Symbolbild Fakt der Woche – Foto: ©Till_Junker

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Fakt der Woche

Mit dem „Fakt der Woche“ präsentieren wir im wöchentlichen Turnus wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Universität Greifswald. Damit möchten wir mehr Aufmerksamkeit für die vielfältigen Forschungsbereiche unserer Universität generieren, Interesse an ihnen wecken und ein Zeichen für wissenschaftliche Erkenntnisse setzen. Der „Fakt der Woche“ erscheint ebenso auf Instagram, Facebook und Twitter.


Wie vielstimmig ist unsere Geschichte? Über den Umgang mit Geschichte und Erinnerungen in der Musik unserer heutigen pluralen Gesellschaften

Wie klingt Geschichte? ©Aziza-Sadikova
Wie klingt Geschichte? – ©Aziza-Sadikova

Welche unterschiedlichen Geschichtskonzeptionen und Historiographien bestimmen das Zusammenleben in heutigen pluralen Gesellschaften mit? – Diese Frage war in den vergangenen Monaten Thema einer engagiert geführten öffentlichen Diskussion. Sie fordert dabei nicht nur zu einer Reflexion über gesellschaftsrelevante Deutungshoheiten oder adäquate Geschichts- und Erinnerungsbegriffe heraus, sondern lenkt auch den Blick auf die vielfältigen Verbindungen unterschiedlicher „Geschichten“ im lokalen Zusammenleben. Diese Verbindungen stehen seit einigen Jahrzehnten nicht zuletzt im Fokus zeitgenössischer musikalischer Produktionen, die ein breites Spektrum von der Interpretation klassischer Musik über HipHop und Rap bis hin zu Weltmusikfestivals, Chanson und Alter Musik abdecken und die im Februar 2020 in einem gemeinsamen, vom DAAD geförderten Tagungsprojekt des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaft der Universität Greifswald und des Département de Musicologie der Universität Tours in Frankreich untersucht wurden.

„Geschichte“ nimmt in zeitgenössischen Musikproduktionen ganz verschiedene Bedeutungen an, die mit unterschiedlichen Funktionen und Wirkungen verbunden sind: Da gibt es Bezüge auf politik-, sozial- und kulturhistorische Ereignisse und Zusammenhänge wie den Nationalsozialismus, den Holocaust, die Französische Revolution, den Algerienkrieg oder den Mauerfall durch Musiker*innen und Komponist*innen mit Migrationserfahrungen. Auch historische Metaphern und Bilder für Interkulturalität und Mobilität wie die Seidenstraße, der Orientexpress oder der Koffer werden oft in Rapsongs, Kompositionen zeitgenössischer Kunstmusik oder Liedern angewandt. Sie alle garantieren einerseits eine Erweiterung des Rezipient*innenkreises über einzelne Minderheiten hinaus im französischen Rap, andererseits aber auch Kombinationen zeitlich heterogener Ästhetiken wie beispielsweise des mittelalterlichen Sonetts mit surrealistischen Zügen in Liedern italienischer cantautori wie Vinicio Capossela oder der Musikdramen Richard Wagners mit der Peking-Oper bei der usbekischen, in Berlin lebenden, Komponistin Aziza Sadikova. Zudem spielt die Arbeit an der Aufarbeitung historischer Zusammenhänge und ihrer Vermittlung in aktuellen Musikprojekten eine wichtige Rolle, durch die Archivmaterial, Zeitzeugenberichte oder geschichtswissenschaftliche Konzepte wie Kulturtransfer in Musik und Musikrezeption verankert werden. Nicht zuletzt rücken „Geschichten“ als Narrationen migrantischer oder transkultureller Biographien in den Vordergrund, durch die Geschichtskonstruktionen hinterfragt oder wie im Fall des weltweit aktiven türkischen Pianisten und Komponisten Fazıl Say politische Äußerungen musikkulturell übergreifend gebunden werden. Im Umgang mit Geschichte/n im gegenwärtigen Musikleben werden somit auch Zeichen einer Neuorientierung nach der fragmentierenden und theatralischen Kunst der Postmoderne sichtbar.

Weitere Informationen

Ansprechpartnerin
Prof. Dr. Gesa zur Nieden
Professorin für Musikwissenschaft


Frauen in der Forschung: Dora Benjamins Dissertation über „Die soziale Lage der Berliner Konfektionsarbeiterinnen“

Dora Benjamins (1901-1946) Dissertation an der Universität Greifswald, ©Universität Greifswald, Archiv
Dora Benjamins (1901–1946) Dissertation an der Universität Greifswald, ©Universität Greifswald, Archiv

Brandaktuell ist das Thema in den letzten Monaten wieder geworden, das die 23-jährige Dora Benjamin in ihrer 1924 abgeschlossenen Greifswalder Doktorarbeit behandelte: Es ging um Heimarbeit – derzeit als „Homeoffice“ in aller Munde – und insbesondere um deren Folgen für Mütter und ihre Kinder. Im Ergebnis betonte sie vor allem die Nachteile der Heimarbeit. Die Heimarbeiterinnen waren einer starken Belastung ausgesetzt und wurden ausgesprochen schlecht entlohnt. Außerdem hielt Benjamin fest, dass die Kinder der Heimarbeiterinnen in ihrer frühkindlichen Entwicklung litten, da sie nur selten in den Kindergarten geschickt würden, ihre Mütter ihnen aber nicht die gebührende Zeit widmen konnten.

Wie überdurchschnittlich viele der ersten Studentinnen stammte Dora Benjamin aus dem akkulturierten jüdischen Bürgertum. Während ihre Brüder Walter und Georg Benjamin Philosophie und Medizin studiert hatten, entschied sich Dora mit der Nationalökonomie für ein Studienfach, das sich dem Frauenstudium gegenüber besonders offen zeigte. Einige prominente Nationalökonomen gingen davon aus, dass Frauen für die Untersuchung von Themen, bei denen es um frauenspezifische Aspekte des wirtschaftlichen und sozialen Lebens ging, geeigneter seien als Männer. Diese Vorstellung mag auch bei Doras Themenwahl eine Rolle gespielt haben.

Das Frauenstudium selbst war aber in den 1920er Jahren bei weitem noch keine Normalität. Erst im Wintersemester 1908/09 hatte Preußen das reguläre Universitätsstudium auch für Frauen geöffnet. In den folgenden fünf Jahren lag der Frauenanteil unter den Greifswalder Studierenden bei fünf bis sieben Prozent. Bis 1918 stieg er kriegsbedingt auf 32 Prozent.

Erst 1921, als Dora Benjamin ihr Studium begann, erhielten Frauen das Recht, sich an preußischen Universitäten zu habilitieren. In Greifswald erfolgte die erste Habilitation einer Frau 1924. Akademische Karrieren blieben den Frauen jedoch in der Regel verschlossen. Auch Dora Benjamin verließ die Universität, wenngleich sie bis zu ihrem frühen Lebensende weiterhin wissenschaftlich arbeitete, sofern es ihr die Umstände erlaubten. 1933 floh sie nach Frankreich, 1942 – mittellos und schwer erkrankt – weiter in die Schweiz, wo sie 1946 einem Krebsleiden erlag.

Ansprechpartnerin
Prof. Dr. Christine G. Krüger
Inhaberin des Lehrstuhls für Allgemeine Geschichte der Neuesten Zeit


Das weltweit einzige Carl-Zeiss-Doppelteleskop wird restauriert

Aufnahme hier des Teleskops noch als Kombination aus                     40 cm-Newton-Reflektor und 20 cm-Refraktor, ©Oliver Reimer
Aufnahme des Teleskops hier noch als Kombination aus 40 cm-Newton-Reflektor und 20 cm-Refraktor, ©Oliver Reimer
Verlauf des Venus-Transits durch die Sonne, ©Arne Rudnick
Verlauf des Venus-Transits durch die Sonne, ©Arne Rudnick
Fotografie des fertigen Physikalischen Instituts deutlich zu sehen die Beobachtungplattform, vor 1924. ©unbekannt
Fotografie des fertigen Physikalischen Instituts, deutlich zu sehen die Beobachtungplattform, vor 1924, ©unbekannt
Abb. 6 Bleichstiftzeichnung Physikalisches Institut,     früher im Zimmer des Institutsdirektors Alfred Rutscher. ©unbekannt
Bleichstiftzeichnung Physikalisches Institut, früher im Zimmer des Institutsdirektors Alfred Rutscher, ©unbekannt
Aufnahme des Teleskops von 2014 noch vor dem Umbau zum Cassegrain-System, ©Oliver Reimer
Aufnahme des Teleskops von 2014 noch vor dem Umbau zum Cassegrain-System, ©Oliver Reimer

Historische wissenschaftliche Leistungen
Die erste Greifswalder Sonnenbeobachtung ist für das Jahr 1465 belegt. Das damals erwähnte Phänomen der blauen Sonne, wahrscheinlich nach einem Vulkanausbruch, wird auch heute noch wissenschaftlich heiß diskutiert, unter anderem am Institut für Physik mit Christian von Savigny im Bereich der Umweltphysik.

Wissenschaftliche Höhepunkte der Greifswalder Astronomie sind die Beobachtungen der Venus-Transite von 1761 und 1769 durch die Begründer Andreas Mayer (1716–1782) und Lambert Heinrich Röhl (1733–1790). Zum damaligen Zeitpunkt waren in der westlichen Astronomie zwar die relativen Planetenabstände gut bekannt, jedoch fehlte die Kenntnis über die absoluten Abstände. Unterstützt von Astronomen, wie James Cook, und basierend auf dem Vorschlag zur Trigonometrie von Edmond Halley konnte mit den Beobachtungen von Mayer & Röhl erstmalig der absolute Abstand zwischen Sonne und Erde mit circa 150 Millionen Kilometern bestimmt werden. Alle weiteren absoluten Planetenabstände in unserem Sonnensystem lassen sich durch Einsetzen des absoluten Abstandes Sonne-Erde in die Keplerschen Gesetze berechnen.

Röhls genaue Sonnenbeobachtungen erschienen 1761. Große Beachtung fand seine Arbeit von 1768 „Merkwürdigkeiten von den Durchgängen der Venus durch die Sonne“.Als einer der Ersten vermutete er, dass die Venus eine Atmosphäre haben müsse. Die bestätigte Dan Kiselman et. al. im Jahr 2004 von der Royal Swedish Academy of Science.

Das waren große Höhepunkte der damaligen Greifswalder Astronomie in einem der ersten pan-europäischen Wissenschaftsprojekte. Beim nächsten Venus-Transit 1874 fand das Ereignis bereits unsichtbar in der Nacht vor Sonnenaufgang statt. Am 6. Dezember 1882 lag der Venus-Transit ungünstig in den Abendstunden, wobei dem Greifswalder Sternwarte e. V. derzeit keine Beobachtungsaufzeichnungen vorliegen. Kürzlich vom Verein durchgeführte Auswertungen der vom Deutschen Wetterdienst Hamburg dankenswerterweise bereitgestellten Wetterdaten für Kirchdorf/Poel, der am dichtesten gelegenen Wetterstation (circa 130 km entfernt), weisen auf schlechte Sichtbedingungen hin. Es gab eine fast vollständige Himmelsbedeckung von 7,7 (8,0 = volle Bedeckung) und eine relative Luftfeuchte von 91 Prozent.

Die nächste Beobachtung der Venus-Transite erfolgte dann erst wieder in den Jahren 2004 und 2012, unter anderem durch Vereinsgründer Holger Kersten. Damit ist Greifswald eine der wenigen Städte, in denen die Venus-Transite bisher vier Mal beobachtet werden konnten.

100 Jahre Sternwarte auf dem alten Physikalischen Institut (1924–2024)
Beginnend mit der Privatsternwarte von Andreas Mayer in der Martin-Luther-Straße 10 im Jahre 1743 haben die Greifswalder Sternwarten mehrfach den Standort gewechselt. Die letzte auf dem Pulverturm befindliche Sternwarte, am malerisch gelegenen Ryck, musste im September 1826 schließen.

Erst knapp 100 Jahre später, am 12. Juli 1924, bekommt das moderne Physikalische Institut (1888–1891) seine heutige Sternwarte. Dazu wird die bereits vorhandene für meteorologische Beobachtungen genutzte Turmplattform umgebaut unter Friedrich Krüger (1887–1940), dem damaligen Direktor des Astronomisch-Mathematischen Instituts.

Damals wurde zuerst ein 20-cm-Zeiss-Refraktor (Linsenteleskop) mit einer Brennweite von drei Metern angeschafft. Dank der Recherche von Dr. Wolfgang Wimmer vom ZEISS Unternehmensarchiv konnte aus der Serien # 11 800 B das Fertigungsjahr 1921 des leistungsstarken Objektivs E abgeleitet werden. Die Greifswalder Holzkuppel weist große Ähnlichkeiten mit der des berühmten Sonnenobservatoriums im Potsdamer Einsteinturm auf, welches nur wenige Monate später am 6. Dezember 1924, in Betrieb ging.

Moderne Physik und veränderliche Sterne
Zwischen 1835 und 1850 arbeitete in Greifswald der führende Mechanicus und Instrumentenmacher Friedrich Adolph Norbert (1806-1881), der hervorragende Mikroskope, astronomische Uhren, Quadranten und ähnliches baute. Beispielsweise benutzte der schwedische Spektroskopiker Angström eines der etwa briefmarkengroßen Norbertschen Beugungsgitter mit seinen 12 000 Rillen zum Entwickeln eines Linienatlas im Sonnenspektrum. Dieser von Anders Jonas Angström (1814–1874) entwickelte Atlas bildete lange Zeit die Grundlage zum Bestimmen der Wellenlänge. Als Norberts Nachfolger hatte sich auch Carl Zeiss aus Jena beworben. Jedoch konnte er sich mit der Universität Greifswald nicht einigen, so dass er kurze Zeit später in Jena durchstartete.

Um den damals schon berühmten Paul ten Bruggencate (1901–1961) nach Greifswald zu holen, entschließt man sich das vorhandene Teleskop um ein 40-cm-Newton-Reflektor (Spiegelteleskop, 400 / 6.400) zu ergänzen. Die Serien # 16 379 belegt das Fertigungsjahr 1934 und die Inbetriebnahme erfolgte 1935. Damit ist das weltweit einzige Carl-Zeiss-Doppelteleskop komplett.

Mit der Anschaffung eines Spiegelteleskops sollten insbesondere durch fotografische Aufnahmen und spektroskopische Untersuchungen die veränderlichen Sterne näher betrachtet werden. Veränderliche Sterne, sind die, die regelmäßig ihre Helligkeiten verändern, wie zum Beispiel die Plejaden (japanisch Subaru). Durch den frühzeitigen Weggang von Paul ten Bruggencate wurde das Spiegelteleskop allerdings nie richtig wissenschaftlich genutzt. Ten Bruggencate, mittlerweile habilitiert, nahm 1935 seine Arbeit als Hauptobservator am Astro-physikalischen Observatorium im bereits erwähntem Potsdamer Einsteinturm auf.

Dank der friedlichen Übergabe der Stadt zu Ende des Zweiten Weltkrieges kann das weltweit einzige Carl-Zeiss-Doppelteleskop in Greifswald verbleiben. Hobbyastronomen wie Erwin Strübing (1916–2003) oder auch Joachim Buhrow (1927–2014) kümmern sich jahrelang um die Sternwarte bis zur Vereinsgründung.

Generalrestaurierung 2024
Auch das beste Zeiss-Teleskop muss nach über 95 Jahren des zuverlässigen Betriebes in die Restaurierungsferien geschickt werden. Anfang Februar 2021 beginnt die Restaurierung des weltweit einzigen Carl-Zeiss-Doppelteleskops. Das restaurierte Teleskop wird zum Herbst 2021 in Greifswald zurückerwartet.

Weitere Informationen über die Generalrestaurierung 2024, über die Arbeit des Greifswalder Sternwarte e. V. und über Greifswalder Astronomie-Förderpreise finden Sie in dieser PDF.

