Darunter versteht Hendrik Lohse-Bossenz die Entwicklung pädagogischer Fachkräfte nicht nur während Studium und Vorbereitungsdienst, sondern während der gesamten Berufslaufbahn. Denn die Vorstellung, mit dem Abschluss der Ausbildung bereits „fertig“ zu sein, werde den Anforderungen des Lehrerberufs nicht gerecht.
„Unter Professionalisierung verstehe ich die Entwicklung von pädagogischen Fachkräften in und im Beruf. Zu verstehen, dass das Handeln einer Lehrperson nicht einzig auf Intuition beruht und auch niemand als Lehrperson ‚geboren‘ ist, prägt natürlich unsere Perspektive auf die Lehrer*innenbildung“, erklärt er.
Gesellschaftliche Veränderungen bringen dabei neue Aufgaben für Schulen und Lehrkräfte mit sich. Dazu zählen unter anderem eine zunehmende Vielfalt in den Klassen, digitale Entwicklungen und der Einsatz Künstlicher Intelligenz. Für Lohse-Bossenz sind diese Veränderungen nicht nur Herausforderungen, sondern auch Anlässe, das eigene pädagogische Handeln weiterzuentwickeln.
„Dass Grundschullehrkräfte hiermit umgehen müssen und dies als Belastung empfinden, ist etwas Normales. Die Frage aus der Forschungsperspektive ist allerdings, welche Ressourcen hierfür zur Verfügung stehen.“ Entscheidend sei, welche Unterstützung Lehrkräfte erhalten. Neben materiellen Voraussetzungen spielen dabei auch soziale und persönliche Ressourcen eine wichtige Rolle. Der Austausch mit Kolleg*innen und die gemeinsame Suche nach Lösungen können dazu beitragen, Herausforderungen als Lernchancen zu nutzen.
Künstliche Intelligenz als Chance für die Lehrkräftebildung
Eine besondere Rolle spielt aktuell der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. KI ist längst Teil des Alltags vieler Kinder und Familien und wird auch im schulischen Kontext zunehmend relevant. Aufgabe von Lehrkräften sei es deshalb, Kindern einen reflektierten Umgang mit digitalen Technologien zu ermöglichen. Gleichzeitig eröffnen KI-Anwendungen neue Möglichkeiten für die Unterrichtsgestaltung – beispielsweise durch die Erstellung von Lernmaterialien auf unterschiedlichen Sprachniveaus oder durch Unterstützung bei der Unterrichtsplanung.
In der Lehrkräftebildung an der Universität Greifswald geht es deshalb auch darum, Studierende für die Chancen und Grenzen Künstlicher Intelligenz zu sensibilisieren. Neben grundlegenden Kenntnissen über die Funktionsweise von KI gehören dazu auch mögliche Risiken wie fehlerhafte Ergebnisse, Verzerrungen oder eine unkritische Übernahme von Antworten.
Vernetzung als Schlüssel zur Professionalisierung
Neben fachlichen Kompetenzen sieht Lohse-Bossenz den Austausch und die Vernetzung als wichtigen Bestandteil professioneller Entwicklung. Lehrkräfte profitieren langfristig von Beziehungen zu Kolleg*innen innerhalb und außerhalb der eigenen Schule. Auch die Universität Greifswald möchte ein solches Netzwerk fördern – durch kooperative Lehrformate, Vernetzungsveranstaltungen und den Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden und ehemaligen Studierenden.
Ein weiterer Baustein ist der Instagram-Kanal des Grundschullehramts, der Einblicke in Studium und Lehre gibt und den Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden und Akteur*innen aus der Schulpraxis fördert.
Für angehende Lehrkräfte seien vor allem drei Dinge entscheidend: die Bereitschaft, Zeit in den eigenen Lernprozess zu investieren, Frustrationstoleranz und Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen. Denn Professionalisierung sei kein abgeschlossener Prozess, sondern begleite Lehrkräfte über ihre gesamte berufliche Laufbahn.
Weitere Informationen
Zur Person: Prof. Dr. Hendrik Lohse-Bossenz ist seit Oktober 2025 Professor für Allgemeine Grundschulpädagogik an der Universität Greifswald. Zuvor vertrat er die Professur bereits drei Jahre lang. Weitere Stationen seiner wissenschaftlichen Laufbahn führten ihn unter anderem an die Pädagogische Hochschule Heidelberg, die Universität Potsdam, die Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin.
Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte, der Lehrkräftebildung, der Unterrichtsqualität sowie innovativen Forschungsmethoden.
Ein ausführliches Interview mit Prof. Dr. Hendrik Lohse-Bossenz anlässlich seiner Berufung an die Universität Greifswald lesen Sie im Magazin Campus*1456.
Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Hendrik Lohse-Bossenz
Lehrstuhl Allgemeine Grundschulpädagogik
Steinbeckerstraße 15, 17489 Greifswald
Telefon +49 3834 420 3820
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