Elisabeth Flucher (Greifswald): Schreibweisen der Hypochondrie (1670–1830)

Das Projekt ‚Schreibweisen der Hypochondrie (1670–1830)‘ zielt auf eine umfassende Rekonstruktion literarischer und wissenschaftlicher Verhandlungen der Hypochondrie im langen 18. Jahrhundert. Es ist in der germanistischen Literaturwissenschaft angesiedelt, integriert jedoch komparatistische und interdisziplinäre Bezüge, insbesondere der Wissenschaftsgeschichte. 

Das 18. Jahrhundert gilt als ‚Zeitalter der Hypochondrie‘. Mit dem Bedeutungswandel von einer humoralpathologischen Erkrankung der Eingeweide hin zu einer imaginären oder eingebildeten Krankheit (um ca. 1670) gewinnt die Hypochondrie an Bedeutung für das soziale Selbstverständnis des Bürgertums. Vergleichbar mit der Melancholie wird die Zuschreibung der Hypochondrie im 18. Jahrhundert von bürgerlichen Gelehrten noch als sozialer Statusgewinn verbucht. Hypochondrie fungiert demnach als sozialer Code, bleibt in seiner Bewertung jedoch ambig (auch: Simulationsverdacht, Feminisierung), bis sich der Diskurs um Hypochondrie, Hysterie und Melancholie im 19. Jahrhundert neu formiert. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einer Sozialgeschichte der Krankheit im langen 18. Jahrhundert.

Kontakt
Historisches Institut
Domstraße 9 A, 17489 Greifswald
Telefon +49 3834 420 8803 
suenne.juterczenkauni-greifswaldde

 

Organisator

  • Jan-Hinnerk Antons (Transnationale Geschichte), Mathias Grote (Geschichte des Wissens), Sünne Juterczenka (Geschichte der Frühen Neuzeit)

Veranstaltungsort

  • Historisches Institut
    Domstraße 9 A
    17489 Greifswald