Schreiben mit KI

Die Universität steht dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz grundsätzlich offen gegenüber. Dies gilt auch für den Bereich des Schreibens, allerdings sind gerade beim Einsatz von generativer KI beim Schreiben im universitären Kontext – abhängig von Textsorte und Zielsetzung – spezifische Herausforderungen und Prinzipien zu beachten. 

Zu den zentralen Herausforderungen zählen mögliche Halluzinationen (falsche Fakten, erfundene Quellen etc.), Bias / Verzerrungen in Trainingsdaten und bei generierten Inhalten, eingeschränkte Aktualität oder Kontextsensibilität, Vereinheitlichung von Stil auf Kosten von fundierter Differenziertheit, Gefahr des Verlusts der eigenen Schreibstimme. 

Insbesondere für das wissenschaftliche Schreiben sind eigene Rahmenbedingungen zu beachten. Dazu gehören die Leitlinien der Universität, Vorgaben zu Datenschutz und Urheberrecht, sowie die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis. Hierzu sind beim Umgang mit KI vor allem Nachvollziehbarkeit, Dokumentation und Transparenz maßgeblich. Alle für das Zustandekommen eines wissenschaftlichen Ergebnisses relevanten Schritte, Daten und Materialien sind so kenntlich zu machen und zu dokumentieren, dass sie überprüfbar und bewertbar sind. Im Hinblick auf Autorschaft gilt: KI-Systeme können weder als Autor noch als Ko-Autor fungieren. Die Verantwortung für Inhalte, Argumentation und Darstellung liegt vollständig beim Menschen.

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Allgemein

Allgemeine Hinweise für Studierende, Forschende und Lehrende.

Einsatzmöglichkeiten von KI im Schreibprozess

KI kann im Schreibprozess unterschiedliche Funktionen übernehmen (vgl. Isabella Buck und Anika Limburg, KI und Kognition im Schreibprozess: Prototypen und Implikation, in: Journal für Schreibwissenschaft (JoSch), Ausgabe 26 (1/2024), 15. Jahrgang, S. 8ff.):

  • entlastend

  • unterstützend

  • erweiternd

Insbesondere die dritte Nutzungsmöglichkeit kann zur Qualitätssteigerung beim wissenschaftlichen Schreiben beitragen, wenn KI-Tools dialogisch als Sparringpartner genutzt werden.

Verschiedene KI-Modelle können beim Schreiben zum Einsatz kommen, darunter generative KI zur Textproduktion, KI-gestützte Recherchetools und Datenbanken sowie Korrekturtools, die je nach Funktion in den jeweiligen Phasen des Schreibprozesses zur Anwendung kommen können, etwa bei:

  • der Themenfindung und Ideengenerierung

  • der Entwicklung von Forschungsfragen

  • der Arbeit mit Quellen

  • der Gliederung

  • der Erstellung von Textentwürfen

  • sowie der Überarbeitung.

Die konkreten Vorgehensweisen und Nutzungsmöglichkeiten für einen effizienten und gewinnbringenden Einsatz variieren dabei deutlich zwischen den Fachdisziplinen.

Wie erkenne ich einen KI-generierten Text?

  • keine zweifelsfreie Erkennung möglich
  • Software (KI-Detektoren) auf dem Markt bietet keine Rechtssicherheit (Risiko von false-positive Ergebnissen)
  • gleiche Prompts können unterschiedliche Outputs generieren

Typische Anzeichen (aber keine Garantie!):

  • übermäßig viele Aufzählungen und Listen mit Spiegelstrichen
  • übermäßige Verwendung von Fettdruck
  • halluzinierte, nicht existente Quellen/Literatur
  • Wiederholungen ähnlicher inhaltlicher Aspekte
  • viele allgemeine Aussagen ohne konkrete Beispiele

Grundprinzip: kritische Distanz zu Vorgehensweisen, Texten und Inhalten

Der Einsatz von KI erfordert in allen Phasen des Schreibprozesses eine durchgängige kritische Prüfung der Ergebnisse. Alle generierten Inhalte werden überprüft und überarbeitet, alle Aussagen und Quellen nachrecherchiert. KI-generierte Inhalte werden als Ausgangs- oder Anknüpfungspunkt für die eigenen Gedanken eingeordnet, nicht als Endprodukt. KI wird hierbei als Sparringspartner und Inspirationsquelle genutzt, nicht als Ghostwriter. Die Verantwortung für den Text liegt vollständig bei der verfassenden Person. Dies schließt die Fähigkeit ein, die zugrunde liegenden theoretischen wie methodischen Entscheidungen, Quellen, Argumentationslinien, Ergebnisse und Begrifflichkeiten erklären und verteidigen zu können.

