Greifswald goes International

Franziska Gerstmayr

Studium in Greifswald

Pharmazie, Staatsexamen 

Aktivität im Ausland

Erasmus+ am Trinity College in Dublin, Irland

Zeitraum

09/2025 – 12/2025

Wieso ich ins Ausland gegangen bin?

"Mir war eigentlich schon zu Beginn meines Studiums klar, dass ich unbedingt mal ins Ausland will. Aber eben nicht nur für zwei, drei Wochen Touri-Urlaub, sondern richtig: irgendwo leben, ankommen und mich zuhause fühlen. Alltag statt Sehenswürdigkeiten. Und nach sechs Semestern Pharmazie war klar: wann, wenn nicht jetzt?"

Warum eigentlich Dublin? Soll ich das wirklich machen?

Und dann noch im Herbst und Winter?
Das habe nicht nur ich mich gefragt. Vor allem als ich mich für das Erasmussemester beworben habe und andere von Spanien und Italien geschwärmt haben.
Dublin war für mich anfangs irgendwie nie diese eine Stadt, bei der ich sofort dachte: Da muss ich unbedingt hin! Ehrlicherweise hatte ich einfach kein richtiges Bild von Irland. Nicht negativ - eher so neutral, jedoch gab es für mich nur diese Option für ein Erasmussemester.

Im Endeffekt wollte ich ins Ausland. Egal wohin, Hauptsache mal raus. Und dann habe ich mich mit der Idee angefreundet. Dublin? Klingt eigentlich doch ganz cool. Vom Trinity College hat man doch auch schon mal gehört - scheint ja eine renommierte Uni zu sein. In Irland war ich ja auch noch nie. Ein neues Land kennenlernen, das wollte ich doch von Anfang an. Na gut, dann let's go!!

Ankommen und sich schnell wohl fühlen ist in Irland ganz einfach

Man muss es den Iren bloß nachmachen und dazu gehören ein paar Dinge: 

Zuallererst muss ich an dieser Stelle natürlich die irische Pubkultur erwähnen. Und damit ist nicht einfach nur “etwas trinken gehen” gemeint. Pubs sind in Irland eher ein Treffpunkt für alles: gute Gespräche, Live-Musik und das Gefühl von Geselligkeit. Gerade in Dublin merkt man schnell, dass sich dort ein großer Teil des sozialen Lebens abspielt. Und das Beste: Egal, wo man gerade ist, irgendwo im Umkreis von 50 Metern gibt es wahrscheinlich mindestens zwei Pubs. Dabei hat jeder Pub seinen ganz eigenen Flair. Manche sind klein und gemütlich, andere laut und voll, manche wirken wie aus einem alten Film. Deshalb lohnt es sich wirklich, einfach immer mal wieder in neue reinzuschauen. Guinness gehört natürlich auch zum Irland-Erlebnis dazu – übrigens oft sogar als 0.0%-Version und manchmal trotzdem frisch vom Fass. Und wer seinen Pubbesuch noch etwas lustiger machen möchte, sollte unbedingt mal nach der “Split the G”-Challenge suchen.

Am schönsten fand ich dabei immer die traditionelle Folkmusik. Oft sitzt irgendwo eine kleine Gruppe Musiker:innen zusammen und plötzlich spielt Live-Musik mitten im Pub. Begleitet von Tin Whistle, Fiddle, Querflöte, Gitarren oder Banjos entsteht dann diese typisch irische Stimmung, die man schwer beschreiben kann, wenn man sie nicht selbst erlebt hat.

Was mir außerdem schnell aufgefallen ist: Die Iren lassen sich wirklich überhaupt nicht vom Wetter aufhalten. Sobald irgendwo ein bisschen Sonne auftaucht, sitzen alle draußen - wobei eigentlich auch Regen kein wirklicher Grund ist, drinnen zu bleiben. Die Menschen dort wirken unglaublich resilient. Ob Sea Swim, Joggen, Wandern oder Fahrradfahren - gemacht wird das einfach bei jedem Wetter. Überhaupt spielt die Natur in Irland eine riesige Rolle. Die grünen Landschaften, die Küsten und Wanderwege gehören für viele ganz selbstverständlich zum Alltag dazu. Und genau das macht das Leben dort irgendwie besonders entschleunigt. Mein Geheimtipp (eigentlich gar nicht so geheim, zumindest nicht unter den Einheimischen) ist übrigens ein Sea Swim am Forty Foot.

