Cedric Isbrandt

Profilfoto Profilseite CI - Foto: Cedric Isbrandt

Studium in Greifswald
Philosophie, Kunstgeschichte (B.A)



Aktivität im Ausland
Hochschulaustausch an die Kyoto Sangyo Unversity, Kyoto (Japan)
 


Zeitraum
September 2019 - September 2020
 

 

 

Wieso ich ins Ausland gegangen bin?
Nunmehr seit geraumer Zeit in Greifswald wohnhaft, ließ die Sehnsucht nach der Ferne schon länger Gefühl und Gedanken nicht mehr los. Und was bietet sich für die Ferne besser an, als auf die andere Seite des Globus zu gehen? Zusammengesetzt mit einem gesteigerten Interesse an der japanischen Kultur bietet sich hiermit eine fabelhafte Opportunität mich endlich ins herrlich Unbekannte zu stürzen."


Zum International House

I-House Front - Foto: Cedric Isbrandt
Blick auf das I-House von der Frontseite
Studienraum - Foto: Cedric Isbrandt
Der Studienraum ist zwar mit Rechnern ausgestattet, aus Gründen der Schnelligkeit empfiehlt sich jedoch das eigene Gerät.
Tatamiraum - Foto: Cedric Isbrandt
Im Tatamiraum findet gelegentlich illustre Zusammenkunft statt.
Schlafzimmer - Foto: Cedric Isbrandt
Das Schlafzimmer von innen...

 

In knapper Distanz zur Universität gelegen, ungefähr zehn Minuten schleichenden Spazierschrittes, befindet sich die Unterbringung für die internationalen Studierenden: Das International House, geslangt kurz ‚I-House‘ genannt.            
Auf den insgesamt vier Stockwerken findet hier das häusliche Leben, fernab des Stadtkerns von Kyoto, fernab der Hektik, dem Gewusel und der Großsstadt, statt.
Im ersten Stockwerk befindlich sind das Office, das sehr freundliche, teils sogar englischsprachige Auskunft erteilen kann, die Lobby für Besucher, ein Aufenthaltsraum, ein Studienraum sowie der Tatamiraum (ein traditioneller japanischer Raum für Festivitäten mannigfaltigster Manier).

Des Weiteren befindet sich in der Lobby ein frisch angeschaffter Fernseher, an dem Playstation 2, N64, Wii und Switch gelegentlich Verwendung finden.

 

Auf den anderen Stockwerken wird aktiv gelebt, in Maßen gewohnt, in manchen Fällen gehaust oder wenigstens die Nacht verbracht. 
Jedes der Zimmer ist ausgestattet mit zwei Betten, der gleichen Anzahl an Kleiderschränken, einem Kühlschrank, zwei Schreibtischen, einer kleinen Kochnische und einem Badezimmer inklusive Badewanne. Weiterhin besitzen alle Zimmer einen Balkon, vor dessen aktiver Nutzung man allerdings in Anbetracht mutmaßlich dreister Affen gewarnt hat. Wäsche zum Trocknen auf dem Balkon aufzuhängen oder Nahrung draußen liegen zu lassen mag doppelt überlegt sein.
Preislich gesehen ist ein Bett im geteilten Zimmer bei 19.000 Yen im Monat, Strom und Wasser inklusive, sofern der überaus üppige und epikureische Lebensstil etwas gedrosselt wird. Ein Einzelzimmer beträgt das Doppelte an Kosten.

 

Waschmaschinen befinden sich samt Freiluftaufknüpfplatz zum Trocknen auf der vierten Etage. Wer jedoch auf das Erlebnis der Entdeckung mehrer Gottesanbeterinnen in einem einzelnen T-Shirt verzichten möchte, kann für einen geringen Obolus auch einen der Trockner benutzen.

Zum Thema des Wäscheplatzes: Fast täglich grasen hier einige Rehe und lassen sich von menschlicher Gesellschaft aus teils wenig stören. Generell ist das Leben im I-House äußerst naturverbunden. Bis hin zu Tausendfüßlern in Schuhen und gelegentlich einer sich offenbarenden Kakerlake kann sich vieles begegnen lassen.

 

In den Küchen wird tatsächlich weniger als in den Zimmern zubereitet, da sich das Zusammenleben hauptsächlich in den Kommunalküchen abspielt. Jeden Abend trifft sich ein Teil der Studierenden zum Austausch der gewonnenen Erkenntnisse und neuesten Memes, zum Zubereiten oder Schnorren von Essen, für sich gegenseitig unterstützendes Bearbeiten der Hausaufgaben, ganz vorbildlichem kulturellen Austausch oder einfach zum Rumsitzen.

