Forschungsschwerpunkt One Health

Die Gesundheit von Menschen, Haus- und Wildtieren, Pflanzen und der weiteren Umwelt sind eng miteinander verbunden und voneinander abhängig. Der Forschungsschwerpunkt One Health an der Universität Greifswald analysiert die Zusammenhänge und wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen der Gesundheit von Menschen und Tieren sowie von Ökosystemen und weiteren Bestandteilen der Umwelt. Wissenschaftler*innen aller Fakultäten untersuchen gemeinsam mit Konzepten, Kenntnissen und Methoden ihrer Disziplinen, wie z.B. Epidemiologie, Molekularbiologie, Mikrobiologie, Ökologie, Ökonomie, Virologie, Jura, Philosophie und Ethik, z.B. die Bekämpfung von Zoonosen und von Antibiotikaresistenzen ebenso wie die Erforschung der Auswirkungen von Umweltverschmutzung, Klimawandel und Habitatveränderungen auf Menschen, Tiere und Ökosysteme, wie auch die umwelt- und gesundheitsrechtlichen Anforderungen. 

Hierfür kooperiert der Forschungsschwerpunkt der Universität eng mit Partnern aus der Region, insbesondere dem Helmholtz-Institut für One Health (HIOH) und dem Friedrich-Loeffler-Institut, Riems (FLI). Der Forschungsschwerpunkt hat den Anspruch, mit den gewonnenen Erkenntnissen die praktische Umsetzung in der Fläche und insbesondere die Entwicklung einer One-Health-Region Vorpommern zu unterstützen. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit entsteht ein Mehrwert, da die komplexen Wechselwirkungen zwischen menschlicher und tierischer Gesundheit, Ökosystemen, Wirtschaft, Politik, Recht und Zivilgesellschaft nur als Verbund analysiert werden können.

Forschungsthemen

Zoonose-Forschung

Ein bedeutender Bereich der One-Health-Schwerpunkte ist die Zoonose-Forschung, d. h. die Erforschung von Infektionskrankheiten inklusive mikrobieller Resistenzen, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Um gesundheitlichen Herausforderungen durch veränderte Ökosysteme gerecht zu werden, ist es notwendig, Ökologie, Zoonosen und deren Auswirkungen auf Menschen und Tiere sowie die Bedeutung der Um- und Tierwelt für die menschliche Gesundheit zu verstehen. In diesem Zusammenhang ist die Kooperation mit unseren außeruniversitären Partnern insbesondere der Tiermedizin und dem Agrarbereich von zentraler Bedeutung.

Epidemiologie

Die Epidemiologie untersucht die Verteilung von Krankheiten und gesundheitsrelevanten Faktoren in Populationen sowie deren Ursachen und Dynamiken. Im One-Health-Kontext betrachtet sie Menschen, Tiere und Umwelt als miteinander verbundene Systeme und analysiert Übertragungswege, Risikofaktoren und Auswirkungen von Infektionserregern, Antibiotikaresistenzen und Umweltveränderungen. An der Universität Greifswald reichen epidemiologische Forschungsansätze von der Untersuchung zoonotischer Erreger und Antibiotikaresistenzen über die Analyse von Umwelt- und Klimaeinflüssen auf die Gesundheit bis hin zur Entwicklung von Surveillance- und Frühwarnsystemen für Gesundheitsrisiken. Damit liefert die Epidemiologie eine wichtige Grundlage für evidenzbasierte Präventions- und Kontrollmaßnahmen zum Schutz von Mensch, Tier und Umwelt.

Antiinfektiva-Resistenzen

Die Ausbreitung von Mikroorganismen, die gegen viele bis alle Antibiotika resistent sind führt zu patientenindividuellen Auswirkungen für Mensch und Tier mit erhöhter Morbidität und Letalität, aber auch zu sozioökonomischen Auswirkungen durch Langzeitfolgen von Infektionserkrankungen, erhöhte Kosten für die Gesundheits- und Sozialsysteme und wirtschaftliche Ausfälle im Agrarsektor. So sind Faktoren zur Generierung und Ausbreitung von Resistenzen etwa gegen Antibiotika in ihrem Wechselverhältnis zwischen Mensch, Nutz- und Wildtieren sowie der Umwelt noch nicht hinreichend verstanden. Für die Entwicklung und Optimierung wirksamer Strategien zur Eindämmung mikrobieller Resistenzen bedarf es im Sinne eines des One-Health-Ansatzes der Untersuchung von Human-, Tier- und Umweltreservoiren im Zusammenhang mit Mikrobiom-, Umwelt- und Biodiversitätsforschung in One-Health-Projekten.

