Der Lehrberuf ist mit vielfältigen Anforderungen und Belastungen verbunden. Zugleich wird in Diskussionen um Lehrerbildung häufig betont, dass professionelle Entwicklung vor allem durch umfangreiche Praxiserfahrungen gefördert werden könne. Die Vorlesung greift diese Debatte auf und stellt eine alternative Perspektive vor: Professionelle Handlungsfähigkeit im Lehrberuf entsteht nicht primär durch die Akkumulation von Erfahrungen oder Ressourcen, sondern durch die reflexive Erschließung und Reorganisation verfügbarer Ressourcen unter Belastungsbedingungen.
Ausgangspunkt bildet eine begriffliche Klärung des in der Lehrerbildungsforschung häufig verwendeten, aber selten präzise definierten Reflexionsbegriffs. Aufbauend auf einer eigenen Definition wird Reflexion im pädagogischen Kontext als anlassbezogener mentaler Prozess verstanden, der unter explizitem Selbstbezug auf ein vertieftes Verständnis pädagogischer Praxis abzielt. Vor diesem Hintergrund diskutiert die Vorlesung Reflexion als zentrale professionelle Ressource und als Mechanismus, durch den weitere Ressourcen erschlossen und weiterentwickelt werden können.
Anhand ausgewählter empirischer Arbeiten wird gezeigt, wie reflexive Prozesse zur Stabilisierung professioneller Handlungsfähigkeit beitragen können und weshalb Praxis- oder Erfahrungsgelegenheiten allein nicht zwangsläufig zu Professionalisierungsprozessen führen. Abschließend wird mit dem Konzept des „Need to reflect“ eine neue Perspektive vorgestellt, die danach fragt, warum identische Reflexionsanlässe bei Lehrkräften und Lehramtsstudierenden unterschiedlich starke reflexive Prozesse auslösen und welche Bedeutung diese Unterschiede für zukünftige Forschung und Lehrerbildung haben.
Die Antrittsvorlesungen an der Universität Greifswald gehören zur akademischen Tradition. Sie bieten neuberufenen Professorinnen und Professoren Gelegenheit, sich und ihre Forschungsinteressen vorzustellen.
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