Forschungskonsortium „Think rural!“

Seit 2011 arbeiten an der Universität Greifswald Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Disziplinen aller Fakultäten gemeinsam an der „Land-Thematik“, um sich über ihre Forschungsfragen und -ergebnisse auszutauschen und interdisziplinär zusammenzuwirken: Sie kommen aus der Medizin und der Psychologie, der Gesundheitsökonomie, der Volkswirtschaftslehre und der Kriminologie, der Politikwissenschaft, der Geographie und der Theologie. Alle Fachbereiche können bereits auf längerfristige Arbeiten zum Thema zurückgreifen.
Beispielsweise ist die Versorgung mit medizinischen Dienstleistungen in Vorpommern ein Schwerpunkt der Community Medicine, der Medizinpsychologie, der Gesundheitsökonomie und des Gesundheitsmanagements in Greifswald. Ein anderes Beispiel berührt die Bedeutung von Kirchengemeinden für das Leben in ländlichen Räumen, die am Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung schwerpunktmäßig erforscht wird. Die regionale Geographie wiederum befasst sich mit der administrativen Besonderheit ländlicher Räume. Die Kriminologie fokussiert ihr Forschungsinteresse auf die wachsende zivilgesellschaftliche Gefährdung durch Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, da ländliche Räume zunehmend als Rückzugsorte von Rechtsextremisten genutzt werden und damit zu Kristallisationspunkten für rechtsextreme Strukturen werden können. Politikwissenschaftlich wird die Politik zur Entwicklung des ländlichen Raums im europäischen Mehrebenensystem erforscht.
Die jeweiligen Forschergruppen haben bereits Lösungsvorschläge erarbeitet, wie zum Beispiel die Community Medicine Nurse, De Führn Dokter, Verkehrsinfrastrukturprojekte, Ausbildungskonzepte, Präventionsprogramme für den ländlichen Raum oder Projekte zur sozialen Dorfentwicklung. Im Konsortium werden sowohl gemeinsame Projekte der Grundlagenforschung zum ländlichen Raum als auch anwendungsorientierte Kooperationen geplant und durchgeführt.

Vorpommern Connect – Nachhaltige Stadt-Land-Wertschöpfungsketten bewerten und gestalten

Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald ist zusammen mit der Hansestadt Stralsund als Mittelzentrum in der Region Vorpommern bedeutend für die Bereitstellung von Infrastruktur, Arbeitsplätzen und kulturellem Angebot. Die städtische Bevölkerung formuliert Ansprüche an das Umland und den ländlichen Raum umgekehrt ebenfalls mit einer Versorgungsperspektive. Diese soll besonders Bedürfnisse des Erlebens und der Erholung, aber auch der direkten Versorgung mit Lebensmitteln decken. Damit in Zusammenhang stehen Wünsche nach einer nachhaltigen Landbewirtschaftung, die neben attraktiven regionalen Produkten auch die Landschaft in einem guten und gesunden Zustand bewahrt und entwickelt.

Mit dem Projekt Vorpommern Connect wollen die Verbundpartner an diesen Stellen ansetzen und den Austausch zwischen Stadt- und Landbevölkerung zu gegenseitigen Erwartungen und Ansprüchen befördern, um gegenseitiges Verständnis zu vermitteln. Es sollen aber auch ganz praktische Modellvorhaben entwickelt und umgesetzt werden, die Verarbeitung und Vermarktung regionaler Erzeugnisse fördern und damit die Wertschöpfung und die Lebensqualität in der Region steigern. Diese können sich auf Lebensmittel, aber auch auf die Energieversorgung aus Biomasse beziehen. Ergänzend sollen begleitende Bildungsangebote zur nachhaltigen Nutzung entwickelt werden, die ein lebenslanges Lernen für verschiedene Bevölkerungsgruppen verfolgen.

Weitere Informationen: www.vorpommern-connect.de 

 

ILSE – eine Leitstelle übernimmt die Koordination des Medizinverkehrs

Der Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (ABWL) und Gesundheitsmanagement arbeitet seit 2016 an dem BMVI Modellvorhaben ILSE. ILSE steht für „Integrierte Leitstelle für Notfallversorgung, Medizinverkehr und ÖPNV“ und wird derzeit im Landkreis Vorpommern-Greifwald getestet. An dem Projekt sind Vertreter verschiedener Disziplinen, wie beispielsweise aus der Nahverkehrsplanung und Kreisentwicklung, beteiligt. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch den Lehrstuhl für ABWL und Gesundheitsmanagement.

Das Ziel von ILSE ist die Kombination von bedarfsgerechten Verkehren, die Vermittlung von medizinisch veranlassten Kurierfahrten und den Betrieb einer Informationszentrale für gesundheitsbezogene Anlässe. Die Leitstelle nimmt hier eine zentrale Rolle ein und wird erweitert durch Koordinierungs- und Serviceleistungen für die Sicherstellung der Versorgung und Erreichbarkeit im ländlichen Raum. Das Angebot richtet sich speziell an alle Bevölkerungsgruppen ohne PKW-Zugriff, vor allem Familien, Jugendliche und Senioren. ILSE soll eine langfristige und finanzierbare Daseinsvorsorge - insbesondere im ländlichen Raum - sicherstellen.

