Über Fassungslosigkeit

Öffentlicher Abendvortrag

„Und glauben Sie“, versichert Gräfin Orsina dem Vater, der seine Tochter Emilia Galotti in Kürze töten wird, „glauben Sie mir: wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verlieret, der hat keinen zu verlieren.“ Die Gräfin, die sich in Gotthold Ephraim Lessings berühmtem Drama nicht ohne Zynismus als heimliche Philosophin versteht, befördert selbst die Katastrophe, die sie mit diesen Worten halbwegs vorwegnimmt.
Dinge, die zu kennen, zu ordnen und zu gestalten der Verstand dienen soll, können gerade dann, wenn sie seinem Gebrauch sich fügen, dessen Verlust befördern. Die Erkenntnis der Gräfin mündet in Fassungslosigkeit. Unter den Schwierigkeiten, die Menschen zu bewältigen oder zu ertragen haben, hat Fassungslosigkeit einen besonderen Stellenwert. Sie verweist auf Grenzen menschlicher Möglichkeiten — auch des philosophischen Nachdenkens. Der Vortrag entwickelt Grundzüge einer Philosophie, die mit ihren Grenzen rechnet.

Michael Astroh studierte Philosophie, Romanistik und Germanistik an den Universitäten in Bonn und Köln sowie der École Normale Supérieure in Paris, bevor er 1982 promovierte. Nach einem mehrjährigen Forschungsaufenthalt am Wolfson College (Oxford), habilitierte er an der Universität des Saarlandes und erhielt eine Heisenberg-Dozentur. Seit 1995 lehrt er an der Universität Greifswald als Professor für Philosophie mit den Schwerpunkten Ästhetik und Kulturphilosophie. Seine Veröffentlichungen widmen sich einerseits Fragen der Literatur und Kunst, andererseits Pro-
blemen der Sprachphilosophie, der Logik und ihrer Geschichte.

Begrüßung: Professor Dr. Monika Unzeitig
Moderation: Dr. Christian Suhm

 

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