Weitere Informationen
Medieninfo „ZEISS unterstützt Sternwarte Greifswald mit 50.000 Euro"

Ansprechpartner
Dr. Tobias Röwf
Vorstandsvorsitzender
Greifswalder Sternwarte e. V.
an der Universität Greifswald
sternwarte-greifswaldwebde


Zum Festjahr: „1700 Jahre Geschichte in 90 Sekunden“

Streichholzschachtel, ©Gustaf-Dalman-Institut
Vorderseite der Münze, ©Gustaf-Dalman-Institut
Vorderseite der Münze, ©Gustaf-Dalman-Institut
Rückseite der Münze, ©Gustaf-Dalman-Institut
Rückseite der Münze, ©Gustaf-Dalman-Institut

Seit 1700 Jahren lässt sich jüdisches Leben in Deutschland nachweisen. In Greifswald ist die erste jüdische Ansiedlung für das frühe 14. Jahrhundert belegt. Bis heute lassen sich in Vorpommern die unterschiedlichsten Spuren dieser wechselvollen Geschichte finden: zwischen Ausgrenzung und Zusammenleben, zwischen Verfolgung und aktiver Teilhabe. Zum bundesweiten Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ haben sich kulturelle Akteur*innen in Greifswald zusammengetan. Gemeinsam wollen sie erlebbar machen, wie Jüd*innen – trotz teils widriger Umstände – die Stadt über Jahrhunderte geprägt haben. Auch die Universität Greifswald ist mit Beiträgen vertreten, dazu gehört das virtuelle Angebot „1700 Jahre in 90 Sekunden“. Das Gustaf-Dalman-Institut stellt darin besondere Sammlungsstücke vor, die einen Blick in die jüdische Geschichte ermöglichen.

Seit 100 Jahren verwahrt das Greifswalder Dalman-Institut eine europaweit einmalige Sammlung, die einen Rundumblick auf die Kulturlandschaft Palästina um 1900 ermöglicht: vom Gebetsriemen bis zum archäologischen Fundstück, vom gepressten Olivenzweig bis zur Fotografie jüdischer Trauerriten. Die Sammlung ist eng in das universitäre Lehren und Forschen eingebunden. Ebenso werden die Inhalte regelmäßig einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit „1700 Jahre in 90 Sekunden“ wird – virtuell und prägnant – zum Festjahr jeden Monat ein neues Artefakt vorgestellt. In nur 90 Sekunden Lesezeit können Interessierte eintauchen in die jüdische Geschichte und ihren Bezug zur Greifswalder Sammlung. Im Januar steht der Beitrag unter dem Titel „Aufstand in der Streichholzschachtel“.

In der kleinsten Schachtel steckt oft die größte Überraschung: Als erstes „Jüdisches Artefakt des Monats“ zeigt das Dalman-Institut eine Münze von 67 nach unserer Zeitrechnung (n.u.Z.). Oder, um den hebräischen Buchstaben auf der Vorderseite zu folgen, aus dem „Jahr 2“ (daneben eine Amphore). Bereits ein Jahr zuvor hatte sich der erste Jüdische Aufstand gegen die römische Besatzung aufgelehnt. Entsprechend selbstbewusst trägt die Rückseite der Münze eine Weinranke und den Schriftzug: „Freiheit Zions“. Eine Selbstständigkeit, die schon kurz darauf enden sollte. Denn 70 n.u.Z. eroberten die Römer erneut Jerusalem. Gut drei Jahre später unterlag mit der Festung Masada dann der letzte Rückzugsort der Bewegung. Zwei weitere Aufstände dieser Art sollten bis 135 n.u.Z. folgen, die beide ebenfalls unterlagen.

Die rund 600 historischen Münzen der Dalman-Sammlung wurden in den vergangenen Monaten hervorgeholt, fotografiert, beschrieben und online zugänglich gemacht – in Zusammenarbeit mit der Kustodie der Universität Greifswald und dem Forschungsverbund NUMiD. Bei den Stücken, die der Sammlungsgründer Gustaf Dalman (1855–1941) selbst bestimmt hat, ist oft die Verpackung mindestens ebenso interessant wie der Inhalt. In diesem Fall steckt die oben beschriebene Münze in einer alten Streichholzschachtel. Auf dem Deckel trägt ein Klebezettel, wie vom Rand eines Briefmarkenbogens abgerissen, in Dalmans Handschrift den Hinweis: „Jüd. Aufstandsmünzen. Dubletten“, denn im Inneren finden sich zwei fast identische Exemplare. Ursprünglich, wohl im frühen 20. Jahrhundert, lag in der Schachtel ein Fabrikat der Firma „Kaiser“. Immerhin handelte es sich um fortschrittliche „Sicherheitshölzer“, wie stolz beworben wird: „Entzünden sich nur an präparirten Reibeflächen“. Bis heute schützt die recycelte Verpackung in Greifswald zwei Münzen, die auf eine Wegmarke der jüdischen Geschichte verweisen.

Weitere Informationen
In Greifswald haben sich der Arbeitskreis „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ zusammengetan, um gemeinsam einen Beitrag zum Festjahr zu leisten. Dazu gehören der Arbeitskreis Kirche und Judentum, die Arbeitsgemeinschaft für pommersche Kirchengeschichte, das Gustaf-Dalman-Institut, die Kustodie der Universität Greifswald, die Stadtbibliothek „Hans Fallada“, das Sozio-kulturelle Zentrum St. Spiritus, die Partnerschaft für Demokratie Greifswald, das Pommersche Landesmuseum, das Koeppenhaus sowie die Universitäts- und Hansestadt Greifswald mit dem Amt für Bildung, Kultur und Sport als koordinierendes Amt.

Greifswalder Festjahresprogramm im ersten Quartal
Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen startet das Festjahresprogramm virtuell:

27. Januar um 20:00 Uhr   Livestream aus dem Straze: „Monolog“ von Hanka Housková, eine Online-Lesung mit Sunna Herklotz.
29. Januar um 20:00 Uhr   Online-Vorführung des Dokumentarfilms „Germans & Jews – Eine neue Perspektive“ von Janina Quint (Zugangslink am 29. Januar unter den Termindetails auf dem Kulturkalender).

Terminunabhängig können Interessierte online an einem digitalen Stadtrundgang zur jüdischen Geschichte in Greifswald teilnehmen.

16. März um 16:00 Uhr      Thematische Führung durch die Ausstellung „Pommern im 20. Jahrhundert“ im Pommerschen Landesmuseum (unter Vorbehalt der Wiedereröffnung).

Nicht zuletzt lassen bereits jetzt Plakate, Postkarten und Online-Informationen „Jiddische Wörter im Alltag“ lebendig werden.

Ansprechpartnerin
Dr. Karin Berkemann 


Warum „Rückführungspatenschaften“ und „Corona-Diktatur“ die Unwörter des Jahres 2020 sind

Unwörter des Jahres 2020, ©Jan_Meßerschmidt
Unwörter des Jahres 2020, ©Jan_Meßerschmidt

Seit dreißig Jahren wird Mitte Januar das „Unwort des Jahres“ auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Zuvor sitzen die Mitglieder der Jury in der Regel fünf bis sechs Stunden zusammen, diskutieren mögliche Unwörter, argumentieren, wägen ab, entscheiden sich schließlich für ein Unwort und begründen die Wahl schriftlich in Form einer Pressemitteilung. So war es neunundzwanzig Jahre lang, nur in diesem Jahr war – wie ja eigentlich überall – auch beim Unwort einiges anders: Es gab keine Pressekonferenz, sondern nur die Verteilung der Presseerklärung per E-Mail; keine Präsenz-Jurysitzung, sondern ein digitales Zoom-Meeting; und vor allem gab es kein „Unwort des Jahres“, sondern ein „Unwort-Paar des Jahres 2020“: Rückführungspatenschaften und Corona-Diktatur.

Die Universität Greifswald hat einen besonderen Draht zum „Unwort“, genauer: zur Jury der sprachkritischen Aktion „Unwort des Jahres“, wie es offiziell heißt. Seit zehn Jahren ist Prof. Dr. Jürgen Schiewe, von 2003 bis 2018 Inhaber des Lehrstuhls für Germanistische Sprachwissenschaft und nun im Ruhestand, einer der Juror*innen. Insgesamt besteht die Jury aus ständigen festen Mitgliedern, vier Sprachwissenschaftler*innen und einem Journalisten: Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt) als Sprecherin der Jury, zudem Prof. Dr. Kersten Sven Roth (Magdeburg) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Trier) sowie Stephan Hebel, Autor und freier Journalist. Diese Jury bittet in jedem Jahr ein weiteres Mitglied um Mitarbeit – in diesem Jahr war es die Journalistin, Bloggerin und Autorin Kübra Gümüşay, die kürzlich das Buch „Sprache und Sein” (2020) publiziert hat.

In diesem Jahr ist auch für die Jury eine Neuigkeit zu melden: Ab dem nächsten Jahr wird es eine komplett neue Jury geben. Sie wird vor allem jünger sein und mindestens genauso motiviert wie die bisherige.

Was aber sind denn nun „Unwörter“? Es sind Wörter, die in dem betreffenden Jahr öffentlich gebraucht wurden und die in ihrem Gebrauch oder sogar bereits in ihrer Gestalt gegen das Prinzip der Menschenwürde und gegen Prinzipien der Demokratie verstoßen, die einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren und euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend sind. Nicht alle diese Kriterien müssen erfüllt sein, aber zumindest muss eines deutlich hervortreten oder aus dem Gebrauch des Wortes erschließbar sein.

Die Jury-Entscheidung beruht in der Regel auf den das gesamte Jahr über eingesandten Vorschlägen interessierter Menschen. Für 2020 gab es 1826 Einsendungen mit 625 verschiedenen Wörtern. Davon entsprachen allerdings nur etwas mehr als 70 den genannten Kriterien. Dass nur so wenige der eingesandten Wörter als Unwörter prinzipiell in Frage kommen, liegt zumeist daran, dass Sache und Wort verwechselt oder gleichgesetzt werden. So ist z. B. „systemrelevant“ kein Unwort (obwohl 180mal und damit am häufigsten eingesandt), denn das „Wort“ entspricht keinem der genannten Kriterien. Die „Sache“, nämlich dass Menschen oder Branchen für die Aufrechterhaltung unseres Gesellschaftssystems als „relevant“ und – im Umkehrschluss – andere als „weniger relevant“ oder gar „irrelevant“ angesehen werden, mag ungerecht und vielleicht gar inhuman sein – im Wort drückt sich das aber nicht aus.

Anders ist das bei „Rückführungspatenschaften“, ein Wort, das von der EU-Kommission gebraucht wurde: EU-Staaten, die keine Flüchtlinge aufnehmen, sollen ihre „Solidarität“ mit den anderen Mitgliedern der EU dadurch gerecht werden, dass sie die Verantwortung für die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber übernehmen. So etwas „Rückführungspatenschaften“ zu nennen, ist, so die Begründung der Jury, „zynisch und beschönigend“. „Rückführung“ nämlich ist nichts anderes als „Abschiebung“, klingt aber viel humaner. Eine „Patenschaft“ suggeriert „Unterstützung“ und „Hilfe“. „Rückführungspatenschaften“ ist ein typisches Unwort: Die Kombination der Bestandteile des zusammengesetzten Wortes ergibt eine positive Vorstellung von einem – jedenfalls für die Betroffenen – keineswegs positivem Vorgang.

Das Wort „Corona-Diktatur“ wird vor allem von der selbst ernannten „Querdenker“-Bewegung, insbesondere von deren rechtsextremen Propagandisten, gebraucht, um die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu diskreditieren. Gewiss greifen diese Maßnahmen gravierend in unser Leben, auch in unsere Grundrechte, ein. Sie aber als „Diktatur“ zu bezeichnen, verharmlost tatsächliche Diktaturen und verhöhnt jene Menschen, die teils unter Einsatz ihres Lebens gegen Diktatoren und ihre Unterdrückungen kämpfen. Und ein Blick in die Geschichte, gerade auch die deutsche, würde zeigen, dass wir keineswegs in einer Diktatur leben.

Warum nun zwei Unwörter für 2020? Die Jury war sich einig, dass das Thema „Corona-Pandemie“ das Jahr über bestimmend war (und auch weiterhin bestimmend bleiben wird) und viele neue Wörter um dieses Thema herum geprägt wurden. Zwangsläufig waren auch Unwörter dabei, ganz vorne: „Corona-Diktatur“. Aber auch andere öffentliche, unsere Gesellschaft und die Politik betreffende Themen – wie die Migration – dürfen nicht vergessen werden. Und hier war und ist „Rückführungspatenschaften“ ein besonders bedrückendes Unwort.

Dass für 2020 zwei Unwörter benannt wurden, drückt nicht nur die Besonderheit dieses Jahres aus, sondern soll auch darauf hinweisen, dass die ganze Aktion keineswegs, wie ihr gelegentlich vorgeworfen wurde, als Zensurversuch zu verstehen ist. Vielmehr möchte sie dazu anregen, über öffentlichen Sprachgebrauch kritisch nachzudenken und zu diskutieren – im Sinne von Humanität, Demokratie und Toleranz.

Von Jürgen Schiewe

Weitere Informationen
Vorschläge für das „Unwort des Jahres“ können jederzeit zugesandt werden an: vorschlaegeunwortdesjahresnet

Noch ein Tipp: Seit einigen Jahren setzt eine Gruppe Darmstädter Fotograf*innen das „Unwort des Jahres“ in Bildern um. Die Ausstellung für das Unwort-Paar 2020 wird ab März zu sehen sein, die der letzten Jahre bereits jetzt: www.unwort-bilder.de.


Was macht uns Angst?

Struppi, die Therapiespinne an der Universität Greifswald, ©Elischa_Krause
Struppi, die Therapiespinne an der Universität Greifswald, ©Elischa_Krause

Angst und Panik kennen wir alle. Von einer Störung ist die Rede, wenn diese Emotionen zu einem starken Leidensdruck oder zu einer starken funktionellen Beeinträchtigung führen. Angststörungen gehören zu den häufig auftretenden psychischen Störungen. Laut SHIP-Studie sind Menschen aus Vorpommern mit einer Häufigkeit von 14,8 Prozent in 12 Monaten betroffen. 23,4 Prozent der Menschen haben im Laufe ihres Lebens bereits unter einer Angststörung gelitten. Damit gehören Ängste zu den häufigsten seelischen Störungen in der Region.

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Frau K. leidet an einer ausgeprägten Spinnenphobie. Heute muss sie selbst Kartoffeln aus dem Keller holen. Dort hat sie früher einmal eine dicke Hauswinkelspinne gesehen. Schon beim Betreten des Kellers hat sie ausgeprägte Erwartungsangst (Pre-Encounter Defense). Sie achtet auf jede kleine Bewegung, inspiziert jeden schwarzen Punkt an der Wand und sucht alle Ecken und Winkel nach Spinnen ab. Als sie eine Spinne in der oberen Ecke des Kellerraums entdeckt, fängt ihr Puls an, schneller zu schlagen. Sie bekommt feuchte Hände und springt schreckhaft zur Seite (Post-Encounter Defense). Dabei berührt sie mit den Schultern eine herabhängende Wäscheleine. Nun setzt sich die Spinne in Bewegung und rennt schnell auf Frau K. zu. Schreiend läuft Frau K. die Treppe hinauf (Circa-Strike). Dabei stößt sie sich den Kopf an der niedrigen Tür. Den Schmerz spürt Frau K. erst, als sie in der Küche in Sicherheit ist. Sie geht anschließend lieber in den Supermarkt, um neue Kartoffeln zu kaufen, statt nochmals den Keller zu betreten.

Herr S. leidet in den letzten Jahren zunehmend an der Furcht vor Situationen, in denen er sich eingeschlossen fühlt und meint, nicht entkommen zu können. Er hat Angst Aufzug, U-Bahn oder Auto zu fahren. Die Furcht tritt nur in Situationen räumlicher Enge auf. Dort erlebt er starke körperliche Symptome wie Herzrasen, Schwitzen, Luftnot, aber auch Schwindelgefühle. Er befürchtet im Ernstfall, nicht aus der Situation herauszukommen, zu ersticken und so zu sterben. Daher vermeidet er solche Situationen meist. Wenn das nicht möglich ist, versucht er die Situationen unter großen Angstgefühlen durchzustehen. Dabei setzt er verschiedene taktische Manöver ein: Ablenkung durch entspannende Gedanken oder durch Gespräche mit anderen Leuten. Seit seiner ersten Furchtreaktion in einem überfüllten Skibus nehmen seine Angst vor Enge und die damit verbundenen Vermeidungsstrategien einen immer größeren Raum ein.

