Buch des Monats

Juni 2024 - Buch des Monats: Unlearn Patriarchy - Kenza Ait Si Abbou

Juni 2024 - Buch des Monats: Unlearn Patriarchy - Kenza Ait Si Abbou

Unlearn Patriarchy - Lisa Jaspers, Naomi Ryland, Silvie Horch (Hrsg.)

Unlearn Patriarchy ist ein inspirierendes Buch, das eine klare und fundierte Analyse der strukturellen Ungleichheiten liefert. In diesem Sachbuch setzen sich bekannte Feminist*innen wie beispielsweise Kübra Gümüşay, Teresa Bücker, Emilia Roig und Madeleine Alizadeh in 15 Essays mit tief verwurzelten patriarchalen Denkmustern auseinander. Die Autor*innen der Anthologie Unlearn Patriarchy teilen ihre persönlichen Erfahrungen. Sie demonstrieren, wie patriarchale Strukturen in allen Bereichen der Gesellschaft – von Sprache und Liebe über Arbeit bis hin zu Politik, Bildung und Identität – durchbrochen werden können und somit ein besseres Leben für alle erreichbar wird. Das Buch zeichnet sich durch die Vielzahl an Beispielen aus dem realen Leben aus, die die abstrakten Konzepte greifbar machen. Der Titel des Buchs ist Programm und wird durch die vielen unterschiedlichen Herangehensweisen der Essayist*innen zu einer bereichernden Lektüre mit viel Stoff für Perspektivwechsel. Manche Begriffe und Konzepte werden vorausgesetzt, was als schwierig empfunden werden kann, wenn die lesende Person noch nicht viel Vorwissen zu den Themen hat. Dennoch ist das Buch für Einsteiger*innen zu empfehlen.

Erschienen: 01. September 2022

Wir geben 4 von 5 Sternen.

Mai 2024 - Buch des Monats: Die Freiheit, Allein zu Sein - Sarah Diehl

Mai 2024 - Buch des Monats: Die Freiheit, Allein zu Sein - Sarah Diehl

Die Freiheit, Allein zu Sein - Sarah Diehl

„Ich bin sicher, dass das Alleinsein nicht zur vorherrschenden Lebensform wird, aber zu einer, die sich Menschen immer wieder aneignen wollen, sodass immer mehr flexiblere Gemeinschaften entstehen, die menschlichen Bedürfnisse der Nähe und Distanz, des Eingebettetseins und des Rückzugs, der Solidarität und der einsamen Muße besser gerecht werden können.“ (S. 363)

In ihrem Debattenbuch ermutigt Sarah Diehl zur bewussten Suche nach dem Alleinsein – als elementarer Teil der Selbstfürsorge abseits äußerlicher Erwartungen und Bewertungen fördert es als Treibfeder für Reflexion und Veränderung nicht nur den Grundstein für ein verantwortungsvolleres Miteinander, sondern schafft Potenzial für gesellschaftliches Umdenken und das Zugestehen von Freiheitserfahrungen, besonders für Frauen – in der Familie, in der Partnerschaft, im Beruf, in der Öffentlichkeit.

Die Autorin verbindet kulturhistorische Betrachtungen mit Interviews mit verschiedenen Gesprächspartner*innen, der Erkundung verschiedener Lebensentwürfe und eigenen Reflexionen, welche eine abwechslungsreiche und komplexe Betrachtung ihrer These ermöglichen. Das Buch ist, seinem Untertitel nach, eine Ermutigung, einem gesunden Maß an Rückzug, Alleinsein-Können und -Dürfen und den daraus resultierenden Potenzialen und der Produktivität mehr Raum zu geben. Gleichzeitig ist es auch eine Aufforderung zur kritischen Reflexion sowie zum gesellschaftlichen Umdenken hinsichtlich sozialer Strukturen und Erwartungen um Familie und Familienplanung, Fürsorge und Freiräume. Das Buch ist daher lesenswert für alle, die sich mehr mit diesen Themen auseinandersetzen möchten.

Erschienen: 21. September 2022

Wir geben 4,5 von 5 Sternen.

