Poetry Slammer Jonas Greiten

Tokio, Dhaka, Berlin, Paris, Accra, Santiago, Washington und auch Greifswald. In 610 Städten weltweit versammelten sich am 22. April 2017, Forschende und Studierende um gegen die zunehmende Verbreitung Alternativer Fakten für die Freiheit der Wissenschaft zu demonstrieren.

Tiana  - Organisatorin

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen mit Menschen, denen wissenschaftliche Fakten wenig bedeuten.

Greifswalder kamen auf den Marktplatz ins Gespräch über ihre Erfahrungen und Ängste. Es wurde auch von einer zunehmenden Kluft zwischen Nichtwissenschaftlern und Wissenschaftlern gesprochen, die es durch Kommunikation zu schließen gilt.

Prof. Dr. Micha Werner warnte vor einem Nationalismus, der Fakten ablehne und daher dazu neige eine möglichst unaufgeklärte Öffentlichkeit herzustellen.

Für Aufklärung durch Wissen und die Glaubwürdigkeit von Fakten steht die weltweite Bewegung. Doch warum genau jetzt?

Die Organisatorin des Greifswalder March for Science Ruth Terrode, zeigte sich überwältigt von den über 400 Anwesenden.

Neben den Greifswaldern beteiligten sich deutschlandweit weit mehr als 40.000 Menschen an den Demonstrationen.

"Auf der ganzen Welt stehen Menschen für Wissenschaft, Wahrheit und Demokratie ein." Organisatorin Tiana Renard freut sich über die weltweite Teilnahme. Insbesondere auf Guam ist Sie stolz: "because my mum is from guam".

Dass der Klimawandel keine Erfindung ist und das falsche Behauptungen auch durch häufige Wiederholungen keine Fakten schaffen, darüber sind sich die Anwesenden hier einig.

Prof. Dr. Thomas Klinger arbeitet Max Planck Institut Greifswald: "Fakten sind manchmal unbequem. Doch sie zu leugnen, ändert nichts an den Fakten."

„Zu Fakten gibt es keine Alternativen!“ Mit dem Amerikanischen Präsidenten Trump und seinen Äußerungen zum Klimawandel sowie Kürzungen von Forschungsgeldern startete in Amerika die Idee, einen March for Science als Protest gegen Faktenleugner weltweit zu initiieren.

Dina Raafat

Dr. rer. nat. Dina Raafat arbeitet in der Immunologie in der Universitätsmedizin in Greifswald. Für Ihre Arbeit nimmt sie es mit den Fakten ganz genau. Deswegen kämpft Sie dafür, dass es auch gesellschaftlich so bleibt.

Auch unter den Anwesenden: Prof. Dr. Stamm-Kuhlmann. Für ihn stellt die seit Jahren zunehmende globale "Wissenschaftsfeindlichkeit" eine Bedrohung der Autonomie der Wissenschaft weltweit dar.

Prof. Dr. Karlhans Endlich

Prof. Dr. Karlhans Endlich merkte als Mediziner an, dass sich wohl niemand eine Blinddarmoperation auf Grundlage von alternativen Fakten wünschen würde.

Demos sind manchmal ein Kinderspiel: Auch für die Kinder wurde an diesem Tag gesorgt. Es wurde Spielzeug verteilt und mit den Erwachsenen spielend demonstriert.

Neben den Redebeiträgen begleiteten zwei Livebands die Veranstaltung mit Musik.

March For Science Teaserbild Greifswald

March for Science in Greifswald

Am 22. April 2017 fanden in über 600 Städten weltweit Kundgebungen unter dem Titel "March for Science" statt. Auch in Greifswald gab es eine Veranstaltung auf dem Greifswalder Marktplatz. Ziel war es, deutlich zu machen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind. 

Auf einer Bühne auf dem Greifswalder Markt wurden am Sonnabend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu aufgerufen, den über 400 Anwesenden ihre persönlichen Geschichten zu erzählen und darüber zu berichten, warum sie forschen. Zum Auftakt sprach Prof. Dr. Micha Werner über das Thema Ethos der Wissenschaft und die Rolle der Geisteswissenschaft in diesem Zusammenhang.

Neben dem Beitrag vom Poetry-Slammer Jonas Greiten spielten zwei Livebands. 

In Greifswald und der Region sind die Universität und mehrere international anerkannte wissenschaftliche Forschungsinstitute mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ansässig. Mit der öffentlichen Veranstaltung haben sie unterstrichen, dass kritisches Denken und fundiertes Urteilen nur möglich sind, wenn verlässliche Fakten es erlauben, Informationen einzuordnen und zu bewerten. Forschung und die Einordnung der dabei gewonnen Erkenntnisse sind Aufgaben von Wissenschaft. Mit dem „March for Science“ machten Forschende und alle, denen Wissenschaft wichtig ist, deutlich, dass es nicht hingenommen werden darf, wenn wissenschaftlich fundierte Tatsachen geleugnet, relativiert oder „alternativen Fakten“ als gleichwertig gegenübergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erklärten, dass sie sich verpflichtet fühlen, ihre Forschungsergebnisse zu kommunizieren und in der Öffentlichkeit zu diskutieren.

Hintergrund

Die Idee zum „March for Science“, einer Demonstration von Wissenschaftlern in Washington, entstand Ende Januar 2017 in den USA als Reaktion auf eine Meldung auf einer Social-Media-Plattform. Darin hieß es, dass das Weiße Haus unter dem neuen Präsidenten Donald Trump alle Informationen zum Klimawandel von seiner Webseite gelöscht habe.
Innerhalb weniger Tage wurde diese Idee weltweit aufgegriffen.
So waren am 22. April auch Wissenschaftler in Tokio, Accra, Dhakar, Santiago, Washington und auch in Greifswald auf den Straßen, um gegen postfaktisches Denken und Kürzungen von Forschungsgeldern zu demonstrieren.

Die Organisatoren der Märsche in Berlin und den USA wollen, dass der "March for Science" keine einmalige Aktion bleibt. Sie sammeln jetzt neue Ideen.  

Weitere Informationen
www.facebook.com/ScienceMarchGreifswald
www.uni-greifswald.de/m4s
marchforscience.de
www.marchforscience.com
www.marchforscience.com/satellite-marches/

Für Fragen stehen wir gerne unter ScienceMarchGreifswald(at)gmail(dot)com zur Verfügung.