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Herr S. und Frau K. leiden unter einer sogenannten Spezifischen Phobie. Damit wird eine intensive Furcht vor genau umschriebenen Situationen oder Objekten beschrieben. Forschende der Universität Greifswald untersuchen die Mechanismen, die diese Ängste und die damit verbundenen Verhaltensweisen aktivieren. Welche Regionen des Gehirns übernehmen in welcher Phase die Steuerung des dynamischen Geschehens? Und wann setzt das Vermeidungsverhalten – der Symptombereich, der zu den stärksten funktionellen Beeinträchtigungen führt – ein? 

Spezifische Phobien sind am weitesten verbreitet. Am häufigsten haben Menschen eine intensive Furcht vor bestimmten Tieren. Aber auch Naturereignissen wie Gewitter oder Dunkelheit sowie Situationen wie Höhe oder Enge können Angst auslösen. Die Furcht ist mit dem starken Drang gekoppelt, der angstauslösenden Situation zu entfliehen oder sie bereits im Vorfeld zu vermeiden. Werden Betroffene mit der angstauslösenden Situation konfrontiert, gibt es zwei Reaktionsmuster: Sie frieren ein – eine eher durch den Vagusnerv initiierte Bewegungsstarre – oder flüchten. In diesem Fall übernimmt der Sympathikus die Steuerung des Körpers.

Solange sich das angstauslösende Objekt vermeiden lässt, können Betroffene meist ganz gut mit ihrer Angst leben. Schwieriger wird es, wenn Menschen Angst vor sozialen Situationen haben – etwa Angst davor, zu versagen, sich zu blamieren oder abgewertet zu werden. Situationen, in denen diese Form der Angst auftritt, können nur ganz schwer gemieden werden. Schließlich müssten wir dazu Sozialkontakte einstellen. Tatsächlich schränken viele Menschen, die unter sozialen Angststörungen leiden, ihre Sozialkontakte auf das Nötigste ein. Das führt häufig zu depressiven Folgeerkrankungen.

Darüber hinaus gibt es Angststörungen, bei denen die Bedrohung nicht von außen, sondern vom eigenen Körper ausgeht. In diesem Fall sprechen Psycholog*innen von Panikattacken. Sie treten häufig aus heiterem Himmel auf und äußern sich durch das Gefühl, plötzlich unerklärliches Herzrasen oder Schwindelgefühle zu bekommen. Auch das Gefühl zu ersticken, plagt einige Menschen. Panikattacken treten zu 95 Prozent außerhalb des häuslichen Umfeldes auf und können dazu führen, dass Betroffene Situationen meiden, in denen die Panikattacke auftritt. Außerdem machen sich Menschen, die unter dieser Art der Angststörung leiden, oft Sorgen, dass mit ihrem Körper etwas nicht stimmt, obwohl ihnen Fachleute versichern, dass sie gesund sind. Die Diagnose erklärt jedoch nicht die Symptome. Das kann die betroffenen Menschen stark verunsichern.

Wie genau Angst, Furcht und Panik sich in unserem Körper manifestieren, das wird davon bestimmt, wie nahe oder intensiv die Bedrohung ist, und welche Handlungsalternativen es gibt. Es macht einen Unterschied, ob wir in einer Situation sind, in der wir die Bedrohung bereits erlebt haben, oder ob wir von anderen nur gehört haben, dass diese Situation gefährlich werden kann, selbst jedoch noch nicht in Kontakt mit der Bedrohung gekommen sind. Wie aufmerksam und vorsichtig wir gegenüber Anzeichen der Bedrohung sind, hängt also von der empfundenen Intensität der Bedrohung ab. Das Covid-19-Virus ist dafür ein gutes Beispiel.

In der Forschung zu Angststörungen werden experimentelle Anordnungen verwendet, etwa um die Dynamik defensiver Verhaltensweisen zu verstehen. Funktionelle Kernspintomographie dient beispielsweise dazu, die regulierenden Hirnbereiche zu erforschen. Forschende wissen heute, dass bei der Erwartungsangst – also der Angst vor der Sichtung der potenziellen Bedrohung – vor allem präfrontale Areale aktiv sind. Das Gehirn beschäftigt sich primär mit der Risikoabschätzung. Leider können wir komplexe bedingte Wahrscheinlichkeiten nicht besonders gut einschätzen. Je näher die Bedrohung kommt, desto eher schaltet das Gehirn auf Notfallmodus. Das bedeutet, der Präfrontale Kortex reduziert seine Aktivität zugunsten der Hirnstammfunktionen. Wir reagieren dann auf eine Weise, die uns im Nachhinein manchmal peinlich ist. In klinischen Studien wird untersucht, wie Menschen ihre Risikoeinschätzungen überprüfen. Proband*innen lernen, Erfahrungen im Gedächtnis zu verankern, in denen die befürchtete Bedrohung nicht aufgetreten ist. Solche Erfahrungsübungen – auch bekannt als Expositionstherapie – sind der Königsweg zur Überwindung der Angst. In großen klinischen Studien wurden an der Universität Greifswald inzwischen über 1000 Patienten mit dieser Methode erfolgreich behandelt. Je besser wir die Wirkmechanismen verstehen, desto länger wird der Erfolg solcher Therapien in Zukunft anhalten.

Ansprechpartner
Prof. Dr. Alfons Hamm

 


Nudging: Dürfen wir kluge Entscheidungen anstoßen?

Kann Nudging helfen, einmal mehr die richtige Entscheidung zu treffen? ©Magnus_Schult
Kann Nudging helfen, einmal mehr die richtige Entscheidung zu treffen? ©Magnus_Schult

Das Idealbild vom nutzenmaximierenden Homo Oeconomicus bröckelt (nicht erst seit Kurzem). Anstelle des stets rational abwägenden Mr. Spock ähneln wir in vielen Entscheidungssituationen viel häufiger dem guten alten Homer Simpson, berichtet Richard Thaler, Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften und Co-Autor des Buches „Nudge. Wie man kluge Entscheidungen anstößt“. Wir treffen schnelle Bauchentscheidungen und nutzen Daumenregeln. Besonders in komplexen oder ungewohnten Situationen greifen wir auf vereinfachende Kalkulationen (Heuristiken) zurück, mit denen wir im Alltag häufig zwar keine optimalen, jedoch hinreichend gute Entscheidungen treffen können.

In vielen Situationen schafft uns diese schnelle und intuitive Art des Denkens Erleichterung für unseren Alltag. Doch wer hat das nicht schon einmal erlebt: Wenige Wochen sind vergangen, und die Vorsätze für das neue Jahr sind vergessen. Der Sport weicht dem Platz auf dem Sofa, der gesunde Salat dem himmlisch duftenden Schokopudding und das unliebsame Zeitschriftenabonnement wurde noch immer nicht gekündigt. Wir werden unseren Vorsätzen nicht gerecht und ärgern uns über das Ergebnis unseres Tuns. Nicht immer steuert uns unser innerer Homer Simpson in die richtige Richtung. So sind wir anfällig für kognitive Verzerrungen und systematische Fehlurteile (Biases) wie zum Beispiel Selbstüberschätzung und unberechtigten Optimismus durch fehlerhafte Wahrscheinlichkeitskalkulationen, eine größere Gewichtung kurzfristiger Präferenzen gegenüber langfristigen Zielen und eine Tendenz zur Erhaltung des Status quo.

Mit ihrer 2008 veröffentlichten Strategie des Nudging versprechen Thaler und Sunstein einen Lösungsansatz für dieses Problem. Die beiden Wissenschaftler plädieren dafür, die Erkenntnisse über das menschliche Entscheidungsverhalten zu nutzen und den Entscheidungskontext von Personen gezielt so zu gestalten, dass wir im Entscheidungsmodus unseres Homer Simpsons verbleiben und dennoch bessere Entscheidungen treffen können. Durch das vorausschauende Austricksen unseres inneren Homer Simpsons, kämen wir den Entscheidungen näher, die auch unser innerer Mr. Spock in dieser Situation getroffen hätte.

Nudging heißt der Ansatz aus der Verhaltensökonomie, mit dem Menschen durch einen kleinen Schubs [engl. nudge] dazu bewegt werden sollen, die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen, ohne dabei ihre Entscheidungsfreiheit einzuschränken. Grüne Fußspuren, die uns den Weg zum Mülleimer weisen; kleinere Teller in der Mensa, um Essensreste zu vermeiden und doppelseitiges Drucken als Voreinstellung in der Software – all  dies sind Beispiele für Nudges.

Das Promotionsprojekt „Nudging im Namen der Umweltsorge? Eine ethische Reflexion auf den Schubs über die Kluft zwischen Wissen und Handeln“ erforscht Nudging im Rahmen des interdisziplinären Promotionsschwerpunktes Dimensionen der Sorge am Institut für Philosophie an dieser Schnittstelle zwischen empowernder Sorgehandlung und paternalistischer Manipulation. Kann Nudging uns dabei unterstützen, im Einklang mit unseren Wünschen und Werten zu handeln oder muss diese verhaltenspsychologische Strategie als unterschwelliger Eingriff in unsere Autonomie abgelehnt werden? Welche Bedeutung kommt der Strategie des Nudging im Kontext der Bestrebungen um Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu? Für eine differenzierte Betrachtung und normative Bewertung von Nudges werden im Projekt verschiedene Nudge-Typen ausgehend vom Grad ihrer Transparenz und ihrer Eingriffstiefe unterschieden und die Effektivität und Legitimität dieser Steuerungsmaßnahme im Kontext der Sorge um die Umwelt untersucht.

Ansprechpartner*innen
Birthe Frenzel M. Sc.
Prof. Dr. Micha H. Werner


Linguistik zur Weihnachtszeitszeit

Weihnachten – Zeit der Besinnlichkeit, ©Magnus_Schult
Weihnachten – Zeit der Besinnlichkeit, ©Magnus_Schult

Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit, geprägt also von innerer Einkehr. In dem gerade erschienenen Buch „Weihnachtslinguistik. Festliche Texte über Sprache“ ist die Herausgeberin, Konstanze Marx, gemeinsam mit den Autor*innen quasi eingekehrt in das eigene Fach, um es in seiner schillernden Breite in Glanzpapier zu verpacken. In den Blick genommen werden in dem Buch kommunikative Praktiken des Wünschens beim Einkaufen, in Briefen, über WhatsApp, in direktem Austausch am Weihnachtsabend oder medial vermittelt, wie beispielsweise bei den bundespräsidialen Weihnachtsansprachen sowie kulturelle Praktiken des Vorlesens, etymologische und lexikographische Perspektiven auf Pelzmärtel, Krampus, Nikolaus oder Knecht Ruprecht, syntaktische Besonderheiten oder Varietäten in Weihnachtsliedern, genderlinguistische Erhellungen bei Loriot oder der Zusammenhang zwischen Witzen und Weihnachten.

Vom Wort
Begonnen sei beim Wort, vielmehr bei Wortgeschichten: So ist zum Beispiel das Bestimmungswort in Lebkuchen nicht sicher zu deuten. Wofür könnte es stehen, fragt sich etwa Gabriele Diewald, für Lieb, Leib, Leben? Wolfgang Pfeifer et al. vermuten im Etymologischen Wörterbuch des Deutschen, dass das Leb auf Laib zurückgeht oder auch eine Entlehnung aus dem lateinischen lībum (Fladen) ist. Noch umstrittener ist die Etymologie von Spekulatius, sie reicht von ,Zuckerbackwerk als Tischschmuck‘ (aus dem Niederländischen) über ,Betrachtung, Beschauung‘ (aus lat. speculātio) bis hin zu ,Erzeugnisse zum Wohlgefallen‘ (nach dem Französischen). Hier besteht also viel Unsicherheit.
Sicher ist aber, dass Wörter online nachgeschlagen werden, wenn sie gebraucht werden. Das heißt, dass die Zugriffe auf den Eintrag Nikolaus am Nikolaustag und auf den Eintrag Weihnachten am 24. Dezember sprunghaft ansteigen. Sascha Wolfer spricht deshalb vom „Effekt der sozialen Relevanz“, der übrigens auch an Ostern nachweisbar ist.

Über den Satz
Auch die Satzebene beherbergt interessante weihnachtliche Phänomene, Phänomene, die es eigentlich in der deutschen Satzstellung gar nicht gibt. So verstoßen Weihnachtslieder wie Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen oder Süßer die Glocken nie klingen (der eine oder die andere fühlt sich schon jetzt zurecht an Yoda erinnert) gegen die drei möglichen Verbstellungsvarianten im Deutschen. Finite Verben können am Ende eines Satzes stehen (wie in Nebensätzen), am Anfang (wie in Fragesätzen) oder an zweiter Stelle; das ist in Aussagesätzen der Fall und dann steht aber auch nur einzige Konstituente davor – im sogenannten Vorfeld. Wolfgang Imo setzt also den Rotstift an und zeigt, wie es eigentlich heißen müsste: Die Lichter brennen am Weihnachtsbaume oder Am Weihnachtsbaume brennen die Lichter und identifiziert hier eine weihnachtlich reiche (mehrfache) Vorfeldbesetzung.

Zum Text
Der Textebene sei ebenfalls eine Stippvisite abgestattet: So hat Simon Meier-Vieracker mittels korpuslinguistischer Keywordanalysen herausgefunden, dass in allen bisherigen bundespräsidialen Weihnachtsansprachen neben erwartbaren Ausdrücken (wie beispielsweise Weihnachten, Licht, Botschaft, Freude, Geburt oder Liebe) auch politische Topoi und mentalitätgeschichtliche Gestimmtheit der jeweiligen Amtsinhaber einfließen. Juliane Stude hat von Kindern verfasste Weihnachtsgeschichten untersucht und konnte damit das große Geheimnis hinter der Frage, wie die Geschenke zu den Kindern kommen, lüften: In einem „Inter Citi Express“, dort hat „der Weihnachtsmann [nämlich] einen eigenen Waggon“.

Ansprechpartnerin
Prof. Dr. Konstanze Marx


Wie andere Ernährungsgewohnheiten einen Beitrag zum Schutz von Süßwasserökosystemen leisten könnten

Symbolbild Süßwasser ©Jan Meßerschmidt
Symbolbild Süßwasser, ©Jan_Meßerschmidt

Die globale Nahrungsmittelproduktion steht vor einer doppelten Herausforderung. Für eine wachsende Weltbevölkerung müssen mehr Nahrungsmittel produziert werden. Gleichzeitig trägt die Landwirtschaft schon jetzt zur Überschreitung sogenannter planetarer Belastungsgrenzen (engl. „planetary boundaries“) bei und gefährdet damit die natürlichen Grundlagen der Nahrungsmittelproduktion. Neben der Auslaugung sowie Überdüngung von Böden, dem Verlust von Biodiversität und dem Beitrag zum Klimawandel ist der hohe landwirtschaftliche Wasserverbrauch ein entscheidendes Problem. Durch übermäßige Wasserentnahmen für die Landwirtschaft werden Süßwasserökosysteme global zunehmend zerstört. Eine Beschränkung der Wasserentnahme zum Schutz der Ökosysteme würde jedoch unweigerlich zu einer Reduktion der globalen Erträge führen.

