Rubenowplatz mit Rubenowdenkmal

Im Jahr 1856 wurde das Rubenowdenkmal errichtet; seither ist der Platz unter dem Namen Rubenowplatz bekannt. Im Gegensatz zum Denkmal befindet sich der Platz im Besitz der Stadt. Aussehen und Funktion des Platzes änderten sich in den Jahrhunderten seines Bestehens. 

Im frühen Mittelalter war er noch ganz oder teilweise mit Fachwerk- und Steinhäusern bebaut. In den folgenden Jahren kam es durch Verfall, Verwüstung und kriegerische Einwirkungen dazu, dass der Platz seine Bauten verlor. Um 1800 begann die Umgestaltung des Platzes – dazu gehörte auch, dass die Linden gepflanzt wurden, die noch heute den Rubenowplatz schmücken. Von da an wurde der Platz als Kollegienplatz, insbesondere als Bühne für Kleinkunstdarstellungen, genutzt, was die Stadt jedoch aufgrund von Beschwerden seitens der Professoren untersagte.

Ab 1821 wurde die Fläche als Exerzierplatz genutzt. Auf Greifswalder Stadtkarten von 1842 ist der Platz als diagonales Wegekreuz eingezeichnet und hatte seitdem keine besondere Funktion mehr inne. 2004 erteilte die Stadt Greifswald dem Landschaftsarchitekturbüro Lohrer aus Magdeburg den Auftrag, den Platz umzugestalten. Die neue Gestaltung des Platzes zeigt die enge Verbindung von Universität und Stadt. Die Bäume wurden so gepflanzt, dass der Platz sich zum Hauptgebäude der Universität hin öffnet. Zusätzlich wurde ein Wasserbecken angelegt, in dem sich die Universität spiegelt. In der Nacht wird nun das Hauptgebäude der Universität durch Bodenscheinwerfer angestrahlt. 

Das Rubenowdenkmal

Das Rubenowdenkmal ist das Herzstück des Rubenowplatzes und stellt bedeutsame Vertreter aus der Universitätsgeschichte Greifswalds dar. Es befindet sich im Besitz der Universität. Mit einer Höhe von 12,10 Meter ist es das größte freistehende Zinkgussdenkmal Deutschlands. Es besteht aus galvanisch verkupfertem Zink und steht auf einem dunkelrot polierten Granitsockel. Der neogotische Stil erinnert an Kirchturmspitzen aus seiner Zeit, was sich an den Türmen der nahegelegenen Kirchen St. Jakobi und St. Nicolai erkennen lässt. Auf der Rückseite des Denkmals befindet sich eine lateinische Inschrift:

„Unter der Regierung des erhabenen Königs Friedrich Wilhelms IV. weihte die Universität Greifswald bei der Feier ihres 400-jährigen Bestehens am 17. Okt. 1865 dieses Denkmal dem frommen Gedenken an die Fürsten und Könige, durch deren klugen Rat, Freigebigkeit und weise Regierung sie gegründet, erhalten und erweitert, und an die ausgezeichneten Männer durch deren Gelehrsamkeit, Fleiß und wissenschaftliche Verdienste sie geziert und gerühmt wurde.“

Bereits 1852 beschloss das Konzil ein Denkmal anlässlich der bevorstehenden 400-jährigen Gründungsfeier der Universität zu errichten. In den Jahren 1853/54 entwarf Friedrich August Stülers, der als „Architekt des Königs“ galt (1800–1865), das Denkmal. Die Universität wünschte sich ursprünglich ein gegossenes Standbild ihres ersten Rektors Heinrich Rubenow (1400–1462). König Friedrich Wilhelm IV. verwehrte diesem Vorschlag jedoch seine Zustimmung, sodass der Namensträger des Denkmals heute lediglich im Medaillon zu finden ist. 1854 fertigen die Architekten Wilhelm Bügen und Gustav Siering das Denkmal in Berlin. Für die Ausführung wurde schließlich den Berliner Kunstgießer Moritz Geiß beauftragt. Pünktlich zur Gründungsfeier, am 17. Oktober 1856, konnte das Rubenowdenkmal nach dem Festgottesdienst im Dom St. Nicolai im Beisein König Wilhelms IV. eingeweiht werden. 

