaftliche-sammlungen.uni-greifswald.de publiziert. Nach wissenschaftlicher Recherche in Zusammenarbeit mit den Sammlungsleitern Dr. Stefan Meng und Dr. Hartmut Bettin haben die Praktikantinnen die Ausstellung mit ausgewählten Originalobjekten einschließlich eines ausführlichen Ausstellungskataloges vorbereitet.

Viele der aktuell inventarisierten Sammlungsobjekte sind deutschlandweit und auch weltweit herausragend. In Deutschland einzigartig ist die medizingeschichtliche Sammlung „Medizinischer Alltag in der DDR“. Ihre Spannweite reicht von medizinischen Instrumenten, die den Mangel in der DDR-Medizin dokumentieren, bis zu Hightech-Geräten wie der künstlichen Niere KN 40 und einem Herzschrittmacher aus den 80er Jahren. Den Kontrast zu diesen jüngsten Sammlungsobjekten der Universität Greifswald bilden die 500 Millionen Jahre alten fossilen Trilobiten (meeresbewohnende Gliederfüßer wie Krebse) aus der Rudolf-Kaufmann-Gedächtnissammlung. Sie sind die ältesten Stücke der Ausstellung. Mit dem über 250 Millionen Jahre alten und 26 Zentimeter langen Urflugdrachen aus Eisleben/Sachsen-Anhalt wurden sogenannte Holotypen digital erfasst. Kurz erklären: Holotypen sind Fundstücke, an denen eine erstmals beschrieben wurde.?  (Holotypen sind Referenzmaterial zur Beschreibung einer neuen Art)

„Besonders faszinierend ist das unbekannte wissenschaftliche Potenzial, das in vielen Greifswalder Sammlungsobjekten noch unentdeckt schlummert“, so Dr. Birgit Dahlenburg, Leiterin der Kustodie der Universität Greifswald. „Als Beispiel sei ein Krebsfossil genannt, das als Holotyp noch unbekannt 30 Jahre lang in einem Keller der Geologischen Sammlungen lag. Erst vor kurzem gelang einem Stuttgarter Paläontologen mit dem Fossil die Entdeckung einer vollkommen neuen Krebsart. Dieses Objekt steht stellvertretend für tausende Sammlungsstücke, die es künftig noch wissenschaftlich zu entschlüsseln gilt. Hier ist wahre Detektivarbeit gefordert.“

„Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald kann für ihre Forschung und Lehre auf einen kostbaren Schatz von rund 6 Millionen Einzelobjekten zurückgreifen“, so Rektorin Prof. Johanna Eleonore Weber. „Die Sammlungsstücke dokumentieren eine lange Wissenschaftstradition und die Vielfalt der Forschungen an unserer Universität. Sie vermitteln beispielsweise Studierenden eindrucksvoll materielle Zeugnisse der Greifswalder Wissenschaftsgeschichte. Mit dem Sammlungsportal werden erstmals unsere Greifswalder Sammlungsobjekte fachübergreifend im Web präsentiert und Empfehlungen des Wissenschaftsrates nach einer besseren Nutzung der Universitätssammlungen umgesetzt. Und die Entdeckung einer völlig neuen Krebsart in unserer geologischen Sammlung zeigt anschaulich, wie wertvoll unsere alten wissenschaftlichen Sammlungen für die moderne Forschung sind.“

Das gemeinsam mit digiCULT-Verbund eG und der Verbundzentrale des GBV entwickelte Portal www.wissenschaftliche-sammlungen.uni-greifswald.de wird wissenschaftlichen Anforderungen an Datenbankrecherche gerecht. Es bietet aber auch dem interessierten Laien einen einfachen und übersichtlichen Zugang zu Sammlungsobjekten der Medizin, Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Theologie. Das Onlineportal beinhaltet derzeit fachübergreifend Sammlungsobjekte aus vier Fakultäten. In den kommenden Monaten und Jahren werden weitere Sammlungen und Einzelobjekte digital verfügbar gemacht und so bessere Voraussetzungen für Wissenschaftler und Studierende in der Arbeit mit Sammlungen geschaffen.