Um in Dublin richtig anzukommen, hilft es außerdem enorm, in einem Studierendenwohnheim zu wohnen. Davon gibt es dort unglaublich viele private “Student Accommodations”, in denen man super schnell neue Leute kennenlernt. Eine andere in Irland sehr verbreitete Wohnform - gerade in Dublin - ist das Mieten eines Zimmers bei einer Familie oder Privatperson. Hintergrund dafür ist vor allem die große Wohnungsnot, weshalb diese Art zu wohnen dort völlig normal ist. Meist teilt man sich Küche und Bad, also ähnlich wie in einer WG. Wie die Erfahrung am Ende ist, kann aber sehr unterschiedlich sein: Manche Familien freuen sich total über den kulturellen Austausch und beziehen einen richtig mit ein, andere leben eher nebeneinander her.

Aber egal, wie oder wo man am Ende wohnt - Anschluss findet man in Dublin eigentlich unglaublich schnell. Die Iren sind einfach ein wahnsinnig offenes und herzliches Volk und das merkt man jeden Tag. Ehrlicherweise übernimmt man diese offene Art irgendwann fast automatisch, wenn um einen herum alle so freundlich und unkompliziert sind.

Trinity College Dublin

Das Trinity College Dublin liegt mitten im Herzen der Stadt - und genau das macht es irgendwie besonders. Es gibt keinen verteilten Campus mit verschiedenen Standorten, sondern alles ist an einem Ort: Institute, mehrere Bibliotheken, Sportplätze und sogar ein großes Sportzentrum mit Schwimmhalle und Kletterbereich. Man verbringt also ziemlich viel Zeit genau dort. Dadurch, dass das College so zentral liegt, ist man aber nie wirklich “nur in der Uni”. In Freistunden geht man schnell mal in ein neues Café, und nach den Vorlesungen landet man nicht selten in einem Pub - manchmal sogar direkt auf dem Campus, denn ja, es gibt tatsächlich einen eigenen. Ein Feierabend-Guinness gehört da irgendwie einfach dazu.

Natürlich merkt man auch, dass das Trinity eine echte Touristenattraktion ist - vor allem wegen des berühmten Book of Kells. Das ganze Jahr über laufen Besuchergruppen über den Campus, aber daran gewöhnt man sich erstaunlich schnell (und als Studi kann man es sich sogar kostenlos anschauen). Was mich aber bis zum Schluss beeindruckt hat: wie viel Geschichte an diesem Ort steckt. Selbst nach vier Monaten fühlt es sich noch besonders an, jeden Tag durch diese alten Gebäude zu laufen.

Nicht nur Dublin, bitte!

Versteht mich nicht falsch. Dublin ist toll und hier habe ich ja auch die meiste Zeit verbracht. Aber am meisten und liebsten erinnere ich mich an die zahlreichen Ausflüge, die ich an den Wochenenden machen konnte, denn Irland ist kleiner als man denkt und in Irland führen alle Wege nach Dublin. Damit meine ich, dass die Züge in Irland nicht nur echt günstig sind, sondern man überall schnell hinkommt. Von Dublin zur Westküste kommt man mal eben in 2,5 Stunden. Perfekt für einen Daytrip also. 

Für Daytrips kann ich Galway, Waterford und Kilkenny empfehlen. Ansonsten aber auch alle kleinen Küstenstädtchen, die von Dublin aus mit der Dart erreichbar sind, wie zum Beispiel Howth, Bray oder Dun Laoghaire. Die Dart ist eine S-Bahn, die von Dublin aus in den Norden und den Süden an der Küste entlang fährt. Und für Studis kostet die Fahrt nur einen Euro!

In der Erstiwoche gibt es eine Freshers Fair, bei der sich alle Societies und Clubs des Trinity vorstellen. Am besten einfach mal überall anmelden, was interessant klingt, denn über das Semester hinweg werden zahlreiche Events organisiert - von Pub Crawls bis zu Wochenendtrips. Perfekt, um Leute kennenzulernen und mehr vom Land zu sehen. So war ich mit der Chor Society in Derry auf einem Chorwettbewerb und mit der Surfsociety in Bundoran, um bei -1°C ein paar Wellen zu catchen. Das Erasmus Student Network bietet auch fast jedes Wochenende irgendwelche Trips an. Zum Beispiel nach Belfast und zum Giant's Causeway. Dort ist alles schon organisiert und man lernt ganz viele andere Erasmus Studis aus der ganzen Stadt kennen.

