Greifswald goes International

Lisa Bähr

Studium in Greifswald

Humanmedizin, Staatsexamen

Aktivität im Ausland

Hochschulaustausch, Kyoto Sangyo University, Kyoto/Japan

Zeitraum

04/2024 – 08/2024

Wieso ich ins Ausland gegangen bin?

"In einer anderen Sprache studieren, in eine fremde Kultur eintauchen und dabei sowohl persönlich wachsen als auch Freundschaften fürs Leben schließen – das alles und noch mehr hielt mein Auslandssemester in Japan für mich bereit. Ich kann allen, die sich auf dem Blog des International Office umschauen und überlegen, einen Aufenthalt zu absolvieren, wärmstens empfehlen, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen!"

„Wohin geht’s denn? Ach, nach Japan?!“

Diese Unterhaltung durchlief ich in verschiedenen Variationen ungefähr ab einem Jahr vor meinem Auslandssemester – der lange Vorlauf der Bewerbung machte es möglich, dass ich bereits relativ früh darüber Bescheid wusste, wann und wo es hingehen würde. Dass es ein Auslandssemester werden würde, war für mich bereits in der Schulzeit klar gewesen, da ich zu der Zeit nicht die Möglichkeit für einen Auslandsaufenthalt gehabt hatte. Umso mehr hatte ich mich während meines Studiums informiert, wann für mich im Studium der passendste Zeitpunkt für ein Auslandssemester wäre. Ich nutzte dabei die Möglichkeit des Kompaktsemesters in meinem Studiengang, was heißt, dass ich in meinem 8. Fachsemester in Japan war und dafür im 10. Fachsemester zusätzlich parallel das 8. Fachsemester belegte. Mit Mut zur Planung erwies sich das ambitionierte Vorhaben rückblickend als die beste, und auch eine machbare, Entscheidung. Da ich sowohl durch das Auslandsjahr meines besten Freundes in Japan als auch die Reise und das Fotoalbum meiner Großmutter inspiriert war, bewarb ich mich mit einem Japanischkurs für Anfänger in der Tasche und viel Vorfreude für ein Auslandssemester an der Kyoto Sangyo University (KSU). 

Campus, Lage und Infrastruktur der Kyoto Sangyo University

Die KSU liegt außerhalb des Zentrums von Kyoto, was ich aufgrund der Touristenströme – Kyoto zählt zu den meistbesuchten Städten der Welt – schnell zu schätzen lernte. Der Campus hat aufgrund der Berge, die ganz Japan durchziehen, sogar eigene Rolltreppen, und erlaubt einem einen fantastischen Blick auf die Umgebung. Neben mehreren Mensa-Restaurants gibt es auf dem Campus auch die bekannten japanischen Convenience Stores sowie einen Schreibwarenladen, in dem man u.a. Merch der Uni kaufen kann. Die Seminarräume sind allesamt klimatisiert, was im japanischen Sommer auch notwendig ist – ich habe in meinem Leben noch nicht so heiße Temperaturen erlebt und würde das als einzigen (kleinen) Negativpunkt aufschreiben. Bei manchmal 43 Grad und 95% Luftfeuchtigkeit habe ich persönlich feststellen dürfen, dass ich nicht für dieses Wetter gemacht bin.

Wohnen, studentisches Leben und Betreuung vor Ort

Das Wohnheim für die internationalen Studierenden, das I-House, liegt zu Fuß ca. 10-15 Minuten vom Campus entfernt. Jedes Zimmer, das man sich entweder zu zweit teilen oder alleine bewohnen kann, hat einen eigenen Balkon und ein eigenes Bad. Die Küche und weitere Gemeinschaftsräume teilt man sich pro Etage bzw. mit dem Haus, wie z.B. den Tatami-Raum im Erdgeschoss. Wer gerne in einem der studentischen Clubs Anschluss finden möchte hat volle Auswahl: Es gibt praktisch jede Sportart, ein universitätseigenes Fitnessstudio, welches mich umgerechnet ca. 3€ für das gesamte Semester gekostet hat, Sprach-Clubs und bspw. den Kalligrafie-Club, dem ich für das Semester beitrat und wo ich fortan zweimal pro Woche für jeweils 3 Stunden mein Glück versuchte. 

Das Team des International Office der KSU stand einem von Anfang an bestens zur Seite. Ich kann nur hervorheben, wie gut man hier betreut wird und was für liebe und lustige Ansprechpartner*innen man hat, die mit Herzblut Ausflüge, bspw. zum Reis-per-Hand-pflanzen und einen Wochenend-Homestay mit einer japanischen Gastfamilie, organisierten. Auch mit den Kursen und Dozierenden habe ich gute Erfahrungen gemacht: Da ich mir in meinem Studiengang von der Kursauswahl für internationale Studierende nichts anrechnen lassen konnte, hatte ich freie Wahl. Neben drei Sprachkursen belegte ich insgesamt 8 Kurse, u.a. Astrophysik für Fachfremde (die Uni hat einen Nobelpreisträger in Physik hervorgebracht), Japanische Geschichte und Moderne Japanische Literatur, und hatte so die Möglichkeit, in verschiedene Bereiche Einblicke zu erhalten.

Finanzierung

Um den wichtigen Punkt der Finanzierung nicht außer Acht zu lassen: Ich hatte für das Auslandssemester etwas von meinen Nebenjobs gespart und hatte das Glück, über Erasmus+ gefördert zu werden. Zusätzlich war der Wechselkurs Euro-Yen für mich im Sommer 2024 sehr gut, sodass ich bspw. während meines Aufenthaltes lediglich ca. 180€/Monat für mein Wohnheimzimmer zahlen musste. Zusatzkosten wie die Auslandskrankenversicherung machen sich trotzdem bemerkbar. Ich würde empfehlen, sich u.a. einen kleinen Finanzplan aufzustellen, eine Umrechnungs-App auf dem Handy zu haben (zumindest, wenn man wie ich nicht mehr so gut im Kopfrechnen ist) und zu überlegen, was man auf jeden Fall sehen/besuchen möchte. 

Persönliches Fazit

Abschließend lässt sich sagen: 

Sowohl an der Uni als auch im Wohnheim habe ich Menschen aus Japan und aller Welt kennengelernt und Freundschaften fürs Leben geschlossen. Wenn ich mir meine Fotos vom (mittlerweile bereits) letzten Jahr anschaue, werde ich wehmütig – es war eine so schöne, vielseitige, prägende Zeit, dass es mir schwerfällt, alles in Worte zu fassen. Auf jeden Fall ist eine neue Heimat im Herzen dazugekommen und ein Ort, den ich hoffentlich noch öfter besuchen werde – auch, da ich im Anschluss an das Semester noch etwas im Land herumgereist bin, aber dadurch nur noch mehr Reisepläne auf meine Liste gekommen sind. Ich kann ein Auslandssemester an der KSU und auch ganz im Allgemeinen wärmstens empfehlen. 

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