Programm der Familien-Universität im Winter 2020/21

Wir sind online!

Aufgrund der Kontakteinschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie mussten wir leider zahlreiche Veranstaltungen der Universität für die breite Öffentlichkeit absagen. Wir wollen jedoch nicht warten, bis die Beschränkungen wieder aufgehoben werden, sondern haben die Familien-Universität ins Netz gebracht und dabei unseren treuen Gästen auch das Erlebnis einer digitalen Lehrveranstaltung zu vermitteln, so wie sie viele unserer Studierenden aktuell absolvieren.


Familien-Universität

Wissen lockt – seit 1456 an die Universität Greifswald. In der Veranstaltungsreihe Familien-Universität können alle Wissbegierigen Forschung hautnah erleben. Seit 2008 geben Forschende in populärwissenschaftlichen Vorträgen Einblick in aktuelle und spannende Forschungsthemen. Die Reihe wird gemeinsam von der Universität Greifswald und dem Bürgerhafen Greifswald organisiert.

Den Link zum Live-Stream finden Sie kurz vor Beginn der Vorlesung hier.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

So funktioniert die digitale Familien-Universität

Anleitung

Familien-Uni: Portraits Referent*innen ©Lukas_Voigt
29. Oktober 2020 – 17:00 Uhr

So lange sie bestand, war die „Abstimmung mit den Füßen“ ein großes Problem für die DDR. Sie stellte nicht nur praktisch die SED-Propaganda in Frage, sondern war auch ein handfestes ökonomisches Problem. Um Fluchtversuche zu verhindern wurde 1961 die Berliner Mauer errichtet. Tausende Flüchtlinge wurden an der Mauer getötet.
Auch die Ostseeküste war vollständig in die Grenzsicherung mit einbezogen. Urlauber*innen wurden unbemerkt schon auf der Anreise kontrolliert, auf dem Campingplatz von „Freiwilligen Helfern der Grenztruppen“ überwacht und bei jeglichem Verdacht von den Sicherheitsorganen festgenommen. So herrschte am DDR-Ostseestrand die absurde Situation, dass ein Urlauber mit Schwimmflossen und Badeboot verdächtig wirkte.
Trotz der Gefahren wagten mehrere hundert DDR-Bürger*innen die Flucht über die Ostsee. Dabei ergaben sich in einer Mischung aus Unbedarftheit in Sachen Seefahrt und großer Entschlossenheit, dem Regime entgehen zu wollen, manchmal abenteuerliche, aber oft auch tragische Fluchtgeschichten. Häufig endete die Flucht mit dem Tod der Geflohenen. An der Uni Greifswald erforscht ein Team aus drei Wissenschaftler*innen seit Juli 2019 solche Fluchtgeschichten. Die Forschenden tragen damit dazu bei, dass das Schicksal der Geflüchteten nicht dem Vergessen preisgegeben wird. Es soll nicht nur die genaue Zahl der Opfer, sondern auch möglichst viel über die persönlichen Schicksale der Verstorbenen ermittelt werden. Henning Hochstein und Merete Peetz präsentieren in ihrem Vortrag erste Erkenntnisse aus dem Projekt über die Fluchtbewegung an der Ostsee sowie über die Überwachung von Personen, die in das ehemalige Grenzgebiet an der Ostseeküste reisten.

Gefährliche Wege in die Freiheit

Fluchtversuche aus der DDR über die Ostsee

Merete Peetz und Henning Hochstein (Politikwissenschaft)

Familien-Uni: Porträts Referent*innen ©Lukas_Voigt
10. Dezember 2020 – 17:00 Uhr

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, sagte einst Schiller. Zu den Dingen, die uns als Menschen ausmachen, gehört nicht nur, dass wir spielen, sondern auch, dass wir Geschichten mögen. Aber kann man Geschichten eigentlich auch spielen? Passen Geschichten und Spielregeln überhaupt zusammen? Können Computerspiele genauso Emotionen auslösen wie Geschichten? Müssen Geschichten immer gut ausgehen? Welche Geschichten eignen sich gut, durch ein Spiel erzählt zu werden und welche nicht?  

In keinem anderen Medium finden die beiden Grundbedürfnisse des Menschen so perfekt zusammen wie im Computerspiel. Wie das funktioniert, das stellt Sebastian Domsch in seinem Vortrag dar. Außerdem erfahren Sie, inwieweit manche Spiele nur so tun, als hätten Spielentscheidungen einen Einfluss auf die Geschichte, was für Entscheidungen es überhaupt im Spiel gibt und ob Spieler moralisch verantwortlich sind für das, was der eigene Charakter tut.

