Croy-Teppich ©Grzegorz-Solecki

Der Croy-Teppich

Die Tradition der Croy-Feier

Wenn man einer Universität kostbare Dinge oder Sammlungen vermacht, tut man das, weil man sich Kontinuität und sorgsamen Umgang mit dem Erbe verspricht.
Alle zehn Jahre feiert die Universität Greifswald das Croy-Fest. Das ist eigentlich eine Trauerfeier für die letzte Prinzessin aus dem pommerschen Herzogshaus. Über Jahrhunderte war das Fest die einzige Gelegenheit, den kostbaren Croy-Teppich sehen zu können.

Der Croy-Teppich der Universität Greifswald

Der Croy-Teppich ist wohl einer der wertvollsten Schätze der Universität Greifswald. Nicht nur sein künstlerischer, sondern vor allem sein kultureller Wert für die Vorpommern ist von unermesslicher Bedeutung. Die Tapisserie stellt heute die künstlerisch bedeutsamste Hinterlassenschaft aus dem pommerschen Herzogshaus dar.

Am 3. Juni 1681 versprach Herzog Ernst Bogislaw von Croy (1620–1684) der Universität nach seinem Ableben neben einem großen Bildteppich auch den Siegelring des Herzogs Bogislaw des XIV. von Pommern (um 1620) sowie eine goldene Kette. Mit dieser willkommenen Erbschaft kam der Universität Greifswald jedoch auch eine verpflichtende Verantwortung zu. Für seine verstorbene Mutter Anna von Croy, der geborenen Herzogin von Pommern, verpflichtete er die Hochschule zu einem zehnjährlich wiederkehrenden Gedenkfest. Dabei sollte der kostbare Croy-Teppich während einer akademischen Feier im größten Auditorium aufgehängt werden.

Wie die Feier 1820 begangen wurde, berichtet Karl Schildener in der Greifswaldischen academischen Zeitschrift 1822 (Seiten 120–138). 
Der Croy-Teppich der Universität Greifswald zählt seit 2014 zu den national bedeutsamen Kulturgütern der Bundesrepublik Deutschland sowie des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Angela Merkel vor dem Croy-Teppich ©Hans-Werner Hausmann
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Besichtigung des Croy-Teppichs im Pommerschen Landesmuseum, 2014 ©Hans-Werner Hausmann

Tradition prägt, Tradition lebt!

An der Tradition der zehnjährlichen Gedenkfeiern halten die Universität und das Pommersche Landesmuseum trotz der Widrigkeiten aufgrund von Corona gemeinsam fest. Es ist eine gern wahrgenommene Verpflichtung der jahrhundertealten Traditionen nachzugehen. Obwohl die Croy-Feier im vergangenen Jahr ausfallen musste, wird mit einem besonderen Festprogramm der pommerschen Herzogsfamilie die Ehre erwiesen.
Ein Grußwort der Rektorin, Prof. Dr. Katharina Riedel.

Der Text der Videobotschaft zum Croy-Tag 2021 im Pommerschen Landesmuseum Greifswald

Der Text der Videobotschaft zum Croy-Tag 2021 im Pommerschen Landesmuseum Greifswald

Grußwort Croy-Feier 2021

Liebe Besucher*innen des Pommerschen Landesmuseums, liebe Kolleg*innen, meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist schon eine recht merkwürdige Situation, ein Grußwort für eine unserer wichtigsten akademischen Feiern an Sie zu richten, die pandemiebedingt auch in diesem Jahr nicht stattfinden kann. Eigentlich hätte die Universität Greifswald gemäß eines historisch festgelegten 10-Jahres-Turnus am 7. Juli des vergangenen Jahres die 31. Gedenkfeier für Anna von Croy, der letzten Prinzessin aus dem Haus der Pommernherzöge, ausrichten müssen. Das klingt im 21. Jahrhundert zugegebenermaßen etwas fremdartig.

Diese Tradition geht auf ein Vermächtnis von Ernst Bogislaw von Croy, des Sohnes der Prinzessin, zurück. Im Zuge einer Nachlassregelung seiner im Aussterben befindlichen pommerschen Herrscherfamilie stiftete er vor über 340 Jahren der damaligen pommerschen Landesuniversität in Greifswald neben anderen Stücken auch den sogenannten Croy-Teppich, ein bildliches Bekenntnis Pommerns zur Reformation aus der Lutherzeit. Dargestellt sind darauf neben dem predigenden Martin Luther selbst, Vertreter*innen der protestantischen Fürstenhäuser von Sachsen und Pommern und für uns besonders interessant: der bedeutende Alumnus unserer Hochschule, der Reformator Norddeutschlands Johannes Bugenhagen. Für die Universität war die Gabe mit der Auflage verbunden, alle zehn Jahre eine akademische Trauerfeier für die 1660 verstorbene Mutter Ernst Bogislaws abzuhalten. Zu diesen Anlässen sollte der monumentale Bildteppich im großen Hörsaal aufgehängt werden.