Daheraus kommt man sehr schnell unter die Leute und lernt die Gesamtschaft recht schnell profund kennen. Das resultiert in häufigen und größeren Unternehmungen,
Ausgehschaften und Auskundschaftungen diverser Bars.

Allerdings gibt es, um das Leben im I-house so gut als möglich zu gestalten, gleichsam etwaige, aber sowohl selbstverständliche als auch verkraftbare, Regeln zu befolgen. Nebst etwa dem Umstand, dass es nach dem Essen sofort das eigene Geschirr abzuwaschen gilt, ist vor einer Reise mindestens drei Tage zuvor ein Formular auszufüllen, welches über das Reiseziel und Weiteres Auskunft gibt. Weiterhin dürfen Besucher sich ausschließlich in der Lobby aufhalten, was den lebensraumbezogenen Rundgang mit weit gereisten Freunden oder günstige Unterbringung derselben verbietet.

Schlussendlich ist ein grundsätzlicher Einblick über die Voraussetzungen des Studierens hier gegeben. Ab dem nächsten Beitrag wird es sich also weniger um Voraussetzungen als viel mehr um Inhalte drehen.
 

Badezimmer - Foto: Cedric Isbrandt
... und das Badezimmer.
Warnung Tausendfüßler - Foto: Cedric Isbrandt
Es wird zwar gewarnt, doch geschieht dies sehr selten. Und zu übersehen sind diese riesigen Tausendfüßler auch nicht.
Mengenhaftes Amphigrillen - Foto: Cedric Isbrand
Mengenhaftes Amphigrillen, von Bergen umrundet.
Rehe auf Wäscheplatz - Foto: Cedric Isbrandt
Rehe tummeln sich fast täglich auf dem Wäscheplatz.

Einführung in die Universität

Sagitarius Building - Foto: Cedric Isbrandt
Ein Blick vom und auf das Außen des Sagitarius Buildings, dem neusten der Gebäude
Aussicht Uni - Foto: Cedric Isbrandt
Aussicht von der Uni in die umliegende Landschaft
Besondere Orte - Foto: Cedric Isbrandt
Über den gesamten Campus verteilt finden sich immer wieder besondere, zum Verweilen einladende Orte.
Mittagessen mit Aussicht - Foto: Cedric Isbrandt
Eine Aussicht so atemberaubend, wie das Mittagessen delikat und Geldbeutel schonend ist.
Campus - Foto: Cedric Isbrandt
Viele kleine Orte auf dem Campus bieten sich fabelhaft zum Essen oder Lesen an frischer Luft ein.
Global Commons - Foto: Cedric Isbrandt
Ein Einblick in das Global Commons

 

Sodann, um das Leben in Kyoto gut zu verstehen, sollten erst die Konditionen erläutert werden, so das Leben hier überhaupt erst ermöglichen, sprich, die Universität und damit Zusammenhängendes.
 
Wohingegen der Charme der Universität Greifswald arg von Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert bestimmt wird, ist der Eindruck, welchen die Kyoto Sangyo Daigaku vermittelt, von modernem Charakter. Gerade die neuen Häuser erscheinen von außen als prächtige Konstruktionen, eine harmonische Mischung aus nussfarbenem oder dunkelbraunem Holz, der kühlen Härte von Beton und hohen Glasfronten. Selbst die älteren Unterrichtshäuser, welche nicht erst in den letzten Jahren entstanden, versprühen ein Gefühl von Moderne und freundlicher Professionalität.
Darüber hinaus gliedern sich die Häuser allesamt  außerordentlich friedvoll in die grüne Umgebung ein.

 

Das gesamte Campusgelände ist, dem Gesamtbild der Stadt nicht unähnlich, generell ungemein grün und steht in engem Kontakt zur Natur. Ein Baum reiht sich neben dem nächsten, eine Hecke geht fließend in die andere über. Als ich zum ersten Mal über die Rolltreppe das auf einer Anhöhe gelegene Gelände betreten habe, fiel es mir schwer zu realisieren, dass es sich hierbei tatsächlich ‚lediglich‘ um eine Universität handelt.  

