Stolpersteine erinnern an Greifswalder Gelehrte

Stolpersteine erinnern an Greifswalder Gelehrte

Stolperstein für Dr. Rudolf Kaufmann

Auf Initiative der Evangelischen Studentengemeinde wurden am 10. Juli 2008 die ersten Stolpersteine in der Greifswalder Innenstadt verlegt. Sie erinnerten an elf jüdische Mitbürger, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden.

Vor dem Historischen Institut und dem Pharmakologischen Institut wurden von dem Künstler Gunter Demnig Stolpersteine ins Pflaster eingelassen. Zwei kleine Gedenktafeln aus Messing erinnern an Dr. Gerhard Knoche und Dr. Rudolf Kaufmann. 

Dr. Gerhard Knoche (1893–1944) hatte in Greifswald eine Dissertation zum Thema „Die Juden unter den Karolingern“ verfasst. Am 28. September 1944 wurde er vom Konzentrationslager Theresienstadt nach Auschwitz gebracht. Dort verliert sich seine Spur.

Dr. Rudolf Kaufmann (19091942) war Geologe und wurde zunächst wegen Rassenschande verurteilt. Er entkam später den Nationalsozialisten. 1942 wurde er von deutschen Soldaten in Litauen erschossen.

Im Jahr 2012, in der Nacht vom 8. zum 9. November, wurden diese elf Stolpersteine von Unbekannten herausgerissen. Am Tag des Grundgesetzes, am 23. Mai 2013, wurden sie zusammen mit zwei weiteren Stolpersteinen neu verlegt.

Am 22. Oktober 2014 wurden weitere 14 Stolpersteine von dem Künstler Gunter Demnig in Greifswald verlegt. Erstmals wird dabei auch an ein nichtjüdisches Opfer des Nationalsozialismus erinnert.

Bitte beachten Sie: Sobald Sie sich das Video ansehen, werden Informationen darüber an Youtube/Google übermittelt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Google Privacy.

Im Gespräch mit Prof. Dr. Cordelia Heß vom Lehrstuhl für Nordische Geschichte am Historischen Institut und Kaj Schueler, schwedischer Journalist. In seinem Buch "Flucht aus Berlin" arbeitet er seine Familiengeschichte auf.

Die Initiatoren

Drei junge Leute, Mitglieder der Evangelischen Studentengemeinde, hatten die Idee auch in Greifswald mit Stolpersteinen an jüdische Mitbürger zu erinnern. Die Universität, der Arbeitskreis Kirche und Judentum der Pommerschen Evangelischen Kirche sowie die Hansestadt Greifswald engagierten sich ebenfalls für das Projekt. Unter anderem beteiligte sich die Universität auch finanziell.

Mehr als 50 Universitätsmitarbeiter, Studenten und Greifswalder kamen zur Verlegung des Stolpersteins für Dr. Gerhard Knoche vor dem Historischen Institut. Sein Name steht auf einer Liste mit den Namen von Gelehrten, denen nach 1933 ihre akademischen Titel aberkannt wurden, weil sie Juden waren.

Die Universität hat diese 80 Wissenschaftler bereits im Jahr 2000 rehabilitiert. Diese Liste befindet sich im Universitätsarchiv.

Der Künstler

Stolpersteine ist ein internationales Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Nach seinen Angaben gibt es in Deutschland jetzt 15.500 Stolpersteine in 345 Kommunen.

Evangelischen Studentengemeinde
Martin-Luther-Straße 8
17489 Greifswald
Telefon +49 3834 8766305
stolpersteine.hgwgmxde