Um diesen Zielkonflikt zwischen Umweltschutz und Ernährungssicherheit aufzulösen, könnte neben einem verbesserten landwirtschaftlichen Wassermanagement oder einer Reduktion der Nahrungsmittelabfälle auch eine Reduktion tierischer Produkte beitragen. Tierische Produkte haben einen weit überproportionalen Ressourcenverbrauch im Verhältnis zu ihrem Beitrag zur globalen Nahrungsmittelversorgung: Während etwa 18 Prozent der globalen Kalorien aus tierischen Quellen stammen, sind über ein Drittel des Wasserverbrauchs und über 80 Prozent des Flächenverbrauchs in der Lebensmittelproduktion auf tierische Produkte zurückzuführen.*

Basierend auf globalen Landwirtschaftssimulationen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und mehreren Ernährungsszenarien hat Johanna Braun in ihrer Masterarbeit an der Universität Greifswald quantitativ untersucht, inwieweit veränderte Ernährungsgewohnheiten mögliche Ernteeinbußen bei flächendeckendem Schutz von Süßwasserökosystemen kompensieren könnten. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Ernteeinbußen durch eine deutliche Reduktion des Konsums tierischer Produkte sogar überkompensiert werden könnten. Besonders stark sind die Potenziale in Westeuropa und Nordamerika. Die vergleichende Analyse verdeutlicht damit beispielhaft für den landwirtschaftlichen Wasserverbrauch, dass das große Dilemma der Nahrungsmittelproduktion innerhalb der natürlichen Grenzen des Erdsystems unter anderem durch einen Wandel der Ernährungsgewohnheiten auflösbar ist.

Basierend auf globalen Landwirtschaftssimulationen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und mehreren Ernährungsszenarien hat Johanna Braun in ihrer Masterarbeit an der Universität Greifswald quantitativ untersucht, inwieweit veränderte Ernährungsgewohnheiten einen Beitrag dazu leisten könnten, Süßwasserökosysteme zu schützen. Für ihre Arbeit erhielt sie den Nachhaltigkeitspreis 2020 der Universität Greifswald.

* Poore & Nemecek (2018) https://science.sciencemag.org/content/360/6392/987


Woran erinnern uns Stolpersteine?

Stolperstein für den Geologen Dr. Rudolf Kaufmann (1909–1942), ©Jan_Meßerschmidt
Stolperstein für den Geologen Dr. Rudolf Kaufmann (1909–1942), ©Jan_Meßerschmidt

Am 9. Dezember 2020 wird in Greifswald ein weiterer Stolperstein ins Pflaster eingelassen. Der Stolperstein wird vor dem Haupteingang des Theaters Greifswald in Gedenken an den Schauspieler Kurt Brüssow verlegt, der im Nationalsozialismus als Homosexueller verfolgt wurde. Auch an unserer Uni erinnern Stolpersteine an die Verbrechen des Nationalsozialismus. So ist auf einem Stolperstein vor dem ehemaligen Historischen Institut in der Domstraße 9 A der Name des Historikers Dr. Gerhard Knoche (1893–1944) zu lesen, und ein Stein vor dem Pharmakologischen Institut in der Friedrich-Loeffler-Straße 23 D erinnert an den Geologen Dr. Rudolf Kaufmann (1909–1942). Nach 1933 wurde ihnen der akademische Titel auf Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Beamtentums vom 7. April 1933 (kurz: Berufsbeamtengesetz) aberkannt, unter anderem weil sie Juden waren oder jüdische Vorfahren hatten. Dr. Gerhard Knoche wurde später in Konzentrationslager deportiert. In Auschwitz verliert sich seine Spur. Dr. Rudolf Kaufmann wurde, weil er mit einer jüdischen Witwe liiert war, wegen Rassenschande zur Zwangsarbeit verurteilt. Er entkam den Nationalsozialisten zunächst, wurde 1942 jedoch von deutschen Soldaten in Litauen erschossen.

Stolpersteine und die Geschichte der Universität
Die Stolpersteine führen uns heute vor Augen, inwiefern Lebens- und Leidenswege von Greifswaldern im Nationalsozialismus auch mit der Geschichte unserer Universität verwoben sind. Dr. Gerhard Knoche und Dr. Rudolf Kaufmann – das sind nur zwei von etwa 80 Namen von Gelehrten, denen nach 1933 auf Grundlage des Berufsbeamtengesetzes der akademische Titel aberkannt wurde. Insgesamt wurde etwa jeder zehnte Wissenschaftler an der Universität Greifswald unter dem Gesetz verfolgt. Das Berufsbeamtengesetz öffnete nicht nur Tür und Tor für die Aberkennung von Titeln, sondern auch für Entlassungen jüdischer Dozenten und anderer Mitarbeitenden der Universität. Auch Menschen mit einer unerwünschten (politischen) Gesinnung fielen unter das Gesetz. Samt den zugehörigen Erlassen, die Ausnahmeregelungen für bestimmte Personengruppen zuließen, wurde das Gesetz als flexibles Willkürrecht eingesetzt: „Das Berufsbeamtengesetz und die anderen Erlasse waren jedoch bewusst flexibel gehaltenes Willkürrecht, so dass ausgemustert werden konnte, wer sich für die neue Gesellschaft nicht eignete.“ (Eberle 2015, 95 f.)

Auseinandersetzung mit der Geschichte der Universität
Über achtzig Wissenschaftler, denen im Nationalsozialismus akademische und Universitätsehrengrade aberkannt wurden, hat der Akademische Senat der Universität Greifswald am 19. Oktober 2000 rehabilitiert. Eine Kommission hatte die dem Universitätsarchiv bisher bekannt gewordenen Fälle zuvor einer Einzelfallprüfung unterzogen. Dabei ergab sich, dass in 53 Fällen das Kriterium der politischen Diskriminierung unbezweifelbar vorlag. Ebenso sind drei Aberkennungen wegen politischer Vergehen und eine Aberkennung wegen Verstoßes gegen die Rassengesetze als offensichtliche Unrechtsakte zu erkennen und nichtig. Die bisher erarbeitete Liste der Personen, bei denen die Aberkennung der akademischen Grade unwirksam ist, ist eine offene Liste. Das heißt, dass neu zu Tage geförderte Namen oder Entlastungsgründe sie verändern können.
Lange Zeit fehlte eine umfassende, tiefgreifende und systematische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Universität Greifswald während des Nationalsozialismus. Es gab jedoch eine große Anzahl wertvoller Einzelstudien von personen-, institutionen-, wissenschafts- und ereignisgeschichtlichen Charakter. Vor diesem Hintergrund rief das Rektorat der Universität Greifswald im Jahr 2011 ein Forschungsprojekt ins Leben, in dem die Geschichte der Universität systematisch untersucht wurde. Das Projekt wurde in den Jahren 2012 bis 2015 durchgeführt. Im Zentrum des Interesses standen dabei die Indienstnahme und Selbstindienstnahme universitärer Forschung und Lehre für außerwissenschaftliche Zwecke, die Frage nach der Mobilisierung von Wissenschaft für die Ziele des Nationalsozialismus sowie nach den Mechanismen, die zu einer neuartigen Konkurrenz der Disziplinen und damit letztlich zu einem Profilwandel der Universität führte. Die Forschungsergebnisse sind in der Monographie „Ein wertvolles Instrument“ – Die Universität Greifswald im Nationalsozialismus von Henrik Eberle ausführlich dargestellt.
Trotz intensiver Recherchen konnten in diesem Forschungsprojekt nicht alle Fragen gleichermaßen befriedigend geklärt werden. Es bleiben Lücken, die künftige Forschungsarbeiten schließen müssen. Die Stolpersteine in Greifswald, Deutschland und anderswo in Europa erinnern uns heute auch daran, dass solche Wissenslücken gefüllt werden müssen. 


Weitere Informationen
Literatur

  • Alvermann, Dirk (Hg., 2015): „… die letzten Schranken fallen lassen“ – Studien zur Universität Greifswald im Nationalsozialismus. Böhlau Verlag.
  • Eberle, Henrik (2015): „Ein wertvolles Instrument“ – Die Universität Greifswald im Nationalsozialismus. Böhlau Verlag.

Zum Projekt Stolpersteine

  • Stolpersteine ist ein internationales Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Dabei ließ er sich von Zitat aus dem Talmud leiten, in dem es heißt „Doch ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Im Jahre 1992 verlegte Gunter Demnig die ersten Stolpersteine. Heute finden wir sie an vielen Orten nicht nur in Deutschland. Die ersten elf Stolpersteine in Greifswald wurden 2008 auf Initiative der Evangelische Studiengemeinde verlegt. Im Jahr 2012, in der Nacht vom 8. zum 9. November, wurden diese elf Stolpersteine von Unbekannten herausgerissen. Sie konnten am 23. Mai 2013, den Tag des Grundgesetzes, zusammen mit zwei weiteren Stolpersteinen neu verlegt werden. Am 22. Oktober 2014 wurden weitere 14 Stolpersteine vom Künstler Gunter Demnig in Greifswald verlegt. Erstmals wird dabei auch an ein nichtjüdisches Opfer des Nationalsozialismus erinnert.

Kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum im Spannungsfeld von Qualität, Wirtschaftlichkeit und Erreichbarkeit

Ob groß oder klein – Im Notfall ist jedes Krankenhaus wichtig, ©Lukas_Voigt
Ob groß oder klein – Im Notfall ist jedes Krankenhaus wichtig, ©Lukas_Voigt

Was müssen Krankenhäuser leisten?
Krankenhäuser müssen (mindestens) drei Ziele verfolgen: Erstens müssen sie Gesundheitsdienstleistungen in hoher Qualität erstellen, die wirksam Krankheiten heilen und Leiden lindern können. Zweitens sollten sie für die ganze Bevölkerung in annehmbarer Zeit erreichbar sein, so dass sie für Patient*innen und deren Besucher*innen zugänglich sind. Drittens müssen sie bei gegebener Krankenhausfinanzierung mit den verfügbaren Ressourcen auskommen – also wirtschaftlich handeln. Insbesondere kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum haben größte Probleme, alle drei Ziele gleichzeitig zu erreichen.
Die dünne Bevölkerungsdichte in ländlichen Regionen impliziert eine geringe Krankenhausgröße mit gravierenden Auswirkungen auf Qualität und Kosten. Die Kosten je Patient*in oder Fall sind höher als bei größeren Häusern. Da in Deutschland die Krankenhäuser pro Fall pauschal und unabhängig von ihrer individuellen Kostenstruktur entgolten werden, sind kleinere Krankenhäuser deutlich häufiger in ihrer Existenz bedroht. Die Wirtschaftlichkeit spricht eindeutig für die Schließung der kleineren Einheiten im ländlichen Raum und die Konzentration auf Krankenhauszentren in den Städten.

Sind große Krankenhäuser besser als kleine?
Bei der Qualität ist das Bild nicht so eindeutig. Einerseits haben die größeren Krankenhäuser eine höhere Routine, was zu einer höheren Behandlungsqualität führt. Gerade bei Komplikationen macht es einen großen Unterschied, ob das Behandlungsteam diesen Notfall regelmäßig erlebt oder ob ein vergleichbarer Fall schon länger zurückliegt. Dies spricht ebenso für eine Konzentration auf größere Zentren. Aber die Qualität umfasst nicht nur die Qualität im Krankenhaus, sondern auch auf dem Weg dorthin. Gerade bei Notfällen ist ein schneller Zugang zum Krankenhaus lebenswichtig. Das heißt ein flächendeckendes Netz aus Krankenhäusern ist essenziell, auch wenn diese dann klein sein müssen. Betrachtet man beide Qualitätskomponenten zusammen, so erscheint weder die Konzentration auf wenige Standorte noch die unreflektierte Füllung des Raums mit möglichst vielen Krankenhäusern als qualitätsfördernd.
Die Erreichbarkeit ist aber nicht nur eine Determinante der Leistungsqualität, sondern stellt für Patient*innen und deren Besucher*innen einen Wert per se dar. Eine starke Konzentration von Krankenhäusern auf wenige, große Standorte impliziert eine schlechtere Versorgung der Bevölkerung auf dem Land, Vereinsamung der Patient*innen ohne Besuch und eine geringe Identifikation mit dem Hospital.
Der Konflikt zwischen Qualität, Erreichbarkeit und Wirtschaftlichkeit lässt sich nicht vollständig entschärfen. Kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum müssen noch mehr als größere Einheiten bei jeder Entscheidung diese Ziele abwägen und das bestmögliche aus ihren Ressourcen machen. Kleine Krankenhäuser haben aber auch Vorteile. Sie sind überschaubar, familiär und effizient, weil die Wege kurz sind und Mitarbeitende sich kennen. Und sie können die Vorteile größerer Krankenhäuser nutzen, in dem sie mit ihnen kooperieren. So müssen sie beispielsweise keine eigene Pathologie betreiben, sondern können die Dienste des größeren Hauses anfragen. Von zunehmender Bedeutung ist hier die Telemedizin, insbesondere das Telekonsil. Das kleine Haus schaltet den*die Spezialisten*in aus dem Zentralkrankenhaus per Videoschaltung zu, ohne dass dieser vor Ort sein muss. Überhaupt ist innovative Technik ein Schlüssel zur Existenzsicherung der kleineren Häuser. So können beispielsweise Drohnen Laborproben mit hoher Geschwindigkeit vom kleinen Krankenhaus in ein zentrales Labor bringen. Je kleiner ein Krankenhaus ist, desto effizienter und innovativer muss es arbeiten, um überleben zu können.

Wie viel ist uns eine ortsnahe Versorgung wert?
Allerdings liegt die Zukunft der kleineren Krankenhäuser im ländlichen Raum nicht nur beim Management dieser Einrichtungen. Auch die Politik und damit letztlich alle Bürger*innen sind gefragt: Wie viel ist ihnen eine ortsnahe Versorgung wert? Die Krankenhausfinanzierung kennt das Instrument des Sicherstellungszuschlags. So können beispielsweise Geburtskliniken, die als notwendig erkannt werden, aber auf Grundlage der geringen Fallzahl nicht mit den gegebenen Fallpauschalen auskommen können, zusätzlich vom Bundesland unterstützt werden. Das Instrument wird nur leider von den Ländern höchst selten eingesetzt.

Was lehrt uns die Corona-Pandemie?
Bis Februar 2020 gingen einige Wissenschaftler*innen so weit, kleinere Krankenhäuser als komplett unnötig zu bezeichnen. Sie wollten sie schließen, weil sie unwirtschaftlich, risikoreicher und schlecht ausgelastet waren. Die Corona-Pandemie hat uns aber gelehrt, dass wir diese Notfallkapazitäten dringend brauchen. Kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum haben zahlreiche Corona-Patient*innen behandelt und damit den Kollaps der großen Krankenhäuser in den Zentren verhindert. Wir sollten uns deshalb abgewöhnen von „Überkapazitäten“ zu sprechen, sondern lieber von „Notfallkapazitäten“ ausgehen.

Was macht gutes Krankenhausmanagement aus?
Kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum bleiben für die Versorgung der Bevölkerung notwendig. Nicht in jedem Einzelfall, aber doch flächendeckend. Und sie bleiben eine Herausforderung, die eine besonders gute Qualifizierung und Motivation der Führungskräfte erfordert. Die Ausbildung der zukünftigen Krankenhausmanager ist eine Aufgabe, der sich die Universität Greifwald in ihrem Master of Science Health Care Management stellt. Nicht, nur für kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum – aber ganz bewusst auch für sie.

Literatur:

  • Fleßa, Steffen (2020): Kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum: Lösungsmodelle für eine finanzierbare Versorgung. Springer Gabler. DOI: 10.1007/978-3-658-28105-2.
  • Fleßa, Steffen (2018): Systemisches Krankenhausmanagement. De Gruyter Oldenbourg. DOI: 10.1515/9783110525687.
  • Fleßa, Steffen; Greiner, Wolfgang (2013): Grundlagen der Gesundheitsökonomie: Eine Einführung in das wirtschaftliche Denken im Gesundheitswesen. 4. Auflage. Springer Gabler. DOI: 10.1007/978-3-642-30919-9.

