„Ein ERC Advanced Grant ist die Königsklasse der europäischen Forschungsförderung. Die erstmalige Bewilligung dieser Auszeichnung für die Universitätsmedizin Greifswald ist ein historischer Erfolg für unseren Standort sowie für Prof. Greinacher und sein Team. Sie unterstreicht die internationale Sichtbarkeit und wissenschaftliche Exzellenz der Forschung in Greifswald“, freute sich Prof. Dr. Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald.
Der ERC Advanced Grant zählt zu den renommiertesten Förderungen für etablierte Wissenschaftler*innen in Europa. In der aktuellen Ausschreibungsrunde wurden europaweit mehr als 3.300 Anträge eingereicht; weniger als zehn Prozent der Projekte werden gefördert. Die Förderung gilt als eine der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen Europas und wird ausschließlich an international herausragende Forschende vergeben, deren Projekte neue Maßstäbe in ihrem Fachgebiet setzen können.
Von der Entschlüsselung seltener Immunreaktionen bis zur Transfusionsmedizin der Zukunft
Im Mittelpunkt von PROTECT stehen zwei eng miteinander verbundene Forschungsansätze. Im Projektteil PREVENT untersucht das Team die Mechanismen anti-PF4-vermittelter Immunreaktionen. Dazu gehören die Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie (VITT), die Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) sowie weitere verwandte Erkrankungen. Ziel ist es, die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen dieser Krankheitsbilder besser zu verstehen und Ansätze zu entwickeln, um solche schweren Immunreaktionen künftig zu verhindern oder ihre Folgen zu begrenzen.
Internationale Aufmerksamkeit erhielt die Arbeitsgruppe von Andreas Greinacher während der COVID-19-Pandemie durch ihre Arbeiten zu VITT. Die Greifswalder Forschenden beschrieben das Krankheitsbild erstmals und trugen wesentlich dazu bei, die zugrunde liegenden immunologischen Mechanismen aufzuklären. Die daraus entwickelten diagnostischen Verfahren und Behandlungskonzepte fanden weltweit Anwendung.
Der zweite Projektteil BYPASS verfolgt einen neuartigen Ansatz in der Transfusionsmedizin. Statt nach seltenen kompatiblen Blutspendern zu suchen, sollen Oberflächenantigene direkt von Spenderblutzellen entfernt werden. Ziel ist es, Blutzellen gezielt so zu verändern, dass sie auch für Patientinnen und Patienten mit seltenen oder komplexen Antikörperprofilen besser verträglich werden. Langfristig könnte dies die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit komplexen Antikörperprofilen grundlegend erleichtern und einen Paradigmenwechsel in der Transfusionsmedizin einleiten.
„PROTECT verbindet grundlegende immunologische Forschung mit konkreten klinischen Anwendungen. Unser Ziel ist es, Mechanismen schwerer Immunreaktionen besser zu verstehen und daraus neue Strategien für Prävention und Therapie zu entwickeln“, sagte Andreas Greinacher.
Der Greifswalder Wissenschaftler forscht seit mehr als drei Jahrzehnten auf den Gebieten Thrombose, Immunhämatologie und Transfusionsmedizin. Auch nach seinem Ausscheiden aus der regulären Professur setzt er seine Forschung als Seniorprofessor an der Universitätsmedizin Greifswald fort. Dabei forscht er im engen Austausch mit Kolleg*innen der Universität Greifswald.
Mit den Fördermitteln wird an der Universitätsmedizin Greifswald ein interdisziplinäres Forschungsteam aufgebaut. „Der ERC Grant kann dabei auf langjährige Forschungsarbeiten und internationale Kooperationen am Institut für Transfusionsmedizin und der Unimedizin Greifswald anknüpfen“, betonte Prof. Dr. Karlhans Endlich. „Davon profitieren nicht nur die beteiligten Forschenden, sondern langfristig der gesamte Wissenschaftsstandort Greifswald.“
Weitere Informationen
Der Europäische Forschungsrat (ERC) gilt als die wichtigste europäische Einrichtung zur Förderung exzellenter Grundlagenforschung. Die Vergabe der ERC Grants erfolgt ausschließlich nach wissenschaftlicher Exzellenz und gehört zu den renommiertesten Wettbewerben der internationalen Forschungslandschaft. Er richtet sich an etablierte Wissenschaftler*innen mit herausragenden wissenschaftlichen Leistungen und einer international sichtbaren Forschungsagenda. Weitere Informationen unter https://erc.europa.eu
Ansprechpartner an der Universitätsmedizin Greifswald
Christian Arns
Leiter der Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Pressesprecher UMG
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