Storyplaying

Wie werden in und mit Computerspielen Geschichten erzählt?

Sebastian Domsch (Anglistik und Amerikanistik)

Familien-Uni: Portraits Referent*innen ©Laura_Schirrmeister
21. Januar 2021 – 17:00 Uhr

Das heutige Gewässernetz Nordostdeutschlands mit Seen, Flüssen, Bächen und Mooren hat eine geologisch junge und dennoch vielfältige Entwicklungsgeschichte. Eisvorstöße der jüngsten Inlandvereisungen hinterließen vor rund 15 000 Jahren ein Relief, in dem letzte Gletscherreste verschwanden. Seen entstanden neu. Und Flüsse mussten ein neues Bett finden, in dem sich mitunter ihre Fließrichtung umkehrte. Die markanten Höhenzüge der Eisrandlagen aber auch kleinere Reliefunterschiede führten zur Herausbildung von Flusseinzugsgebieten und Wasserscheiden. Die Entwicklung der tiefergelegenen, ostseenahen Gewässer war eng verbunden mit dem nacheiszeitlichen Anstieg des Ostseespiegels. In den küstennahen Flusstälern entstanden ausgedehnte Talmoore.

Seit Jahrtausenden siedeln Menschen an Gewässern, um diese zum Fischen, Jagen und als Transportwege zu nutzen. Hinweise auf eine direkte menschliche Umgestaltung des Gewässernetzes finden sich aber erst seit rund 800 Jahren. Innerhalb dieser, aus geologischer Perspektive kurzen Zeit, veränderte der Mensch das Gewässernetz sichtbar. Er nahm Einfluss auf den Verlauf von Gewässern und auf den Wasserstand. Der Mensch baute Kanäle und Gräben, Wehre und Schleusen. Er ließ das Wasser von Seen ab oder staute es auf. Im Vortrag gibt Sebastian Lorenz Einblick in die geologischen Grundlagen der Gewässernetzentstehung. Außerdem zeigt er, wie der Mensch die Gewässerlandschaft nutzte und umgestaltete.

Sebastian Lorenz ist Geowissenschaftler am Institut für Geographie und Geologie und beschäftigt sich seit rund 20 Jahren mit der nacheiszeitlichen Entwicklung von Flüssen und Seen in der Region. Neben der landschaftsgeschichtlichen gibt es auch stets eine siedlungsgeschichtliche Blickweise auf die heutige Gewässerlandschaft.

 

Wie Gletscher zu Flüssen, Seen und Meeren wurden

Die Geschichte unseres Gewässernetzes

Sebastian Lorenz (Geographie)

Digitale Familien-Universität im Sommer 2020

Portrait Marco Schade - Foto: Ole Kracht
18. Juni 2020 – 17:00 Uhr

Spinosaurier waren riesige fisch- und fleischfressende Dinosaurier. Sie sind zu erkennen an der verlängerten Schnauze, kräftigen Vordergliedmaßen und teils verlängerten Fortsätzen auf ihren Wirbeln. Gesicherte Funde, also Fossilien, von Spinosauriern gibt es bisher nur aus der Kreidezeit, der Erdzeit von 145 bis 66 Millionen Jahren vor heute. Besonders wenige Fossilien dieser ausgestorbenen Riesen sind vom Schädel erhalten. Von Irritator challengeri jedoch haben wir einen beinahe vollständig erhaltenen Schädel aus der frühen Kreidezeit Brasiliens. In diesem Schädelfund ist sogar die Gehirnkapsel erhalten geblieben.
Der Greifswalder Paläontologe Marco Schade hat Schädel und Gehirnkapsel zusammen mit anderen Forschenden mit Hilfe von sogenannten CT-Scannern untersucht. In der Computertomographie (CT) wurden Schicht für Schicht Röntgenbilder vom Schädelfund erstellt. Diese Aufnahmen liefern neue Einblicke in den Aufbau des Gehirns und des Innenohrs des Irritator challengeri. Was verrät das Gehirn uns darüber, wie sich der ausgestorbene Riese an vorherrschende Umweltbedingungen angepasst hat? Wie gut konnte der Dinosaurier hören? Wie sah es aus, wenn das Tier in längst vergangener Zeit durch sein Revier im heutigen Brasilien streifte? Und welcher Beute jagte es nach? Im Vortrag „Im Kopf eines Dinosauriers: Was verrät uns der Schädelfund von Irritator challengeri?“ zeigt uns Marco Schade, wie Forschende dem Schädelfund dieses Raubtieres die Antworten auf diese Fragen entlocken.