Sammlungsobjekte werden mittels Metadaten für die Forschung nutzbar gemacht

Kreidebergwerk bei Sassnitz von Otto Jaekel, © Sina Casa Martin
Kreidebergwerk bei Sassnitz von Otto Jaekel, ©Sina_Casa_Martin

An der Universität Greifswald wurden schon seit Jahrhunderten Gemälde für die Galerie der Gelehrtenporträts gesammelt. Die eigentliche Akademische Kunstsammlung entstand im 19. Jahrhundert, parallel zur Sammlung „Vaterländischer Alterthümer“. In Form von Gipsabgüssen antiker Plastiken, Zeichenvorlagen, Münzen und später auch Fotografien bot sie Einblick in die Ästhetik und Lebenswelt der alten Griechen und Römer. Seit 1989 betreut die Kustodie den gesamten Kunstbesitz der Universität. Heute wird nicht nur die Porträtsammlung vervollständigt. Ein Sammlungsschwerpunkt sind auch bildgebende Instrumente aus der Universitätsgeschichte. Das Sammeln und Pflegen solcher Objekte ist die eine Seite der Aufgaben der Kustodie; das Erforschen, Erschließen und digitale Vernetzen der Sammlungsgegenstände mit normgerechten Metadaten und begleitendem Schriftgut ist die andere, sicher aufwendigere Aufgabe.

Wie wichtig diese Aufgabe ist, zeigen zwei Werke zur Erforschung der Rügener Kreide:

Mitte des 19. Jahrhunderts publizierte Friedrich von Hagenow Zeichnungen von Mikrofossilien der Kreide, die er mit einem von ihm erfundenen optischen Hilfsinstrument anfertigte. Das seltene Instrument befindet sich in der Sammlung der Kustodie. Die Vergleichsfossilien sind Teil der paläontologischen Sammlung und die Bibliothek besitzt die Originalpublikationen des Geologen.
Siebzig Jahre später wirkte der Geologe Otto Jaekel in Greifswald. Er ist heute vor allem bekannt aufgrund seiner Ausgrabungen von Dinosaurierfunden in einer Tongrube bei Halberstadt. Darüber hinaus erforschte er die pommersche Kreideküste. Seine Landschaftsbilder der Bodden- und Kreideküste sind bis heute erhalten. Sie dienten als fachdidaktisches Bildmaterial ihrer Zeit und sind kunsthistorisch interessante Bildwerke.

Der Schlüssel, um solche Bildwerke und Sachzeugen digital auffindbar zu machen und ihre unterschiedlichen Bedeutungsebenen zu beleuchten, ist eine ausgeklügelte Verschlagwortung. Das Rechenzentrum, die Sammlungsleiter*innen und die Kustodie erarbeiten ein transdisziplinäres Recherchesystem, in dem zukünftig die verstreut gelagerten Sammlungsobjekte unserer Universität digital aufgefunden und für die Forschung genutzt werden können.


Macht Mikroplastik krank?

Spektrometer als Bodyscanner für Mikroplastik, ©Ricardo_Pires
Spektrometer als Bodyscanner für Mikroplastik, ©Ricardo_Pires

Mikroplastik sind kleinste Plastikteilchen. Für das bloße Auge sind sie meist unsichtbar. Doch sie sind überall: in den Tiefen des Meeres, im Trinkwasser und in der Luft. Für die weltweiten Ökosysteme stellt Mikroplastik eine ernst zu nehmende Bedrohung dar, deren voller Umfang noch nicht absehbar ist. Über die Nahrung gelangen sie auch in den menschlichen Körper.

Welchen Einfluss die kleinen Plastikpartikel auf den menschlichen Körper haben, ist weitgehend unklar. Der Grund dafür ist unter anderem, dass die winzigen Partikel in den komplexen Strukturen von Zellen und Geweben nicht ohne weiteres nachgewiesen werden können. Forschende aus der Physik, Biochemie und Biologie entwickeln im Projekt PlasMark neue physikalische Verfahren, um auch kleinste Kunststoffpartikel sichtbar zu machen und deren Ursprungsmaterial zu identifizieren.

„Wir kombinieren in unserem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt die Fähigkeiten und Expertisen mehrerer Arbeitsgruppen an verschiedenen Instituten“, beschreiben Prof. Mihaela Delcea, Prof. Markus Münzenberg und Dr. Oliver Otto den Beitrag der Universität Greifswald. Beispielsweise wurden am interdisziplinären Institut ZIK HIKE bereits Methoden entwickelt, Herz-Kreislauf-Erkrankungen mittels Biomechanik und Nanotechnologie zu erforschen. Das nun begonnene Projekt geht einen Schritt weiter. Mikroplastikpartikel sollen erstmals mittels modernster Terahertz-Spektroskopie direkt im menschlichen Gewebe bestimmt werden. Die zu untersuchenden Partikel werden dabei zunächst im Labor erzeugt, indem gewöhnliche Plastikflaschen mit sogenannten Mikroscheren zerschnitten werden. Mit den Analyseverfahren, die im Rahmen des Projekts entwickelt werden, wird dann die Wirkung von Mikroplastik auf menschliche Zellen in-vitro untersucht. Die Stärke dieses Verbundprojektes liegt in der Zusammenarbeit aller drei Partner, des ZIK plasmatis, des ZIK HIKE gemeinsam mit der Universität Greifswald sowie des ZIK innoFSPEC. Das Projekt ist zunächst für zwei Jahre ausgelegt. Ziel ist zu verstehen, inwiefern Mikroplastik mit dem Auftreten von Krankheiten assoziiert werden kann.

Weitere Informationen

Partner im Projekt PlasMark:

  • ZIK plasmatis am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie Greifswald (INP)
  • ZIK HIKE an der Universitätsmedizin Greifswald und der Universität Greifswald
  • ZIK innoFSPEC am Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam (AIP)

Zur Medieninformation


Stehen Sekundarschüler*innen unter Stress?

Leistungsdruck in der Schule, ©Oliver_Böhm
Leistungsdruck in der Schule, ©Oliver_Böhm

Stress und Burnout in der Bevölkerung nehmen stetig zu. Stress ist mittlerweile eine der häufigsten Ursachen für Krankschreibungen und das frühzeitige Ausscheiden aus dem Arbeitsleben. Anhaltender Stress schädigt unseren Organismus. Er belastet das Herz-Kreislauf-System und wirkt negativ auf den Gemütszustand und die Leistungsfähigkeit von Menschen. Erschreckenderweise berichten sogar jüngere Sekundarschüler*innen zunehmend von Schlafstörungen, Bauchweh, Schwindel und Müdigkeit. Sie fühlen sich den Anforderungen und möglichen Erwartungen aus Schule und Familie nicht gewachsen.

Aus der Stressforschung ist bekannt, dass Individuen Stressoren unterschiedlich bewerten und verarbeiten. Bei einigen Schüler*innen löst eine bevorstehende Unterrichtsstunde Stress aus. Schon beim Gedanken an Schule dreht sich ihnen der Magen um. Andere Schüler*innen freuen sich, in die Schule zu gehen, um dort Neues zu lernen und Herausforderungen zu begegnen. Bislang ist wenig darüber bekannt, wie individuelle und kontextuelle Bedingungen mit der Wahrnehmung von Stress und mit körperlichen Stressreaktionen von Schüler*innen zusammenhängen und welche Resilienzfaktoren dazu beitragen, dass Schüler*innen Herausforderungen meistern und sich in der Schule wohlfühlen.

Unter der Leitung von Dr. Frances Hoferichter untersucht eine interdisziplinär ausgerichtete Arbeitsgruppe am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Greifswald, inwiefern Eltern, Lehrer*innen und Mitschüler*innen dazu beitragen können, dass Sekundarschüler*innen aus Mecklenburg-Vorpommern weniger Stress empfinden und geringere körperliche Stressreaktionen zeigen. Dafür beantworteten 733 Schüler*innen der siebten und achten Klasse aus zwölf Regionalen Schulen und Gymnasien Fragen zur Qualität ihrer sozialen Beziehungen, ihrem Wohlbefinden, Stress und Schulburnout sowie zur Persönlichkeit und Resilienz.

Die Ergebnisse aus den Fragebögen wurden ergänzt durch Biomarkertests, an denen 83 zufällig ausgewählte Schüler*innen freiwillig teilnahmen. In den Tests wurden das Stresshormon-Niveau und der oxidative Stress ermittelt. Durch einen innovativen Zugang zum Thema und das komplexe Forschungsdesign kann ein vielschichtiges Bild über Stressmechanismen generiert und Empfehlungen für die Gestaltung des Unterrichts abgeleitet werden. Schüler*innen sollen damit beim Lernen und in ihrer Entwicklung effektiv unterstützt werden. Mit der Zusammenführung von biologischen Stressmarkern und Selbstberichtsdaten über individuelle und kontextuelle Faktoren, die das Stressempfinden und Wohlbefinden beeinflussen, ist die Studie an der Schnittstelle von Bildungswissenschaft, Psychologie und Biologie angesiedelt. Erste Ergebnisse zeigen, dass Schüler*innen weniger Stress empfinden sowie körperlichen Stress aufweisen, wenn sie sich von ihren Eltern und Lehrer*innen unterstützt fühlen, was gleichermaßen für Jungen und Mädchen sowohl unabhängig von der Schulform und soziökonomischem Status gilt. Weitere Ergebnisse zur Nutzung von sozialen Medien zeigen, dass Schüler*innen, die täglich in sozialen Medien aktiv sind, mehr körperlichen Stress aufweisen (connection overload) und das Bedürfnis, Bilder in sozialen Medien hochzuladen (approval anxiety), mit subjektivem Stresserleben einhergeht.


Fressen Enzyme unseren Plastikmüll?

Enzyme und unser Plastikmüll ©Jan_Meßerschmidt
Enzyme und unser Plastikmüll, ©Jan_Meßerschmidt

Kunststoffe sind an sich wunderbare Materialien, weil sie extrem vielseitig einsetzbar und nahezu ewig haltbar sind. Doch genau dies ist auch der Grund für ein großes Umweltproblem. Nach rund 100 Jahren Kunststoffproduktion sind Plastikpartikel inzwischen überall: in den Ozeanen, im Grundwasser, in der Luft und in der Nahrungskette. Fressen können Enzyme unseren Plastikmüll nicht. Sie können Plastik aber immerhin in seine Bestandteile zerlegen. Dies gelingt bislang jedoch nur für Polyester wie PET, woraus beispielsweise Getränkeflaschen hergestellt werden. In der Tat gibt es ein Bakterium, das PET abbauen und die Bruchstücke als Nahrungsquelle verwenden kann. Ein japanisches Team hatte dieses Bakterium (Ideonella sakaiensis) im Jahr 2016 entdeckt und herausgefunden, dass es PET mit Hilfe von zwei Enzymen – PETase und MHETase – in seine Bausteine zerlegen kann. Dies geschieht allerdings sehr langsam. Diese Fähigkeit ist aus evolutionärer Sicht hochinteressant, da es diesen Kunststoff erst seit knapp 80 Jahren überhaupt auf der Erde gibt; ein sehr kurzer Zeitraum für die natürliche Evolution von Organismen. In der aktuellen Forschung ist es uns und anderen Arbeitsgruppen nun gelungen, PET-spaltende Enzyme aktiver zu machen. Ein französisches Team hat hierfür bereits ein integriertes Verfahren für das Recycling von PET entwickelt.

Doch was ist mit den vielen anderen Kunststoffen? Weltweit gibt es erhebliche Anstrengungen, die „Plastikkrise“ durch biotechnologische Methoden zu bewältigen. Der Frage nach den Grenzen und Möglichkeiten widmen sich Forschende der Arbeitsgruppe Biotechnologie und Enzymkatalyse an der Universität Greifswald unter anderem in einem kürzlich in der Zeitschrift Nature Catalysis erschienenen Positionspapier. Gemeinsam erforschen sie in einem von der Europäischen Union im Rahmen von Horizon 2020 geförderten Verbundprojekt MIX-UP mit Forschenden aus China, wie eine Wertschöpfung aus Plastikabfällen, sowohl aus den Ozeanen als auch aus Haushalten, durch biotechnologische Verfahren erzielt werden kann. Wichtig ist, vor allem für langlebiges Plastik eine mittelfristige Lösung zu finden: Ein kontrollierter Abbau sollte innerhalb von wenigen Jahren – statt wie bisher in Hunderten von Jahren – sichergestellt sein. Für eine effiziente Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen schlägt das Team sechs Prinzipien vor, damit neu produzierte Kunststoffe unsere Umwelt nicht belasten: „überdenken – ablehnen – reduzieren – wiederverwenden – recyceln – ersetzen“.

Weitere Informationen

Video:

Literatur:


Wahljahr in den USA – Warum Qualitätsjournalismus für eine Demokratie so wichtig ist

Tageszeitungen aus den USA © Martha_Kuhnhenn
Tageszeitungen aus den USA, © Martha_Kuhnhenn

Am 3. November wird der 46. US-Präsident gewählt. Die Wahlen finden im Kontext einer tief gespaltenen Gesellschaft sowie einer gezielt irreführenden Nachrichtenlandschaft statt. Die US-amerikanische Politik spaltet sich im Wesentlichen in Republikaner (mehr oder weniger konservativ) und Demokraten (mehr oder weniger liberal). Auch die großen Nachrichtensender spalten sich in diese Lager. Auf der einen Seite steht der Sender Fox News, 1996 gegründet, der regierungstreu und auf Linie der Republikaner berichtet. Auf der anderen Seite gibt es regierungskritische Sender wie CNN und MSNBC.

Mit Blick auf die Presse und lokale Nachrichten sind in den USA ganze Landstriche zu „Nachrichtenwüsten“ geworden. Seit 2004 sind in den USA 1800 Tageszeitungen von der Bildfläche verschwunden. Die Hälfte aller US-Counties hat nur noch eine lokale Tageszeitung; oft ist es nur noch eine Wochenzeitschrift. Betroffen sind vor allem Regionen, in denen viele ärmere und weniger gebildete Menschen leben. Diese Leserschaft greift vor allem auf nicht redaktionell betreute Online-Medien zurück. Hier trifft sie auf eine Kultur der gezielten Desinformation.

Wie bereits 2016 werden die Wahlen von gezielten Falschmeldungen und online gestreuten Gerüchten über Politiker*innen und Parteien stark beeinflusst. Eine zentrale Rolle spielt Facebook: Facebook war und ist Verbreiter tausender Fake News. Gleichzeitig ist Facebook eine wichtige Informationsquelle für viele Amerikaner*innen. 67 Prozent der US-Amerikaner*innen nutzen Facebook; unter ihnen nutzen 46 Prozent Facebook für die Nachrichteninformation. Zudem informiert sich das Gros der Social-Media-Nutzer*innen lediglich in einem sozialen Netzwerk. Im Wahlkampf 2016 war der*die durchschnittliche US-Amerikaner*in mehr online Falschmeldungen pro Trump als pro Clinton ausgesetzt. Zu welchem Grad Online-Fake-News jedoch den Wahlausgang beeinflussten, bleibt unklar.

Der Erfolg von Fake News macht Schwachstellen und Gefahren auf verschiedenen Ebenen deutlich. Dazu gehören die Profitlogik von Medien, die Spaltung der Gesellschaft sowie politische Kräfte, die mehr oder weniger offen der Demokratie schaden wollen. Qualitätsjournalismus schwindet an vielen Stellen. Dieser ist jedoch von zentraler Bedeutung, um Fake News und die dahinterstehenden Interessen aufzudecken. Die Wahl am 3. November wird zeigen, wie sich die US-Amerikanische Gesellschaft positioniert.

