Tiefbohrung in einem See auf extremer Höhe: Greifswalder Forschung auf dem tibetischen Plateau

Forschung

Die Bohrkampagne fand im Juni und Juli 2024 statt und stellte hohe Anforderungen an Mensch und Technik. Nach dem Aufbau eines Forschungscamps wurde am Südufer des Sees eine speziell konstruierte schwimmende Bohrplattform errichtet. Insgesamt wurden rund 1415 Meter gebohrt, das tiefste Bohrloch reichte 510,2 Meter unter den Seegrund. Mehr als 50 Wissenschaftler*innen, Techniker*innen und Mitarbeitende aus der Logistik waren an der Expedition beteiligt. Für die weiteren Analysen stehen nun 950,77 Meter Sedimentmaterial zur Verfügung.

Im Fokus der Expedition stand der Nam Co, einer der größten Seen Tibets und ein bedeutendes Klimaarchiv Asiens. Der abflusslose Salzsee, etwa viermal so groß wie der Bodensee, ist seit seiner Entstehung nie vollständig ausgetrocknet. Dadurch konnten sich über sehr lange Zeiträume kontinuierliche Sedimentschichten ablagern. Aufgrund seiner Lage an der Schnittstelle zwischen der Westwindzone und der asiatischen Monsunzirkulation eignet sich der See besonders gut für die Rekonstruktion vergangener Klima- und Umweltveränderungen.

Die Universität Greifswald spielte bei der Bohrung eine zentrale Rolle und bringt im Rahmen des internationalen NamCore-Projekts ihre Expertise in den Bereichen Sedimentologie, Paläomagnetik und Paläoökologie ein. Die Auswertung der Sedimentkerne hat erst begonnen, wird die internationale Forschung jedoch über Jahre hinweg beschäftigen. Die Ergebnisse des NamCore-Projekts sollen das Verständnis der Klimageschichte Asiens vertiefen, Klimamodelle verbessern und die zukünftige Entwicklung einer für Millionen von Menschen existenziell wichtigen Region besser vorhersagbar machen.

Weitere Informationen

Lesen Sie auf Campus*1456 einen vertiefenden Artikel mit Bildergalerie von der Bohrung.

Im Rahmen des Schweizer Nationalfonds-Projekts DIGESTED (Deep biosphere-geosphere interactions at the top of the world) analysiert die Arbeitsgruppe der Physischen Geographie um Prof. Dr. Torsten Haberzettl den sedimentären Kontext im Teilprojekt, das von Dr. Marie-Luise Adolph bearbeitet wird. Parallel dazu untersucht Santiago Otero, M. Sc., im Rahmen des DFG-geförderten MagNam-Projekts die Auswirkungen von Schwankungen im Erdmagnetfeld auf biologische Gemeinschaften. Prof. Dr. Claudia Wrozyna und Projektarbeiterin Dr. Marlene Höhle untersuchen im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt fossile Ostrakoden – winzige Krebstiere mit kalkigen Schalen –, um die langfristige Evolution aquatischer Lebensgemeinschaften zu rekonstruieren.

Ansprechpartner an der Universität Greifswald 
Prof. Dr. Torsten Haberzettl
Institut für Geographie und Geologie
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 16/17 A, 17489 Greifswald
Telefon +49 3834 420 4502 
geo.direktoruni-greifswaldde

 

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