Greifswald goes International
Linda Le
Studium in Greifswald
Englisch und Geographie auf Lehramt für Gymnasien
Aktivität im Ausland
Erasmus+ an der Universidad de Oviedo, Spanien
Zeitraum
09/2025 – 01/2026
Wieso ich ins Ausland gegangen bin?
"Schon vor dem Studium stand für mich fest: Ein Semester im Ausland ist ein absolutes Muss. Ich wollte diese Zeit nutzen, um persönlich über mich hinauszuwachsen, meine Sprachkenntnisse zu perfektionieren, in fremde Kulturen einzutauchen und mit Menschen aus aller Welt in Kontakt zu kommen."
Motivation
Bereits zu Beginn meines Studiums stand für mich fest, dass ich einen Teil meiner Studienzeit im Ausland verbringen möchte. Die Möglichkeit, für mehrere Monate in einem anderen Land zu leben und zu studieren, erschien mir als eine großartige Chance, persönlich zu wachsen und neue Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig wollte ich meine Sprachkenntnisse im Alltag anwenden und verbessern, in eine andere Kultur eintauchen und Menschen aus verschiedenen Ländern kennenlernen.
Das Studium an der Universität Oviedo
Ich hatte das große Glück, während meines Auslandssemesters nur etwa drei Minuten vom Milán-Campus entfernt zu wohnen, auf dem sämtliche meiner Lehrveranstaltungen stattfanden. Dadurch konnte ich meinen Universitätsalltag sehr entspannt gestalten und war nie auf lange Anfahrtswege angewiesen. Besonders positiv war außerdem, dass ich genau die Lehrveranstaltungen besuchen konnte, die ich bereits von zuhause aus in mein Learning Agreement aufgenommen hatte. Die Informationen auf der Website der Universität Oviedo erwiesen sich dabei als äußerst hilfreich und zuverlässig. Alle Angaben zu den Kursen, Zeiten und Inhalten stimmten mit dem tatsächlichen Ablauf vor Ort überein, sodass die Planung meines Semesters problemlos funktionierte und ich keine Änderungen vornehmen musste.
Insgesamt belegte ich drei Kurse, die jeweils aus zwei Stunden CEX (Vorlesung) und drei Stunden PLA (Seminar) pro Woche bestanden. Ähnlich wie wir es von der Universität Greifswald kennen, waren die CEX-Veranstaltungen vor allem durch theoretischen Input seitens der Lehrperson geprägt. Die PLA hingegen waren deutlich praxisorientierter angelegt und boten zahlreiche Möglichkeiten, das Gelernte direkt anzuwenden. Obwohl drei Kurse auf den ersten Blick zunächst nach einem eher geringen Arbeitspensum klingen mögen, verbrachte ich tatsächlich jeden Tag mehrere Stunden an der Universität oder mit der Vor- und Nachbereitung der Lehrveranstaltungen.

Kontrast zum Studium an der Uni Greifswald
Anders als ich es aus Greifswald gewohnt war, fiel bereits während des laufenden Semesters eine erhebliche Menge an Arbeit an. Hausaufgaben, Präsentationen, Gruppenarbeiten sowie regelmäßige schriftliche und praktische Abgaben wechselten sich ständig ab und sorgten dafür, dass es immer etwas zu erledigen gab. Der Arbeitsaufwand war daher deutlich höher, als ich ihn zu Beginn meines Aufenthalts erwartet hatte. Gleichzeitig brachte dieses System jedoch auch einige Vorteile mit sich. Durch die kontinuierlichen Leistungsnachweise und Zwischentests blieb man permanent am Lernstoff dran und setzte sich regelmäßig mit den Inhalten auseinander. Dadurch konnte man das Gelernte unmittelbar anwenden und festigen, anstatt sich erst kurz vor den Prüfungen intensiv mit den Themen zu beschäftigen. Besonders positiv überrascht hat mich das Klima in den PLA. Die PLA fanden in sehr kleinen Gruppen von nur 7 bis 15 Personen statt, was eine fast familiäre Atmosphäre schuf. Man traute sich viel eher, aktiv mitzuarbeiten, Fragen zu stellen und eigene Gedanken einzubringen. Sowohl die PLA als auch die CEX waren methodisch sehr gut durchdacht, abwechslungsreich gestaltet und mit interaktiven Elementen versehen, die das Lernen effektiver und gleichzeitig angenehmer machten. Die Dozentinnen waren fachlich kompetent und gleichzeitig sehr nahbar; selbst nach einem zwischenzeitlichen Dozent*innenwechsel blieb die persönliche Betreuung erhalten. Die neuen Lehrenden schafften es schnell, unsere Namen zu lernen und sich auf die Gruppe einzustellen.
Auch die Prüfungen am Ende des Semesters waren gut organisiert: Man musste sich nicht extra anmelden, und auf der Website war für alle ersichtlich, wann welche Lehrveranstaltung und welche Gruppe in welchem Raum die Prüfung schrieb. Die Prüfungsformen waren sehr unterschiedlich. Bei mir machten schriftliche Tests, mündliche Präsentationen oder praxisorientierten Aufgaben immer einen kleinen Teil der Gesamtnote aus.
Das Leben neben dem Studium