Umwelt und Gesundheit

Menschen und Tiere leben in natürlichen oder vom Menschen geschaffenen Umwelten, die ihre Gesundheit beeinflussen. Beispielsweise ergeben sich aus der Massentierhaltung andere Voraussetzungen für die Ausbreitung von Krankheiten als aus der Weidehaltung; städtische Agglomerationen führen zu anderen Herausforderungen als ländliche Ansiedlungen. Die Umwelt ist hierbei nicht nur ein Raum der Krankheitsentstehung, sondern auch eine wichtige Ressource der physischen und psychischen Gesundheit von Menschen. Dementsprechend kann der One-Health-Ansatz nur multidisziplinär erfolgreich sein unter Einbeziehung von Ökologie, Klimawissenschaft, Moorforschung und Naturschutz sowie Psychologie, Sozial- und Geisteswissenschaften und Theologie. Im Verbund leisten die beteiligten Fachdisziplinen wichtige Beiträge zum Verständnis und dem Schutz der Gesundheit von Menschen, Tieren sowie dem Erhalt der Biodiversität in einer möglichst resilienten Umwelt.

Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Theologie

Das One-Health-Konzept wirft Fragen auf, die keine einzelne Wissenschaft allein beantworten kann. Was bedeutet es, einen Menschen, ein Tier oder ein Ökosystem als „gesund" oder „krank" zu bezeichnen? Nach welchen Kriterien treffen wir diese Entscheidungen – und wer trifft sie? Wenn Gesundheitsziele in Konflikt geraten, wie wägen wir sie gegeneinander ab?

Gesundheit und Krankheit sind nicht nur biologische Zustände. Sie sind auch das Ergebnis von Geschichte und Kultur. Wie Menschen mit Tieren, Pflanzen und ihrer Umwelt umgehen, welche Räume sie gestalten und welche Werte sie teilen – all das hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Geisteswissenschaften helfen zu verstehen, wie diese Prägungen entstanden sind, wie sie Gesundheit bis heute beeinflussen und Veränderungen je nach Region, Gesellschaft und Zeit erklären. Geschichts- und Kommunikationswissenschaft untersuchen, wie unterschiedliche Kulturen Gesundheit verstehen, dieses Wissen vermitteln und kritisch hinterfragen. Damit können sie auch zur Entwicklung von Strategien für eine Umsetzung des One-Health-Ansatzes beitragen. Die Philosophie und Theologie stellt etwa ethische Fragen, z.B. nach dem Nutzen der Gesundheit von Tier und Umwelt für die Gesundheit des Menschen (Anthropozentrismus) bzw. nach dem Eigenwert von Tieren oder Ökosystemen. Philosophie und Theologie bieten Orientierung bei diesen Abwägungen und sind unverzichtbar, wenn One Health nicht nur als Konzept, sondern als gesellschaftliche Aufgabe ernst genommen werden soll.

Rechtswissenschaften

Die Rechtswissenschaften leisten im One-Health-Kontext einen grundlegenden Beitrag zur Verknüpfung der unterschiedlichen Sektoren und Stakeholder. Das Recht kann naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Form normativer Vorgaben abbilden, etwa durch materielle Emissionsgrenzwerte sowie Hygiene- und Tierhaltungsvorschriften. Darüber hinaus ist es in der Lage, diese Erkenntnisse und die daran anknüpfenden Interessen mit anderen, gegebenenfalls konfligierenden Belangen in einen möglichst schonenden Ausgleich zu bringen. Zugleich ermöglicht das Recht eine vorausschauende Risikosteuerung, insbesondere im Sinne des Vorsorgeprinzips. Ferner schafft es durch Zuständigkeits- und Organisationsregelungen einen institutionellen Rahmen für die sektorübergreifende Koordination verschiedener One-Health-Fachbereiche und Akteure. Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich zudem erst durch rechtliche Instrumente wie Compliance-Vorgaben, Kontrollen und Sanktionen wirksam durchsetzen. Schließlich trägt das Recht auch zur Legitimation staatlicher Eingriffe bei, etwa im Rahmen von Maßnahmen zur Pandemieprävention und -eindämmung.

Projekte

T!Raum One-Health-Region Vorpommern

Die One-Health-Region Vorpommern ist ein offenes regionales Netzwerk. In der One-Health-Region wird die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit bei allen wirtschaftlichen, politischen, sozialen und rechtlichen Entscheidungen berücksichtigt. Das Ziel der One-Health-Region Vorpommern ist die regionale Förderung der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. 

Weitere Projekte mit One-Health-Bezug

  • Standardisierte One Health Surveillance von Antibiotikarückständen und Antibiotika- und Schwermetallresistenzen in Wasser und Wildvögeln im Ostseeraum (BALTIC-AMR)
  • Host-microbiome ecology in the face of environmental exposures
  • Antivirus Pandemic Preparedness European Platform (APPEAL)
  • Identification of novel viral entry factors and development of antiviral approaches (DEFENDER)
  • Comparative investigation of antimicrobial-resistant pathogens in Kenya and Germany (KenGe)
  • Wildlife disease monitoring in Mecklenburg-Western Pomerania (MVP) through an integrated One Health surveillance-response system (WiMoPOH) (Leendertz, Calvignac-Spencer, Schaufler)
  • Disarming pathogens as a different strategy to fight antimicrobial-resistant Gram-negatives (DISPATch_MRGN)

Relevante Studiengänge

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Partnerinstitutionen und Netzwerke