Weitere Informationen


Pneumokokken – Zwischen harmlosem Besiedler und gefährlichem Erreger

Infektionsforschung an der Uni Greifswald © Till_Junker
Infektionsforschung an der Uni Greifswald, © Till_Junker

Pneumokokken können Infektionen wie Lüngenentzündungen auslösen
Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) sind einerseits harmlose Bakterien, die symptomlos die oberen Atemwege des Menschen besiedeln können. Träger sind vor allem Kinder, die die Bakterien durch Tröpfcheninfektionen übertragen. Pneumokokken sind sehr anpassungsfähig. Sie finden die Schwäche ihres Wirtes und nutzen diese aus. Bei einem geschwächten Immunsystem können Pneumokokken schnell von einem harmlosen Besiedler zu einem gefährlichen Erreger werden und schwerwiegende Infektionen hervorrufen, wie eine Lungenentzündung (Pneumonie), die häufig einen schweren Verlauf nimmt und mit einer Blutvergiftung (Sepsis) einhergehen kann. Es wird oft vergessenen, dass eine Lungenentzündung für Kinder schnell tödlich enden kann. Auf der ganzen Welt sind Pneumokokken der bedeutendste Auslöser schwerer Pneumonien bei Kindern. Es wird geschätzt, dass jedes Jahr mehr als 150 Millionen Lungenentzündungen bei Kleinkindern in Entwicklungsländern auftreten. Das macht mehr als 95 Prozent aller Fälle weltweit aus. Mehr als zwei Millionen Kinder sterben jährlich an dieser Krankheit. Darüber hinaus können Pneumokokken neben milderen Nasennebenhöhlen- und Mittelohrentzündungen auch lebensbedrohliche Hirnhautentzündungen verursachen. Abgesehen von Kleinkindern sind zudem auch ältere und immungeschwächte Menschen einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Wie Virulenzfaktoren als Türöffner für den menschlichen Körper dienen können
Um sich im Wirt durchzusetzen, produzieren die Pneumokokken Zuckerstrukturen und Proteine, so genannte Virulenzfaktoren, die den Wirt schädigen können, das Immunsystem des Wirts manipulieren oder auch ausnutzen. Virulenzfaktoren dienen den Pneumokokken beispielsweise dazu, sich an Zellen im Nasenrachenraum oder der Lunge des Menschen anzuheften und in tieferes Gewebe einzudringen. Andere Virulenzfaktoren vermeiden Abwehrmechanismen oder verhindern, dass das Immunsystem des Wirts reagieren kann. Dadurch können die Bakterien im Menschen überleben. Einer der wichtigsten Virulenzfaktoren ist das Kapselpolysaccharid, eine variable Zuckerstruktur, die die Pneumokokken ummantelt und sie so davor schützt, von Fresszellen erkannt und beseitigt zu werden. Pneumokokken produzieren zudem ein Toxin, das Pneumolysin. Es wird freigesetzt, wenn Pneumokokken im Wirt absterben. Freigesetztes Pneumolysin bindet an die Membran von Wirtszellen und bildet dort Poren. Dadurch sterben die Wirtszellen ab und die Barrieren oder die Abwehrzellen werden geschädigt.

Worauf Schutzimpfungen gegen Pneumokokken basieren
Basierend auf den Kapselpolysacchariden werden Pneumokokken in Serotypen eingeteilt, von denen bis heute über 95 bekannt sind. Diese Kapselpolysaccharide bilden auch die Grundlage für die derzeitig verfügbaren Impfstoffe. Die Pneumokokken-Impfung wird als Standardimpfung für alle Säuglinge und Kleinkinder sowie für Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Zukünftig werden jedoch neue Impfstoffe benötigt, da die Wirksamkeit der bisherigen Impfstoffe auf die von ihnen abgedeckten Serotypen beschränkt ist. Derzeit bieten Pneumokokken-Impfstoffe demnach gegen maximal 23 Serotypen einen Schutz.

Was die Pneumokokken-Forschung im Visier hat
Forschende der Universität Greifswald untersuchen unter Ausnutzung verschiedener Infektionsmodelle die Wirt-Erreger-Interaktionen der Pneumokokken, um die Mechanismen zu verstehen, die für eine erfolgreiche Besiedlung des Nasenrachenraumes und die Umwandlung in ein aggressives Bakterium notwendig sind. Dazu werden bakterielle Virulenzfaktoren identifiziert und ihre Funktion sowie Struktur aufgeklärt, die eine Kolonisierung und das Durchbrechen der Lungenbarriere ermöglichen. Auf der anderen Seite gehen die Forscher*innen den Mechanismen auf den Grund, welche es den Pneumokokken ermöglichen, der Immunabwehr durch den Menschen zu entkommen. Weitere Forschungsprojekte zielen darauf ab, neue Impfstoffkandidaten zu finden, die eine Basis für einen Serotyp-unabhängigen Impfstoff bilden sollen.

Weitere Informationen

Ansprechpartner*innen
Prof. Dr. Sven Hammerschmidt
Dr. Franziska Voß


Was der winterliche Schrumpel-Apfel besser kann als importiertes Obst

Früchte aus dem Arnoldischen Obst-Cabinet ©Martin_Schnittler
Früchte aus dem Arnoldischen Obst-Cabinet, ©Martin_Schnittler

Am Institut für Botanik und Landschaftsökologie gibt es eine seltene Sammlung von Obstmodellen: das „Arnoldische Obst-Cabinet“. Die Äpfel, Birnen oder Pfirsiche sehen täuschend echt aus. Die Modelle wurden zwischen 1856 und 1899 von Heinrich Arnoldi (1813–1885) aus einer speziellen Gipsmasse gegossen und anschließend aufwändig gestaltet. Arnoldi verkaufte seine Früchte zusammen mit detailreichen Beschreibungen an Obstbauern und als Lehrmittel an wissenschaftliche Institute – darunter die Universität Greifswald. Aber auch Liebhaber kauften die täuschend echten Früchte und stellten sie sich als Dekorationsobjekte in ihre Wohnungen.  

Arnoldis Cabinet gilt heute als eines der sortenreichsten und schönsten Obstkabinette. Die Greifswalder Sammlung umfasst noch 214 von insgesamt 455 Modellen aus der Arnoldischen Manufaktur, darunter 104 Äpfel, 73 Birnen und einige andere Obstsorten. Ein Teil der Sammlung wird derzeit im Humboldt Forum in Berlin ausgestellt.

Die Modelle zeigen uns heute, welche Obstsorten im 18. und 19. Jahrhundert im mitteleuropäischen Raum angebaut wurden. Sie führen uns vor Augen, wie vielfältig die heimische Sortenvielfalt sein könnte. In unseren Supermärkten wird – einschließlich der Importware – nur ein Bruchteil dieser Obstsorten angeboten. Zu Arnoldis Zeiten gab es beispielsweise Äpfel für jeden Zweck und für jede Jahreszeit. Es gab Äpfel zum Backen, zum Entsaften und für das Dessert. Es gab Sorten für den Sommer, den Herbst und den Winter. Einige Apfelsorten wurden im Herbst geerntet, mussten aber noch reifen und waren erst zu Weihnachten oder im Januar genießbar.

Der Obstanbau war zu Arnoldis Zeiten nicht nur geprägt von großer Sortenvielfalt. Obst wurde damals auf Streuobstwiesen angepflanzt und geerntet. Denn fast alle Obstbäume müssen fremdbestäubt werden. Es braucht also einen zweiten Baum in der Nähe und die Hilfe von Bienen. Streuobstwiesen tragen auch zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Mit der Modernisierung des Obstanbaus nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele dieser Streuostwiesen gerodet.

Die Modelle sind heute ein Forschungsobjekt in der Pomologie, der Lehre von den Obstsorten. Die Pomologie entwickelte sich im 18. Jahrhundert und war im 19. Jahrhundert weit verbreitet. Heute lebt das Interesse an den alten Obstsorten wieder auf. Denn alte Obstsorten haben viel zu bieten: Sie sind vielfältiger, sie schmecken oft besser und sind dazu oft haltbarer. Außerdem können sie regional erzeugt und vertrieben werden. Das wiederum ist gut für die CO2-Bilanz und das Klima. Angesichts des Klimawandels ist die Sammlung heute auch wieder für die Landwirtschaft relevant. Denn alte Sorten sind teils besser für den Klimawandel gerüstet als die empfindlichen Supermarkt-Sorten. In Zukunft könnte der winterliche Schrumpel-Apfel wieder eine ernsthafte Alternative zu importiertem Obst vom anderen Ende der Welt sein.


Wie Gletscher die Rügener Kreideküste formten

Kreideschuppen an der Ostküste der Halbinsel Jasmund @Anna_Gehrmann
Kreideschuppen an der Ostküste der Halbinsel Jasmund, @Anna_Gehrmann

Die Rügener Schreibkreide entstand vor etwa 70 Millionen Jahren als Meeresablagerung. Vor weniger als 20 000 Jahren, in der Weichsel-Kaltzeit, wurden diese Ablagerungen großräumig vom Eis verformt. Denn Rügen lag während der Weichselvereisung im Randbereich des Skandinavischen Inlandeises. Das Eis ist im Laufe der Kaltzeit mehrmals angewachsen und zurückgeschmolzen. In dem Gebiet der heutigen Rügener Kreideküste hat es mindestens zwei heftige Gletschervorstöße gegeben. Die Gletscher haben die Kreide in einer Tiefe von rund 100 Meter abgeschert und herausgehoben. Dabei wurde die Kreide gefaltet und in Schuppen zerlegt. Die Schuppen wurden vor dem Gletscher dachziegelartig übereinander geschoben.
Die Oberflächenformen der Halbinsel Jasmund im Nordosten der Insel Rügen und komplizierte innere Strukturen der Kreide geben Aufschluss über die einzelnen Gletschervorstöße. Die Verformungsprozesse können mit Hilfe von Rechenmodellen am Computer schrittweise aufgedeckt werden. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass zuerst der nördliche Teil Jasmunds durch einen Gletschervorstoß aus Nordosten gebildet wurde. Danach entstand der südliche Teil Jasmunds durch einen lokalen Eisschub aus südlicher Richtung. Die höchste Erhebung an der Küste, der Königsstuhl (118 Meter über NN), stellt einen Grenzbereich zwischen dem glazitektonischen Nord- und Südteil der Halbinsel dar.
Das Ergebnis der gewaltigen Verformungen können Interessierte heute selbst beobachten, wenn sie die Kreideküste im Osten und Norden von Jasmund besuchen. Das weiße Lockergestein enthält dunkle Feuersteinlagen, die ursprünglich horizontal abgelagert wurden, heute jedoch unterschiedlich stark geneigt und gefaltet sind. Außerdem treten regelmäßig Abschnitte auf, die braun, grau und ocker gefärbte Ablagerungen aus Geschiebemergel, Ton, Sand oder Kies enthalten. Diese jüngeren Ablagerungen aus den vorherigen Eisvorstößen markieren immer das hintere Ende einer Schuppe und die Nähe zu einer weiteren Überschiebungsbahn.
Das neu entwickelte Entstehungsmodell der Halbinsel Jasmund zeigt, dass die Rügener Schreibkreide zwischen Sassnitz und dem Königsstuhl durch die Kraft eines Gletschers um die Hälfte von elf auf etwa 5,5 Kilometer zusammengeschoben wurde. Ursprünglich lag die Kreide, die wir heute an der Küste sehen können, weiter südöstlich in der Prorer Wiek.

Weitere Informationen

Literatur


Zucker aus dem Meer

Polysaccharid-abbauende Bakterien (türkis) an einer Kieselalge @Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie / I. Bakenhus
Polysaccharid-abbauende Bakterien (türkis) an einer Kieselalge, @Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie / I. Bakenhus

Mehrfachzucker, auch Polysaccharide genannt, sind die chemisch komplexesten Makromoleküle in der Natur. Sie bestehen aus verschieden verknüpften Zuckermolekülen, die mit einer Vielzahl weiterer funktioneller Gruppen verwoben sind. Meeresalgen produzieren viele verschiedene Arten dieser komplexen Zuckerverbindungen. Algenbiomasse kann zu mehr als 50 Prozent aus Mehrfachzuckern bestehen. Damit der Zucker aus Algen in Zukunft biotechnologisch genutzt werden kann, müssen neue enzymatische Verfahren geschaffen werden. Die Werkzeuge für diese Verfahren liefern Zucker abbauende marine Bakterien, die während Algenblüten im Meerwasser in hoher Zahl zu finden sind. Marine Bakterien, die auf die Zersetzung von Algenzuckern spezialisiert sind, weisen eine bemerkenswerte Vielfalt an kohlenhydrataktiven Enzymen auf. Diese Enzyme sind nötig, damit Bakterien im Team die komplexen Algenzucker verwerten können. Diese Abbauwege werden durch aufeinander abgestimmte Enzymkaskaden vermittelt, an denen an der Universität Greifswald mit Partnern in Bremen im Rahmen der Forschungsgruppe POMPU (FOR 2406) sowie im Rahmen der BMBF Initiativen Plant3 sowie BaMS gearbeitet wird.

Weiterführende Literatur


Wie die alten Finnen auf die Erbse kamen – Sprachhistorische Evidenz als wichtige Quelle vorhistorischer Kulturentwicklung

Symbolbild Erbsen ©Laura_Schirrmeister
Symbolbild Erbsen, ©Laura_Schirrmeister

Zur Beurteilung früher Kulturkontakte im Ostseeraum nimmt die Sprachwissenschaft häufig eine Schlüsselrolle ein, denn im Wortschatz einer Sprache spiegeln sich jene Wege wider, auf denen ihre Sprecher*innen vor Jahrtausenden mit kulturellen Innovationen in Kontakt kamen. Der etymologischen Entschlüsselung dieser Spuren widmet sich die Lehnwortforschung als eine hochkomplexe linguistische Disziplin, die gerade in nördlichen Gefilden selbst der Archäologie einen Schritt voraus sein kann. Linguistisch galt es so seit geraumer Zeit als gesichert, dass die Urahnen der Esten und Finnen die Erbse als Kulturpflanze bei ackerbauenden baltischen Stämmen an der Südküste des Finnischen Meerbusens kennengelernt hatten. Permanenten Zweifel daran meldete jedoch aus klimatischen Erwägungen lange die Archäologie an, bis schließlich neuere Ausgrabungen in Litauen den Anbau der Hülsenfrüchte seit der Übergangsphase von der Bronze- zur Eisenzeit sicher belegten. Die lautlichen und zeitlichen Rekonstruktionen der Linguisten hatten also bereits viel früher gezeigt, dass die heutigen ostseefinnischen Wörter für Erbse (finnisch herne, estnisch hernes) sicher auf ein urbaltisches Wort zurückgehen, das sich im heutigen Litauischen als žirnis präsentiert. Mit der Bewertung und Systematisierung hunderter ähnlicher Fälle beschäftigt sich das Forschungsprojekt Baltische und ostseefinnische Sprachen im vorhistorischen Kontakt am Lehrstuhl für Fennistik.

Die sprachliche Ausbildung an der Greifswalder Fennistik widmet sich jedoch weniger der vorhistorischen „Erbsenzählerei“ als vielmehr der Vermittlung der modernen Sprachen und Kulturen Finnlands und Estlands. Am ältesten Finnischlektorat des deutschsprachigen Raums und am einzigem Gastlektorat für Estnisch gibt es beste Voraussetzungen für alle Studieninteressierten.

Weitere Informationen: Interview mit dem Projektleiter Dr. Santeri Junttila


Die wahren Kosten von Lebensmitteln

Symbolbild Lebensmittel ©Amelie Michalke
Symbolbild Lebensmittel, ©Amelie_Michalke

Was kosten uns Lebensmittel wirklich? Mit dieser Frage ist nicht nur der Preis gemeint, den wir als Verbraucher im Supermarkt zahlen müssen. Bei Lebensmitteln lassen sich auch ökologische und soziale Folgekosten berechnen: Die sogenannten wahren Kosten (True Costs). Das sind Kosten die z. B. bei der Aufbereitung von Wasserverschmutzung, Schadstoffausstoß durch Futterproduktion oder Beheizung von Ställen entstehen und von der gesamten Gesellschaft ausgeglichen werden müssen.

Forschende der Universität Greifswald und der Universität Augsburg haben diese Kosten in einem Praxisprojekt mit der PENNY Markt GmbH untersucht. Für die Berechnung bekommen die Faktoren der Treibhausgasemissionen, der reaktiven Stickstoffemissionen, des Energieverbrauchs und der Landnutzungsänderungen, verursacht durch biologische und konventionelle Lebensmittelerzeugung, einen Preis. Die Untersuchungen zeigen teilweise sehr große Preisunterschiede zwischen den aktuellen Marktpreisen und den wahren Kosten, vor allem bei tierischen Lebensmitteln, die auf herkömmliche Weise produziert wurden.

