Das Stipendium ermöglicht ihr, ihre Forschung für zwei Jahre unter sicheren Bedingungen fortzusetzen. Für Olena Kotykova bedeutet die Förderung jedoch weit mehr als finanzielle Unterstützung: Sie schenkt ihr und ihrer Familie Stabilität und die Möglichkeit, sich wieder ganz ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu widmen. „Dank der Ressourcen der Universität Greifswald und des Vertrauens der Alexander von Humboldt-Stiftung kann ich das Thema meines Lebens – die nachhaltige Entwicklung und Resilienz im Agrarsektor – auf internationalem Niveau weiter vorantreiben“, berichtet Kotykova. Mit ihrem Projekt untersucht sie, wie zirkuläre Ernährungssysteme die Entwicklung ländlicher Räume fördern und den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft unterstützen können.
Wie der Weg nach Greifswald führte
Von 2011 bis 2023 leitete Olena Kotykova den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Mykolayiv National Agrarian University in der Ukraine. Mit Beginn des russischen Angriffskrieges wurde jedoch schnell klar, dass sie ihre Arbeit dort unter den gegebenen Bedingungen nicht fortsetzen konnte.
Eine wichtige Begleiterin auf diesem Weg nach Greifswald war ihre Mentorin Dr. Hasmik Hunanyan, Leiterin des International Offices der Universität Greifswald. Über das Netzwerk „University of New Europe“ unterstützte sie Kotykova bei der Suche nach einer Forschungsmöglichkeit in Deutschland, machte sie auf das Philipp-Schwartz-Stipendium aufmerksam und begleitete sie durch den Bewerbungsprozess.
Nach Greifswald kam Prof. Kotykova nicht zum ersten Mal. Bereits 2023 war sie Stipendiatin der Stiftung Alfried Krupp Kolleg Greifswald, 2024 unterrichtete sie als Gastdozentin bei der Sommerschule „Greifswalder Ukrainicum“. In dieser Zeit lernte sie nicht nur die Universität, sondern auch die Stadt näher kennen. „Ich habe mich in die Stadt und die akademische Atmosphäre verliebt“, meint sie. „Die Universität Greifswald war für mich also kein unbekannter Ort, sondern eine bewusste Herzensentscheidung.“ Die Universität fühle sich vertraut an – ähnlich wie die Mykolayiv National Agrarian University, an der sie viele Jahre gelehrt und geforscht hat.
Greifswald als neuer Heimathafen
Auch wenn die ukrainische Wissenschaftlerin ihre Heimat unter anderen Umständen wahrscheinlich nie verlassen hätte, hat diese Veränderung ihren Blick auf Herausforderungen verändert. Sie habe gelernt, keine Angst vor Veränderungen und schwierigen Situationen zu haben und ihnen stattdessen mit Mut zu begegnen. Diese Erfahrung möchte sie auch an die Studierenden weitergeben. Gerade in Krisenzeiten entstehe häufig großes Potenzial für Innovationen.
„Wissenschaft ist nicht nur graue Theorie, sondern das stärkste Werkzeug, das wir haben, um die Welt krisenfester, friedlicher und nachhaltiger zu gestalten.“ Deshalb ermutigt sie Studierende, ihre Zeit an der Universität zu nutzen, kritisch zu denken und mutige Fragen zu stellen.
In Greifswald hat Prof. Dr. Olena Kotykova mittlerweile eine neue Heimat gefunden. Sie sei traurig, dass das Stipendium nur zwei Jahre gehe: „Am Anfang wollte ich nur ein, zwei Jahre bleiben, aber jetzt kenne ich das Land besser, jetzt verstehe ich die Regeln. Ich verstehe das Bildungssystem und es passt zu mir und zu meinen Vorstellungen. Ich möchte gerne bleiben, ich bin glücklich hier.“
Weitere Informationen
Die Philipp-Schwartz-Initiative wurde 2015 vom Auswärtigen Amt und der Alexander von Humboldt-Stiftung ins Leben gerufen. Das Programm ermöglicht es gefährdeten Wissenschaftler*innen, ihre Forschung an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen fortzusetzen, indem es teilnehmenden Institutionen die nötigen Fördermittel zur Verfügung stellt. Forschende können ein Stipendium mit einer Laufzeit von bis zu 24 Monaten erhalten, das um bis zu zwölf Monate verlängert werden kann.
Ansprechpartnerin an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Olena Kotykova
Lehrstuhl für Allgemeine Volkswirtschaftslehre sowie Wachstum, Strukturwandel und Handel
Friedrich-Loeffler-Straße 70, 17489 Greifswald
Telefon +49 3834 420 2401
olena.kotykovauni-greifswaldde