Sie wollen sich ganz genau informieren? Hier finden Sie die Studie zum Vortrag:
Schade M., Rauhut O. M. W., Evers S. W. (2020): „Neuroanatomy of the spinosaurid Irritator challengeri (Dinosauria: Theropoda) indicates potential adaptations for piscivory,“ in: Scientific Reportshttps://doi.org/10.1038/s41598-020-66261-w 

Im Kopf eines Dinosauriers

Was verrät uns der Schädelfund von Irritator challengeri?

Marco Schade (Geologe)


Hier können Sie den Schädel des Dinosauriers unter die Lupe nehmen.

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Porträt Prof. Birger Petersen - Foto: Vincent Leifer/Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald
2. Juli 2020 – 17:00 Uhr

Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag im Jahr 2020 gefeiert wird, ist mehr als nur einer der berühmtesten Komponisten der Vergangenheit: Er ist einer der ersten Repräsentanten einer neuen Art des Komponierens. Komponieren bedeutet für ihn Entwerfen und Entwickeln von Musik, ist Schreibvorgang und gedanklicher Prozess. Dies ist verbunden mit einem neuzeitlichen Künstlerbild und Kunstbegriff, erkennbar an den umfangreichen Skizzen des Komponisten. Im Vortrag stellt  Birger Petersen die Arbeitsweise Beethovens vor und versucht, mit Hilfe der Skizzen, Partiturentwürfe und Manuskripte den Weg des Komponisten zum fertigen Werk zu ergründen.

Beethoven komponiert

Ein Blick in die Werkstatt

Prof. Dr. Birger Petersen (Musikwissenschaftler, Uni Mainz)


Hier können Sie die Musikbeispiele zum Vortrag hören.

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Familien-Uni: Portraits Referent*innen - Foto: Ole Kracht
14. Mai 2020 – 17:00 Uhr

Wir haben heute unterschiedliche Möglichkeiten, die Elternzeit sinnvoll aufzuteilen. Auch im Tierreich findet man sehr verschiedene Modelle für die Aufzucht der Jungen. So kümmert sich etwa nur ein Elternteil um den Nachwuchs, andere Vogeleltern teilen sich die Pflege oder es werden Pflegeeltern gesucht. Auch bei unseren heimischen Vögeln kann man diese verschiedenen Strategien finden. Anhand ausgewählter Vogelarten möchten wir Einblicke in die Geschehnisse an Vogelnestern geben. Im Fokus stehen neben den in Mecklenburg-Vorpommern weitverbreiteten Kranichen, die in unserer Region in Kolonien brütenden Lachmöwen. Wie teilen sich die Eltern bei diesen beiden Arten die Brutpflege und Jungenaufzucht? Störungsarme Fotofallen liefern Informationen zu diesen und weiteren Fragen.

Geteilte Elternzeit

Wie funktioniert das bei Lachmöwe, Kranich & Co.?

Katja Rahn und Isabel Barwisch (Biologinnen)


Familien-Uni: Portrait von Torsten Veit - Foto: Philipp Müller
28. Mai 2020 – 17:00 Uhr

Schlösser, Herren- oder Gutshäuser prägten und prägen die Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Aber auch über die Landesgrenzen hinweg spielen diese Gebäude seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle. Sie haben einen festen Bestandteil in der Geschichte der Staaten des Ostseeraums. Allerdings ist der Zustand der Gebäude größtenteils schlecht und besorgniserregend. Lediglich ein Bruchteil wird den Umständen entsprechend bewahrt oder kann nach aufwändiger Sanierung und Rekonstruktion Besuchern präsentiert werden. Der Großteil der schätzungsweise 10.000 Objekte fristet ein glanzloses Dasein.

Der Vortrag nimmt die Geschichte und den Zustand der Schlösser, Herren- und Gutshäuser in den Blick. Dazu wird beispielhaft die Landkarte des 17. und 18. Jahrhundert herangezogen und gefragt, wie sich die Situation ausgewählter Häuser von damals bis heute entwickelt hat. Zudem soll ein Blick in die Zukunft zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, dieses kulturelle Erbe zu bewahren, die Geschichte nicht zu vergessen, und den Häusern vielleicht ein wenig Glanz zurückzugeben.

Dieses YouTube-Video zeigt den heutigen Zustand vom Schloss Friedrichstein und dessen virtuelle Rekonstruktion.

 

Viel Geschichte, wenig Glanz

Herrenhäuser im Ostseeraum

Torsten Veit (Kunsthistoriker)


Hier sehen Sie, wie das Schloss Friedrichstein virtuell wieder aufgebaut wird.

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