Der gesellschaftliche Umgang mit „Behinderung“, also körperlicher und geistiger Differenz, hat eine wechselvolle Geschichte. Neuere Forschungen zur Psychiatriegeschichte bzw. Disability History haben gezeigt, dass die Praktiken des Umgangs mit geistig differenten und psychisch kranken Menschen von einer grundlegenden Ambivalenz zwischen Fürsorge und Zwang gekennzeichnet sind und weitreichende Rückschlüsse auf soziale Normen und politische Machtverhältnisse erlauben. Gegenwärtige Debatten um Inklusion stehen dabei im Zeichen einer regionalen und nationalen Erinnerungskultur, die – zu Recht – von der Zeit der NS-Patientenmorde geprägt ist. Die historische Tiefendimension ist dabei allerdings zumeist nur schlecht beleuchtet, was nicht zuletzt an der mitunter problematischen Überlieferungssituation zur Psychiatriegeschichte liegt. Ziel des hier vorgestellten Kooperationsprojekts zwischen der Universität Vechta und dem Niedersächsischen Landesarchiv ist es, eine digitale Quellenedition zur Psychiatriegeschichte des Herzogtums Oldenburg im 19. Jahrhundert zu erstellen. Quellenauswahl und Sachkommentare tragen dabei der Vielschichtigkeit und Komplexität der Überlieferung Rechnung und helfen, relevante Archivbestände nicht nur für die Fachwissenschaft, sondern auch für weitere Nutzer*innenkreise zu erschließen und die Edition etwa auch als pädagogische Ressource für den Schulunterricht und die universitäre Lehre nutzbar zu machen.
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