Spring Open Science School Universität Camerino 20.-24.04.2026

UNESCO-Empfehlungen für Offene Wissenschaft. Lizenz: CC BY IGO
Grafik verändert nach Halina Sieminska, P. (2019). A FAIRy tale graphics. Zenodo https://doi.org/10.5281/zenodo.3267168. Bearbeitung: Ilona Lang (CC BY-SA 4.0)
UNESCO-Empfehlungen für Offene Wissenschaft. Lizenz: CC BY IGO
Mock-Diskussion zum Thema Citizen Science im Rahmen der Spring Open Science School. Foto von Wiebke Kartheus

Eine Gruppe von etwa zwanzig Teilnehmenden aus ganz Europa setzte sich fünf Tage lang intensiv mit dem Thema Open Science auseinander. In einer Zeit in der der offene Wissensaustausch, das transparente wissenschaftliche Arbeiten und die Verzahnung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft immer wichtiger wird, war diese Themenwahl überaus zeitgemäß und relevant. Das Ziel der Spring School war es, das wurde gleich zu Beginn deutlich, alle Teilnehmenden in die Lage zu versetzen die Ideale offener Wissenschaft nicht nur zu verstehen, sondern sie vielmehr im eigenen Arbeitsbereich – sei es Forschung oder Infrastruktur – praktisch anzuwenden. Um den Teilnehmenden die dafür notwendigen Werkzeuge und Methoden näher zu bringen, wurden internationale Experten zu den thematischen Großbereichen von Open Science – Open Access (OA), Open Data, Open Educational Resources (OER) und Citizen Data nach Camerino eingeladen. Vor der Reise nach Italien und dem persönlichen Kennenlernen vor Ort, organisierten die Veranstalter*innen ein online Kick-Off-Meeting, das allen Teilnehmenden die Gelgenheit bot neben programmrelevanten Fragen auch praktische Fragen zur Anreise zu stellen und einen ersten Eindruck voneinander zu erhalten. Zu Beginn der Spring School in Camerino, am Montag 20. April, gab Elena Giglia, die Open-Access- Beauftragte der Universität Turin, den Teilnehmenden einen sehr anschaulichen Überblick über die Entstehungsgeschichte, Wirkungsweisen und Potentiale von Open Science und versetzte die Teilnehmenden so von Beginn an in die Lage größere Zusammenhänge zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu verstehen. Nach der Begrüßung und Eröffnung der Spring School durch den Rektor der Universität, Graziano Leoni, füllte Giglia den ganzen Tag mit zwei thematischen Workshops und einem Open Science Hands-On Lab, in dem die Teilnehmenden die zuvor selbst umsetzen konnten. Dieser Tag bot einen idealen Einstieg in den Themenkomplex Open Science, auf dem die folgenden thematisch fokussierten Tage aufsetzen konnten.

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen von Open Access (OA) und vertiefte somit den Prozess des wissenschaftlichen Publizierens und dessen Stellenwert innerhalb von Open Science. Das Publizieren im OA, das den meisten Teilnehmenden bekannt war, wurde von Loretta Missiroli (Open-Science-Komitee der Universität Ferrara), Fulvio Guatelli (Universitätsverlag Florenz) und Clementina Fraticelli (Universitätsverlag Macerata) aus verschiedenen Perspektiven vorgestellt. Im Mittelpunkt der Diskussion, standen neben den Prinzipien von OA, die Finanzierungsmöglichkeiten für OA, die Problematiken rund um die global agierenden, kommerziellen Großverlage und die Vorteile einer OA-Publikation für die Sichtbarkeit einzelner Wissenschaftler*innen und ihrer Forschungsleistung. Auch der Aspekt der Wissenschaftsbewertung anhand von zu kurz greifenden Metriken wie dem Impact Factor wurde beleuchtet, genauso wie internationale Bestrebungen dieses System der quantitativen Wissenschaftsbewertung zu reformieren, bspw. durch Initiativen wie der Coalition for Advancing Research Assessment.

