Symbolbild Fakt der Woche – Foto: Till Junker

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... zum Fakt der Woche!

Fakt der Woche

Mit dem „Fakt der Woche“ präsentieren wir im wöchentlichen Turnus wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Universität Greifswald. Damit möchten wir mehr Aufmerksamkeit für die vielfältigen Forschungsbereiche unserer Universität generieren, Interesse an ihnen wecken und ein Zeichen für wissenschaftliche Erkenntnisse setzen. Der „Fakt der Woche“ erscheint ebenso auf Instagram und Facebook

Chronische Schmerzen verändern die Funktion und die Struktur des Gehirns

Mittels MRT-navigierter transkranieller Magnetstimulation können nicht-invasiv im individuellen Gehirn des Probanden genaue Bereiche der Gehirnrinde stimuliert werden – Quelle: Prof. Dr. Martin Lotze
Mittels MRT-navigierter transkranieller Magnetstimulation können nicht-invasiv im individuellen Gehirn des Probanden genaue Bereiche der Gehirnrinde stimuliert werden – Quelle: Prof. Dr. Martin Lotze

Wer hat sich nicht schon mal einen Finger in der Tür gequetscht oder den Kopf angeschlagen und dabei große Schmerzen empfunden. Doch was passiert, wenn der Schmerz nicht mehr weggeht, sondern über Monate intensiver wird oder sogar seine Qualitäten ändert, einen nachts weckt und Bewegung verhindert? Chronische Schmerzen, wie etwa Rückenschmerzen, treten sehr häufig auf. Medikamente helfen sehr oft nicht dauerhaft und es entsteht eine Spirale aus sozialem Rückzug, Bewegungsmangel und noch stärkerem Schmerz. Unter den vielen Arbeitsgruppen, die an der Universitätsmedizin Greifswald in diesem Bereich engagiert sind, forscht die Funktionelle Bildgebung am Institut für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie vor allem daran, die Mechanismen neuronaler Veränderung bei der Ausbildung chronischer Schmerzen zu erkennen. Diese Biomarker sollen dann dabei helfen Interventionsprogramme zu optimieren (zum Beispiel mithilfe eines Trainings Schritt für Schritt wieder in die Bewegung hineinzukommen) oder besonders anfällige Personen frühzeitig für eine Schmerzchronifizierung zu erkennen.


Die Hiddenseer Dünenheide ist bedroht durch Nährstoffeintrag und Klimawandel

Hiddenseer Heide – Foto: Theodor Fiedler
Hiddenseer Heide – Foto: Theodor Fiedler

Heideflächen nahmen in Nordeuropa noch vor hundert Jahren großen Raum ein, wurden aber nach und nach aufgeforstet oder unter Einsatz von Kunstdünger in Ackerflächen umgewandelt. Heute sind nur noch fünf Prozent dieser Flächen erhalten. Dadurch sind nicht nur die Lebensräume, sondern auch die typischen Tiere und Pflanzen der Heide bedroht. Ebenso wie Moorflächen speichern Heideflächen erhebliche Mengen an Kohlenstoff in ihrer Rohhumusauflage.

Traditionell wurden Heideflächen beweidet, vor allem mit Schafen. Bei Aufgabe dieser Bewirtschaftung unterbleibt auch der kontinuierliche Nährstoffaustrag, was zusammen mit der gestiegenen atmosphärischen Stickstoffdeposition zu einer Nährstoffanreicherung führt. Die „typische“ Heidepflanze Besenheide (Calluna vulgaris) ist bei Nährstoffanreicherung nicht mehr konkurrenzkräftig. Die Heide vergrast, und die Rohhumusauflage wird mehr und mehr abgebaut. Eine weitere Bedrohung für die schon von Natur aus trockene Heide können trockene Sommer sein, vor allem, wenn diese bei fortschreitendem Klimawandel häufiger auftreten.

Die Arbeitsgruppe Experimentelle Pflanzenökologie der Universität Greifswald und die zu dieser Arbeitsgruppe gehörende Biologische Station Hiddensee untersucht den Einfluss von Nährstoffbelastung und Klimawandel auf die Heide. In Zusammenarbeit mit dem Hiddenseer Dünenheide e. V. werden Pflegemaßnahmen in der Heide durchgeführt, Öffentlichkeitsarbeit geleistet und Handlungsempfehlungen für den Naturschutz abgeleitet.