Konventionelles Fleisch müsste inklusive der wahren Kosten eigentlich bis zu 173 % teurer sein. Bio-Fleisch würde mit den versteckten Kosten immerhin auch noch 126 % mehr kosten. Pflanzliche Lebensmittel schneiden relativ gut ab, hier ist die Bepreisung schon relativ sinnvoll und nah an den wahren Kosten. Die hohen Kosten für tierische Produkte kommen vor allem durch die ressourcenintensive Aufzucht und die Fütterung der Tiere, sowie durch Emissionen bei der Verdauung der Tiere zustande. Konventionelle und Bioprodukte unterscheiden sich vor allem durch künstlichen Stickstoffdünger und importierte Futtermittel, welche in der Bioproduktion nicht oder nur eingeschränkt zugelassen sind und sich stark auf die Ökobilanz auswirken.

Die Forscher*innen erhoffen sich aus dem Praxisprojekt mit PENNY und den weiteren Forschungen die gesellschaftliche Diskussion voranzutreiben und auch mit politischen Entscheidungsträger*innen über mögliche Maßnahmen der Internalisierung ökologischer Folgekosten zu diskutieren. 

Medieninformation
Projekthintergrund
Podcast zum Thema vom Handelsblatt


Wird auf Instagram einfach alles geliket?

Anzahl der Likes zu Posts von deutschsprachigen Nachrichtenanbietern ©Grafik: Jakob Jünger
Anzahl der Likes zu Posts von deutschsprachigen Nachrichtenanbietern, Grafik: ©Jakob_Jünger

Wovon hängt eigentlich ab, was man auf Instagram, Twitter oder YouTube liket? Natürlich spielt eine Rolle, was einem gut gefällt. Es gibt aber auch strukturelle Einflüsse: Um einen Post liken zu können, muss er sichtbar sein. Und umso öfter er gelikt wird, umso sichtbarer wird er, dafür sorgen die Empfehlungssysteme der Plattformen. Umso sichtbarer ein Post wird, umso mehr Likes bekommt er wiederum. Dieser Verstärkungsprozess ist ein ganz zentraler Mechanismus bei der Entwicklung von sozialen Netzwerken, im Internet aber auch im Freundes- und Bekanntenkreis. Wer hat, dem wird gegeben. In sozialen Netzwerken wird dieser Mechanismus Preferential Attachment genannt.

Normalerweise gehen wir deshalb davon aus, dass die meisten Posts sehr wenige Likes bekommen und nur sehr wenige Posts ganz viele Likes bekommen – es entsteht eine schiefe Pareto-Verteilung wie man sie in der Grafik bei Twitter oder YouTube erkennt. Die Daten kommen aus dem LIKE-Projekt und enthalten alle Posts von deutschen Nachrichtenseiten im letzten Winter. Um die Verteilung der Likes besser sichtbar zu machen, sind die Achsen logarithmisch skaliert. Zum Beispiel haben auf Twitter über 100 000 Tweets kein Like und nur knapp 50 Tweets bekommen über 1000 Likes. Insgesamt sind in der Stichprobe über 270 000 Tweets enthalten.

Eine der Grafiken stellt uns (noch) vor ein Rätsel: Bei Instagram gibt es kaum Posts ohne Likes, was der Verteilungsannahme widerspricht.

Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft


Torfmoose tragen zum Klimaschutz bei

Bei den Torfmoosen sind die obersten Zweige dicht zu Köpfchen zusammengestellt. Die Stängel tragen sowohl abstehende als auch anliegende Seitenäste. ©Peter König
Bei den Torfmoosen sind die obersten Zweige dicht zu Köpfchen zusammengestellt. Die Stängel tragen sowohl abstehende als auch anliegende Seitenäste. ©Peter_König

In Deutschland sind alle Torfmoose nach der Bundesartenschutzverordnung geschützt. Weltweit gibt es rund 300 Arten. Torfmoose sind vor allem in Hochmooren anzutreffen. Alle lebensnotwendigen Stoffe entziehen sie dem nährstoffarmen Substrat durch Ionenaustausch.
Torfmoose sorgen dafür, dass Moore nicht austrocknen, denn sie können ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wasser speichern. Damit tragen Sie auch zum Klimaschutz bei. Schließlich binden intakte Moore viel CO2.
Sterben die Pflanzen ab, so entsteht Torf, welcher manchmal handelsüblicher Blumenerde beigemischt ist. Im Handel gibt es jedoch auch sehr gute Torfersatzstoffe. Für den Garten haben sich Kokos- und Holzfasern bewährt, für Topfkulturen ist Nadelerde eine bessere Alternative, und im Freiland kann Schälrinde verwendet werden.

Mehr Informationen über Torfmoose sowie über 22 weitere Moosarten gibt es auf dem kürzlich eröffneten Lehrpfad „Ohne Moos nichts los“ im Botanischen Garten der Universität Greifswald. Zum Botanischen Garten


Woran erinnert der Gedenkstein im Ostseebad Boltenhagen?

Gedenkstein im Strandbad Boltenhagen ©privat
Gedenkstein im Strandbad Boltenhagen, ©privat

Links vor der Seebrücke in Boltenhagen erinnert eine auf einem Findling angebrachte Plakette an Geschichten aus der DDR-Zeit, deren Dramatik sich heute kaum mehr erahnen lässt. Auf dem Gedenkstein, der im Jahr 2000 auf Initiative einer Bürgerin aus Dahme enthüllt wurde, steht: „Über der Ostsee leuchtete für uns das Licht der Freiheit! Den DDR-Flüchtlingen 1961–1989“.

Das mecklenburgische Boltenhagen und das schleswig-holsteinische Dahme verbindet eine gemeinsame Geschichte: Einige freiheitssuchende Menschen aus der DDR wählten die Route über das Meer, wobei ihnen der Leuchtturm von Dahmeshöved den Weg wies. Diese Orientierungsmarke für die DDR-Flüchtlinge erhielt daher den Beinamen „Licht der Freiheit“. Etwa 30 km Luftlinie lagen zwischen Boltenhagen und Dahme. Viele Fluchtversuche endeten mit dem Tod, weil die Strömungsverhältnisse zu unberechenbar waren, das Wasser zu kalt war oder die Kraft der Schwimmenden am Ende nachließ. Doch immer wieder sind Fluchten auch geglückt, wie die von Erhard Schelter, der seinen Kompagnon im September 1974 stundenlang bewusstlos hinter sich herzog, bis beide von einer Fähre in der Lübecker Bucht aufgenommen wurden.

Weitere Informationen

  • Website des Verbundprojektes Ostseefluchten
  • Artikel „Forschungsprojekt untersucht Todesfälle bei Fluchtversuchen über die Ostsee“ im Campus 1456 Magazin der Uni Greifswald, Nr. 13/April 2020, S. 14/15
  • Artikel „Wer sind die Toten aus der Ostsee?“ von Michael Meyer in der Ostsee-Zeitung vom 29.07.2020, Magazin, S. 1.
  • Rätzke, Dorian: Zwischen Stacheldraht und Strandkorb. DDR-Alltag an der Lübecker Bucht. 3., akt. und erw. Auflage, Boltenhagen 2014. Maltzahn, Dietrich von: Querlage. Meine Erlebnisse als Arzt in Ost und West. Boltenhagen 2013. Müller, Christine/Müller, Bodo: Über die Ostsee in die Freiheit. Dramatische Fluchtgeschichten. Bielefeld 1992.

Dinosaurier Irritator challengeri ernährte sich vorwiegend von kleinen Beutetieren

Digitale Darstellung der linken Schädelhälfte ©Marco Schade
Digitale Darstellung der linken Schädelhälfte, ©Marco_Schade

Spinosaurier waren riesige fisch- und fleischfressende Dinosaurier, die vor allem an ihrer verlängerten Schnauze, kräftigen Vordergliedmaßen und teils verlängerten Fortsätzen von Wirbeln erkennbar sind. Unter den aus der Kreidezeit stammenden Fossilien der Spinosaurier stellen Schädelfunde eine Seltenheit dar. Ein Forscherteam, zu dem auch der Greifswalder Paläontologe Marco Schade gehört, hatte jedoch die Möglichkeit einen aus Brasilien stammenden und fast vollständig erhaltenen Schädel inklusive Gehirnkapsel des Irritator challengeri zu untersuchen. Mithilfe von sog. CT-Scannern konnten durch Schicht für Schicht erstellte Röntgenbilder neue Einblicke in den Aufbau von Gehirn und Innenohr des ausgestorbenen Riesen gewonnen werden. Diese Einblicke verraten einiges über die Lebensweise und Futtervorlieben von Irritator challengeri, unter anderem auch, wie gut er an vorherrschende Umwelteinflüsse angepasst war, wie gut er hören konnte und welche Beute er jagte. Die Analysen des Schädels bestätigen, dass sich das Tier vorwiegend von kleinen Beutetieren wie Fischen ernährte. Die Ergebnisse der Studie sind in Scientific Reports (doi: 10.1038/s41598-020-66261-w) erschienen und stehen Interessierten als Open Access zur Verfügung.

Zur Medieninformation

Info: In unserer nächsten Ausgabe von Campus 1456 erscheint zu diesem Thema ein Artikel in der Rubrik „Forschung“. Der Veröffentlichungstermin liegt im Oktober 2020.


Fledermäuse füttern fleischfressende Kannenpflanzen mit ihrem Kot

Kannenpflanze im Botanischen Garten ©Jan Meßerschmidt
Kannenpflanze im Botanischen Garten, ©Jan_Meßerschmidt

Dr. Caroline Schöner und Dr. Michael Schöner aus der Arbeitsgruppe Angewandte Zoologie und Naturschutz staunten nicht schlecht, als sie zum ersten Mal auf Borneo eine Wollfledermaus in einer fleischfressenden Kannenpflanze fanden. Das Tier erfreute sich bester Gesundheit und stand offensichtlich nicht auf dem Speiseplan einer Pflanzengattung, deren Vertreter sich eigentlich von Insekten ernähren, um Nähstoffmängel auszugleichen. Was hatte dies zu bedeuten? In einer Reihe von Studien konnten die beiden Wissenschaftler zeigen, dass die Pflanzen den Fledermäusen komfortable Quartiere bieten mit einem stabilen Mikroklima, ohne Parasiten oder Konkurrenz durch andere Fledermausarten. Damit die Fledermäuse auf sie aufmerksam werden, haben die Pflanzen eine Struktur entwickelt, die die Echoortungsrufe der Tiere laut reflektiert. Als „Miete“ hinterlassen die Fledermäuse, während sie in den Kannen schlafen, ihren Kot – ein nitratreicher Dünger, von dem die Kannenpflanzen sogar besser profitieren als von Insekten.

Weiterführende Literatur


Braune Witwenspinne mit kannibalistischem Paarungsverhalten

Braune Witwenspinne ©Lenka Sentenská
Braune Witwenspinne, ©Lenka_Sentenská

Normalerweise paaren sich Tiere, wenn sie erwachsen sind. Die meisten wirbellosen Tiere, wie zum Beispiel Spinnen, durchlaufen mehrere Häutungen. Dabei wachsen sie. Ab einer bestimmten Häutungsanzahl sind die Geschlechtsorgane innerlich und äußerlich herangereift. Erst ab dann sind Paarungen möglich. Bei der Braunen Witwenspinne Latrodectus geometricus enden Paarungen zwischen Weibchen und Männchen unweigerlich mit dem Tod des Männchens. Ein Männchen hat daher normalerweise nur einmal in seinem Leben die Chance zu einer Paarung.

Die Männchen überleben die Paarung jedoch, wenn sie sich mit einem noch nicht erwachsenen Weibchen paaren: Paarungen mit Weibchen, die wenige Tage vor ihrer Reifehäutung stehen, töten ihre Paarunsgpartner nicht. Die Männchen beißen mit ihren Kieferklauen die Körperdecke subadulter Weibchen in der Genitalregion auf und können so in die darunterliegenden, schon entwickelten Genitalstrukturen des Weibchens Spermien übertragen.  

Dr. Lenka Sentenská und Prof. Dr. Yael Lubin haben zusammen mit Prof. Dr. Gabriele Uhl untersucht, ob die Männchen dieser Art eine Präferenz für risikofreie Paarungen mit subadulten Weibchen haben. In kontrollierten Wahlversuchen stellte sich heraus, dass Männchen –  ungeachtet des tödlichen Ausgangs –  immer erwachsene Weibchen ansteuern, und nicht die subadulten.  Daraus ergibt sich, dass adulte Weibchen Fernlockstoffe einsetzen, subadulte dagegen nicht. Dies deutet darauf hin, dass in der Natur den subadulten Weibchen Nachteile durch die frühen Verpaarungen entstehen– diese für die Männchen aber von Vorteil sind.

Studie
Allgemeine und Systematische Zoologie
Zoologisches Institut und Museum


Der „Priming-Effekt“ als wichtiger Faktor bei der Freisetzung von Kohlenstoff aus Permafrost

Permafrostregion ©Ive van Krunkelsven
Permafrostregion, ©Ive_van_Krunkelsven

Permafrost ist dauerhaft gefrorener Boden, der mehr Kohlenstoff speichert, als alle Pflanzen auf der Erde und die Atmosphäre zusammen. Taut der Permafrost in der Arktis, könnten immense Mengen an Kohlenstoff freigesetzt werden. Wie viel genau kann von Forschenden in Klimamodellen berechnet werden. Erstmals hat ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der AG Experimentelle Pflanzenökologie der Universität Greifswald bei diesen Berechnungen den sognannten „Priming-Effekt“ mit einbezogen. Dieser Effekt findet zwischen Pflanzen und Mikroben statt. Er tritt auf, wenn im Sommer der Permafrost auftaut. Die darin wurzelnden Pflanzen erwachen zum Leben und geben Kohlenstoff an die Mikroorganismen im Boden ab, was diesen ermöglicht mehr Humus zu zersetzen.

Durch die Studie konnten erstmals Auswirkungen des „Priming-Effekts“ auf die Kohlendioxidkonzentration der Atmosphäre nachgewiesen werden. Die Interaktion kleinster Mikroorganismen und Pflanzenwurzeln kann somit eine globale Wirkung haben. Allein durch diesen Effekt könnten bis zum Jahr 2100 zusätzlich 40 Gigatonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangen.

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Trockenheit der vergangenen Sommer erlaubt Ausblick auf die Zukunft des Waldes

Im Universitätswald in Eldena ©Till_Junker
Im Universitätswald in Eldena – ©Till_Junker

Die Sommer in den Jahren 2018 und 2019 waren extrem warm und trocken. Doch welche Prognosen können vor diesem Hintergrund auf das Baumwachstum der regionalen Wälder gemacht werden? Um das herauszufinden, haben Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Landschaftsökologie und Ökosystemdynamik am Institut für Botanik und Landschaftsökologie in einer Studie untersucht, wie sich das Dickenwachstum verschiedener typischer Laubbaumarten des Norddeutschen Tieflandes wie Buche, Eiche, Ahorn und Hainbuche entwickelt. Interessant ist, dass sich das Baumwachstum in beiden Jahren signifikant unterscheidet. 2018 konnten alle Baumarten von den sehr feuchten Winterbedingungen profitieren und zeigten in Norddeutschland trotz Rekordtemperaturen und Trockenheit im Sommer ein überdurchschnittliches Wachstum. Ganz anders 2019. Hier waren schon im Frühjahr die Bodenwasserspeicher leer, Buche und Hainbuche reagierten mit Wachstumseinbrüchen von bis zu 70 Prozent. Bergahorn und Eiche waren zwar nicht so stark betroffen, doch auch hier lag das Wachstum deutlich unter dem Durchschnittswert der vorhergehenden Jahre. Im Vergleich mit den Klimadaten der vergangenen 100 Jahre waren die Sommer 2018 und 2019 extrem. Laut den Klimaprognosen werden solche Sommer zum Ende des 21. Jahrhunderts jedoch eher die Normalität sein.

