Ein Kant-Seminar

Der Vortrag von Prof. Dr. Bernd Hildebrandt beim Vereinstreffen im Februar 2009 zum Thema Immanuel Kant – seine Bedeutung für unsere Zeit löste mit seinen Anregungen das Verlangen auf eine seminaristische Nachbereitung aus. Eine erste Zusammenkunft fand statt und ergab spezifizierte Aufgabenstellungen für eine weitere Beschäftigung damit.

Die Fülle der Kant-Literatur zeigt, welche gewaltigen Impulse von Kant ausgingen und es immer noch tun. Man wird sich fragen müssen, ob es angeraten ist, in dem schon vielfach durchfurchten Boden nochmals hier und da herumzustochern. Aber eine Standortbestimmung und Neuorientierung ist für jedes Wissensgebiet immer wieder nötig. Wie jeder Organismus unterliegt auch das Wissen dem Werden und Vergehen. Bei der Breite der Kantischen Gedankenwelt hat es seinen Reiz, wenn Vertreter

wissenschaftlicher Einzeldisziplinen aus gegenwärtiger Zeit und ihrer Position einen Blick auf das Werk des großen Philosophen der Vernunftkritik werfen. Hinzu kommen die augenblicklichen Turbulenzen der Menschheit, die ein Bild massiver Unvernunft bieten. Natürlich wurden auch schon unmittelbar nach Kant nicht alle seine Ansichten und Standpunkte geteilt und als allgemein verbindlich anerkannt. Genannt sei sein in Gefolgschaft von Isaak Newton zu eng gespannter Rahmen seiner Darlegungen über Raum und Zeit. In so manchem, wie beispielsweise bei seinem Vernunft und Glauben umgreifenden Bemühen um eine ausgewogene Koexistenz von Wissenschaft und Religion, kann er aber nach wie vor Lehrmeister sein.

Was sich das Seminar im Einzelnen vor? Es geht um Kant als Impulsgeber für folgende Fragestellungen:

  • Raum und Zeit als mathematisch-naturwissenschaftliche Begriffe versus Kantischer Auffassungen reiner Anschauungsformen a priori.
  • Anschauung und Vorstellung nur a priori?
  • Kants idealistische Weltanschauung, nach der der Mensch vornehmlich als Erfinder denn Entdecker auftritt, wie es in seinem Erkenntnispostulat zum Ausdruck gebracht ist: <br />Das erkennende Subjekt erkennt nur das, was es selbst a priori nach seinem eigenen Entwurf hervorbringt. Die Erkenntnis richtet sich nicht nach den Gegenständen, sondern die Objekte richten sich nach den Denkkonstruktionen des Subjektes.<br />Die meisten Mathematiker sehen sich im Gegensatz hierzu jedoch beim Erlangen neuer Einsichten als Entdecker und nicht als Erfinder!
  • Ist das Erkennbare begrenzt? Quantenphysikalische Unverfügbarkeit und Gödelsche Unentscheidbarkeit im Lichte Kantischer Erkenntnistheorie.
  • Braucht der Mensch eine Religion?
  • Mit welcher Moral erlangt die Menschheit Stabilität?
  • Wie ist der Kosmos aufgebaut? Die Kant-Laplacesche Theorie im Gesamtbild moderner Kosmologien.

Einladung: Wer sich mit Hinweisen, Fragen, Vorschlägen, Darlegungen in die begonnene Diskussion einschalten möchte, ist herzlich willkommen.