Sie wollen mehr dazu lesen? Hier geht's zur Studie „Management regimes in a coastal heathland – effects on vegetation, nutrient balance, biodiversity and gain of bioenergy“.


Weltweit gehen täglich mehr als 2000 Hektar Anbaufläche durch Bodenversalzung verloren

Symbolbild trockene Böden – Foto: Magnus Schult
Symbolbild trockene Böden – Foto: Magnus Schult

Bislang sind Bodenversalzungen vorrangig aus ariden Klimaregionen wie Australien bekannt. Dort müssen aufgrund der geringen Niederschläge und einer gleichzeitig hohen Verdunstungsrate landwirtschaftlich genutzte Flächen notwendig bewässert werden, um Erträge zu erzielen. Die Anreicherung von Salz im Boden wird durch salzhaltiges Wasser verursacht, das vom Grundwasser kapillar aufsteigt oder als Bewässerung infiltriert und nahe der Oberfläche verdunstet. Dabei fällt Salz aus. Weltweit gehen so täglich mehr als 2000 ha Anbaufläche verloren, das sind mehr als 2000 Fußballfelder.

Werfen wir einen Blick auf unsere Region. Zwei Jahre, in denen die Böden Nordostdeutschlands außergewöhnlicher Dürre ausgesetzt waren, führen zu der Sorge, ob Bodenversalzung auch bald ein Thema hierzulande sein könnte – vor allem auch vor dem Hintergrund sich verändernder Niederschlagsverteilungen und steigender Meerspiegel im Zuge des Klimawandels. In Deutschland werden durchschnittlich nur 1,5 Prozent (jährlich 0,3 Mrd m3) der Gesamtwasserentnahme zur Bewässerung genutzt – im europäischen Durchschnitt sind es 36 Prozent. Das oberflächennahe Grundwasser wie auch das zur Bewässerung verwendete Wasser ist in der Regel nicht salinar, d.h. der Salzgehalt ist kleiner als 1 g/L.  An der Küste und auf Inseln lagert süßes Grundwasser linsenförmig auf tieferem salinaren Wasser. Studien in den Niederlanden haben untersucht, inwieweit ein ungünstiges Zusammenspiel von Meeresspiegelanstieg, Temperaturanstieg, salzhaltigem Grundwasser und eine Bewässerung mit ebenfalls salinarem Wasser eine Bodenversalzung langfristig begünstigen können. Danach ist nicht zu erwarten, dass die Versalzung die Salinität des Grundwassers übersteigt; wenn zudem das zur Bewässerung genutzte Wasser einen geringeren Salzgehalt hat, wird der Prozess abgemildert.

Diese Ergebnisse und Zahlen lassen eine akute Gefahr der Versalzung und damit Bodendegradierung in unserer Region nicht befürchten. Weitere Forschung zu diesem Thema wird aber ein sinnvolles Wassermanagement, vor allem auch in Küstenregionen, vorantreiben.

Mehr Infos: Prof. Maria-Theresia Schafmeister forscht am Lehrstuhl für Angewandte Geologie | Hydrogeologie und befasst sich mit Fragen der Grundwasservorräte und -qualität. Aktuell modelliert sie den Anstieg des Grubenwassers nach der endgültigen Schließung der Steinkohlezechen im Ruhrrevier.
Siehe auch: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung: UFZ Dürremonitor Deutschland, www.ufz.de


Elektrische Zahnbürsten beugen Zahnverlust vor

Elektrische Zahnbürsten helfen bei der Mundgesundheit ©Manuela_Janke
Prof. Thomas Kocher (li.), und Studienautor Dr. Vinay Pitchika haben die Langzeitwirkung von elektrischen Zahnbürsten untersucht. ©Manuela_Janke