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„Camels and Cadillacs“ – Erfolgreiche Fotomotive bestimmen den Blick durch den Sucher

Im Juli 1987 fotografiert der Judaist Gil Hüttenmeister vor der Cheops-Pyramide von Gizeh, wie sich ein Kamel und ein VW-Bulli begegnen ©privat
Im Juli 1987 fotografiert der Judaist Gil Hüttenmeister vor der Cheops-Pyramide von Gizeh, wie sich ein Kamel und ein VW-Bulli begegnen. ©privat

Zwischen Aleppo und Alexandria liebten Reisende ein Fotomotiv besonders – Kamel trifft Auto. Dies fand das Projekt „Das gelobte Land der Moderne“ heraus, mit dem das Gustaf-Dalman-Institut der Universität Greifswald rund 50.000 deutsche Reisebilder aus rund 100 Jahren analysiert hat. Einige Motive finden sich in der Kulturlandschaft Palästina über Jahrzehnte hinweg: Urlauber treiben mit der Zeitung in den Händen auf dem Toten Meer, Touristen versammeln sich auf Kamelen zum Gruppenfoto vor den Pyramiden von Gizeh.

Im Juli 1987 fotografiert der Judaist Gil Hüttenmeister vor der Cheops-Pyramide von Gizeh nicht nur das typische Kamel, sondern auch äußerst modernere Gefährte. Im Mittelgrund stehen zwei Ägypter bei ihrem sandfarbenen Pickup, der sich nahtlos in seine Umgebung einfügt. Im Vordergrund beraten sich Touristen vor einem leuchtorangen VW-Bus. Dieser Bulli bringt die Familie Hüttenmeister mehrfach zuverlässig von Tübingen über den Landweg und via Fähre bis in die Kulturlandschaft Palästina (und zurück). Vor der Pyramide macht er sich aber etwas fremd aus, so zumindest könnte es das Kamel sehen, das von links skeptisch auf den Eindringling blickt. Schon um 1900 fotografierten Reisende gerne das Kamel neben dem „Dampfross“, später waren es „Camels and Cadillacs“. Spätestens in den 1960er Jahre kippte dabei das Kräfteverhältnis vor Ort zugunsten der Automobile. Was blieb, war das Bild vom „alten Orient“ in den Köpfen der westliche Besucher. So gehört das Gegensatzpaar „Kamel trifft Auto“ bis heute zu den beliebtesten touristischen Fotomotiven.

Bis zum 13. Oktober 2020 werden ausgewählte Reisefotografien analog im Rostocker Max-Samuel-Haus ausgestellt – und zeitlich unbefristet virtuell:
www.uni-greiswald.de/das-gelobte-land

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Kurz-Interview „3 Fragen, 3 Antworten“ mit Dr. Karin Berkemann zum Projekt


Menschen in Vorpommern liegt ihre Region am Herzen

Samenernte im Forst ©Magnus_Schult
Rund zwei Drittel der Befragten sind täglich mehr als eine Stunde in der Natur der Region unterwegs. Greifswalder Forst aus Drohnenperspektive, ©Magnus_Schult

Was denken die Menschen über die Region, in der sie leben? Was ist ihnen wichtig? Und was sollte ihrer Meinung nach verbessert werden? Diesen und anderen Fragen geht das praxisorientiere Forschungsprojekt Vorpommern Connect vom Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeographie in einer Bevölkerungsbefragung nach.

Eines der Ergebnisse: Den Teilnehmenden liegt ihre Region am Herzen. Rund zwei Drittel der Befragten sind täglich mehr als eine Stunde in der Natur unterwegs. Und etwa 80 Prozent stimmen mehr landwirtschaftlichen Produkten für den heimischen Markt zu. Für die Studie wurden Fragebögen per Post an 12 500 zufällig ausgewählten Personen in Vorpommern verschickt. Knapp 17 Prozent der Angeschriebenen haben die Fragebögen ausgefüllt und zurückgeschickt. „Das ist für diese Art von Befragungen ein hoher Rücklauf. Allein dies belegt das große Interesse der Bevölkerung an Informationen über die Region, in der sie leben. Die Antworten helfen uns, die Sichtweise der Bevölkerung auf die landwirtschaftlich geprägte Umwelt in Vorpommern zu beurteilen“, so Judith Maruschke vom Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeographie. Sie begleitet die Befragung als wissenschaftliche Mitarbeiterin. In den kommenden Monaten werden die Ergebnisse in einer „VoCo Road-Show“ in öffentlichen Veranstaltungen in Stralsund, Greifswald und Anklam vorgestellt und mit der Bevölkerung diskutiert.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,5 Millionen Euro innerhalb der Maßnahme Stadt-Land-Plus gefördert. Praxispartner sind die Landkreise Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald, die Universitäts- und Hansestadt Greifswald sowie die Michael-Succow-Stiftung.

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Chronische Schmerzen verändern die Funktion und die Struktur des Gehirns

Mittels MRT-navigierter transkranieller Magnetstimulation können nicht-invasiv im individuellen Gehirn des Probanden genaue Bereiche der Gehirnrinde stimuliert werden – Quelle: Prof. Dr. Martin Lotze
Mittels MRT-navigierter transkranieller Magnetstimulation können nicht-invasiv im individuellen Gehirn des Probanden genaue Bereiche der Gehirnrinde stimuliert werden – Quelle: Prof. Dr. Martin Lotze

Wer hat sich nicht schon mal einen Finger in der Tür gequetscht oder den Kopf angeschlagen und dabei große Schmerzen empfunden. Doch was passiert, wenn der Schmerz nicht mehr weggeht, sondern über Monate intensiver wird oder sogar seine Qualitäten ändert, einen nachts weckt und Bewegung verhindert? Chronische Schmerzen, wie etwa Rückenschmerzen, treten sehr häufig auf. Medikamente helfen sehr oft nicht dauerhaft und es entsteht eine Spirale aus sozialem Rückzug, Bewegungsmangel und noch stärkerem Schmerz. Unter den vielen Arbeitsgruppen, die an der Universitätsmedizin Greifswald in diesem Bereich engagiert sind, forscht die Funktionelle Bildgebung am Institut für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie vor allem daran, die Mechanismen neuronaler Veränderung bei der Ausbildung chronischer Schmerzen zu erkennen. Diese Biomarker sollen dann dabei helfen Interventionsprogramme zu optimieren (zum Beispiel mithilfe eines Trainings Schritt für Schritt wieder in die Bewegung hineinzukommen) oder besonders anfällige Personen frühzeitig für eine Schmerzchronifizierung zu erkennen.


Die Hiddenseer Dünenheide ist bedroht durch Nährstoffeintrag und Klimawandel

Hiddenseer Heide, ©TheodorFiedler
Hiddenseer Heide, ©Theodor_Fiedler

Heideflächen nahmen in Nordeuropa noch vor hundert Jahren großen Raum ein, wurden aber nach und nach aufgeforstet oder unter Einsatz von Kunstdünger in Ackerflächen umgewandelt. Heute sind nur noch fünf Prozent dieser Flächen erhalten. Dadurch sind nicht nur die Lebensräume, sondern auch die typischen Tiere und Pflanzen der Heide bedroht. Ebenso wie Moorflächen speichern Heideflächen erhebliche Mengen an Kohlenstoff in ihrer Rohhumusauflage.

Traditionell wurden Heideflächen beweidet, vor allem mit Schafen. Bei Aufgabe dieser Bewirtschaftung unterbleibt auch der kontinuierliche Nährstoffaustrag, was zusammen mit der gestiegenen atmosphärischen Stickstoffdeposition zu einer Nährstoffanreicherung führt. Die „typische“ Heidepflanze Besenheide (Calluna vulgaris) ist bei Nährstoffanreicherung nicht mehr konkurrenzkräftig. Die Heide vergrast, und die Rohhumusauflage wird mehr und mehr abgebaut. Eine weitere Bedrohung für die schon von Natur aus trockene Heide können trockene Sommer sein, vor allem, wenn diese bei fortschreitendem Klimawandel häufiger auftreten.

Die Arbeitsgruppe Experimentelle Pflanzenökologie der Universität Greifswald und die zu dieser Arbeitsgruppe gehörende Biologische Station Hiddensee untersucht den Einfluss von Nährstoffbelastung und Klimawandel auf die Heide. In Zusammenarbeit mit dem Hiddenseer Dünenheide e. V. werden Pflegemaßnahmen in der Heide durchgeführt, Öffentlichkeitsarbeit geleistet und Handlungsempfehlungen für den Naturschutz abgeleitet.

Sie wollen mehr dazu lesen? Hier geht's zur Studie „Management regimes in a coastal heathland – effects on vegetation, nutrient balance, biodiversity and gain of bioenergy“.


Weltweit gehen täglich mehr als 2000 Hektar Anbaufläche durch Bodenversalzung verloren

Symbolbild trockene Böden ©Magnus Schult
Symbolbild trockene Böden, ©Magnus_Schult

Bislang sind Bodenversalzungen vorrangig aus ariden Klimaregionen wie Australien bekannt. Dort müssen aufgrund der geringen Niederschläge und einer gleichzeitig hohen Verdunstungsrate landwirtschaftlich genutzte Flächen notwendig bewässert werden, um Erträge zu erzielen. Die Anreicherung von Salz im Boden wird durch salzhaltiges Wasser verursacht, das vom Grundwasser kapillar aufsteigt oder als Bewässerung infiltriert und nahe der Oberfläche verdunstet. Dabei fällt Salz aus. Weltweit gehen so täglich mehr als 2000 ha Anbaufläche verloren, das sind mehr als 2000 Fußballfelder.

Werfen wir einen Blick auf unsere Region. Zwei Jahre, in denen die Böden Nordostdeutschlands außergewöhnlicher Dürre ausgesetzt waren, führen zu der Sorge, ob Bodenversalzung auch bald ein Thema hierzulande sein könnte – vor allem auch vor dem Hintergrund sich verändernder Niederschlagsverteilungen und steigender Meerspiegel im Zuge des Klimawandels. In Deutschland werden durchschnittlich nur 1,5 Prozent (jährlich 0,3 Mrd m3) der Gesamtwasserentnahme zur Bewässerung genutzt – im europäischen Durchschnitt sind es 36 Prozent. Das oberflächennahe Grundwasser wie auch das zur Bewässerung verwendete Wasser ist in der Regel nicht salinar, d.h. der Salzgehalt ist kleiner als 1 g/L.  An der Küste und auf Inseln lagert süßes Grundwasser linsenförmig auf tieferem salinaren Wasser. Studien in den Niederlanden haben untersucht, inwieweit ein ungünstiges Zusammenspiel von Meeresspiegelanstieg, Temperaturanstieg, salzhaltigem Grundwasser und eine Bewässerung mit ebenfalls salinarem Wasser eine Bodenversalzung langfristig begünstigen können. Danach ist nicht zu erwarten, dass die Versalzung die Salinität des Grundwassers übersteigt; wenn zudem das zur Bewässerung genutzte Wasser einen geringeren Salzgehalt hat, wird der Prozess abgemildert.

Diese Ergebnisse und Zahlen lassen eine akute Gefahr der Versalzung und damit Bodendegradierung in unserer Region nicht befürchten. Weitere Forschung zu diesem Thema wird aber ein sinnvolles Wassermanagement, vor allem auch in Küstenregionen, vorantreiben.

Mehr Infos: Prof. Maria-Theresia Schafmeister forscht am Lehrstuhl für Angewandte Geologie | Hydrogeologie und befasst sich mit Fragen der Grundwasservorräte und -qualität. Aktuell modelliert sie den Anstieg des Grubenwassers nach der endgültigen Schließung der Steinkohlezechen im Ruhrrevier.
Siehe auch: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung: UFZ Dürremonitor Deutschland, www.ufz.de


Elektrische Zahnbürsten beugen Zahnverlust vor

Elektrische Zahnbürsten helfen bei der Mundgesundheit ©Manuela_Janke
Prof. Thomas Kocher (li.), und Studienautor Dr. Vinay Pitchika haben die Langzeitwirkung von elektrischen Zahnbürsten untersucht. ©Manuela_Janke

Diese Erkenntnis geht aus einer Studie Greifswalder Zahnmediziner hervor, die im vergangenen Sommer im Journal of Clinical Periodontology veröffentlicht worden ist. Der Zahnverlust bei Nutzer*innen elektrischer Zahnbürsten war im Schnitt ein Fünftel geringer als bei denjenigen, die konventionelle Bürsten verwenden. 
Die elfjährige Beobachtungsstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen der Benutzung einer elektrischen Zahnbürste und Parodontitis, Karies und Anzahl der vorhandenen Zähne. Die Studie umfasste 2.819 Erwachsene aus der Greifswalder Gesundheitsstudie Study of Health in Pomerania (SHIP), die von 2002 bis 2006 sowie nach sechs und elf Jahren erneut untersucht worden sind. Zu Studienbeginn verwendeten 18 Prozent der Studienteilnehmer und nach elf Jahren 37 Prozent eine elektrische Zahnbürste. „Elektrische Zahnbürsten sind in Deutschland in allen Altersgruppen beliebter geworden, aber nur wenige Studien haben ihre Langzeitwirksamkeit getestet“, sagt der Studienautor Dr. Vinay Pitchika von der Universitätsmedizin Greifswald. „Unsere Studie zeigt, dass elektrische Zahnbürsten für die Aufrechterhaltung einer guten Mundgesundheit am vorteilhaftesten sind und mit einem verminderten Fortschreiten von Parodontitis und mehr erhaltenen Zähnen einhergehen.“
Hier geht’s zur Medieninfo.


Lastenräder können zur Verkehrswende beitragen

Lastenräder in Greifswald ©Magnus_Schult
Lastenräder in Greifswald, ©Magnus_Schult

Mit Lastenrädern lassen sich fünf Tonnen CO2 pro Jahr, im Vergleich zu einem herkömmlichen Pkw, einsparen und somit viele Dinge umweltgerecht transportieren. Mit dem zunehmenden Angebot an verschiedenen Modellen, steigt auch die Nutzung in der Bevölkerung. Mit einem Anteil von vier Prozent bei den E-Bike-Verkäufen in Deutschland 2019 wird eine Stückzahl von rund 54.400 erreicht. Hinzu kommen 21.550 verkaufte Lastenräder ohne Motor. 
Lastenräder sind somit auch rollende Botschafter für eine menschengerechte Mobilität. Insbesondere in Kleinstädten mit vielen kurzen Wegen können sie zur Verkehrswende beitragen. Denn 80 Prozent aller Wege sind in Städten oftmals unter fünf Kilometern und Lastenräder könnten hier eine echte Alternative zum Auto darstellen. 
Der Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeographie an der Universität Greifswald testet im EU-Interreg South Baltic Projekt „CoBiUM-Cargo Bikes in Urban Mobility“ Einsatzmöglichkeiten von Lastenrädern in verschiedenen städtischen Bereichen. Im Rahmen des Projektes sind außerdem für alle Greifswalder Lastenräder frei zugänglich.
Mehr über das Projekt: www.lara-greifswald.de


Trockene Moore sind Brandbeschleuniger in borealer Zone

Torfmoose können ihren Wasserverlust nicht regulieren. ©Martin_Wilmking
Torfmoose können ihren Wasserverlust nicht regulieren. ©Martin_Wilmking

Intakte Moore haben eine natürliche Schutzfunktion für das Ökosystem der borealen Zone und das globale Klima. Sie speichern große Mengen an Kohlenstoff und Wasser und dienen als natürliche Brandschneisen zwischen Waldgebieten. Durch die Erderwärmung ist diese Schutzfunktion jedoch gefährdet. Wenn die Temperaturen steigen, erwärmt sich auch die Luft und nimmt mehr Wasser auf. Im Gegensatz zu Nadelbäumen geben Moorpflanzen auch bei höheren Temperaturen weiterhin Wasser an die Luft ab und trocknen so das Moor langfristig aus. Trockene Moore geben in der Folge mehr Kohlenstoff an die Atmosphäre ab, was wieder die Erderwärmung beschleunigt. Damit wächst auch die Waldbrandgefahr, denn ausgetrocknete Moore bedeuten größere und intensivere Waldbrände.
Die Ergebnisse der Studie sind in der Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht. Diese hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der kanadischen McMaster Universität und Beteiligung der Arbeitsgruppe Landschaftsökologie und Naturschutz der Universität Greifswald zusammengetragen.
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