Der Begriff „Oligarchie“ reicht weit in die politische Ideengeschichte zurück. Bereits Aristoteles bezeichnete damit eine Staatsform, in der Wenige, insbesondere die Reichen, herrschen. Heute wird der Begriff in der Politikwissenschaft teilweise verwendet, um den übermäßigen informellen Einfluss sehr vermögender Personen auf politische Entscheidungen in demokratischen Gesellschaften zu beschreiben. Patberg untersucht, ob die Kontrolle digitaler Plattformen durch Superreiche dieser klassischen Vorstellung eine neue Dimension hinzufügt.
„Ich selbst beschäftige mich zurzeit mit der Frage, ob das Konzept der ‚Tech-Oligarchie‘ dem etwas Wichtiges hinzufügt, ob etwa die persönliche Kontrolle digitaler Plattformen durch Superreiche neue Machtformationen hervorbringt, die man in solchen Begriffen beschreiben sollte“, erklärt der Politikwissenschaftler.
Soziale Netzwerke zwischen Chance und Risiko
Patbergs Forschung zur Tech-Oligarchie knüpft an seine langjährige Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Demokratie an. Zunächst stand dabei die Rolle sozialer Medien für die politische Öffentlichkeit im Mittelpunkt. „Soziale Medien haben im Prinzip ein hohes demokratisches Potenzial und können bzw. könnten von Bürger*innen, aber auch von kollektiven Organisationen und Regierungen für diverse (demokratische) Zwecke eingesetzt werden“, erklärt er.
Gleichzeitig beobachtet Patberg eine Entwicklung, die er in den größeren Zusammenhang der sogenannten demokratischen Regression einordnet. Gemeint sind politische Rückschritte, bei denen demokratische Rechte, Verfahren und Institutionen geschwächt werden. Die zunehmende Konzentration wirtschaftlicher und digitaler Macht wirft dabei neue Fragen auf: Wer kontrolliert die Räume, in denen politische Öffentlichkeit stattfindet? Und wie lässt sich diese Macht demokratisch begrenzen?
Die Übernahme von Twitter (heute X) von Elon Musik im Jahr 2022 und die zunehmende Nähe zwischen Big Tech und Donald Trump verdeutlichen für Patberg die Aktualität dieser Fragen. Der Tech-Milliardär wandelte sich in Folge dessen zu einem der prominentesten Unterstützer von Donald Trump im US-Wahlkampf 2024. Nach dessen Wahlsieg übernahm Musk eine politische Rolle als Sonderberater der neuen US-Regierung.
Politische Theorie im digitalen Zeitalter
Patberg untersucht, wie diese Entwicklungen theoretisch zu beschreiben sind und welche Folgen sie für demokratische Gesellschaften haben können. Für ihn zeigt das Konzept der „Tech-Oligarchie“ zugleich, wie Politische Theorie auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert. Häufig geht es nicht darum, vollkommen neue Begriffe zu schaffen, sondern etablierte Konzepte unter veränderten Bedingungen neu zu interpretieren. „Der Ausdruck ‚Tech-Oligarchie‘ ist ein schönes Beispiel dafür, dass politische Theorie häufig darin besteht, neue Konzeptionen – spezifische Ausdeutungen – etablierter Begriffe zu entwickeln“, erklärt Patberg.
Weitere Informationen
Zur Person: Prof. Dr. Markus Patberg ist seit April 2026 Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Greifswald. Zuvor arbeitete er von bereits als wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Universitäten und promovierte im Jahr 2016 an der Universität Hamburg, wo er auch anschließend als Postdoc tätig war. Außerdem übernahm er Professurvertretungen an der Universität Münster und der Freien Universität Berlin.
Ein ausführliches Interview mit Prof. Dr. Markus Patberg anlässlich seiner Berufung an die Universität Greifswald lesen Sie im Magazin Campus*1456.
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Prof. Dr. Markus Patberg
Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte
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