Die Figuren des Denkmals

Das Denkmal besteht aus stehenden und sitzenden Personen, die die Geschichte der Universität repräsentieren. Heinrich Rubenow (1400–1462), nach dem das Denkmal benannt worden ist, befindet sich auf dem Medaillon und schaut von dort aus auf die Universität. Geboren um das Jahr 1400 in Greifwald, studierte er an den Universitäten in Erfurt und Rostock. Später setzte er sich in seiner Funktion als Bürgermeister der Stadt Greifswald für die Gründung der Universität Greifswald ein. Das Stiftungsvermögen für die Universität stammt zum Teil aus dem Privatvermögen Rubenows. Nach Zustimmung des Landesherrn Wartislaw IX., des Kaisers Friedrich III. und des Papstes Calixtus III. konnte die Universität gegründet werden. Rubenow bekleidete das Amt des ersten Rektors der Universität Greifswald und war zugleich Dekan der Juristischen Fakultät. 

Die vier stehenden Figuren stellen allesamt Adlige dar: 

  • Herzog Wartislaw IX. (ca. 1400–1457) von Pommern-Greifswald, der die Gründung der Universität in seinem Teilherzogtum ermöglichte, befindet sich an der Südseite des Denkmals.
     
  • Herzog Bogislaw XIV. (1580–1637) von Pommern wendet sich zur Ostseite. Er schenkte der Universität rund 14.500 Hektar Land und machte sie damit zur größten Grundbesitzerin aller deutschen Universitäten.
     
  • König Friedrich I. von Schweden (1676–1751) gab seine ideelle Unterstützung zum Mayer-Bau.
     
  • König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770–1840) und seine Errungenschaft ist auf der Westseite dargestellt. Die Gesetzesrolle in seiner Hand symbolisiert den geschlossenen Vertrag mit Schweden zur Weiterführung des universitären Betriebes.
Heinrich Rubenow
Heinrich Rubenow auf dem Medaillon des Denkmals

Die vier sitzenden Figuren stellen die Vertreter der vier Gründungsfakultäten vor (damals gehörten die mathematisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen noch zur Philosophischen Fakultät). 

Johannes Bugenhagen (1485–1558) in der Südostecke des Denkmals repräsentiert die Theologische Fakultät und gehörte neben Martin Luther und Philipp Melanchthon zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Reformation. Ein weiterer Verdienst Bugenhagens ist die Übersetzung der Bibel ins Plattdeutsche.

David Mevius (1609–1670) verkörpert die Juristische Fakultät, welcher im Auftrag der schwedischen Königin Christina an Verhandlungen des Westfälischen Friedens beteiligt war.

In der Nordwestecke ist für die Medizinische Fakultät Friedrich August Berndt (1793–1854) zu finden, der den klinischen Unterricht in das Medizinstudium integrierte. Er leitete den Bau der Universitätsklinik, gründete die erste Hebammenschule in Greifswald und führte als Erster einen erfolgreichen Kaiserschnitt in Greifswald durch.

Ernst Moritz Arndt (1769–1860) steht in der Südwestecke für die Philosophische Fakultät. Er galt als Vertreter progressiver Gedanken im Hinblick auf Pressefreiheit und Abschaffung der Leibeigenschaft. Auf der anderen Seite unterstützte er Rassenhass, insbesondere gegen Juden und Franzosen, und veröffentlichte antisemitische und rassistische Schriften, woraufhin ihm von 1819–1840 untersagt wurde, an der Universität Bonn zu lehren.

Pflege des Denkmals

Im Laufe der Zeit mussten aufgrund von Stürmen, schlechter Witterung sowie Vandalismus einige Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Die letzte umfangreiche Sanierung erfolgte im Sommer 2005 und wurde von der Firma Haber & Brandtner aus Berlin durchgeführt. Ziel war es, die originale Oberfläche zu reinigen und zu konservieren – gleichzeitig aber die noch vorhandene bräunliche Patina zu erhalten und dementsprechend Korrosionsschäden, Lochfraß, Risse, Fehlstellen sowie Staub- und Schmutzablagerungen möglichst schonend zu entfernen. Die Sanierungskosten in Höhe von 280.000 Euro wurden von der Universität, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sowie privaten Spenden getragen. Im März 2006 – dem 550. Jubiläumsjahr der Universität – stand das Rubenowdenkmal wieder an seinem Platz vor dem Hauptgebäude der Universität. Lediglich die Figur von Professor Berndt kehrte erst im Juli 2008 nach Greifswald zurück. Aufgrund der speziellen Zinkgusslegierung wurde die Figur vom Institut für Silikatforschung untersucht.