Pommersches Wörterbuch nach 100 Jahren vollendet

Von brägenklüterig über Döns und Schnack bis hin zu Schummertiet und wiesmülig: Das Pommersche Wörterbuch erfasst und erklärt den dialektalen Wortschatz der ehemaligen preußischen Provinz Pommern. Der erste Band (A–K) erschien 2007, herausgegeben von Renate Herrmann-Winter und Matthias Vollmer. Nun ist auch der zweite Band vollständig publiziert. Die letzte, dreizehnte Lieferung umfasst die Buchstabenstrecke von „vullstoppen“ bis „Zyklopenmur“.

„Das Pommersche Wörterbuch gibt nicht nur Aufschluss über den Wortschatz der pommerschen Mundarten“, sagt Dr. Matthias Vollmer, Leiter der Arbeitsstelle Pommersches Wörterbuch. „Es eröffnet auch einen Zugang zur regionalen Kulturgeschichte und zu den Lebenswelten der Menschen, die diese Mundarten gesprochen haben –und auch heute noch sprechen. Die Einträge lassen Rückschlüsse darauf zu, wie sie gearbeitet, ihre Umwelt wahrgenommen und ihren Alltag beschrieben haben. Dass das Werk heute vollständig vorliegt, ist nicht nur ein Erfolg für die niederdeutsche Philologie. Es ist auch ein wichtiger Beitrag dazu, das kulturelle Gedächtnis Pommerns zu bewahren und für die Forschung zugänglich zu machen.“

Eine wechselhafte Geschichte
Das Projekt begann bereits 1925 an der Universität Greifswald. Dort gründete Wolfgang Stammler die Wörterbuchstelle. 1945 fielen jedoch nahezu alle gesammelten Daten dem Krieg zum Opfer. 1947 nahm Hans-Friedrich Rosenfeld die Arbeit wieder auf – nun als Arbeitsstelle der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Durch direkte Befragungen von Gewährspersonen und die Auswertung umfangreicher Fragelisten wuchs das Belegmaterial kontinuierlich an. Ende der 1960er Jahre umfasste das Archiv rund 1,2 Millionen Belegzettel. Diese dokumentieren die Bedeutung und die geographische Verbreitung eines Wortes sowie die sprachlichen Kontexte, in denen es bezeugt ist.

Als der Beginn der Publikation kurz bevorstand, wurde das Vorhaben jedoch 1969 aus politischen Gründen eingestellt. Damit schien das endgültige Aus besiegelt. Das Archiv mit seinen 526 Zettelkästen blieb jedoch in Greifswald erhalten.

Erst nach der deutschen Wiedervereinigung konnte das Projekt neu starten. Auf Initiative von Renate Herrmann-Winter, die das Pommersche Wörterbuch bis zur Einstellung der Arbeiten geleitet hatte, richtete die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig die Arbeitsstelle 1992 wieder ein. 1999 übernahm das Land Mecklenburg-Vorpommern die alleinige Finanzierung. Im selben Jahr kehrte das Pommersche Wörterbuch an die Universität Greifswald – an seinen Gründungs- und heutigen Arbeitsort – zurück. Seither ist es dem Institut für Deutsche Philologie zugeordnet.

Das fertige Wörterbuch schließt einen der letzten weißen Flecken auf der Landkarte der Dialektwörterbücher im deutschen Sprachraum. 

Weitere Informationen
Pommersches Wörterbuch

Ansprechpartner an der Universität Greifswald 
PD Dr. Matthias Vollmer 
Pommersches Wörterbuch
Domstraße 10, 17489 Greifswald
Telefon +49 3834 420 3403
mvollmeruni-greifswaldde

 

Medieninformation


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