Die Ausstattung des Campus ist ebenfalls überragend, was vielleicht mit dem Fakt zusammenhängen mag, dass dies eine Privatuniversität ist. Pro Semester zahlen die Studierenden zwischen 400.000 und 500.000 Yen, sprich ungefähr zwischen 3320€ und 4150€.

In dieser Art finden sich auf dem Campus etwa ein kleiner hölzerner Bereich zum Ausruhen und Dinieren, angeschaltete Musikanlagen, die entweder mit Fahrstuhl-, Jazz- oder Rockmusik Mensch, Tier und Pflanze beschallen, ein künstlich angelegter See, etc. Dabei ist alles umringt von mannigfaltiger Flora  bzw. einer stark betont und gepflegten Naturbild. Des Abends ist das Zirpen und Rauschen der Zikaden teilweise bis in die Häuser zu hören. Aus der Perspektive der Architektur und Umgebung ist das Studieren wahrhaft idyllisch!

 

Nun zu einem gravierend variierenden Punkt: der Mensa. Wenn ich zurück an die Mensa in Greifswald denke und gedanklich einen Vergleich zur derzeitigen Universitätsessensanstalssituation ziehe, wird eine Präferenz klar ersichtlich…   
Das Mensagebäude gliedert sich in vier verschiedene Restaurants, die sowohl zu Mittagszeiten als auch mitunter des Abends ihre Pforten öffnen und verlockenden Duft in die Welt, bzw. den Raum wenige Meter vor den Pforten, strömen lassen.
Möglichst früh in der Pause sollte man sich hier einfinden, da sich trotz der Größe der Mensen Schlangen immensen Ausmaßes bilden.           
Für geldbeutelschonenden Preise, die nur geringfügig höher als in heimischen Gefilden sind, erhält man eine vollwertige und delikate Mahlzeit. Mehr noch, in ausreichenden Portionen!
Beinahe täglich zieht sie mich, mit ihren Ramennudeln und Hähnchencurry, an, wie die Motte zum Licht.

Wenn die Zeit doch einmal nicht für einen Besuch in der Mensa reichen sollte, gilt es sich an einem der an zahlreichen Stellen plötzlich aus dem nichts erwachsenden Verkaufsstände eine Bentobox zu kaufen. Was mir im Anschluss zumeist recht schwer fällt, ist die Wahl des Ortes, an dem die Zehn-Minuten-Haute-Cuisine ihren Weg in mein Verdauungskabinett finden mag. Überall über den Campus verstreut stehen kleine Bänke oder Stühle, selbstredenderweise mit fabelhafter Aussicht, auch in den Häusern selbst.

 

Sobald es ans Lernen geht, heißt es entweder zurück in die kuschligen, eigenen vier Wände zurückzukehren, oder sich direkt auf dem Campus etwas zu suchen. Hierfür suche ich allzu oft das Global Commons auf. Ausgerüstet mit Literatur und Fachbüchern in japanisch, deutsch, englisch, französisch, italienisch und weiteren Sprachen wird hier nicht nur ein Platz zum aktiven Lernen von kursorientiertem Wissen ermöglicht, sondern auch darüber hinaus zum Aufbessern bereits gemachter Sprachkenntnisse. Dazu werden auch täglich Konversationsrunden in verschiedenen Sprachen angeboten um den praktischen Gebrauch zu schulen.
Außerdem befinden sich hier ebenfalls gemütliche Kabinen mit Sofas und Fernsehern, in denen man sich aus einem sich mehr als sehen lassen könnenden Spektrum internationaler Filme etwas aussuchen kann und in Entspannung und Ruhe die Augen berieseln lässt.

 

Wem dies noch nicht genug ist, möge seine Zeit entweder im vortrefflich ausgestatteten, universitätseigenen Fitnessstudio vertreiben, das eine Jahresgebühr von ca. 4€ erhebt, dem Orchester beitreten und seine musikalischen Fähigkeiten schulen oder einem der zahlreichen Clubs, sei es Kalligrafie oder Hiking sein, beitreten.
Zugegebenermaßen komme ich recht wenig dazu, das Angebot zu nutzen, da ich zumeist in ausgedehnten Spaziergängen versinke, Museen und Galerien besuche, Schreine ansehe oder dergleichen unternehme, doch folge später davon mehr. 

Der nächste Eintrag wird sich mit dem nächsten Teil der Universitätseinführung beschäftigen: der Unterkunft. Man warte gespannt.

     


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