Das lokale ESN-Team war während meines gesamten Aufenthalts unglaublich engagiert und setzte alles daran, den internationalen Studierenden eine unvergessliche Zeit zu ermöglichen. Das angebotene Programm war äußerst vielfältig und bot für nahezu jeden Geschmack etwas Passendes - von Tanzkursen über die wöchentlichen Tapas-Abende und Besuche im Tierheim bis hin zu geführten Wanderungen und Tagesausflügen zu den kulturellen Highlights der Region war eine große Bandbreite an Aktivitäten vertreten.
Die Anmeldungen für die verschiedenen Veranstaltungen wurden in der Regel vorab über die sozialen Netzwerke des ESN angekündigt. Anschließend wurde das entsprechende Anmeldeformular auf der Website veröffentlicht. Da viele der Aktivitäten sehr beliebt waren und die Teilnehmer*innenzahlen häufig begrenzt waren, musste man oftmals schnell reagieren, um einen der begehrten Plätze zu erhalten. Gerade diese hohe Nachfrage zeigte jedoch, wie attraktiv und gut organisiert die angebotenen Veranstaltungen waren.
Meine Highlights

Ein absolutes Highlight meines Auslandssemesters war das Kanufahren in Arriondas auf dem Río Sella. Die Strecke führte durch eine beeindruckende Landschaft und bot die Möglichkeit, die Natur Asturiens aus einer ganz besonderen Perspektive kennenzulernen. Für mich zählt dieses Erlebnis zu den schönsten Erinnerungen meines Aufenthalts und ist definitiv etwas, das man nicht verpassen sollte, wenn man sich in Asturien aufhält. Vor Ort ließ ich mir außerdem die sogenannte Conecta Card ausstellen. Rückblickend würde ich jedem empfehlen, dies möglichst direkt in den ersten Tagen nach der Ankunft zu erledigen, da die Bearbeitung mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann. Mit dieser Karte konnte ich für etwa einen Euro mit dem Bus an die Küste fahren, beispielsweise nach Gijón oder Salinas. Dadurch waren spontane Ausflüge ans Meer jederzeit problemlos möglich. Vor Ort bestand zudem die Möglichkeit, relativ günstig verschiedene Sportausrüstungen auszuleihen oder Surfstunden zu buchen. Die einzigartige Kombination aus den grünen Bergen Asturiens und dem wilden Atlantik machte diese Ausflüge für mich immer wieder zu etwas Besonderem.
Ein weiterer Aspekt, der mir im Alltag besonders aufgefallen ist, waren die zahlreichen Fruterías, die man vor allem im Norden Spaniens findet. In diesen kleinen Obst- und Gemüseläden erhält man frische Produkte oftmals deutlich günstiger als in den großen Supermärkten und gleichzeitig in einer sehr guten Qualität. Für mich wurden diese Geschäfte schnell zur ersten Anlaufstelle beim Einkaufen. Gleichzeitig entwickelten die regelmäßigen Besuche dort eine angenehme Routine, bei der ich mein Alltagsspanisch anwenden und weiter verbessern konnte.
Die verlängerten Wochenenden während meines Auslandssemesters nutzte ich häufig, um mit den ALSA-Bussen weitere Teile Spaniens kennenzulernen. Das Fernbusnetz ist sehr gut ausgebaut, zuverlässig und im Vergleich zu vielen anderen Reisemöglichkeiten relativ günstig. Von Oviedo aus lassen sich zahlreiche Städte und Regionen unkompliziert erreichen, wodurch sich auch kürzere Reisen hervorragend planen lassen. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir dabei die Fahrten durch die beeindruckende Landschaft Nordspaniens. Es war jedes Mal aufs Neue faszinierend, die schneebedeckten Gipfel der Picos de Europa langsam im Rückspiegel verschwinden zu sehen, während man sich auf den Weg in andere Teile des Landes machte.



Mein Fazit
Die fünf Monate im Norden Spaniens vergingen letztlich wie im Flug. Es war eine aufregende und prägende Zeit voller neuer Erfahrungen und wertvoller „Learnings“ - und damit meine ich ausdrücklich nicht nur die akademischen Inhalte. Vielmehr habe ich auch persönlich viel dazugelernt, neue Perspektiven gewonnen und zahlreiche Menschen kennengelernt, die diese Zeit bereichert haben. Oviedo ist vielleicht nicht die typische Erasmus-Metropole wie Madrid oder Barcelona, doch gerade das macht ihren besonderen Charme aus. Die beeindruckende Landschaft, die Offenheit der Menschen und der entspannte Lebensstil haben mich nachhaltig begeistert und überzeugt.
Ich würde mein Auslandssemester jederzeit wieder an der Universität Oviedo absolvieren und bin mir sicher, dass ich in Zukunft nach Asturien zurückkehren werde. Für die Möglichkeit, diese Erfahrungen durch das Erasmus-Programm sammeln zu dürfen, bin ich sehr dankbar. Deshalb kann ich alle Studierenden nur ermutigen, ebenfalls ein Auslandssemester zu wagen. Die Erfahrungen, Eindrücke und Erinnerungen, die man dabei sammelt, gehen weit über das Studium hinaus und bleiben noch lange nach der Rückkehr erhalten.
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