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald wird aktuell der erste Baustein des ILSE Projekts umgesetzt: der ILSE-Bus. Dieser stellt einen flexiblen Rufbus ohne Fahrplanbindung dar. Mit Hilfe einer eigens angeschafften Dispositionssoftware werden Rufbusfahrten innerhalb der Region gebündelt. Als nächstes soll das Angebot um einen Tür-zu-Tür-Service erweitert werden, um die Mobilität der Bewohner weiter zu fördern und insbesondere die Erreichbarkeit von medizinischen Einrichtungen zu gewährleisten. Durch die Evaluation des Pilotbetriebes, durchgeführt durch den Lehrstuhl für ABWL und Gesundheitsmanagement, werden Verbesserungspotenziale der aktuellen Umsetzung ermittelt. Zudem ist es das Ziel, basierend auf den Ergebnissen der Evaluation, Handlungsstrategien zu entwickeln, um die Leistungen von ILSE auszubauen und auf andere Regionen zu erweitern.


Land|Rettung

Das durch den Innovationsfonds geförderte Verbundprojekt Land|Rettung widmet sich der Zielsetzung, die notfallmedizinische Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zukünftig neu auszurichten und zu sichern. Konsortialführer ist der Landkreis Vorpommern-Greifswald, welcher durch seine Projektpartner der Universität Greifswald, der Universitätsmedizin Greifswald und die Steinbeis-Hochschule Berlin unterstützt wird. Wichtige Elemente der neuen Versorgungsform sind der Telenotarzt und die Ausbildung von mobilen Ersthelfern.

Durch medizinische, arbeits- und organisationswissenschaftliche sowie ökonomische Evaluationen sollen diese Elemente auf ihr Verbesserungspotenzial für die notfallmedizinische Versorgung im ländlichen Raum hin untersucht werden. Die ökonomische Evaluation wird vom Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement der Universität in Greifswald unter der Leitung von Prof. Dr. Steffen Fleßa umgesetzt.

Das Konzept des durch den Innovationsfonds des GB-A geförderten Projektes beruht auf vier Säulen:

  • Stärkung der Wiederbelebungskompetenz der Bevölkerung (Laienreanimation)
  • Schnelle professionelle Ersthilfe durch smartphone-basierte Alarmierung geschulter Ersthelfer
  • Einführung des Telenotarztes zur Verkürzung des therapiefreien Intervalls
  • Verbesserung der Zusammenarbeit des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes und des Rettungsdienstes

Diese führen zu unterschiedlichen, ökonomisch relevanten Fragestellungen. Weitere Informationen können Sie der Homepage des Projekts Land|Rettung entnehmen.

Gesundheits-Versorgung im ländlichen Raum von Nord-Afghanistan

Steffen Fleßa (Lst. für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement) und Jörg Hartleib (Lst. für Kartographie und Geographische Informationssysteme) haben die Kreditanstalt für Wiederaufbau bei der Funktionsanalyse des Krankenhauses in Mazar-e-Sharif, Nord-Afghanistan, unterstützt. Schwerpunkt war die empirische und kartographische Einzugsbereichsanalyse. Es zeigte sich, dass die Erkenntnisse von „Think Rural“ weit über deutsche periphere Räume hinaus relevant sind.

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Lehramtsstudierende im ländlichen Raum

Sehen Lehramtsstudierende Perspektiven im ländlichen Raum? Wie können Lehramtsstudierende für den ländlichen Raum motiviert werden? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert eine landesweite Studie der Universität Greifswald.

In Mecklenburg-Vorpommern besteht derzeit ein deutlicher Mangel an Lehrkräften im schulischen Bereich. Dieser Mangel besteht insbesondere in peripheren ländlichen Kreisen wie Vorpommern-Greifswald sowie Mecklenburgische Seenplatte und wird sich in den nächsten Jahren verschärfen. Hierbei stellt sich die Frage, durch welche Maßnahmen der Lehrer*innenbedarf gesichert werden kann?

Mit  einer  Befragung  aller  Lehramtsstudierenden  in  M-V  sollte  exploriert  werden,  welche  Erfahrungen  diese  Studierenden  in  M-V  bereits  mit  dem  ländlichen  Raum  gemacht  haben,  welche  Potenziale  und  Hoffnungen,  aber  auch  Barrieren  und  Sorgen  sie  mit  dem  ländlichen  Raum  verbinden,  welche  Präferenzen  sie  für  ländliche  Regionen  aufweisen  und  durch  welche  Maßnahmen  sie  dazu  motiviert  werden  können,  sich   im   ländlichen   Raum   M-Vs   für   Referendariat   und   anschließende   Beschäftigung   niederzulassen. An der Universität Greifswald wurde von der Integrierten Qualitätssicherung ein Fragebogen entwickelt, mit dem Neuland betreten wurde. In Zusammenarbeit mit dem landesweiten Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung wurde die Studie durchgeführt. Rund 1700 Lehramtsstudierende aller Hochschulen M-Vs (Universität Greifswald, Universität Rostock, Hochschule für Musik und Theater Rostock und die Hochschule Neubrandenburg) haben an der Umfrage teilgenommen.

Zentrale Ergebnisse der Studie zeigen auf, dass vor allem gesteigerte Lebensqualität und das Eingehen auf die Tätigkeitswünsche das Lehren im ländlichen Raum attraktiver machen. Außerdem betrachten die Lehramtsstudierenden Übernahmegarantien und Vorverträge von Seiten der Schulen als geeignete Maßnahme. Dies sollte als Chance begriffen werden, da 60% aller Befragten ihre Lehrtätigkeit in M-V aufnehmen würden. Dabei bevorzugen Lehramtsstudierende aus Rostock und Greifswald ländliche Regionen in der Nähe ihres Hochschulstandortes.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bereitschaft für die Lehrtätigkeit im ländlichen Raum vor allem von zahlreichen und positiven Erfahrungen im ländlichen Raum abhängt. Deshalb sollte den Lehramtsstudierenden der ländliche Raum bereits im Studium durch geeignete Projekte und Veranstaltungen näher gebracht werden.

Für einen tiefergehenden Einblick in die Lehramtsstudie steht der Ergebnisbericht zur Verfügung.