Am Mittwoch widmete sich die Spring School den Prinzipien von Open Data und ihrem Stellenwert innerhalb von Open Science. Als Grundsatz für den offenen Zugang zu Forschungsdaten, den auch Bastiaan von Loenen (Technische Universität Delft) in seiner Session unterstrich, galt dabei „as open as possible as closed as necessary“, um auch jenen Daten die aus Sicherheits- oder Datenschutzbedenken nicht veröffentlicht werden können Rechnung zu tragen. Ein besonderer Fokus lag auf den sogenannten FAIR-Prinzipien, die als Richtlinie gelten für die Aufbereitung und Nachnutzung von Forschungsdaten. Durch sie wird gewährleistet, dass Datensilos abgebaut werden und stattdessen Datennetzwerke entstehen, in denen Forschungsdaten kontextualisiert und verlinkt werden können. Giorgia Lodi setzte in ihrem Vortrag darauf auf und zeigte den Teilnehmenden wie sie bei der Planung ihrer Forschungsvorhaben offene Daten von Anfang an integrieren können. 

In der letzten Veranstaltung des Tages zeigte Umair Ahmed das Potenzial verlinkter Daten und wie sie mit der Abfrage-Sprache SPARQL angesprochen werden können. Die Teilnehmenden konnten dann selbst versuchen Datenbanken mithilfe von SPARQL und komplexer Suchanfragen zu recherchieren. Donnerstag ging es um Open Educational Resources, was die Komponente des Lehrens und des Unterrichts in die bisher recht forschungsnahen Ausführungen um Open Science brachte. Annamaria De Santis und Katia Sannicandro führten die Teilnehmenden über drei Sessions verteilt in die wichtigsten Methoden für offenen Unterricht und grundlegendsten Leitlinien für offene Bildung und offene Bildungsmaterialien ein. Darüber hinaus stellten sie innovative Lehr- und Lernkonzepte der Universität Modena und Reggio vor, die die Werte und Prinzipien offener Wissenschaft nicht nur verkörpern, sondern ihnen auch aus einer neuen Perspektive begegnen können. Im Hands-On-Teil dieses Tages wurden die Teilnehmenden damit beauftragt selbst ein digitales Badge zu kreieren, die den vorher aufgezeigten Leitlinien entsprachen und Personen in einem ausgedachten Kontext den Erwerb bestimmter Fähigkeiten bescheinigt. Die Präsentation dieser OER-Badges machte allen sichtlich viel Spaß und bildete den Abschluss dieses Tages.

Zum Abschluss der Spring School Open Science ging es um den Themenkomplex Citizen Science als Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Giuseppe Pellegrini (Universität Trento und Andrea Rubin (Universität Ferrara) gingen vormittags auf die Prinzipien, Methoden und Herausforderungen von Citizen Science ein und stellten auch die Vorteile solcher Kooperationen exemplarisch vor, etwa in der Ornithologie oder bei der Bekämpfung von Parasiten. Zu sehen, wie Wissenschaft von der Öffnung zu gesellschaftlicher Partizipation profitiert, war für diejenigen Teilnehmenden ohne vorherige Erfahrung in Citizen Science sehr lohnend. Zuletzt leitete Massimiliano Trevisan die Gruppe an selbst ein Citizen Science Projekt zu konzipieren und in verteilten Rollen verschiedene Perspektiven rund um eine Müllverbrennungsanlage in einer strukturschwachen Region einzunehmen. Dieses interaktive Format brachte noch einmal viele Komponenten und Vorteile nicht nur von Citizen Science sondern von Open Science zusammen und war somit ein gelungener Abschluss für die Spring Open Science School in Camerino. Ganz im Sinne von Kreativ EU wurde neben dem akademischen Programm auch ein kulturelles Rahmenprogramm geboten, das den Teilnehmenden nicht nur die universitären Einrichtungen vorstellte (z. B. UNICAM Food Lab), sondern ihnen auch die Stadt Camerino mitsamt seiner Geschichte und seiner Kultur näherbrachte (z. B. geführter Stadtrundgang). Diese Veranstaltungen waren nicht nur ein Zeichen für die außergewöhnliche Gastfreundlichkeit der Organisator*innen, sondern schufen auch eine Atmosphäre des offenen Austauschs und internationaler Vernetzung, die diese Spring School zu einem außergewöhnlichen Erlebnis machte. Großer Dank gilt Silvia Abrami, Melissa Mancini und Anna Maria Eleuteri, die in der Vor- und Nachbereitung sowie Durchführung dieser Spring School außerordentliches Engagement gezeigt haben und sicherstellten, dass die Prinzipien von Open Science nicht nur akademisch aufbereitet wurden, sondern sich auch auf die zwischenmenschliche Interaktion übertrugen.