Schon vor 200 Jahren begannen Historiker in Greifswald mit der Erforschung und Reflexion des Erbes der Pommernherzöge und des damit verbundenen Rituals. Damit wurden die Festreden zu den Croy-Feiern zu Essenzen des Forschungsstands, aber auch Auseinandersetzungen mit Fragen der Selbstverortung. Die traditionelle Feier mit Musik und Festbeiträgen, die letztes Jahr auf den 7. Juli 2021 verschoben wurde, kann nun leider pandemiebedingt auch heuer nicht im geplanten Rahmen stattfinden.

Zur Croy-Feier im Jahr 2000 wurde der Teppich das letzte Mal in der Aula der Universität gezeigt. Tausende Besucher standen geduldig an, um den Teppich dort zu sehen, bevor er wieder verpackt und sicher verwahrt wurde. Seit 2005 ist der Croy-Teppich nun jedoch in der Dauerausstellung des Pommerschen Landesmuseums der Öffentlichkeit ganzjährig zugänglich. Er ist hier eines der zentralen Ausstellungsstücke, würdevoll präsentiert und konservatorisch in fachlich guten Händen.

Ich wünsche mir als Rektorin der Universität Greifswald gerade in einer Zeit, in der wir über Digitalisierung und Internationalisierung sprechen, dass möglichst viele Menschen diese wertvolle Tapisserie in Greifswald besuchen. Der Croy-Teppich symbolisiert die jahrhundertelange Verbundenheit der Universität mit der Stadt Greifswald und der Region; eine Verbundenheit, deren Wurzeln bereits zurückreichen bis zum erfolgreichen Engagement des Greifswalder Bürgermeisters Heinrich Rubenow zur Gründung unserer Universität. Er hat den Grundstein für das Wohlwollen der Landesherzöge gelegt, die mit Schenkungen später das Gedeihen der Landesuniversität förderten.

Auch Herzog Ernst Bogislaw hatte vorgesorgt und einst Geld hinterlegt, das zur Finanzierung der Festveranstaltungen zu Ehren seine Mutter dienen sollte. Diese Mittel sind längst in den Umbrüchen der Geschichte zerronnen. Das sollte aber unsere Universität nach den politischen Umbrüchen zu Beginn der 1990er Jahre nicht daran hindern, sich an die alte Verpflichtung zu erinnern und die Tradition wieder aufzunehmen. Sehr bewusst geschah das nicht aus rückwärtsgewandter Geschichtsverklärung, gar Fürstenverehrung oder dem Wunsch nach einer Art universitärer Folklore. Vielmehr wurde die Wiederbelebung der Croy-Feiern als ein Zeichen verstanden, dass der Universität 1680 eine ganz besondere Sorgfalt und Beständigkeit bei der Bewahrung eines Erbes attestiert wurde.

Ich wünsche Ihnen allen, die am heutigen Gedenktag den Weg ins Pommersche Landesmuseum oder zu den digitalen Angeboten im Internet finden, Genuss und Freude an den prächtigen Hinterlassenschaften aus unserer Landes- und Hochschulgeschichte und der Auseinandersetzung mit den historischen Wurzeln unserer Universität.


Der digitale 360°-Rundgang

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Vollbildversion des 360°-Rundgangs

Die digitale Ausstellung

Im Rahmen des Seminars „Digitale Ausstellungen“ setzten sich Studierende des Caspar-David-Friedrich-Instituts unter der Leitung von Jo Zynda mit digitalen Ausstellungsformaten auseinander und erstellten für das Croy-Fest diesen 360°-Rundgang. "Das Medium der Ausstellung ist für die Kunst seit jeher ein wichtiges Thema, welches unter heutigen Pandemie-Bedingungen vor neue Herausforderungen gestellt wird und Alternativen notwendig macht. Insofern freut es uns sehr, dass wir uns mit diesem digitalen „Experiment“ aus dem Bereich der Neuen Medien einbringen zu konnten", so Jo Zynda.


Der Croy-Teppich wird lebendig

Die siebenjährige Liv bewundert im Pommerschen Landesmuseum die goldglänzenden Rektor-Insignien. Plötzlich spricht Ernst Bogislaw von Croy sie aus seinem Bilderrahmen heraus an.
Auf dem nach ihm benannten Teppich erwachen die Figuren zum Leben und nehmen Liv mit auf eine Zeitreise.

Der Film wurde vom Pommerschen Landesmuseum produziert. Vielen Dank an alle Mitwirkenden und die Produzenten Béla Keuchauf und Robert Schubert.