April 2024 - Buch des Monats: Lieber Linus oder Der Wunsch nach Selbstbestimmung - Linus Giese

April 2024 - Buch des Monats: Lieber Linus oder Der Wunsch nach Selbstbestimmung - Linus Giese

Lieber Linus oder Der Wunsch nach Selbstbestimmung - Linus Giese

Linus Giese ist Aktivist für die Rechte von trans Personen. Mit seinem Buch möchte der Autor vor allem jungen Menschen Mut machen. In vielen Bereichen des Alltags begegnen Menschen Diskriminierung. Diese versucht Linus Giese mit Schwerpunkt auf dem Transsexuellengesetz sichtbar zu machen. Das Buch ist zwar kurz, aber auch sehr eindrucksvoll. Der Autor schreibt in der Form eines Briefes und schafft somit einen nahbaren Zustand. Es ist Menschen zu empfehlen, die gerne etwas über trans Identität lernen möchten.

Erschienen: 20.02.2023

Wir geben 4 von 5 Sternen.

März 2024 - Buch des Monats: Wir doch nicht - Nora Burgard-Arp

März 2024 - Buch des Monats: Wir doch nicht - Nora Burgard-Arp

Wir doch nicht - Nora Burgard-Arp

Ein beängstigendes und gar nicht so abwegiges Szenario der Zukunft, in Anbetracht der politischen Entwicklung, von einigen an der Macht stehenden Parteien. Frauen kämpfen seit Jahrhunderten für mehr Recht und haben enorm viel erreicht. Die Zukunftsgeschichte in Wir doch nicht zeichnet ein gruseliges Bild, welches einen Rückschritt in Unterdrückung und Abhängigkeit von patriachalischen Strukturen zeigt. Die Protagonistin lebt in einem düsteren beklemmenden Umfeld ohne Selbstbestimmung. Ein Horrorszenario, welches die Lesenden in seinen Bann zieht.

In der Geschichte kommt die fiktive Partei SfDD (Sieg für Deutschland und die Deutschen) an die Macht und etabliert erzkonservative Werte. Gebährende dürfen nicht mehr arbeiten und sollen sich gänzlich auf die Kinderplanung, -erziehung und Haushaltsführung fokussieren. Mathilda, die Protagonistin, versucht sich dieser Aufgaben zu entziehen und erlebt daraufhin die Konsequenzen des Regimes...

Eine Geschichte unverblümt, wachrüttelnd und verstörend erzählt. Die Autorin weckt das Bewusstsein wie schnell Errungenschaften durch falsche Politik und diktartorische, patriachalische Strukturen verloren gehen können. Wir doch nicht ist sehr zu empfehlen.

Erschienen: 23.09.2022

Wir geben 5 von 5 Sternen.

Februar 2024 - Buch des Monats: Alte weiße Männer - Sophie Passmann

Februar 2024 - Buch des Monats: Alte weiße Männer - Sophie Passmann

Alte weiße Männer - Sophie Passmann

In Alte weiße Männer reflektiert Autorin Sophie Passmann in jedem Kapitel ein Gespräch mit einem bekannten Mann aus der Politik- oder Kulturszene. Sie entwickelt ein charmantes Porträt verschiedener Männer. Das Buch setzt an, in einer Mischung aus Interviewpassagen und pointierten Gedanken der Autorin zu ihren Gesprächen, die Perspektiven von Männern, die eigentlich nicht gegen Gleichberechtigung sind aber dennoch in ihren Ausführungen Hürden und Probleme patriarchaler Strukturen und Privilegien offenbaren, darzustellen. Von Journalist Kai Diekmann über Vizekanzler Robert Habeck bis hin zu Kabarettist Claus von Wagner spricht Sophie Passmann mit insgesamt 15 (alten weißen) Männern. Die Autorin versucht aus einer feministischen Perspektive hinter das Klischee des alten weißen Mannes zu schauen.

Der Untertitel Ein Schlichtungsversuch des Buches sollte beim Wort genommen werden, denn die Debatten zwischen Sophie Passmann und ihren Interviewpartnern über Feminismus bleiben recht zahm. Oft kommt zum Vorschein wie gerne sich ihre Gäste reden hören und als Interviewerin gibt Sophie Passmann ihnen eine unwidersprochene Bühne. Trotz einiger ironisch bis provokanten Reflexionseinschüben der Autorin Sophie Passmann, wird das Potenzial in die Tiefe zu gehen von dem Buch leider nicht ganz ausgeschöpft. Aber vielleicht liegt der Sinn auch genau darin, Raum für eigene Gedanken und Interpretationen zu lassen. Der Schreibstil ist intelligent, eingängig sowie humorvoll, als Einstieg sicherlich zu empfehlen. Wer mehr Tiefgang möchte, wird hier nicht ganz fündig.

Erschienen: 17.03.2019

Wir geben 3 von 5 Sternen.