Fahrrad fahr'n! (À la Max Raabe)

In Greifswald haben wir ja den großen Luxus eigentlich überall in max. 15 min mit dem Fahrrad zu sein. Mir war schon klar, dass das in Dublin erstmal eine Umgewöhnung wird, aber auf mein Fahrrad wollte ich einfach nicht verzichten. Außerdem hatte ich mir überlegt, dass ich Irland auch gerne im Sommer sehen würde. Als ich dann Anfang August schon mit allen Klausuren fertig war, konnte es also schon ein bisschen früher losgehen als gedacht. Mein Zimmer in meinem Wohnheim hatte ich allerdings erst ab September.

Also habe ich mein Fahrrad in einen großen Pappkarton gepackt und mein Zelt und Schlafsack noch mit in den Koffer gequetscht - und dann habe ich drei Wochen Fahrradtour durch Irland gemacht. Entlang des Wild Atlantic Way, der den Süden und Norden Irlands entlang der Westküste miteinander verbindet. Von Limerick bis zum Malin Head, also dem nördlichsten Punkt Irlands, sodass ich dann am Ende mit dem Zug zurück nach Dublin konnte, um pünktlich zum Semesterstart wieder da zu sein. 

Und dann hatte ich mein Fahrrad ja auch in Dublin und bin also genau wie in Greifswald immer mit dem Fahrrad zur Uni gefahren. Das ist nämlich schneller, als mit den gelbgrünen Doppeldeckern. Die kommen meist zu spät, gar nicht oder man steht viel zu lange im Stau. Allerdings sind Fahrradweg und Busspur leider ein und dasselbe. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass Fahrradfahrer:innen in Dublin eigentlich von allen gehasst werden, die nicht selbst mit dem Fahrrad unterwegs sind. Egal ob Fußgänger:innen, Taxis, Autos oder eben Busse. Von allen Seiten wirst du angehupt oder angemault. Also Fahrrad fahren in Dublin ist nix für schwache Nerven. Und trotzdem würde ich es allen empfehlen, die auch ein Auslandssemester in Dublin machen wollen. Die anderen Erasmusstudis waren jedenfalls alle ganz neidisch, dass ich mein Fahrrad dabei hatte. 

Spoiler: Ich hab mich ziemlich in Irland verliebt

Als ich mich damals für mein Auslandssemester beworben habe, klang Dublin für mich ehrlich gesagt eher nach einer “ja okay, passt schon”-Option. Andere Möglichkeiten hatten sich vorher zerschlagen, und ich hatte von Irland einfach ein ziemlich neutrales Bild. Nicht schlecht - aber eben auch nichts, worüber ich vorher groß nachgedacht hätte.

Und jetzt, ein paar Monate später, bin ich einfach nur unglaublich froh, dass es genau so gekommen ist. Dublin und Irland haben mich wirklich überrascht. Nicht unbedingt durch riesige Sehenswürdigkeiten oder spektakuläre Momente, sondern vielmehr durch dieses Lebensgefühl dort. Durch die Menschen, die Musik in den Pubs, die Küsten, die spontanen Gespräche und diese offene, herzliche Art, die einem überall begegnet. Irgendwie hat sich das Leben dort gleichzeitig nach Abenteuer und nach Zuhause angefühlt. Ich nehme aus dieser Zeit so viele Erinnerungen mit, von denen ich weiß, dass sie mich noch lange begleiten werden. Ich habe Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern kennengelernt, Freundschaften geschlossen und plötzlich Kontakte auf der ganzen Welt. Gleichzeitig hatte ich auch einfach mal Zeit, Neues auszuprobieren, neue Hobbys zu entdecken und aus meiner eigenen Routine rauszukommen. Vor allem habe ich aber gelernt, wie viel man gewinnt, wenn man sich einfach traut, irgendwo neu anzufangen. Deshalb würde ich ein Erasmussemester jederzeit wieder machen - und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch nach Dublin nochmal zurückkommen werde.

Manchmal kommt eben doch alles genau so, wie es soll!

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