Vor 120 Jahren: Erste Promotion einer Frau an der UG
Vor 120 Jahren, am 21.04.1906, erhielt die erste Frau an der Universität Greifswald ihre Promotionsurkunde. Gertrud Roegner, geboren am 16.06.1873 in Liegnitz (heute Legnica), studierte ab 1901 in Halle, Göttngen, Breslau und zuletzt bis 1905 in Greifswald Medizin. In engen finanziellen Verhältnissen geboren, musste sich Gertrud Roegner das Studium mühsam erkämpfen und arbeitete dafür zehn Jahre als Turn- und Handarbeitslehrerin. Ihr Studium begann sie erst mit 28 Jahren. Mit der Auszeichnung „magna cum laude“ schloss sie 1906 ihre Dissertation mit dem Titel „Ein Enterokystom des Mesenteriums und Netzes“ am Institut für Pathologie unter Prof. Paul Grawitz ab.
Nach ihrer Promotion wirkte sie als Ärztin im psychiatrischen Bereich, zur Zeit des Ersten Weltkrieges auch in einem Verwundeten- und Seuchenlazarett. Später arbeitete sie als Badeärztin in einer Praxis in Landeck (heute Lądek-Zdrój). 1919 eröffnete sie in Schreiberhau (heute Szklarska Poręba) ein Sanatorium für „minderbemitelte Frauen gebildeter Stände“. Zum Zweck der Finanzierung gründete sie den Verein „Frauensanatorium“, der 1923 circa 1.500 Mitglieder*innen zählte. Dennoch litt das Sanatorium unter finanziellen Problemen, denn der Tagessatz für die Patientinnen entsprach nur einem Drittel anderer Sanatorien. Manche Frauen wurden auch kostenlos behandelt. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie 1922 das hochgelegene Sanatorium verlassen. In einem Notquartier im Tal starb Gertrud Roegner wenige Monate später am 07.03.1923.
Recherche und Text: Johanna Gücker
Quellen:
- Charité-Projekt: Ärztinnen im Kaiserreich
- Dissertationsakte Uniarchiv Greifswald, Signatur: I-612.
- Flügge, Karen; Schneikhart, Monika (Hrsg): Grypswaldia, du magst ruhig sein, denn die Studentin zieht jetzt ein. Die Anfänge des Frauentudiums in Greifswald 1873 – 1925. Eine Studie von Julia Pieper, Rotock 2007, S. 45.
- Reddemann, Hans: Berühmte und bemerkenswerte Mediziner aus und in Pommern, Schwerin 2003, S. 141f.