Januar 2024 - Buch des Monats: Frauen schulden dir gar nichts - Florence Given

Januar 2024 - Buch des Monats: Frauen schulden dir gar nichts - Florence Given

Frauen schulden dir gar nichts - Florence Given

Die zweiundzwanzigjährige Florence Given - eine der international bekanntesten jungen Stimmen des Feminismus - ermutigt ihre Leser*innen, sich von gesellschaftlichen Erwartungen freizumachen. Ob es um "Pretty privilege", Selbstliebe, "Catcalling" oder Enthaarung geht, Florence Givens Worte sind augenöffnend. Sie spricht darüber, wie stark das Frauenbild in unserer Gesellschaft noch immer von Oberflächichkeit und Sexismus geprägt ist und was das für Frauen an Einschränkungen zufolge hat. Sie geht dabei viele Themen an, die heute wichtig und kontrovers diskutiert werden: Rassismus, Sexismus, queere Identitäten, Body Positivity und toxische Männlichkeit.

- farbenfrohe Aufmachung mit vielen Grafiken und Zitaten

- Triggerwarnungen vor den Kapiteln

- Given spricht viele Themen scharf, überspitzt und sarkastisch an, sodass das Lesen gleichsam lehrreich wie auch unterhaltsam ist

Erschienen: 10.03.2022

Wir geben 3 von 5 Sternen.

Dezember 2023 - Buch des Monats: Die stille Gewalt - Asha Hedayati

Dezember 2023 - Buch des Monats: Die stille Gewalt - Asha Hedayati

Die stille Gewalt - Asha Hedayati

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein allgemeinwärtiges Problem der heutigen Gesellschaft. Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von psychischer und/oder physicher Gewalt betroffen. Doch neben der körperlichen Gewalt ist es vor allem die stille Gewalt, die Frauen trifft. Asha Hedayati, Fachanwältin für Familienrecht, beschreibt in ihrem Buch "Die stille Gewalt", wie betroffene Frauen vom Staat allein gelassen werden. Hedayati macht deutlich, dass staatliche Institutionen nicht nur zu wenig Schutzmöglichkeiten für betroffene Frauen bieten, sondern selbst Teil des Gewaltsystems sind und geschlechtsspezifische Gewalt reproduzieren. Frauenfeindliche Mythen, patriarchale Strukturen und staatliche Institutionen üben unsichtbare Gewalt in allen Bereichen der Gesellschaft sowie in Verwaltung und Justiz aus. Recht und Gesetz haben noch viel zu tun, damit Frauen in einem sicheren und gewaltfreien Umfeld leben können.

Hedayati lässt keine Ausreden zu und legt den Finger in die Wunde. Das Buch hinterlässt ein beklemmendes Gefühl, denn die Analysen und Erzählungen der Autorin über ihre Erfahrungen mit ihren Mandant*innen sind erschreckend. Hedayati zeigt wie Frauen selbst von Polizei, Jugendämtern und Familiengerichten im Stich gelassen werden. Sie macht deutlich, dass diese Misstände nicht länger hingenommen werden dürfen und zeigt auf, was sich ändern muss, damit die zuständigen Institutionen den Schutz bieten, zu dem sie verpflichtet sind. Das Buch gibt einen prägnanten Einblick in die Umstände, die dazu geführt haben, dass Frauen auch heute noch strukturell diskriminiert werden. Es dient auch nach der Lektüre als Nachschlagewerk und Diskussionsgrundlage.

Erschienen: 12.09.023

Wir geben 5 von 5 Sternen.

November 2023 - Buch des Monats: Der Report der Magd - Margret Atwood

November 2023 - Buch des Monats: Der Report der Magd - Margret Atwood

Der Report der Magd - Margret Atwood

Ein Klassiker, ein Aufschrei, eine Warnung...

TW: Triggerwarnung zum Thema sexualisierte Gewalt

In einem fiktiven Staat in Nordamerika haben religiöse Fundamentalisten die totalitäre Republik Gilead errichtet. Nach einer atomaren Versuchung ist ein großer Teil der weiblichen Bevölkerung unfruchtbar. Frauen werden entmündigt und in drei Gruppen eingeteilt: Ehefrauen von Führungskräften, Dienerinnen und Mägde. Letztere werden zur Fortpflanzung rekrutiert und jeglicher persönlicher Freiheiten und Rechte beraubt. Margaret Atwood lässt Desfred - Magd des Kommandanten Fred, die eigentlich nicht mehr als ihrer 'Funktion' gerecht werden und einkaufen darf, mehr tun als das totalitäre Regime ihr zugesteht - sie erzählt ihre Geschichte.