Diese Erkenntnis geht aus einer Studie Greifswalder Zahnmediziner hervor, die im vergangenen Sommer im Journal of Clinical Periodontology veröffentlicht worden ist. Der Zahnverlust bei Nutzer*innen elektrischer Zahnbürsten war im Schnitt ein Fünftel geringer als bei denjenigen, die konventionelle Bürsten verwenden. 
Die elfjährige Beobachtungsstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen der Benutzung einer elektrischen Zahnbürste und Parodontitis, Karies und Anzahl der vorhandenen Zähne. Die Studie umfasste 2.819 Erwachsene aus der Greifswalder Gesundheitsstudie Study of Health in Pomerania (SHIP), die von 2002 bis 2006 sowie nach sechs und elf Jahren erneut untersucht worden sind. Zu Studienbeginn verwendeten 18 Prozent der Studienteilnehmer und nach elf Jahren 37 Prozent eine elektrische Zahnbürste. „Elektrische Zahnbürsten sind in Deutschland in allen Altersgruppen beliebter geworden, aber nur wenige Studien haben ihre Langzeitwirksamkeit getestet“, sagt der Studienautor Dr. Vinay Pitchika von der Universitätsmedizin Greifswald. „Unsere Studie zeigt, dass elektrische Zahnbürsten für die Aufrechterhaltung einer guten Mundgesundheit am vorteilhaftesten sind und mit einem verminderten Fortschreiten von Parodontitis und mehr erhaltenen Zähnen einhergehen.“
Hier geht’s zur Medieninfo.


Lastenräder können zur Verkehrswende beitragen

Lastenräder – Foto: @Magnus_Schult
Lastenräder – Foto: @Magnus_Schult

Mit Lastenrädern lassen sich fünf Tonnen CO2 pro Jahr, im Vergleich zu einem herkömmlichen Pkw, einsparen und somit viele Dinge umweltgerecht transportieren. Mit dem zunehmenden Angebot an verschiedenen Modellen, steigt auch die Nutzung in der Bevölkerung. Mit einem Anteil von vier Prozent bei den E-Bike-Verkäufen in Deutschland 2019 wird eine Stückzahl von rund 54.400 erreicht. Hinzu kommen 21.550 verkaufte Lastenräder ohne Motor. 
Lastenräder sind somit auch rollende Botschafter für eine menschengerechte Mobilität. Insbesondere in Kleinstädten mit vielen kurzen Wegen können sie zur Verkehrswende beitragen. Denn 80 Prozent aller Wege sind in Städten oftmals unter fünf Kilometern und Lastenräder könnten hier eine echte Alternative zum Auto darstellen. 
Der Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeographie an der Universität Greifswald testet im EU-Interreg South Baltic Projekt „CoBiUM-Cargo Bikes in Urban Mobility“ Einsatzmöglichkeiten von Lastenrädern in verschiedenen städtischen Bereichen. Im Rahmen des Projektes sind außerdem für alle Greifswalder Lastenräder frei zugänglich.
Mehr über das Projekt: www.lara-greifswald.de


Trockene Moore sind Brandbeschleuniger in borealer Zone

Torfmoose können ihren Wasserverlust nicht regulieren. – Foto: @Martin_Wilmking
Torfmoose können ihren Wasserverlust nicht regulieren. – Foto: @Martin_Wilmking

Intakte Moore haben eine natürliche Schutzfunktion für das Ökosystem der borealen Zone und das globale Klima. Sie speichern große Mengen an Kohlenstoff und Wasser und dienen als natürliche Brandschneisen zwischen Waldgebieten. Durch die Erderwärmung ist diese Schutzfunktion jedoch gefährdet. Wenn die Temperaturen steigen, erwärmt sich auch die Luft und nimmt mehr Wasser auf. Im Gegensatz zu Nadelbäumen geben Moorpflanzen auch bei höheren Temperaturen weiterhin Wasser an die Luft ab und trocknen so das Moor langfristig aus. Trockene Moore geben in der Folge mehr Kohlenstoff an die Atmosphäre ab, was wieder die Erderwärmung beschleunigt. Damit wächst auch die Waldbrandgefahr, denn ausgetrocknete Moore bedeuten größere und intensivere Waldbrände.
Die Ergebnisse der Studie sind in der Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht. Diese hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der kanadischen McMaster Universität und Beteiligung der Arbeitsgruppe Landschaftsökologie und Naturschutz der Universität Greifswald zusammengetragen.
Hier geht's zur Medieninformation.

Ansprechperson an der Universität Greifswald

Hannah Weißbrodt
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