Marcel Knorn

Profilfoto MK Profilseite - Foto: Marcel Knorn

Studium in Greifswald
Language Diversity M.A.

Aktivität im Ausland
Auslandsstudium Erasmus+, Universität Tallinn (Estland)

Zeitraum
Januar - Juni 2020

Wieso ich ins Ausland gegangen bin?
"Schon länger habe ich einen Narren an Fremdsprachen und Kulturen Nordosteuropas gefressen. Mein Erasmus in Tallinn führt mich nach Estland zurück – ein Land, in dem ich bereits früher gewohnt und das ich zu lieben gelernt habe. Ich freue mich auf ein spannendes Semester im Norden, in dem ich auf meinen vier starken Sprachen – Estnisch, Finnisch, Russisch und Englisch – studieren kann" 

Skype statt Vulkan, Wald statt Geysir

Blick Tallinn - Foto: Marcel Knorn
Tallinn ist eine der ältesten Städte des Ostseeraumes – Die Altstadt hinter uns ist die mittelalterlichste in ganz Nordeuropa.
Flagge - Foto: Marcel Knorn
Am 24. Februar war estnischer Unabhängigkeitstag, an dem an allen Häusern die Flaggen gehisst wurden. Neben eine großen Parade und kleinen Veranstaltungen gab es auch zahlreiche Konzerte im ganzen Land.
Schnee- Foto: Marcel Knorn
Der Frühling war zwar schon auf dem Weg, wurde Anfang März jedoch noch einmal abgewürgt.
VIP - Foto: Marcel Knorn
Weil Estland klein ist, kennt man immer jemanden, der jemanden kennt … und landet schnell beim Eurovision-Vorentscheid auf der Privatparty des Sicherheitsdienstes.

 

Vulkane gibt es nicht, Geysire auch nicht, dafür kann man jede Menge anderer Sachen entdecken. Wenn ich Menschen von Estland erzähle, dann kommt es nicht selten zum Missverständnis, das lange E verwandelt sich auf dem Weg zwischen meinem Mund und seinem/ ihrem Ohr zu einem langen I und bei meinem Gegenüber kommt „Island“ an. Wenn ich dann im weiteren Gespräch von der Nähe zu Russland und Finnland erzähle und eventuell noch, dass eine Busfahrt von Berlin nach Tallinn ca. 24 h dauert, kann ich anhand des Fragezeichensalates meist entdecken, woran der Kommunikationsfehler lag. Nein, ich befinde mich nicht im Land von Björk und Elfen, sondern im Land von Skype, Wald, Sümpfen und Musik.

 

Über einen Monat bin ich jetzt bereits in Tallinn - und nein, der estnische Winter hat mich nicht verschlungen. Der fällt nämlich in diesem Jahr ungewohnt mild aus und erinnert ungemein an das Greifswalder Wetter – von ein paar Tagen glitzerndem Schnee abgesehen. Auch ansonsten fällt mir die Eingewöhnung erwartbar leicht – nach meinem Schulabschluss habe ich bereits mein Auslandsjahr hier verbracht und bin damit mit Land und Leuten vertraut. Mein Erasmussemester an der Universität Tallinn sollte mich nun auch auf akademischer Ebene in das Land zurückführen, das ich zu lieben gelernt habe.

 

Als ich mich für Tallinn entschied, schauten mich viele meiner estnischen Freunde komisch an – schließlich gilt nicht Tallinn, sondern Tartu als geistiges Zentrum des Landes. Während Tartu auf hunderte Jahre akademische Geschichte zurückblicken kann, ging die Universität Tallinn erst 2005 aus dem ehemaligen pädagogischen Lehrerseminar hervor. Gemeinsam mit der Technischen Uni Tallinn bilden die beiden Unis die drei erfolgreichsten und größten Unis des 1,34-Millionen-Einwohner-Landes. Alle drei können wissenschaftlich überzeugen und liegen unter den weltweiten Top 5% der Unis nach dem Times-Ranking.

 

Für mich ist Tallinn trotz des Unverständnisses meiner Freunde die perfekte Wahl: Einerseits kenne ich den Süden des Landes wie meine eigene Westentasche, andererseits liegt Tallinn an der Nordküste an der idealen Schnittstelle meiner Fächer: gerade mal eine zweistündige Schiffsreise über den Meerbusen liegt Helsinki. Auch Sankt Petersburg ist nur einen Katzensprung entfernt und Tallinn ist zudem aufgrund der großen russischen Minderheit auch mit einem reichen russischsprachigen Kulturleben ausgestattet – jeder vierte Tallinner spricht zuhause Russisch. An kaum einer anderen Uni könnte ich auf dem gleichen Niveau alle meine drei Fächer Estnisch, Finnisch und Russisch in diesem Maße weiterentwickeln und so beschäftige ich mich hier neben Sprachkursen viel mit russischer und estnischer Linguistik, aber auch Wirtschaft, Anthropologie, Politik und Kultur – mein Stundenplan hüpft dabei zwischen vier Fremdsprachen hin und her. Neben der Uni kann man viel erleben – sei es auf den zahlreichen Erasmus-Veranstaltungen, in Museen und auf Konzerten oder beim estnischen Eurovision-Vorentscheid. Es bleibt spannend im Norden Europas. Freut euch auf tiefere Einblicke in ein Land, von dem ihr vielleicht bislang kaum etwas gehört habt!

 

 

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