Die Autorin Margaret Atwood gestaltet ihre Erzählung auf komplexe Art und Weise zu einem unbequemen, aufrüttelndes und auch fast 40 Jahre nach Erscheinen aktuellen Buch - es geht um Frauen- und Menschenrechte, Unterdrückung und Freiheit, Sprache und Macht; auf erzählerischer und sprachlicher Ebene. Atwood selbst nennt das Genre als "Speculative Fiction", eine Verwebung von tatsächlichen Begebenheiten und Taten in fiktiven Kontexten und mit hinzugefügten Details. Diese Kombinatione macht das Buch zu einem detailreichen und tiefgründigen Gesamtwerk, in dessen gestalterischen Ebenen, Anknüpfungspunkten und Metaphrik sich auch nach mehrfachen Lesen noch Neuese entdecken lässt.

Erschienen: 1985

Wir geben 4 von 5 Sternen.

Oktober 2023 - Buch des Monats: Wir sind doch alle längst gleichberechtigt - Alexandra Zykunov

Oktober 2023 - Buch des Monats: Wir sind doch alle längst gleichberechtigt - Alexandra Zykunov

Wir sind doch alle längst gleichberechtigt - Alexandra Zykunov

Sätze wie "Viele Frauen wollen doch gar keine Karriere machen" oder "Vermisst du dein Kind nicht, wenn du alleine wegfährst?" bekommen überwiegend Frauen wohlwollend von Freund*innen und Familie zu hören. Dieser Prozess geht solange bis ihnen geglaubt wird - und das Patriarchat sich die Hände reibt. Dieses Buch ist eine Anleitung zum Parieren solcher Sätze. Messerscharf analysiert Alexandra Zykunov die Ungerechtigkeiten, Unwahrheiten und Ungleichheiten zwischen den Geschlechern und liefert Argumente für die nächste Familienfeier, Spielplatzrunde oder Beziehungsdiskussion.

Die Autorin Alexandra Zykunov überschreitet jedes der 25 Kapitel mit einer Aussage, die sie häufig im Alltag hört. Zunächst erklärt sie, was genau eigentlich das Problem mit diesem Satz ist, also was dahintersteckt und welche Ansichten damit von Generation zu Generation weitergetragen werden, Danach schaut sie mit Hilfe von Quellen, die ihre Aussagen unterstreichen, auf die aktuelle Lebenssituation von Frauen in dieser Hinsicht, und kommt letztlich ausführlich darauf zu sprechen, wie man mit so einem Satz umgehen sollte. Die ungefähr 270 Sieten lassen sich leicht lesen und enthalten auch eine Spur Ironie.

Im Fokus des Buchs stehen die Tehmen Care-Arbeit und Elternschaft. Mitgegeben werden Denkanstöße, Inspiration und Schlagfertigkeit. Der Spiegel-Bestseller übt Kritik und offenbart Erfahrungen aus dem Umfeld der Autorin. Zu empfehlen ist das Buch Menschen, die sich mit Gleichberechtigung im Kontext von Beziehung, Ehe und Arbeit auseinander setzen wollen.

Erschienen 24.02.2022

Wir geben 4 von 5 Sternen.

September 2023 - Buch des Monats: Unsichtbare Frauen - Caroline Criado-Perez

September 2023 - Buch des Monats: Unsichtbare Frauen - Caroline Criado-Perez

Unsichtbare Frauen - Caroline Criado-Perez

Ein kraftvolles und provokantes Plädoyer für Veränderung. Unsere Welt ist von Männern für Männer gemacht und tendiert dazu, die Hälfte der Bevölkerung zu ignorieren. Caroline Criado-Perez erklärt, wie dieses System funktioniert. Sie legt die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Erhebung wissenschaftlicher Daten offen. Die so entstandene Wissenslücke liegt der kontinuierlichen und systematischen Diskriminierung von Frauen zugrunde und erzeugt eine unsichtbare Verzerrung, die sich stark auf das Leben von Frauen auswirkt. Kraftvoll und provokant plädiert die Autorin für einen Wandel dieses Systems und lässt uns die Welt mit neuen Augen sehen.

- gutes Kompaktbuch/ Nachschlagewerk

- Buch übersieht, dass das biologische sowie soziale Geschlecht ein Spektrum sind

Erschienen 10.02.2020

Wir geben 4 von 5 Sternen.