Voraussetzungen für AI Leadership beim Schreiben: Schreibkompetenz und AI Literacy

Ein dementsprechender Einsatz von KI setzt sowohl ausgeprägte Schreibkompetenz als auch sogenannte AI Literacy voraus.

Schreibkompetenz setzt sich aus fachübergreifenden und fachspezifischen Komponenten zusammen und umfasst insbesondere Prozess-Steuerung, Wissensmanagement und Herstellung von intertextuellen Bezügen, Argumentations- und kritische Reflexionskompetenz, Textsortenkompetenz sowie Stilkompetenz. 

AI Literacy beinhaltet ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise von KI-Systemen, Kenntnis über die Nutzungsmöglichkeiten verschiedener Tools, Kenntnisse zum rechtskonformen Einsatz, Prompt-Kompetenz (gezielte und präzise Anfragen), Evaluationskompetenz (kritische Bewertung von Ergebnissen), Integrationskompetenz (Einbindung in den eigenen Text). 

Auf diese Weise kann die Gestaltungs- und Entscheidungshoheit beim Menschen verbleiben. Ziel ist ein reflektierter und kontrollierter Einsatz, bei dem die Steuerung des Schreibprozesses beim Menschen liegt (AI leadership).

Wie kommuniziere ich, ob ich den Einsatz von KI erlaube oder verbiete?

Sie müssen als Lehrperson festlegen, welche Hilfsmittel in Ihren Lehrveranstaltungen und Prüfungen zugelassen sind. Kommunizieren Sie diese offen und transparent. Wenn Sie KI-Tools nicht explizit als Hilfsmittel zulassen, ist deren Einsatz verboten und gilt als Täuschungsversuch.

Für schriftliche Prüfungsleistungen ist die Abgabe einer Eigenständigkeitserklärung notwendig. Wenn Sie die Nutzung von KI zulassen, ist zusätzlich eine Freigabeerklärung durch die Studierenden einzureichen, in der geregelt ist, zu welchem Zweck KI eingesetzt werden darf. Beachten Sie hierzu die Informationen auf der Seite “KI & Prüfungen”.

Für Studierende

Generative KI ist kein magisches Werkzeug, das wissenschaftliche Arbeit ersetzt. Sie ist eher ein sehr gesprächiger, gelegentlich übermotivierter Assistent, der hilfreich sein kann – aber nicht immer recht hat. Für das wissenschaftliche Schreiben (z. B. Haus- und Abschlussarbeiten) gelten daher die oben genannten Grundsätze in besonderem Maße.

Besonders wichtig:

  • die frühzeitige Abstimmung mit Betreuenden hinsichtlich der Nutzung von KI

  • die Berücksichtigung von Prüfungsordnungen und veranstaltungsspezifischen Regelungen, die den Einsatz von KI einschränken oder ausschließen können

  • der Erwerb von KI-bezogenen Kompetenzen sowie von Schreibkompetenz, Schulen der Urteilskraft

  • gute wissenschaftliche Praxis, insbesondere hinsichtlich der Transparenz der Herkunft von Aussagen, der Dokumentation des Erkenntnisprozesses und evtl. Kenntlichmachung der KI-Nutzung abhängig vom Umfang (z. B. in Form eines kurzen Hinweises, einer tabellarischen Übersicht oder eines Forschungsprotokolls)

  • Schreiben als Erkenntnis generierende Tätigkeit mit KI als Sparringpartner zur Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten

Für Lehrende und Forschende

Lehrende können vor dem Hintergrund des oben genannten den Einsatz von KI in der Lehre thematisieren, dabei sowohl Schreibkompetenz als auch AI Literacy als Lerngegenstand integrieren, gemeinsam mit Studierenden klare Regelungen zum KI-Einsatz entwickeln sowie auf prozess- und handlungsorientierte Aufgabenformate und Schreibaufträge setzen, bei denen der Weg sichtbar wird – nicht nur das Ergebnis.

Auch im Forschungskontext kann KI in verschiedenen Phasen des Schreib- und Publikationsprozesses wie oben genannt unterstützend eingesetzt werden. Zu beachten sind dabei externe Vorgaben, wie Richtlinien von Fachzeitschriften, Verlagen und Förderinstitutionen zum Einsatz von KI. Im Kontext von Gutachten und Peer Review gelten häufig gesonderte, teilweise restriktivere Regelungen.

Ein souveräner Umgang mit KI trägt dazu bei, bestehende Standards zu sichern und zugleich neue Potenziale zu erschließen. Voraussetzung bleibt ein reflektierter, transparenter und verantwortungsvoller Umgang entsprechend den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis, für die einschlägige Schreib- und KI-Kompetenz unerlässlich ist.