Die monumentale Stettiner Kopie des Croy-Teppichs

August Grimmer fertigte 1893/94 in Berlin eine zweite gemalte Kopie des Croy-Teppichs an (Tempera auf Gobelinleinwand, Maße: H 454 cm, B 686 cm). Initiiert wurde dies von der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde und stand im Zusammenhang mit der Restaurierung der Tapisserie, die im Königlichen Kunstgewerbemuseum Berlin in den Jahren 1891 bis 1895 durchgeführt wurde. Die Kopie konnte die ursprünglichen Farben des Teppichs wiedergeben, da sie während der Restaurierung auf der Rückseite festgestellt wurden und im Gegensatz zur Vorderseite noch nicht verblichen waren. Als Teil der Sammlung der Gesellschaft wurde das Bild nach der Fertigstellung in Stettin, bis 1913 im Schloss der pommerschen Herzöge – dem Herstellungsort des Originals, später im Stadtmuseum auf der Hakenterrasse (Wały Chrobrego 3) ausgestellt. Ab 1928, nach der Eröffnung des Provinzialmuseums für Pommersche Altertümer zu Stettin in der Luisenstraße 27, fand das Werk dort seinen Platz. Mit kriegsbedingter Unterbrechung wird es am selben Ort gezeigt, in der heutigen ul. Staromłyńska 27, jetzt in der Dauerausstellung „Das goldene Zeitalter Pommerns“ im Nationalmuseum Stettin (Muzeum Narodowe w Szczecinie).

Die erste bekannte Kopie des Croy-Teppichs ist hingegen stark verkleinert. Das Aquarell Gustav von der Lanckens aus dem Jahr 1820 befindet sich im Besitz der Universität Greifswald und wird am 7. Juli im Pommerschen Landesmuseum vorgestellt.


Croy-Fest 1992 ©Archiv der Universität Greifswald
Croy-Fest 2002 ©Archiv der Universität Greifswald
Croy-Fest 2010 ©Jan Meßerschmidt
Croy-Fest 2010 ©Jan-Messerschmidt, 2010
Croy-Fest 2010 ©Jan-Messerschmidt, 2010
Croy-Fest 2010 ©Jan-Messerschmidt, 2010
Angela Merkel im Landesmuseum Greifswald 2014 ©Archiv der Universität Greifswald

Vergangenheit der Croy-Feier

Mit kleinen terminlichen Abweichungen kam die Universität der Tradition und Verpflichtung immer nach. Ausnahmen waren lediglich Kriegsjahre und die Zeit der DDR, in der die Kultur der vergangenen Adelsherrschaft getilgt werden sollte. Als sich nach der politischen Wende die Universität sehr bewusst entschied, die alten akademischen Traditionen wiederaufleben zu lassen, war im Jahr 1993, dem ersten Croy-Fest seit 1930, die öffentliche Präsentation des Croy-Teppichs eine Sensation. Tausende Personen bildeten Schlangen, um das nie gesehene, legendäre Kunstwerk betrachten zu können.

Die Croy-Cantate

Am 17. Oktober 2006 wurde während eines Konzertabends am Gründungstag der Universität Greifswald im Dom St. Nikolai die vom damaligen Kirchenmusikdirektor Prof. Jochen A. Modeß komponierte und dirigierte „Croy-Kantate“ welturaufgeführt. Sie entstand zum 550. Unijubiläum der Universität 2006. Die Croy-Cantate ist als Raummusik konzipiert, Solisten und Teilensembles sind auf verschiedene Standorte im Dom verteilt und deuten so die imaginäre Projektion des Teppichs in den Dom an.
© 2014 3N-MEDIA

Die Investitur

Die Tradition einer feierlichen Investitur an unserer Universität reicht bis zum 16. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1545 wurde erstmals dieser offizielle Akt der Rektoratsübergabe in den Statuten der Universität Greifswald dokumentiert. Aus einem schlichten Akt der Machtübergabe entwickelte sich im Laufe der Zeit ein traditioneller Ritus mit einem feststehenden Spiel aus Reden und zeremoniellen Übergaben von Siegeln der Macht. Als Symbole der Macht dienten dabei die vier Szepter, die Rektorkette, der Rektorring und die wohl bekannteste Insignie: der Rektormantel. 


Schloss Stolp ©Mittelpommerschen Museum Stolp

Prinzessin Anna von Croy auf ihrem Lebensweg

Anna von Croy kam im Jahr 1590 in Barth zur Welt. Im Alter von 70 Jahren verstarb sie in Stolp (Słupsk). Hier erinnert man sich auch heute an die letzte pommersche Prinzessin. In der Schlosskirche können die kunstvollen Epitaphe besichtigt werden. Außerdem zeigt das Mittelpommersche Museum Stolp die historischen Zinnsarkophage.
Für das Croy-Fest wurde eine 360°-Ansicht des Mittelpommerschen Museums in Stolp angefertigt.
Hinweis: Sie verlassen mit dem Klick auf den Link zur 360°-Ansicht und zum Museum Stolp die Internetseiten der Universität Greifswald. Das Portal "Bałtycka Biblioteka Cyfrowa", auf dem der 360°-Rundgang verfügbar ist, ist leider nicht über https zugänglich.


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